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Nur ein erzieherischer Klaps"
Grundschullehrerin schlug elfjährige Schülerin: 4500 Euro Geldstrafe
von Michael Mielke

Wer hat nicht schon einmal die Nerven verloren? Auch Lehrern kann das passieren. Und so hätte es im Moabiter Kriminalgericht ein schneller Prozeß werden können - gäbe es nicht diese seltsame Haltung der am Ende wegen Körperverletzung im Amt zu 4500 Euro Geldstrafe verurteilten Gabriele Z.


Am 2. Februar gab die 52jährige in einer Reinickendorfer Grundschule Unterricht im Fach Naturwissenschaft. Es war die siebte Stunde einer fünften Klasse. Die Kinder waren sehr unruhig. Ein Mädchen, erinnerte sich Gabriele Z., habe sogar versucht, mit einem Stuhl zu schmeißen. Und gerade, als ein wenig Ruhe eingekehrt sei, habe unmittelbar vor ihr Yasmin zu sprechen begonnen. Worauf sie der Elfjährigen, die als ruhig gilt und vorher auch nicht gestört hatte, das Lehrbuch für Naturkunde auf den Kopf "fallen gelassen" habe. Es seien dann, so die Lehrerin, bei Yasmin "einige Tränen gekullert". Deswegen habe sie sich nach dem Unterricht auch bei ihr erkundigt, ob alles in Ordnung sei. Abends hatte sie zudem bei Yasmins Mutter angerufen. Aber nicht etwa aus Reue, sondern weil es eine Drohung gegeben habe: Hatte eine Mitschülerin doch sofort "Das gibt eine Anzeige!" gerufen.


Yasmins alleinerziehende Mutter erstattete in der Tat Anzeige. Brüskiert, wie sie vor Gericht erzählte, weil man ihr in der Schule gesagt habe, sie solle sich nicht so haben und die Entschuldigung der Lehrerin annehmen. Und erregt, weil sich Yasmin nach dem Schlag mit dem Buch unwohl gefühlt und unter Kopfschmerzen gelitten habe. Auch vor Gericht war das Mädchen noch immer erschüttert, brach sogar in Tränen aus. Sie habe ihren Banknachbarn doch nur nach der richtigen Seite im Lehrbuch befragt, sagte sie. Der Elfjährige bestätigte das: Dann habe es "plötzlich geklatscht" und Yasmin sei sehr erschrocken gewesen.


Ein Arzt hielt damals sogar eine leichte Gehirnerschütterung für möglich. Das mag übertrieben sein, und es ist wohl eher der Richterin zu folgen, die von einer Kränkung sprach, "die sicher schmerzhafter war, als die physischen Folgen". Es könne nicht sein, sagte sie, "daß Kinder wegen solcher Erlebnisse Angst haben, zur Schule zu gehen." Gerade dort müsse es "verläßliche Bezugspersonen" geben.


Gabriele Z. hätte das bestätigen und von einem dummen Ausrutscher sprechen können, der sich nicht wiederholen werde. Statt dessen betonte sie, daß sie es sich kaum vorstellen könne, daß Yasmin Kopfschmerzen bekommen habe. Und auch die Meinung ihres Verteidigers: "Das war kein Delikt, sondern ein erzieherischer Klaps, wie er sich an der Schule jeden Tag ereignet" blieb von der Grundschullehrerin unwidersprochen


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