Geschichten zum Nachdenken

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Geschichten zum Nachdenken denkidee
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Geschichten zum Nachdenken

3
28.10.06 10:43
#1
Arche Noah, damals und heute

Nach vielen Jahren sah Gott wieder einmal auf die Erde. Die Menschen waren verdorben und gewalttätig und er beschloss, sie zu vertilgen, genau so, wie er es vor langer langer Zeit schon einmal getan hatte.

Er sprach zu Noah: 'Noah, bau mir noch einmal eine Arche aus Zedernholz, so wie damals: 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch. Ich will eine zweite Sintflut über die Erde bringen. Die Menschen haben nichts dazu gelernt. Du aber gehe mit deiner Frau, deinen Söhnen und deren Frauen in die Arche und nimm von allen Tieren zwei mit, je ein Männchen und ein Weibchen. In sechs Monaten werde ich den großen Regen schicken.'

Noah stöhnte auf; musste das denn schon wieder sein? Wieder 40 Tage Regen und 150 unbequeme Tage auf dem Wasser mit all den lästigen Tieren an Bord und ohne Fernsehen! Aber Noah war gehorsam und versprach, alles genau so zu tun, wie Gott ihm aufgetragen hatte.

Nach sechs Monaten zogen dunkle Wolken auf und es begann zu regnen.

Noah sah in seinem Vorgarten und weinte und, da war keine Arche.

'Noah', rief der Herr, 'Noah, wo ist die Arche?'

Noah blickte zum Himmel und sprach: 'Herr, sei mir gnädig' und verstummte.

Gott fragte abermals: 'Wo ist die Arche, Noah?'

Da trocknete Noah seine Tränen und sprach: 'Herr, was hast du mir angetan?

Als Erstes beantragte ich beim Landkreis eine Baugenehmigung. Die dachten zuerst, ich wollte einen extravaganten Schafstall bauen. Die kamen mit der ausgefallenen Bauform nicht zurecht, denn an einen Schiffbau wollten sie nicht glauben.

Auch deine Maßangaben stifteten Verwirrung, weil niemand mehr weiß, wie lang eine Elle ist. Also musste mein Architekt einen neuen Plan entwerfen. Die Baugenehmigung wurde mir zunächst abgelehnt, weil eine Werft in einem Wohngebiet planungsrechtlich unzulässig sei. Nachdem ich dann endlich ein passendes Gewerbegrundstück gefunden hatte, gab es nur noch Probleme.

Im Moment geht es z. B. um die Frage, ob die Arche feuerhemmende Türen, eine Sprinkleranlage und einen Löschwassertank benötige. Auf einen Hinweis, ich hätte im Ernstfall rundherum genug Löschwasser, glaubten die Beamten, ich wollte mich über sie lustig machen. Als ich ihnen erklärte, das Wasser käme noch in großen Mengen, und zwar viel mehr als ich zum Löschen benötigte, brachte mir das den Besuch eines Arztes vom Landeskrankenhaus ein.

Er wollte von mir wissen, was ein Schiffbau auf dem Trockenen, fernab von jedem Gewässer, solle.

Die Bezirksregierung teilte mir daraufhin telefonisch mit, ich könnte ja gern ein Schiff bauen, müsste aber selbst zusehen, wie es zum nächsten größeren Fluss käme. Mit dem Bau eines Sperrwerks könnte ich nicht rechnen, nachdem der Ministerpräsident zurückgetreten sei. Dann rief mich noch ein anderer Beamter dieser Behörde an, der mir erklärte, sie seien inzwischen ein kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen und darum wolle er mich darauf hinweisen, dass ich bei der EU in Brüssel eine Werftbeihilfe beantragen könne; allerdings müsste der Antrag achtfach in den drei Amtssprachen eingereicht werden.

Inzwischen ist beim Verwaltungsgericht ein vorläufiges Rechtsschutzverfahren meines Nachbarn anhängig, der einen Großhandel für Tierfutter betreibt.

Der hält das Vorhaben für einen großen Werbegag - mein Schiffbau sei nur darauf angelegt, ihm Kunden abspenstig zu machen. Ich habe ihm schon zwei Mal erklärt, dass ich gar nichts verkaufen wolle.

Er hört mir gar nicht zu und das Verwaltungsgericht hat offenbar auch viel Zeit.

Die Suche nach dem Zedernholz habe ich eingestellt. Libanesische Zedern dürfen nicht mehr eingeführt werden. Als ich deshalb hier im Wald Bauholz beschaffen wollte, wurde mir das Fällen von Bäumen - unter Hinweis auf das Landeswaldgesetz verweigert. Dies schädige den Naturhaushalt und das Klima.

Außerdem sollte ich erst eine Ersatzaufforstung nachweisen. Mein Einwand, in Kürze werde es gar keine Natur mehr geben und das Pflanzen von Bäumen an anderer Stelle sei deshalb völlig sinnlos, brachte mir den zweiten Besuch des Arztes vom Landeskrankenhaus ein.

Die angeheuerten Zimmerleute versprachen mir schließlich, für das notwendige Holz selbst zu sorgen. Sie wählten jedoch erst einmal einen Betriebsrat.

Der wollte mit mir zunächst einen Tarifvertrag für den Holzschiffbau auf dem flachen Lande ohne Wasserkontakt aushandeln. Weil wir uns aber nicht einig wurden, kam es zu einer Urabstimmung und zum Streik.

Herr, weißt du eigentlich, was Handwerker heute verlangen? Wie soll ich denn das bezahlen?

Weil die Zeit drängte, fing ich schon einmal an, Tiere einzusammeln.

Am Anfang ging das noch ganz gut, vor allem die beiden Ameisen sind noch immer wohlauf. Aber seit ich zwei Tiger und zwei Schafe von der Notwendigkeit ihres gemeinsamen und friedlichen Aufenthaltes bei mir überzeugt hatte, meldete sich der örtliche Tierschutzverein und rügte die artwidrige Haltung.

Und mein Nachbar klagt auch schon wieder, weil er auch die Eröffnung eines Zoos für geschäftsschädigend hält.

Herr, ist dir eigentlich klar, dass ich auch nach der Europäischen Tierschutztransportverordnung eine Genehmigung brauche? Ich bin schon auf Seite 22 des Formulars und grüble im Moment darüber, was ich als Transportziel angeben soll.

Und wusstest du, dass z. B Geweih tragende Tiere während der Brunftzeit überhaupt nicht transportiert werden dürfen? Und die Hirsche sind ständig am Schnackseln, wie Fürstin Gloria sagen würde und auch der gemeine Elch und Ochse denken an nichts anderes, besonders die südlicheren!

Herr, wusstest du das? Übrigens, wo hast du eigentlich die Callipepia caliconica - du weißt schon, die Schopfwachteln und den Lethamus Discolor versteckt?

Den Schwalbensittich habe ich bisher auch nicht finden können. Dir ist natürlich auch bewusst, dass ich die 43 Vorschriften der Binnenmarkt-Tierschutzverordnung bei dem Transport der Kaninchen strikt beachten muss.

Meine Rechtsanwälte prüfen gerade, ob diese Vorschriften auch für Hasen gelten.

Übrigens: wenn du es einrichten könntest, die Arche als fremdflaggiges Schiff zu deklarieren, das sich nur im Bereich des deutschen Küstenmeeres aufhält, bekäme ich die Genehmigung viel einfacher. Du könntest dich doch auch einmal für mich bemühen. Ein Umweltschützer von Greenpeace erklärte mir, dass ich Gülle, Jauche, Exkremente und Stallmist nicht im Wasser entsorgen darf. Wie stellst du dir das eigentlich vor? Damals ging es doch auch!

Vor zwei Wochen hat sich das Oberkommando der Marine bei mir gemeldet und von mir eine Karte der künftig überfluteten Gebiete erbeten. Ich habe ihnen einen blau angemalten Globus geschickt. Und vor zehn Tagen erschien die Steuerfahndung; die haben den Verdacht, ich bereite meine Steuerflucht vor.

Ich komme so nicht weiter Herr, ich bin verzweifelt! Soll ich nicht doch lieber meinen Rechtsanwalt mit auf die Arche nehmen?'

Noah fing wieder an zu weinen. Da hörte der Regen auf, der Himmel klarte auf und die Sonne schien wieder. Und es zeigte sich ein wunderschöner Regenbogen. Noah blickte auf und lächelte. 'Herr, du wirst die Erde doch nicht zerstören?'

Da sprach der Herr: 'Darum sorge ich mich nicht mehr, das schafft schon eure Verwaltung!'

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Ihr Kids von heute habt es so verdammt gut

 
28.10.06 10:56
#2
Als ich noch ein Kind war, haben mich die Erwachsenen immer zu Tode gelangweilt mit ihren ätzenden Abhandlungen über ihre eigene ach so harte Jugend, und wie schwer sie es hatten auf dem fünfundzwanzig Kilometer langen Fußmarsch zur Schule jeden morgen, Hin- und Rückweg immer bergauf und barfuß in ganzjährigen Schneestürmen die jüngeren Geschwister huckepack zu den einräumigen Schulgebäuden tragend und trotzdem immer ein glattes Einser-Zeugnis gehabt trotz ihres Vollzeitjobs nach der Schule in der Fabrik für 35 Pfennig die Stunde um die Familie vor dem Hungertod zu bewahren!

Und ich hatte mir geschworen, wenn ich erwachsen würde, den Jugendlichen niemals so einen Bullshit aufzutischen wie schwer ich es hatte, und wie leicht die es haben.

Aber... Nun, da ich das reife Alter von 30 überschritten habe, kann ich es nicht mehr verleugnen...

Die Jugend von heute hat es so verdammt gut!

Ich meine, verglichen mit meiner Jugend lebt ihr im Traumland Utopia! Und ich hasse es zu sagen, aber ihr Kids von heute wisst gar nicht wie gut Ihr es habt!

Ich mein', als Kinder hatten wir kein Internet. Wenn wir was wissen wollten, mussten wir in die Bücherei gehen und es uns verdammt noch mal selbst raussuchen!

Und es gab keine Email. Wir mussten tatsächlich Briefe schreiben, mit einem Stift auf Papier! Und dann mussten wir den ganzen Weg zum Briefkasten um die Ecke gehen und es dauerte manchmal eine ganze verdammte Woche, bis das Teil ankam!

Und da war kein MP3 oder Napster! Wenn du Musik klauen wolltest, musstest Du zum Plattenladen gehen und dir die Riesen-Platten selbst stehlen! Oder wir mussten den ganzen Tag am Radio warten um Lieder auf Kassetten aufzunehmen und dann hat der Moderator ins Ende reingelabert und es alles versaut!


Wollt ihr wirklich wissen, was hartes Leben ist?

Man konnte nicht einfach Sex downloaden! Du musstest einen Penner mit ´ner Flasche Schnaps bestechen, um dir einen Playboy vom Kiosk zu besorgen! Entweder so, oder du musstest dich mit den Damenunterwäsche- Seiten aus dem Otto Katalog begnügen!
Das waren deine Möglichkeiten.

Wir hatten nicht diesen ganzen technischen Kram wie Anklopfen beim Telefon. Wenn du telefoniert hattest und jemand wollte dich anrufen, war besetzt! Und wir hatten nicht diese Display-Teile auf dem Telefon. Wenn's klingelte, hattest Du nicht den blassesten Schimmer, wer dran war. Konnte Dein Boss sein, Deine Mutter, Dein Drogendealer oder ein Geldeintreiber, du hattest keine Ahnung, musstest abnehmen und das Risiko eingehen...

Und Handys hatten wir schon gar nicht! Um was mit Freunden zu besprechen, mußten wir da hinlatschen, damit unsere Eltern uns nicht hören konnten.

Wenn die Straßenlichter angingen, hatten wir zuhause zu sein, sonst gab's den Arsch voll!

Gar nicht zu reden von den modernen Spielekonsolen mit hochauflösender 3D Grafik und 895 Megadings Sound und so. Wir hatten mit Glück einen Atari mit Spielen wie Space Invaders und Asteroids und die Grafiken waren schlicht Scheiße! Du warst ein kleines Quadrat auf der Scheibe und musstest deine Fantasie benutzen! Und nix mit verschiedenen Levels oder so. Immer und immer das gleiche Bild. Und du hast nie gewonnen, weil es immer nur schwieriger und schneller wurde bis Du starbst!

Genau, wie im richtigen Leben!

Im Kino gab's keine ansteigenden Sitzreihen. Alle Reihen waren auf einer Ebene und wenn vor Dir ein großer saß, hast Du nix mehr gesehen !

Klar, wir hatten dann auch Farbfernsehen. Aber da waren 3 Sender, das Erste, das Zweite und das Dritte. Einige hatten auch DDR 1 oder ORF. Aber wir hatten kein Kabel und keinen Videotext! Du hast in die HörZu gesehen, wenn Du wissen wolltest, was es gibt.
Und es liefen schon gar nicht den ganzen Tag irgendwo Cartoons! Vielleicht Sandmännchen oder Heinzelmännchen am Abend, und sonst mussten wir die ganze verdammte Woche bis Samstag morgens warten!

Versteht ihr kleinen Arschgesichter eigentlich, was ich sage? Das ist genau, was ich meine. Ihr Kids von heute habt es so verdammt gut.

Ihr kleinen verweichlichten, verwöhnten, undankbaren Biester habt es viel zu einfach heute. Vor 20 Jahren hättet ihr keine 5 Minuten ausgehalten!
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Aus dem Seelenleben eines Bikers

 
28.10.06 12:20
#3
Aus dem Seelenleben eines Bikers
                            Von Uli Böckmann

Jeder Motorradfahrer kennt sie, die Situationen, die sich unauslöslich  im
Gehirn festbrennen. Sie sind gefährlich oder komisch, meist aber fürchter-
lich peinlich.
Derjenige, der sich schonmal vor versammelter Mannschaft sein  Maschinchen
umgeschmissen hat (warum weiß keiner, er selbst am wenigsten),  wird  sich
noch gut daran erinnern, daß er sich in jenem Moment an jeden anderen  Ort
des Planeten gewünscht hätte, nur um dem unausweichlichen Hohn  und  Spott
der feixenden Menge zu entgehen. Standardsituationen,  immer  wieder  sehr
beliebt bei den Nichtbetroffenen.

Auch nicht schlecht folgendes:
Auf dem sonntäglichen Treff hast Du stundenlang die Zuverlässigkeit Deiner
Maschine gelobt, die selbstverständlich einzig und allein auf Deine hervor-
ragende Sachkenntnis bei den Wartungsarbeiten zurückzuführen ist.
Dann kommt der Moment des Aufbruchs. Du schälst Dich wieder in  all  Deine
Lederbrocken, die Sonne lacht vom Himmel (26 Grad im Schatten), Du klappst
lässig den Kickstarter zu Seite, vergewisserst Dich  noch  kurz,  ob  auch
alle Blicke auf Dich gerichtet sind und gibst Deinem Baby einen  kräftigen
Tritt (mit Baby ist das Moped gemeint).

Nichts. Ein zweiter Tritt. Nichts. Ein dritter und vierter. Nichts.

Die Menge wird unruhig.

Du knickst kurz in der Hüfte ab, um einen Blick auf den Motor  zu  werfen.
Das hilft zwar auch nichts, macht aber immer einen guten Eindruck. In  der

Regel fühlst Du Dich auch dazu veranlaßt, irgendein  Teil  wenigstens mal
anzufassen. Irgendein Teil, egal welches. Es muß nur so aussehen,  als  ob
Du - souverän, wie es ohnehin Deine Art ist - mit einem kurzen  Griff  die
Situation zu Deinen Gunsten entscheiden könntest.

In dem Moment, wo Du zum fünften Mal Dein Bein hebst,  weißt  Du,  daß  es
ohnehin Deine letzte Chance ist. Springt sie an, hast  Du  gewonnen.  Alle
würden glauben, daß der zündende Funke durch Dein  unmotiviertes  Gefummel
zustande kam.

Du setzt zum Kick an.
Mittlerweile ist es Dir schon gar nicht mehr so recht, daß Du  ein  ständig
wachsendes Publikum unterhältst. Mit aller Kraft  saust  Dein  stählernder
Schenkel nach unten... Nichts.

In Deinen Ohren saust es, unter dem Helm herrschen circa 42 Grad  Celsius.
Trotzdem dringen die ersten Wortfetzen an  Dein  Ohr:  "Was'n  das  für'ne
Graupe? -  Wat nimmt der für die Show oder is dat für lau?  -  Kumma,  der
schwitzt! - Hat der noch andere Hobbys? - Schonma mit Sprit versucht? Soll
manchmal Wunder wirken!"
Es ist das alte Spielchen - wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung.

Es hilft nichts. Helm ab, Jacke auf, nur lässig bleiben. Auch die Kumpels,
die natürlich schon längst auf ihren laufenden  Maschinen  sitzen,  drehen
murrend den Zündschlüssel wieder herum. Nun kommen auch die ersten persön-
lichen Attacken.
"Echt klasse eingestellt, Hochachtung."

Du kontrollierst Benzinschläuche, die Sprithähne, Kerzenstecker, Zündkabel.
Alles okay.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt kommen die ersten guten Ratschläge aus  der
immer noch anonymen Maße. Mittlerweile hast Du natürlich auch Deine  Joppe
ausgezogen,  die  Hitze  wirkt  in  dieser  peinlichen  Situation  doppelt
schlimm.

Die ersten Kollegen  schleppen  ihr  Werkzeug  an,  Du  richtest  Dich  in
Gedanken auf eine längere Aktion  ein.  Plötzlich  bleibt  Dein  Blick  am
rechten Lenkerende kleben, es durchläuft Dich heiß  und  kalt.  Mit  einem
Schlag hast Du nämlich die Fehlerquelle entdeckt und Dir  wird  blitzartig
klar, daß die ganze Blamage wirklich restlos überflüssig war. Gleichzeitig
durchzuckt Dich jedoch die Erkenntnis, daß Du mit einem Geniestreich immer-
noch die Situation retten kannst.
Außer Dir scheint nämlich noch niemand bemerkt zu haben, daß  dieser  ver-
fluchte Killschalter in der Position "OFF" verharrt.

Während also schätzungsweise sechs Personen  damit  begonnen  haben,  Dein
Motorrad zu zerlegen, beugst Du Dich aus Gründen der Tarnung über besagtes
Lenkerende, halt um nachzusehen, ob das Vorderrad noch da ist. Dabei legst
Du mit einer ungeahnten Fingerfertigkeit  den  Schalter  auf  die  richtige
Stellung um. Ein kurzer Blick in die Runde - scheinbar hat  niemand  etwas
gemerkt. Klasse!

Das Blatt wendet sich. Du leitest den nächsten Schachzug ein, indem Du die
hilfreichen Geister mit forschen Worten von Deinem Gefährt vertreibst. Mit
einem vielsagendem Blick drehst Du dem  Volk  den  Rücken  zu,  gehst  vor
Deinem Triebwerk in die Hocke, den Körper möglichst nahe am Fahrzeug.  Nun
führst Du die geübte Hand an eine Stelle  unterm  Tank,  wo  nun  wirklich
niemand sehen kann, was Du da eigentlich machst. Tatsächlich machst Du  ja
auch, von einem angestrengtem Gesicht einmal abgesehen, wirklich  effektiv
gar nichts. Nach circa zwanzig Sekunden theatralisch höchst wirkungsvollen
Sekunden richtest Du Dich langsam wieder auf, jedoch nicht ohne darauf  zu
achten, daß sich Dein angestrengtes Gesicht langsam in ein  nachdenkliches
verwandelt. Es muß der Eindruck entstehen, als wenn Du vor Deinem  geisti-
gen Auge einen wahrlich höchst komplizierten,  technischen  Vorgang  Revue
passieren läßt.

Auch hier sind zwanzig Sekunden ein guter Richtwert.

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, drehst Du den Zündschlüssel,  öffnest
erneut die Sprithähne und klappst den Kickstarter heraus.
Die Situation ist höchst spannungsgeladen, niemand spricht  ein  Wort.  Du
setzt an, kickst und zur Verblüffung aller fängt die Mühle an zu klappern.
In aller Ruhe beginnst Du wieder mit dem Ankleiden, während  die  Maschine
ruhig bei 800 Touren vor sich hin pöppelt.

Sollte irgendein dreister Wicht es wagen, Dich auf die Fehlerquelle  anzu-
sprechen oder nach der eigentlichen Ursache zu fragen,  so  gibst  Du  ihm
lapidar zu verstehen: "Entweder man kennt sein Moped  oder  man  kennt  es
nicht." Daraufhin werden keine Fragen mehr kommen.
Du nimmst auf Deinem Lederbrötchen Platz -  erhaben  wie  selten  zuvor  -
schickst noch kurz einen weltmännischen Gruß in die Runde und machst  Dich
in aller Ruhe vom Hof.

Du hinterläßt eine nachdenkliche Menge, der Du wieder  mal  gezeigt  hast,
daß man wirklich nicht davor zurückschrecken muß, ein klassisches Motorrad
mit all seinen kleinen  Mucken  zu  fahren.  Vorausgesetzt,  man  hat  den
nötigen Sachverstand.
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Anklage

 
28.10.06 14:29
#4
Anklage

Du hast mich mit Deiner Schönheit geblendet (Paragraph 223 StGB
"Körperverletzung") und mich zur Liebe verführt (Paragraph 182 StGB
"Verführung"). Ich war wie berauscht (Paragraph 223a StGB "Vollrausch" und
Paragraph 316 "Trunkenheit im Verkehr") und ich dachte, ich müßte
explodieren (Paragraph 310b StGB "Herbeiführen einer Explosion durch
Kernenergie"). Ich bin Dir völlig ausgeliefert (Paragraph 178 StGB
"Sexuelle Nötigung") und bin nicht mehr Herr meiner selbst (Paragraph 239
StGB "Freiheitsberaubung"). Du hast mir meinen Verstand geraubt (Paragraph
249 StGB) und mein Herz gestohlen (Paragraph 248a StGB "Diebstahl und
Unterschlagung geringwertiger Sachen"). Dabei war mein Verlangen bereits
abgestorben (Paragraph 168 StGB "Störung der Totenruhe"), doch dann bist
Du in mein Leben eingebrochen (Paragraph 124 StGB "Schwerer
Hausfriedensbruch") und hast meine Ruhe gestört (Paragraph 125 StGB
"Landfriedensbruch").

Doch nachdem ich völlig entflammt war (Paragraph 308 StGB
"Brandstiftung"), hast Du mich mit dem Milchmann betrogen (Paragraph 263
StGB "Betrug" und 266 StGB "Untreue") und mir damit alle meine
Lebensenergie genommen (Paragraph 248c StGB "Entziehung elektrischer
Energie") und das trotz all Deiner Versicherungen (Paragraph 265 StGB
"Versicherungsbetrug"). Dabei hattest Du bei mir einen Kredit auf
Lebenszeit (Paragraph 265b StGB "Kreditbetrug")! Du hast mich einfach so
beiseite geschoben (Paragraph 326 StGB "Umweltgefährdende
Abfallbeseitigung"), spieltest aber weiterhin mit mir (Paragraph 327 StGB
"Unerlaubtes Betreiben von Anlagen")! Ist das Dein Lohn (Paragraph 266a
StGB "Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsgeld") oder hast Du etwa nur
mit mir gespielt (Paragraph 284 StGB "Unerlaubte Veranstaltung eines
Glückspieles")?

Ich weiß wirklich nicht mehr wo mir der Kopf steht (Paragraph 303 StGB
"Sachbeschädigung" und Paragraph 305a "Zerstörung wichtiger
Arbeitsmittel")! Du hast mein Leben vergiftet (Paragraph 330a StGB
"Schwere Gefährdung durch Freisetzen von Giften")! Gib mir mein Herz
zurück (Paragraph 290 StGB "Unbefugter Gebrauch von Pfandsachen" und
Paragraph 323b "Gefährdung einer Entziehungskur")!!


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Der gewissenhafte Maurer

 
28.10.06 15:30
#5
Der gewissenhafte Maurer

Ich hab ein Haus in Berlin, das ist noch wie neu,
bloß ganz oben, da ist was entzwei.
Nun fehl'n da ob'n ein paar Steine, 's müssen neue dorthin.
Ich sagt zu 'nem Maurer: "Na, die sind doch bald drin!"
"Aber gewiss, lieber Mann, da fang'n wir gleich an!"
Also um acht soll er ankomm'n, ne Stunde vergeht,
da seh ich ihn rankomm'n - ich sage, 's ist spät!
Nee, sagte er, 's ist neune, 's ist die richtige Zeit.
Der Weg zählt doch mit, und ich wohne sehr weit.
Ick wollt' die Straßenbahn nehm' - keine zu sehn,
ick ruf 'n Auto - besetzt! - na, da musst ick doch gehn.
Aber nun geh'n wir 'ran - nu' fangn wir gleich an!
Na, nun sieht er sich um, recht gründlich, exakt.
Was er mitgebracht hat, wird ausgepackt.
Er guckt rauf nach dem Haus. Da fehlt 'n Stein an dem Fleck.
Also nimmt er 'nen Stein - und legt ihn gleich wieder weg.
Er sucht erst 'ne Leiter, um nach oben zu gehn,
trägt sie acht Schritte weiter - da schlägt es zehn.
Na, nu' frühstückt er 'n bissken, holt sein Pülleken raus.
Steckt die Pfeife in Brand - die geht fünfzehnmal aus.
Und wie sie brennt, sagt er dann: Nu fang' wir gleich wieder an.
Er nimmt noch ne Prise - es ist über elfe -
dann nimmt er den Stein - s ist noch immer derselbe.
Da muss er niesen - der Kopf wird ihm schwer -
er legt den Stein wieder weg - denn sonst gibt's ein Malheur.
Er sucht nach nem Tuch - er hat leider keins -
ich sage: 's ist gut - hier haben sie meins!
Nun fühlt er sich wieder wohl - wie 'n Fisch in der Elbe,
und dann nimmt er den Stein, 's ist noch immer derselbe -
und will auf die Leiter - da schlägt es zwölfe!
Na, nu legt er den Stein wieder weg - seine Frau bringt das Essen -

nach so 'ner Arbeit, da schmeckt's - es wird feste gegessen.
Sie setzt sich zu ihm - er setzt sich zu ihr,
es gibt Karbonade und Gurken und Bier. -
Dann liest er die Zeitung und sagt entrüstet zu ihr:
Du, da streiken sie wieder - die soll'n schaffen, wie wir!
Dann gibt er ihr n Küßken,
dann schläft er 'nen bissken -
und dann schlägt die Uhr zwei -
da ist schon die kurze Pause wieder vorbei.
Nu, sagt er, gehts ran - jetzt fang'n wir gleich an!
Nun wird der Lehm umgerührt - der weiche, der gelbe,
und dann nimmt er den Stein - 's ist noch immer derselbe.
Da wird ihm schlecht - die Gurken, das Bier -
er legt den Stein wieder weg und nimmt sein Zeitungspapier,
denn der Stein wäre wen'ger geeignet dafür
und geht an ne Tür, da steht dran "hier",
kommt nach drei wieder raus aus dem kleinen Gewölbe,
und dann nimmt er den Stein - 's ist noch immer derselbe -
und geht nun wirklich, ohne Rast, ohne Ruh,
mit dem Stein auf die Leiter, wat sagen se nu?
Die hat zwanzig Sprossen - jede 'n fußbreit entfernt,
aber er geht unverdrossen - gelernt ist gelernt.
Da, bei der achzehnten, hält er. Die Uhr schlägt vier.
's ist Feierabend - und er steht hier -
nicht oben, nicht unten - die Sache geht schief.
Er darf nicht mehr weiter - nach 'm Tarif.
Er hat noch zwei Sprossen - aber er darf sie nicht gehn -
oder achzehn nach unten - ja, aber nicht mit 'm Steen.
Was soll er nun machen - so nah am Ziel?
Er schwankt zwischen Arbeits- und Pflichtgefühl.
Aber 's Pflichtgefühl siegt - 's ist egal, sagt er grob
und er lässt den Stein fallen - und mir uff 'n Kopp.
Und wie ich schimpfe, sagt er:
Warum stehn sie denn hier?
Wir brauchen ihr 'n Kopp nicht -
Sie könn' ja schaffen wie wir!

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Der neue Paragraph 218

 
28.10.06 19:01
#6
Der neue Paragraph 218

"So, Fräulein Schmitz, am kommenden Dienstag um 15.00 Uhr werden wir
Ihren Schwangerschaftsabbruch vornehmen!"

"Ich bin Ihnen ja so dankbar, Herr Doktor! Sie glauben gar nicht, wie froh
ich bin, daß Sie mir keine Schwierigkeiten machen."

"Wieso Schwierigkeiten? Die Neuregelung des Paragraphen 218 durch unsere
Bundesregierung hat endlich die nötige Klarheit geschaffen! Straffreier
Abbruch der Schwangerschaft innerhalb der ersten drei Monate!"

"Ich bin ja so froh, Herr Doktor!"

"Das sagten Sie bereits! Hier: Ihre Armbinde! Die tragen Sie bis zum
Abbruchtermin deutlich sichtbar über der Kleidung am linken Oberarm,
danach für genau ein Trauerjahr am rechten Oberarm!"

"Eine Armbinde?"

"Ein Zugeständnis an die CSU und immer noch besser als die
lebenslängliche Tätowierung des rechten Ohrläppchens!
Außerdem brauche ich noch den Vor- und Zunamen des Kindesvaters!"

"Wofür denn das?"

"Für den Aushang! Abtreibungen sind ab sofort öffentlich auszuhängen.
Beim Standesamt. Wie das Aufgebot bei einer Eheschließung. Ein
Zugeständnis an  konservative Kreise innerhalb der CDU!"

"Und dort kann dann jeder lesen, daß ich......"

"Wer geht schon täglich zum Standesamt, zumal ja ohnehin alles in der
Zeitung steht!"

"Was steht in der Zeitung?"

"Ihr Name, der Name des Vaters, Adresse, Telefonnummer und der Tag des
Abbruchs!"

"Aber so erfährt ja möglicherweise mein Chef aus der Zeitung......."

"Arbeitgeber und Verwandte ersten und zweiten Grades habe ich bereits
plichtgemäß per Rundschreiben über die genauen Termine informiert."

"Sie haben meiner Mutter und allen Verwandten........?"

"Das erspart Ihnen die Einladung zur Beerdigung!"

"Wessen Beerdigung?"

"Die abgetriebene Leibesfrucht ist öffentlich zu bestatten.
Mit Trauerfeier und Glockengeläut!
Ein Zugeständnis an die katholische Kirche.
Und überlegen Sie sich schon mal einen hübschen Vornamen für den
Grabstein!"



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Aus dem Poesie-Album für Raucher!

 
#7
Aus dem Poesie-Album für Raucher!
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 Siehst du die Gräber dort im Tal ?
 Es sind die Raucher von "Reval"!
 Für alle, die "Casino" rauchen,
 des Friedhofs Mittelstück wir brauchen.

 Hier vorn, die Gräber sind noch neu,
 sie sind die Raucher von der "Yeu".
 Denn die da "Turf" gerauchet haben,
 die sind von uns schon längst begraben.

 Wenn wir die Mauer dort lang gehen,
 Klub-Raucher-Gräber sind zu sehen.
 Doch wird auch noch der beigesetzt,
 der heute noch die "Salem" schätzt.

 Drei Kreuze links zum Gotterbarmen,
 sie rauchten "Juno" oder "Carmen",
 zerstreut liegen in tiefer Gruft,
 Liebhaber von besonderem Duft.
 Wir mußten sie zur Ruhe betten,
 denn sie rauchten Ami-Zigaretten.

 In den Gräbern, die schon festgetreten,
 liegen Raucher von "Selbstgedrehten".
 Pafft "Juno" oder "Jubilar" man in die Luft,
 bekommt man eine Ehrengruft.

 Guck 'mal, die Gräber da unten im Tal,
 das sind die Raucher von Reval !

 Guck 'mal die Gräber an anderen Orten,
 das sind die Raucher von anderen Sorten !

 Guck 'mal hinter den Hecken,
 das sind die Nichtraucher, die auch verrecken !

 Guck 'mal die Gräber, da den Rest,
 das sind die Raucher, die von West !

 Siehst du ein Kreuz am Wegesrand,
 da rauchte einer Stuyvesant.

 Siehst Du die Kreuze dort im Sand ?
 Das sind die Raucher von "Rote Hand"

 Sterben muß man sowieso,
 doch schneller geht's mit Marlboro.

 Ach schau, die Toten hier im Schnee,
 das sind Raucher von HB.

 Die Chancen eines Raucherbeins
 steigen erheblich mit R1.

 Auch für einen Schlaganfall
 wächst deine Chance mit Pall Mall.

 fehlt dir die Atemluft beim Sex,
 dann liegt das sicher an R6.

 Test the West - gib dir den Rest !


 Ein Kuß von Raucherpärchen schmeckt,
 als ob der Aschi ausgeleckt!

 Die Zigarrenkiste ist zu klein
 für'n amputiertes Raucherbein!

 Lügen haben kurze Beine -
 Raucher auch und manchmal keine!

 Ein Raucherbein macht mich nicht krank,
 ich habe ein Holzbein noch im Schrank;
 doch wenn ich Lust auf Liebe hab,
 schnall ich's an und nachher ab!

 Raucher sind schlimmer als Trinker:
 Ein einziger Raucher - man glaubt es kaum -
 verpestet einen ganzen Raum,
 ein Trinker hingegen - soviel ich weiß -
 nur ungefähr zwei Meter im Kreis.
 [Trinkerfahne: 100g Alkohol = 1 m bei Windstille]

 So manche Frau in der Schwangerschaft
 eine nach der andern pafft;
 der Embrio raucht mit - so'n Frecher -
 und hat noch nicht mal 'n Aschenbecher!









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