20 Jahre PC: Geburt im Lagerhaus
Von Henry Lübberstedt, Hamburg
Die Geschichte des erfolgreichsten Personal Computers überhaupt begann in einem maroden Lagerhaus mit undichten Fenstern, fehlerhaften Klimaanlage und löchrigem Dach.
Doch geregnet hat es ohnehin nur selten. Der Schuppen stand in Boca Raton, in den frühen 80ern ein verschlafenes Nest an der Küste Floridas mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 22 Grad Celsius, bevölkert von vielen Rentnern und noch mehr Angestellten der International Business Maschine Corporation. IBM hatte hier ihr Hauptquartier. Das Lagerhaus gehörte wohl offiziell nicht dazu. In höchster Geheimhaltung entwickelte hier eine Gruppe von zwölf Chiptechnikern und Ingenieuren jenes Gerät, das bereits wenige Jahre später das Leben der meisten Menschen in den Industrienationen verändern sollte.
Zu Beginn der Arbeiten Ende 1980 ahnte bei IBM niemand, dass man den Grundstein einiger bis heute geltender PC-Standards legte. Es war vielmehr der verzweifelte Versuch, in einen Markt einzudringen, den bereits andere zu besetzen drohten: das Geschäft mit den persönlichen Computern für Beruf und Privatanwender. Eine für IBM bis dahin unbekannte Zielgruppe. Bisher verkaufte das wegen seines Logos auch "Big Blue" genannte Unternehmen ausschließlich Großcomputer mit angeschlossenen Terminals und klobige Minicomputer sowie den dazugehörigen Service.
Homecomputer verändern den Markt
Seit Anfang 1977 etablierte sich indes neben der Welt der Großrechner ein Markt für so genannte Homecomputer. Der ein Jahr zuvor gegründete Computerhersteller Apple brachte seinen Apple-I heraus, der Tandy TRS-80 erschien, es folgten der PET von Commodore sowie der VCS 2600 von Atari. Fertige Software gab es so gut wie keine, die meist technikbegeisterten Käufer programmierten selbst: Und das ging mit den kleinen Rechnern einfacher als je zuvor. Doch selbst mit diesem eng begrenzten Kundenkreis setzten die Hersteller weit mehr Homecomputer ab, als sie nach eigenen Angaben vermuteten. 1981 hatte Apple einen Marktanteil von 23 Prozent, Tandy kam auf 16 Prozent und Commodore auf zehn. Zusammen setzten sie rund 2,4 Mrd. $ um.
Der junge Markt schien großes Potenzial zu besitzen. Und neue Wachstumsfelder hatte IBM Anfang der 80er Jahre dringend nötig. Das Geschäft mit den Großcomputern lief längs nicht mehr so gut wie in den frühen 70er Jahren, zudem litt der Konzern unter seiner aufgeblähten, unflexiblen Bürokratie sowie unter den Auflagen eines Kartellverfahrens von 1969.
Der damalige IBM-Chef John Opel war unter Zugzwang. Resigniert stellte er auf einer Krisensitzung im August 1979 fest, dass IBM für einen Einstieg in den Homecomputer-Markt nicht gerüstet sei. Angesichts der rasant steigenden Verkaufszahlen der kleinen Computer drohte IBM schon in zwei Jahren, lediglich einer von vielen Anbietern in diesem Segment zu sein. Doch diese Zeit benötigte man mindestens zur Entwicklung eines eigenen PC. Dabei war noch nicht einmal sicher, ob das Gerät überhaupt mit den Niedrigpreisen der Apples und Tandys konkurrieren könnte.
Gut für den PC, schlecht für IBM
IBM-Manager Bill Lowe hielt einen solchen Computer jedoch für möglich, wenn er die IBM-Bürokratie umgehen könnte. Ein halbes Jahr später erhielt er den Auftrag für das Projekt "Chess": Die Entwicklung eines preisgünstigen Mikrocomputers, vergleichbar mit dem Modell von Apple. Er hatte 30 Tage Zeit, einen Prototypen zu präsentieren. Lowe fuhr mehrgleisig. Er bildete drei für IBM-Verhältnisse kleine Teams, die in Konkurrenz zueinander unter dem Codenamen "Acorn" den künftigen IBM-PC entwickeln sollten. Gewonnen hat das Team in der heruntergekommenen Lagerhalle unter Führung von Philip D. "Don" Estridge. Der langjährige IBM-Mitarbeiter gilt seither als "Vater" des IBM-PCs.
Estridge und der Cheftechniker Lew Eggebrecht bauten ein System aus Standard-Computerbauteilen, die auch andere Hersteller verwendeten. Das reduzierte die Kosten erheblich. Da möglichst viele Firmen Zusatzgeräte für den PC entwickeln sollten, wurde zudem eine ausführliche Dokumentation der eingesetzten Technik vorbereitet. Entscheidungen, die zwar Jahre später den PC zum Standard machen, jedoch IBM letztendlich die Marktführung bei PC kosten sollten.
Als Prozessor kam ein mit 4,77 Mhz getakteter 8088er von Intel zum Einsatz. Ein 16Bit-Prozessor, der jedoch über 8Bit-Leitungen mit den angeschlossenen Bauteilen kommunizierte. Ein echter 16Bit-Prozessor wäre zu teuer gewesen. Das einzige Bauteil von IBM im neuen PC war das "Basic Input-Output-System" kurz BIOS. Ein Chip, der die grundlegenden Routinen zum Starten des Computers und zum Ansprechen der angeschlossenen Hardware beinhaltete. Damit glaubte sich IBM weitgehend sicher vor Nachbauten durch andere Hersteller. Ein Trugschluss, wie sich bereits kurze Zeit später zeigen sollte.
Durch Zufall zu Microsoft
Um Geld zu sparen, wollte IBM das Betriebssystem für den PC nicht selbst entwickeln. Vielmehr sollte das damals unter den 8Bit-Homecomputern weiterverbreite Betriebssystem CP/M von Digital Research dem IBM-PC angepasst werden. Dass Firmenchef Gary Kildall den möglicherweise Auftrag seines Lebens nicht erhielt, verdankt er einer Legende zufolge seiner Frau und seinem Anwalt. Als die IBM-Truppe vor Kildalls Haustür stand, war er nicht da. Seine Frau weigerte sich auf Anraten ihres Anwalts, die von den IBM-Mitarbeitern geforderte Verschwiegensheitserklärung zu unterschreiben. Ohne diese Erklärung durften die IBM-Mitarbeiter jedoch noch nicht einmal sagen, um was es geht. Sie zogen unverrichteter Dinge wieder ab und reisten zu Microsoft nach Seattle.
Microsoft sollte ursprünglich nur seine Programmiersprache "Basic" für den IBM-PC zur Verfügung stellen. Da die Verhandlungen mit Digital Research gescheitert waren, fragten die IBM-Vertreter, ob Microsoft nicht auch die Betriebssoftware bereitstellen könne. Der damals 24-jährige Microsoft-Chef Bill Gates, den die Vertreter zunächst für den Büroboten gehalten haben sollen, sagte erst einmal zu. Dann begann wahrscheinlich eine panische Suche nach dem versprochenen Betriebssystem, das Microsoft gar nicht hatte. Schließlich kaufte Gates zwei Wochen vor der ersten Präsentation des PCs für 50.000 $ die Rechte am Betriebssystem QDos von Seattle Computer. Den Chefentwickler warb er gleich mit ab. Nach leichten Änderungen wurde die Software in MS-DOS umgetauft und zum Standard-Betriebssystem von IBM-PCs.
PC-Debüt - die einen überrascht, die anderen erschrocken
Am Mittwoch, dem 12. August 1981, präsentierte Don Estrigde im Starlight Ball Room des New Yorker Waldorf Astoria den IBM-Personal-Computer der Öffentlichkeit. Der erste Computer von IBM unter 10.000 $. Für 2880 $ erhielt der Kunde einen mit 4,77 Megahertz getakteten 8088er, 64 Kilobyte Arbeitsspeicher sowie ein Laufwerk für 5,25 Zoll-Disketten mit 160 Kilobyte Speichervermögen. Der optionale 11,5 Zoll Monitor kannte nur die Farben grün und schwarz. Als Anwendung gab es für den "Kleinen von IBM" die Tabellenkalkulation VisiCalc sowie die Textverarbeitung Easywriter.
Einen Vorgeschmack darauf, wie der neue IBM-PC bei den Händlern ankommen würde, war bereits einen Tag vor der Päräsentation abzusehen. Am 11. August zeigte IBM ihren neusten Computer bereits auf einer Veranstaltung von Computernhänder in Toronto. Bereits eine Stunde später orderten die anwesenden Händler rund 250.000 PC. Ungefähr die gleiche Zahl an Vorbestellungen nahm Big Blue unmittelbar nach der Pressekonferenz im Walldorf Astoria entgegen.
Vom Erfolg der neuen Machine wurde IBM selbst überrascht. "Unsere ersten Prognosen gingen von einem Absatz von 275.000 Stück in fünf Jahren aus, dass haben wir schließlich pro Monat verkauft", erinnert sich David Bradley, ein Mitglied der Estridge-Truppe. Die Marktforscher von IDC meinten gar, die Computergeschichte müsse aufgeteilt werden – in eine mit und eine ohne IBM-PC.
Die Mitbewerber allen voran Apple, konnten die große Resonanz nicht fassen. Ein Apple-Entwickler sagte nach der ersten Untersuchungen des PC: "Wir fanden es zunächst peinlich, wie schlecht der PC war. Dann versetzte uns der Erfolg jedoch in Schrecken." Wie sehr, mag vielleicht das Angebot von Apple-Chef Steve Jobs verdeutlichen. Er wollte Estridge in den Apple-Vorstand holen – für zwei Mio. $ Jahresgehalt plus der gleichen Summe für ein neues Haus.
Der langjährige IBM-Manager lehnte ab. Statt dessen baute er die neu gegründete Entry Level Division von IBM in Boca Raton aus, forcierte neue PC-Modelle und nabelte seine Abteilung immer mehr von der IBM-Mutter ab. Die "Computerwoche" schrieb 1983 Estridge gar "Gewaltakte gegen die Konzern-Mutter" zu, da er die neuen PC-Modelle gegen traditionelle Produkte von IBM platzierte. Altgediente IBM-Terminalverkäufer würden "mit dem Rücken zu Wand" stehen, da sie gegen den PC keine Argumente hätten, so das Branchenblatt. Don Estrigde hat den Siegeszug seines "Kindes" indes nur kurz verfolgen können. Er kam 1985 zusammen mit seiner Frau bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.
Die Stunde Compaqs
IBM bescherte der PC vergleichsweise kurz steigende Gewinne. Bereits ein gutes Jahr nach Einführung des ersten IBM-PC hat sich ein amerikanischer Hersteller sozusagen den Nachbau der IBM-PC in den Firmennamen geschrieben: Compaq - eine Wortzusammensetzung aus "Kompatibler Qualität". Das Unternehmen umging das urheberrechtlich geschützte BIOS von IBM durch eine eigenständige, doch kompatible Version. Nicht einmal zwei Jahre nach der PC-Geburt im Lagerhaus begann das, was bis heute den PC-Markt beherrscht – der Preiskrieg.
Sehr schnell konnte Compaq mit seinen PC-Nachbauten IBM im Preis um ein Drittel unterbieten. "Klone" aus Asien kosteten häufig weniger als die Hälfte eines originalen IBM-PC. Innovative Anbieter wie beispielsweise Commodore, Atari und Tandy veschwanden vom Markt. IBM besann sich in den 90ern mit seinen PC wieder auf seine Firmenkunden und überließ das Endkundengeschäft weitgehend Anbietern wie Compaq, Gateway oder Dell.
Von Henry Lübberstedt, Hamburg
Die Geschichte des erfolgreichsten Personal Computers überhaupt begann in einem maroden Lagerhaus mit undichten Fenstern, fehlerhaften Klimaanlage und löchrigem Dach.
Doch geregnet hat es ohnehin nur selten. Der Schuppen stand in Boca Raton, in den frühen 80ern ein verschlafenes Nest an der Küste Floridas mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 22 Grad Celsius, bevölkert von vielen Rentnern und noch mehr Angestellten der International Business Maschine Corporation. IBM hatte hier ihr Hauptquartier. Das Lagerhaus gehörte wohl offiziell nicht dazu. In höchster Geheimhaltung entwickelte hier eine Gruppe von zwölf Chiptechnikern und Ingenieuren jenes Gerät, das bereits wenige Jahre später das Leben der meisten Menschen in den Industrienationen verändern sollte.
Zu Beginn der Arbeiten Ende 1980 ahnte bei IBM niemand, dass man den Grundstein einiger bis heute geltender PC-Standards legte. Es war vielmehr der verzweifelte Versuch, in einen Markt einzudringen, den bereits andere zu besetzen drohten: das Geschäft mit den persönlichen Computern für Beruf und Privatanwender. Eine für IBM bis dahin unbekannte Zielgruppe. Bisher verkaufte das wegen seines Logos auch "Big Blue" genannte Unternehmen ausschließlich Großcomputer mit angeschlossenen Terminals und klobige Minicomputer sowie den dazugehörigen Service.
Homecomputer verändern den Markt
Seit Anfang 1977 etablierte sich indes neben der Welt der Großrechner ein Markt für so genannte Homecomputer. Der ein Jahr zuvor gegründete Computerhersteller Apple brachte seinen Apple-I heraus, der Tandy TRS-80 erschien, es folgten der PET von Commodore sowie der VCS 2600 von Atari. Fertige Software gab es so gut wie keine, die meist technikbegeisterten Käufer programmierten selbst: Und das ging mit den kleinen Rechnern einfacher als je zuvor. Doch selbst mit diesem eng begrenzten Kundenkreis setzten die Hersteller weit mehr Homecomputer ab, als sie nach eigenen Angaben vermuteten. 1981 hatte Apple einen Marktanteil von 23 Prozent, Tandy kam auf 16 Prozent und Commodore auf zehn. Zusammen setzten sie rund 2,4 Mrd. $ um.
Der junge Markt schien großes Potenzial zu besitzen. Und neue Wachstumsfelder hatte IBM Anfang der 80er Jahre dringend nötig. Das Geschäft mit den Großcomputern lief längs nicht mehr so gut wie in den frühen 70er Jahren, zudem litt der Konzern unter seiner aufgeblähten, unflexiblen Bürokratie sowie unter den Auflagen eines Kartellverfahrens von 1969.
Der damalige IBM-Chef John Opel war unter Zugzwang. Resigniert stellte er auf einer Krisensitzung im August 1979 fest, dass IBM für einen Einstieg in den Homecomputer-Markt nicht gerüstet sei. Angesichts der rasant steigenden Verkaufszahlen der kleinen Computer drohte IBM schon in zwei Jahren, lediglich einer von vielen Anbietern in diesem Segment zu sein. Doch diese Zeit benötigte man mindestens zur Entwicklung eines eigenen PC. Dabei war noch nicht einmal sicher, ob das Gerät überhaupt mit den Niedrigpreisen der Apples und Tandys konkurrieren könnte.
Gut für den PC, schlecht für IBM
IBM-Manager Bill Lowe hielt einen solchen Computer jedoch für möglich, wenn er die IBM-Bürokratie umgehen könnte. Ein halbes Jahr später erhielt er den Auftrag für das Projekt "Chess": Die Entwicklung eines preisgünstigen Mikrocomputers, vergleichbar mit dem Modell von Apple. Er hatte 30 Tage Zeit, einen Prototypen zu präsentieren. Lowe fuhr mehrgleisig. Er bildete drei für IBM-Verhältnisse kleine Teams, die in Konkurrenz zueinander unter dem Codenamen "Acorn" den künftigen IBM-PC entwickeln sollten. Gewonnen hat das Team in der heruntergekommenen Lagerhalle unter Führung von Philip D. "Don" Estridge. Der langjährige IBM-Mitarbeiter gilt seither als "Vater" des IBM-PCs.
Estridge und der Cheftechniker Lew Eggebrecht bauten ein System aus Standard-Computerbauteilen, die auch andere Hersteller verwendeten. Das reduzierte die Kosten erheblich. Da möglichst viele Firmen Zusatzgeräte für den PC entwickeln sollten, wurde zudem eine ausführliche Dokumentation der eingesetzten Technik vorbereitet. Entscheidungen, die zwar Jahre später den PC zum Standard machen, jedoch IBM letztendlich die Marktführung bei PC kosten sollten.
Als Prozessor kam ein mit 4,77 Mhz getakteter 8088er von Intel zum Einsatz. Ein 16Bit-Prozessor, der jedoch über 8Bit-Leitungen mit den angeschlossenen Bauteilen kommunizierte. Ein echter 16Bit-Prozessor wäre zu teuer gewesen. Das einzige Bauteil von IBM im neuen PC war das "Basic Input-Output-System" kurz BIOS. Ein Chip, der die grundlegenden Routinen zum Starten des Computers und zum Ansprechen der angeschlossenen Hardware beinhaltete. Damit glaubte sich IBM weitgehend sicher vor Nachbauten durch andere Hersteller. Ein Trugschluss, wie sich bereits kurze Zeit später zeigen sollte.
Durch Zufall zu Microsoft
Um Geld zu sparen, wollte IBM das Betriebssystem für den PC nicht selbst entwickeln. Vielmehr sollte das damals unter den 8Bit-Homecomputern weiterverbreite Betriebssystem CP/M von Digital Research dem IBM-PC angepasst werden. Dass Firmenchef Gary Kildall den möglicherweise Auftrag seines Lebens nicht erhielt, verdankt er einer Legende zufolge seiner Frau und seinem Anwalt. Als die IBM-Truppe vor Kildalls Haustür stand, war er nicht da. Seine Frau weigerte sich auf Anraten ihres Anwalts, die von den IBM-Mitarbeitern geforderte Verschwiegensheitserklärung zu unterschreiben. Ohne diese Erklärung durften die IBM-Mitarbeiter jedoch noch nicht einmal sagen, um was es geht. Sie zogen unverrichteter Dinge wieder ab und reisten zu Microsoft nach Seattle.
Microsoft sollte ursprünglich nur seine Programmiersprache "Basic" für den IBM-PC zur Verfügung stellen. Da die Verhandlungen mit Digital Research gescheitert waren, fragten die IBM-Vertreter, ob Microsoft nicht auch die Betriebssoftware bereitstellen könne. Der damals 24-jährige Microsoft-Chef Bill Gates, den die Vertreter zunächst für den Büroboten gehalten haben sollen, sagte erst einmal zu. Dann begann wahrscheinlich eine panische Suche nach dem versprochenen Betriebssystem, das Microsoft gar nicht hatte. Schließlich kaufte Gates zwei Wochen vor der ersten Präsentation des PCs für 50.000 $ die Rechte am Betriebssystem QDos von Seattle Computer. Den Chefentwickler warb er gleich mit ab. Nach leichten Änderungen wurde die Software in MS-DOS umgetauft und zum Standard-Betriebssystem von IBM-PCs.
PC-Debüt - die einen überrascht, die anderen erschrocken
Am Mittwoch, dem 12. August 1981, präsentierte Don Estrigde im Starlight Ball Room des New Yorker Waldorf Astoria den IBM-Personal-Computer der Öffentlichkeit. Der erste Computer von IBM unter 10.000 $. Für 2880 $ erhielt der Kunde einen mit 4,77 Megahertz getakteten 8088er, 64 Kilobyte Arbeitsspeicher sowie ein Laufwerk für 5,25 Zoll-Disketten mit 160 Kilobyte Speichervermögen. Der optionale 11,5 Zoll Monitor kannte nur die Farben grün und schwarz. Als Anwendung gab es für den "Kleinen von IBM" die Tabellenkalkulation VisiCalc sowie die Textverarbeitung Easywriter.
Einen Vorgeschmack darauf, wie der neue IBM-PC bei den Händlern ankommen würde, war bereits einen Tag vor der Päräsentation abzusehen. Am 11. August zeigte IBM ihren neusten Computer bereits auf einer Veranstaltung von Computernhänder in Toronto. Bereits eine Stunde später orderten die anwesenden Händler rund 250.000 PC. Ungefähr die gleiche Zahl an Vorbestellungen nahm Big Blue unmittelbar nach der Pressekonferenz im Walldorf Astoria entgegen.
Vom Erfolg der neuen Machine wurde IBM selbst überrascht. "Unsere ersten Prognosen gingen von einem Absatz von 275.000 Stück in fünf Jahren aus, dass haben wir schließlich pro Monat verkauft", erinnert sich David Bradley, ein Mitglied der Estridge-Truppe. Die Marktforscher von IDC meinten gar, die Computergeschichte müsse aufgeteilt werden – in eine mit und eine ohne IBM-PC.
Die Mitbewerber allen voran Apple, konnten die große Resonanz nicht fassen. Ein Apple-Entwickler sagte nach der ersten Untersuchungen des PC: "Wir fanden es zunächst peinlich, wie schlecht der PC war. Dann versetzte uns der Erfolg jedoch in Schrecken." Wie sehr, mag vielleicht das Angebot von Apple-Chef Steve Jobs verdeutlichen. Er wollte Estridge in den Apple-Vorstand holen – für zwei Mio. $ Jahresgehalt plus der gleichen Summe für ein neues Haus.
Der langjährige IBM-Manager lehnte ab. Statt dessen baute er die neu gegründete Entry Level Division von IBM in Boca Raton aus, forcierte neue PC-Modelle und nabelte seine Abteilung immer mehr von der IBM-Mutter ab. Die "Computerwoche" schrieb 1983 Estridge gar "Gewaltakte gegen die Konzern-Mutter" zu, da er die neuen PC-Modelle gegen traditionelle Produkte von IBM platzierte. Altgediente IBM-Terminalverkäufer würden "mit dem Rücken zu Wand" stehen, da sie gegen den PC keine Argumente hätten, so das Branchenblatt. Don Estrigde hat den Siegeszug seines "Kindes" indes nur kurz verfolgen können. Er kam 1985 zusammen mit seiner Frau bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.
Die Stunde Compaqs
IBM bescherte der PC vergleichsweise kurz steigende Gewinne. Bereits ein gutes Jahr nach Einführung des ersten IBM-PC hat sich ein amerikanischer Hersteller sozusagen den Nachbau der IBM-PC in den Firmennamen geschrieben: Compaq - eine Wortzusammensetzung aus "Kompatibler Qualität". Das Unternehmen umging das urheberrechtlich geschützte BIOS von IBM durch eine eigenständige, doch kompatible Version. Nicht einmal zwei Jahre nach der PC-Geburt im Lagerhaus begann das, was bis heute den PC-Markt beherrscht – der Preiskrieg.
Sehr schnell konnte Compaq mit seinen PC-Nachbauten IBM im Preis um ein Drittel unterbieten. "Klone" aus Asien kosteten häufig weniger als die Hälfte eines originalen IBM-PC. Innovative Anbieter wie beispielsweise Commodore, Atari und Tandy veschwanden vom Markt. IBM besann sich in den 90ern mit seinen PC wieder auf seine Firmenkunden und überließ das Endkundengeschäft weitgehend Anbietern wie Compaq, Gateway oder Dell.