Grüsse vom chinesischen Werkplatz

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Grüsse vom chinesischen Werkplatz quantas
quantas:

Grüsse vom chinesischen Werkplatz

7
26.10.06 11:24
#1

Es gibt mehr Lohn. Aber nicht für alle. Während die Schweizer Arbeitnehmer vom Aufschwung profitieren, gehen die Lohnbezüger in Deutschland, den USA oder Grossbritannien leer aus. Und dies bereits seit Jahren. Jetzt machen Ökonomen die Globalisierung für die Lohndepression verantwortlich.

Lange hielten Ökonomen und Politiker die Nebenwirkungen der Globalisierung für unbedenklich. Einige Industriearbeiter würden den Job verlieren - aber die Mehrheit der Arbeitnehmer würde profitieren. Die Erfahrungen der letzten Jahre wollen jedoch nicht in dieses Bild passen. Die Einkommen stagnieren in vielen Industriestaaten - oder sie fallen gar. Die Arbeitnehmer verlieren.

Die magersten Jahre haben die Amerikaner durchlebt. Der typische Arbeiter verdient heute real 4 Prozent weniger als vor fünf Jahren, obschon die Wirtschaft in derselben Zeit stark gewachsen ist. Nicht viel besser erging es den Briten. Die Gewinne erreichten letztes Jahr einen absoluten Rekord, dennoch sank der mittlere Lohn um inflationsbereinigte 0,4 Prozent. Die Einkommen in Deutschland und Japan hielten auch nur knapp mit der Inflation mit oder lagen darunter.

Jetzt fordern auch einflussreiche Stimmen ein Umdenken. Die traditionelle Handelstheorie gehöre revidiert, sagt Harvard-Ökonom Richard Freeman. Der Princeton-Professor Alan Blinder warnt, die Folgen der Arbeitsplatzverlagerungen würden vollkommen unterschätzt. Führende Meinungsblätter wie die «Financial Times» titeln «Die Globalisierung drückt die westlichen Löhne nieder». Und der «Economist» will «eine ehrlichere Debatte über den Handel».

Haben die Verfechter des Freihandels bisher nicht die Wahrheit gesagt? Zumindest nicht die ganze. Aus Furcht, den Gegnern der Globalisierung in die Hände zu spielen, haben orthodoxe Volkswirte die wahren gesellschaftlichen Kosten heruntergespielt, welche der Handel mit den aufkommenden Ländern mit sich bringt. Künftig wird ein nüchterner Blick auf den freien Handel nötig sein. Denn die Globalisierung hat ein bisher nicht da gewesenes Tempo und Ausmass angenommen.

Die schiere Grösse der Neuankömmlinge im Welthandel führt zu einmaligen Umwälzungen. Der Ökonom Freeman hat nachgerechnet. 1,5 Milliarden Arbeitnehmer drängen aus China, Indien und Russland neu in die Weltwirtschaft. Die Bekehrung der Staaten zum Kapitalismus hat den Weg für die Menschenmasse frei geräumt. 1,5 Milliarden sind ein Viertel der Weltbevölkerung. Damit verdoppelt sich der globale Pool an Arbeitskräften. Freeman diagnostiziert ein «globales Überangebot an Arbeit», welches auch die Löhne in den reichen Industriestaaten bedrohe.

Wie das? Die Globalisierung hat die westlichen Unternehmen von den Arbeitnehmern unabhängiger gemacht. Die Machtbalance hat sich zugunsten der Firmen verschoben. Die Firmen müssen noch nicht einmal tatsächlich die Produktion nach Polen verschieben. Die blosse Drohung genügt meist. In Deutschland haben mehrere Grossunternehmen mit den Angestellten tiefere Löhne ausgehandelt, um die Verlagerung nach Zentraleuropa zu verhindern.

Mit billigen Arbeitnehmern und Hightech gegen den Westen

Die neuen Kapitalisten kommen nicht nur in Massen. Sie bringen auch ausserordentlich gute Bildung mit. Jedes Jahr graduieren 1,2 Millionen Ingenieure und Wissenschafter an chinesischen oder indischen Universitäten. Etwa gleich viele, wie die USA, Europa und Japan gemeinsam produzieren.

Für den Westen bedeutet diese Bildungsoffensive, dass er es auch im Hightechsektor mit Billiglohnkonkurrenten zu tun bekommt. Denn die Neuen im Welthandel nutzen ihre erstklassigen Wissenschafter, um die technologische Leiter emporzuklettern und den westlichen Vorsprung zu verringern. In der traditionellen Handelstheorie war das so nicht vorgesehen. Die Chinesen hätten Hightechgüter aus dem Westen importieren und im Gegenzug Lowtechprodukte exportieren sollen. Stattdessen konkurrenzieren China und Co. den Westen bei technologisch hoch stehenden Dienstleistungen. Damit senken sie die Preise für solche Produkte auf den Weltmärkten und damit die Löhne von gut ausgebildeten Arbeitern in den Industriestaaten.

Noch vor Kurzem schien die Billiglohnkonkurrenz gut ausgebildeten westlichen Arbeitern kein Haar krümmen zu können. Dann kam das Outsourcing. Dank sinkender Telecomkosten können Arbeiter in abgelegenen Orten billig mit Kunden in der entwickelten Welt verbunden werden. Software kann in Indien produziert und im Westen verkauft werden. Gleiches gilt für Dienstleistungen wie Buchhaltung oder Unternehmensberatung. Und: Der Anteil der betroffenen Jobs wird weiter wachsen, weil sich die Informationstechnik und die Bildung in den Entwicklungsländern weiter verbessern. Selbst wenn die Firmen nur wenige Jobs outsourcen sollten. Die Drohung allein setzt die Arbeitnehmer bereits unter Druck.

Cash.ch

Grüsse vom chinesischen Werkplatz Pate100
Pate100:

weiss nicht ob man alles der sogennanten

2
26.10.06 11:44
#2
Globalisierung in die Schuhe schieben kann.

wie war das, nur ca. 15% der Kosten gehen auf die Lohnkosten zurück?!
Denke die Angst vor der Abwanderung ist etwas übertrieben! So schlimm ist
es wohl doch nicht. Gegenhalten muss man auch das wir ja durch Globalisierung
ja auch durch erhöhte Exporte profitieren.

Warum sinken die Löhne wirklich? vielleicht durch ganz banale Dinge wie
Shareholder Value, Gewinnmaximierung sprich unseren „geliebten“ Turbokapitalismus
made in USA?



Grüsse vom chinesischen Werkplatz .Juergen

Jetzt fordern auch einflussreiche Stimmen Umdenken

6
#3
umdenken?

welche alternativen gibt es?
zoll und handels-beschränkungen?, abschottung?

ein großer fehler war sicherlich auch
das wir high tech markenware in china und asien fertigen ließen
diese wurde abgekupfert und nachgebaut...
sodaß diese firmen ihren vorsprung eingebüßt haben
und nun mit den nachbauten ihrer eigenen produkte konkurieren müßen.


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