gut, dass ich nicht mehr auf der Uni bin...

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Deutsche Studenten überrennen Ösi-Unis

Von Benedikt Mandl

Ein EU-Urteil hat Österreichs Studienanfänger aus dem Paradies vertrieben. Die Unis müssen nun auch Numerus-clausus-Flüchtlinge der europäischen Nachbarn aufnehmen. Seither heißt es: Die Piefkes kommen - und meist sind es die mit den schlechten Noten.

Das Wintersemester an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg ließ sich wie gewohnt an: Das Foyer in kühlem Untersbergmarmor wird noch immer von Studenten bevölkert, die lesend oder tratschend in Gruppen beisammen sitzen und tolldreist das Rauchverbot ignorieren. Der Tourismus dominiert die Stadt, und nach studentischer Subkultur muss man weiter mit der Lupe suchen.



DDP
Medizinstudenten (in Berlin): Österreich als Alternative
Und doch ist vieles anders in diesem Semester: Die Deutschen sind da - vor allem als Studienanfänger. "Es hochdeutscht mehr als in früheren Jahren", sagt Vlad Popa. Der Bayer studiert schon seit einigen Jahren in der Mozartstadt und macht unter den Neulingen verstärkt Landsleute aus.

Als Popa sein Studium begann, musste er noch belegen, dass ihm ein Studienplatz in seinem Heimatland - also Deutschland - zustand. Ohne diese Zusicherung waren EU-Ausländer von Österreichs Hochschulen stets abgewiesen worden. Diese Praxis hatte sich jahrelang bewährt, um die Alpenrepublik vor einem Ansturm deutscher Numerus-clausus-Flüchtlinge zu schützen.

Junge Österreicher lebten beim Hochschulzugang dagegen wie im Paradies: Wer das Abitur (Matura) bestand, konnte studieren, was immer er wollte - ohne Aufnahmeprüfungen, ohne Numerus clausus und ZVS. Ausländische Studenten, vor allem aus Deutschland, wurden dagegen abgeblockt. So studierten, relativ zur Bevölkerung, zehnmal so viele Österreicher in Deutschland wie umgekehrt.

Land unter an den Medizin-Unis

Das ging so lange gut, bis der Europäische Gerichtshof im Juli 2005 entschied, dass diese Regelung EU-Recht verletzt und nicht-österreichische EU-Bürger diskriminiert. Österreichs Bundesregierung musste daraufhin die rechtswidrige Protektion aufgeben.

Kaum hatte der Gerichtshof das Gesetz gekippt, strömten deutsche Bildungsflüchtlinge in Massen über die Grenze: Schon im November stöhnten zwölf Hochschulen in Österreich über einen Anstieg bei den Erstsemestern, insgesamt sah man sich mit 2200 Studienanfängern mehr als im Vorjahr konfrontiert - 1800 davon stammten aus Deutschland. Sie stürmten vor allem die medizinischen Hochschulen in Wien, Graz und Innsbruck. In Graz stellen die Deutschen in diesem Semester stolze 42 Prozent der Studienanfänger, ein Jahr zuvor waren es noch 2,7 Prozent - in absoluten Zahlen 622 statt 20 Erstsemester aus Deutschland.

"Mir persönlich is' das eigentlich wurscht", stichelt einer der Studenten im Salzburger Foyer gegen die Landsleute. "Dafür kommen jetzt weniger Oberösterreicher herein, dann riecht's wenigstens nimmer so nach Stall in der Mensa." Österreichs Bildungsministerin Elisabeth Gehrer sieht die Entwicklung dagegen weniger humoristisch. Sie will den Anteil der deutschen Studenten in den nächsten Jahren wieder nach unten drücken.

Kaum Reibereien zwischen den Studenten

Erstmals haben einzelne österreichischen Hochschulen auch Zulassungsbeschränkungen, etwa in Form von Eignungstests, verhängt. Deutsche und Österreicher finden sich so in direktem Wettbewerb um Studienplätze wieder - wie wirkt sich das auf das Zusammenleben im Unialltag aus?

"Ich muss sagen, dass ich wirklich mit mehr Negativem seitens meiner österreichischen Kollegen gerechnet hatte", sagt Martin Eggers. "Die Mehrheit der Einheimischen gibt uns nicht die Schuld an der Misere und nutzt uns auch nicht als Ventil für ihren Frust." Eggers studiert seit Oktober Psychologie an der Uni Innsbruck und bezeichnet sich selbst als typischen NC-Flüchtling.


PIEFKE-TEST:
VERSTEH DEN ÖSI!

[M] DPA; mm.de
In der ohnehin verzwickten Beziehung zwischen Österreichern und Deutschen kommt es immer wieder zu Verstimmungen, vor allem seit deutsche Studienbewerber zuhauf an die Unis des Nachbarlandes drängen. Der Ösi aber ist listig und wehrhaft. Sein Ausweg: der "Numerus austriacus" - dieser Spezialtest mit wunderschönen Austriazismaen siebt die ungeliebten Piefkes zuverlässig aus. Testen Sie im Quiz, wie trittsicher Sie auf alpinem Sprachterrain sind. Mehr...

Die Österreicher hält er mittlerweile für "das gutmütigste Volk der Welt". Selbst die Professoren seien sehr bemüht um das Wohlergehen der Neulinge aus dem Nachbarland. Und das, obwohl wegen des großen Andrangs fast alle Lehrveranstaltungen in größere Hörsäle ausgelagert werden müssen. Oder gar in angemietete Großraumkinos und Veranstaltungshallen wie unlängst in Wien.

Mit seiner Rolle als deutscher Studiosus in Österreich ist Eggers rundum zufrieden. Alles eitel Sonnenschein im Hochschulalltag? Auch wenn im direkten Kontakt die Harmonie überwiegt, sind viele österreichische Erstsemester von der deutschen Dominanz wenig entzückt.

"Wer kommt denn jetzt aus Deutschland nach Österreich?", schimpft ein Student der Uni Wien, der anonym bleiben möchte: "Vor allem die, die zu Hause keinen Studienplatz bekommen haben, weil ihre Noten zu schlecht waren. Da heißt es dann schnell, wer zu blöd für eine deutsche Uni ist, der geht eben nach Österreich."

NC-Flüchtlinge bedrohen das Niveau

Den Fehler sieht er im System. Durch den bisher offenen Hochschulzugang in Österreich wäre die aktive Diskriminierung von Deutschen notwendig gewesen, um die Gesamtzahl der Studienanfänger zu regulieren. Künftig werde man sich dem freien Wettbewerb stellen müssen. Zulassungsbeschränkungen, die für In- und Ausländer gleichermaßen gelten, seien nötig.

Bundesministerin Gehrer hat die Verantwortung für mögliche Zulassungsbeschränkungen den Hochschulen übertragen, die autonom über die Art der Auslese entscheiden können. Darüber hinaus sollen bilaterale Verträge mit Deutschland zu einer einvernehmlichen Lösung führen, etwa in Form von Zulassungsquoten.

"Wir wollen auf keinen Fall übertreiben, wir wollen Mobilität, wir haben an den Musik-Unis 40, 50 Prozent ausländische Studierende. Das ist gut so, aber wir brauchen genügend Platz für unsere jungen Leute", sagte die Bildungsministerin im Deutschlandradio. Bis auf weiteres sind Deutsche an Österreichs Unis willkommen - auch wenn ihre Noten für einen Studienplatz in Deutschland nicht reichen.  


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