Glatzköpfe hoffen auf Labor-Haar

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Glatzköpfe hoffen auf Labor-Haar Meier

Glatzköpfe hoffen auf Labor-Haar

 
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Um auf Glatzen wieder Haare sprießen zu lassen, hilft bislang nur die Transplantation. Eine britische Firma versucht jetzt, Haarzellen mit Hilfe von Robotern zu vermehren und wieder einzupflanzen.

Wie Ersatzhaarzellen im Labor entstehen sollen
US-Präsidenten scheinen dagegen immun. Die Ahnengalerie deutscher Bundespräsidenten spiegelt dagegen schon eher die Realität: In Europa leidet fast jeder zweite Mann unter erblich bedingtem Haarausfall. Meist beginnt es an Stirn und Hinterkopf und breitet sich von dort weiter aus: Die Haare werden dünner, flaumiger und fallen schließlich aus. Obwohl das gesellschaftlich akzeptiert wird, finden sich viele Männer nicht so leicht mit den lichter werdenden Stellen ab. "Als ich zum ersten Mal im Spiegel die kahle Stelle am Hinterkopf entdeckte, habe ich sie einfach mit dunklem Filzstift übermalt", sagt ein 36-jähriger Betroffener aus Köln.

Hersteller von Haarwässern und anderen Mitteln gegen Haarausfall verdienen gut an dem Wunsch, das Haupthaar in ganzer Fülle zu erhalten. Allerdings müssen diese Mittel täglich angewendet werden, sonst fallen die Haare weiter aus.

Forscher versuchen daher seit einigen Jahren, bleibenden, gesunden Haarersatz im Labor zu züchten, der den Patienten implantiert werden kann und weitere Behandlungen überflüssig macht. Das Prinzip: Dem Patienten einige Haarfollikel entnehmen, die darin sitzenden lebenden Zellen in der Zellkultur vermehren und dann wieder in die Kopfhaut transplantieren - mit vielen einzelnen Mikroinjektionen für jedes neue Haar.

Hoffmanns Untersuchungen haben aber ergeben, dass bestimmte Zellen sehr vielversprechend sind: die sogenannten Tassenzellen, die nicht in der Haarwurzel selbst, sondern direkt daneben liegen. Der Arzt vermutet, dass dies die wirklichen Stammzellen des Haares sind, die einen gesunden Haarschaft hervorbringen können. "Sollte die Vermehrung im Labor irgendwann funktionieren, wäre dies ein wirklicher Meilenstein in der Behandlung von Haarausfall. Aber so weit ist es noch nicht."


Erste Erfolge

Die auf Haut-Gewebe-Zucht spezialisierte Firma Intercytex behauptet allerdings, diesen Meilenstein schon hinter sich gelassen zu haben. In einer klinischen Phase-I-Studie entnahmen Chirurgen sieben Männern mit lichtem Haar ein kleines Stück Kopfhaut aus dem Bereich des Nackens. Dann wurden die Haarwurzel-Zellen im Labor tausendfach vermehrt und anschließend in Form von hundert Mikroinjektionen in die Kopfhaut der Studienteilnehmer zurückverpflanzt. "Bei fünf von ihnen verbesserte sich der Haarwuchs. Im Durchschnitt wuchsen bei hundert Injektionen 50 bis 60 neue Haare", sagt Nick Higgins, Geschäftsführer von Intercytex.

Mit einer Forschungsförderung von 1,85 Mio. £ vom britischen Industrie- und Handelsministerium erprobt die Firma jetzt diese Züchtung von Haarzellen in industriellem Maßstab. Als Helfer dient dabei ein handelsüblicher Laborroboter, der auf die Hege von Zellkulturen spezialisiert ist. "Dieser Roboter führt die vielen aufwendigen Schritte bei der Zucht zuverlässig durch.", sagt Higgins. "Er kann bis zu 200 Zellkulturen von verschiedenen Patienten versorgen und garantiert, dass sie nicht vermischt werden." Derzeit wird die Methode an 20 weiteren Männern getestet, unter ihnen solche mit klar sichtbaren kahlen Stellen. Sie sollen je 1000 Injektionen erhalten.


Kahlköpfe sind keine Potenzprotze

Die so vermehrten Kopfhautzellen haben ihren unproduktiv gewordenen Verwandten aus der Gegend der Geheimratsecken etwas voraus: Sie sind unempfindlich gegen Dihydrotestosteron (DHT), einer abgewandelten Form des männlichen Geschlechtshormons Testosteron. Dabei spielt die Konzentration des Hormons keine Rolle: Männliche Kahlköpfe sind keine Potenzprotze, und Frauen, die ebenfalls betroffen sein können, sind wegen der fehlenden Haare nicht etwa besonders männlich.

DHT greift die Haarwurzel an, wenn ihm dort ein bestimmter Rezeptor die Tür öffnet. Nach und nach verkümmert die Haarwurzel, produziert erst nur noch dünnes und schließlich gar kein Haar mehr. Ein Blick auf den von einem Haarkranz umrahmten blanken Schädel eines Mannes zeigt aber: In der Regel fallen nicht alle Haupthaare dem Hormonangriff zum Opfer. Vor allem an der Unterseite des Hinterkopfs wachsen Haare, deren Wurzeln keine DHT-Rezeptoren besitzen und die somit natürlicherweise verschont bleiben. Genau auf diese Haare haben es die britischen Gewebezüchter abgesehen.

Zweifel an der Methode

Der Düsseldorfer Chirurg Frank Neidel, seit Jahren auf Eigenhaartransplantationen spezialisiert, sieht das Ganze skeptisch. "Ich würde gern Vorher-Nachher-Bilder sehen, die zeigen, was die Behandlung wirklich gebracht hat." Tatsächlich gibt Nick Higgins von Intercytex zu: "Ich habe keine Ahnung, wie die behandelten Studienteilnehmer jetzt aussehen."

Frank Neidel kennt den großen Bedarf nach Haarersatz genau. Seine Spezialität ist die Umverteilung der verbliebenen DHT-resistenten Haarreste seiner Patienten, chirurgisch, in Handarbeit. Je nach Größe der Glatze kostet die Eigenhaarverpflanzung zwischen 3000 und 8000 Euro. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten selten, denn die Haartransplantation gilt grundsätzlich als Schönheitsoperation. Deshalb empfiehlt Neidel seinen Patienten als Erstes immer die einfachste Lösung: "Haare kurz schneiden und zur Glatze stehen."



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