Gerhard Löwenthal - Freund der klaren Sprache

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Gerhard Löwenthal - Freund der klaren Sprache anarch.

Gerhard Löwenthal - Freund der klaren Sprache

 
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Mielkes und Honeckers willige Helfer
Gerhard Löwenthal über DDR-Kollaborateure in westlichen Medien


Immer noch wird vielfach so getan, als ob das unheilvolle Wirken des Staatssicherheitsdienstes des SED-Regimes allein das Problem der ehemaligen DDR sei, als ginge es nur die Bewohner des SED-Staaates etwas an. Das aber ist vollkommen falsch. Es ist das Verdienst von Hubertus Knabe, wissenschaftlicher Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, von 1992 bis Ende 2000 in der Forschungsabteilung der Gauck-Behörde tätig, publiziert zu haben, wie groß das Ausmaß der Aktivitäten der SED-Geheimpolizei in der Bundesrepublik Deutschland war.

Knabe hat in den Stasi-Archiven systematisch die West-Arbeit des Mielke-Ministeriums für Staatssicherheit erforscht und dabei Bedrückendes festgestellt: Mehr als 20 000 Westdeutsche verrieten regelmäßig Informationen aus den ihnen zugänglichen Bereichen, also aus Parteien, Verbänden, Unternehmen, Kirchen, Universitäten, Geheimdiensten, Bun- deswehr – praktisch aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens.

Natürlich gehörten die Medien zu einem bevorzugten Gebiet der Ausforschung und der Nutzung für die eigenen Zwecke, vorzugsweise auch der Desinformation. Nachdem Knabe in einem ersten Buch bereits die Infiltration der Bundesrepublik beschrieben hatte, zeigt er in seiner jetzt erschienenen zweiten Publikation die Durchdringung der westdeutschen Medien, wobei besonders erschreckend ist, mit welcher Bereitschaft westdeutsche Journalisten der Stasi zur Hand gingen. Er beschreibt, mit welchen Methoden die SED-Führung auf den Westen Einfluß nahm, wobei die Stasi eine zentrale Rolle spielte.

Es war diesem Terrorapparat tatsächlich gelungen, ein weitverzweigtes Netz von Inoffiziellen Mitarbeitern, Einflußagenten und Kontaktpersonen (Abschöpfquellen) aufzubauen und so in einflußreichen Medien Fuß zu fassen. Aufschlußreich ist auch die Darstellung, daß mancher zum Skandal hochstilisierte Vorgang zu-stande kam, indem West- Journalisten von der Stasi mit "Belastungsmaterial" versorgt wurden, das ge- oder verfälscht, jedenfalls manipuliert war. Mancher dieser Fälle, der in der Bundesrepublik hohe Wellen schlug, stellt sich nun als Ergebnis der operativen Tätigkeit des Staatssicherheitsdienstes heraus.

Im ZDF-Magazin berichteten wir über einige dieser "Skandale" mit dem Hinweis auf Indizien, die auf die Stasi-Quellen hinwiesen, so unter anderem im "Fall" des ehemaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke, der im "Stern" verleumdet wurde. Es fehlten aber dokumentarische Beweise. Nun hat Knabe sie in manchen Fällen gefunden.

Freiwillige Zuträger, Erfüllungsgehilfen, Helfershelfer der kommunistischen Diktatur gab es bedauerlicherweise in großer Menge in den Medien – und in der Politik. Das bleibt die bittere Erkenntnis nach der Lektüre der Bücher von Hubertus Knabe. Verständlich wird nun auch, daß Honeckers brutale SED-Diktatur in den Medien – von wenigen Ausnahmen abgesehen – so wohlwollend, so nachsichtig, so schöngefärbt dargestellt wurde.

Man denke nur an die ekelerre-gende Berichterstattung der "Zeit", an der Spitze der damalige Chefredakteur Theo Sommer, über eine – natürlich inszenierte – Reise durch die DDR 1986. Da findet sich doch tatssächlich auf Honecker bezogen der Satz:"... die Bürger des anderen deutschen Staates bringen ihm fast so etwas wie stille Verehrung entgegen" – deshalb jagten sie ihn auch wenig später davon! Jedenfalls wird in Zukunft niemand mehr behaupten können, das Stasi-Thema ginge nur die neuen Länder an.

Daß Knabe erheblichen Ärger für seine verdienstvolle Auf-klärungsarbeit bekam, ist zwar erklärbar, aber nicht verständlich – es sei denn, man geht davon aus, daß nicht wenige Journalisten und Politiker nun befürchten müssen, enttarnt zu werden – auch über die schon Genannten hinaus. Das Personenregister in den Büchern ist jedenfalls eine spannende Lektüre.

Journalisten als Handlanger der DDR-Diktatur
Das neue Buch des Historikers Hubertus Knabe ist in weiten Teilen der westdeutschen Medien auf Ablehnung gestoßen – wenn man es liest, weiß man, warum: Da findet sich so mancher  "kritische Geist" auf den Personallisten der Stasi wieder.

Hubertus Knabe: "Der diskrete Charme der DDR. Stasi und Westmedien". Propyläen-Verlag, Berlin, München. 504 Seiten. ISBN 3 549 07137. Preis: DM 49,90.


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