G-8 Gegengipfel

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G-8 Gegengipfel oliweleid
oliweleid:

G-8 Gegengipfel

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05.06.07 14:55
#1

SPIEGEL ONLINE - 05. Juni 2007, 14:41
URL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,486768,00.html

G-8-PROTESTE

Alternativgipfel im Schatten der Krawalle

Von Florian Gathmann, Rostock

Argumente sollen zählen: Über 1000 Menschen wollen ab heute beim Alternativgipfel in Rostock eine Gegen-Politik zur G8 diskutieren. Das Treffen wird kaum öffentliches Interesse wecken, fürchten die Veranstalter - der Blick wird sich auf mögliche neue Krawalle richten.

Rostock - Stell Dir vor, es ist Alternativgipfel - und keinen interessiert es. Das das wahr wird, fürchten jedenfalls die Organisatoren des Anti-G-8-Gipfels in Mecklenburg-Vorpommern nach den Ereignissen der letzten Tage, vor allem der schweren Krawalle mit rund 1000 Verletzten am Samstag. Zumal sich heute, wenn Uno-Sonderberichterstatter Jean Ziegler den Alternativgipfel eröffnen wird, das nächste mediale Großereignis ankündigt: US-Präsident George W. Bush soll am Abend als erster der G-8-Staats- und Regierungschefs auf dem Flughafen Rostock-Laage landen - mit neuen Krawallen bei den angekündigten Blockaden ist zu rechnen. "Das wäre natürlich sehr schade, wenn diese Veranstaltung erneut von anderen Bildern und Berichten überschattet würde", sagt Monty Schädel, Mit-Organisator der G-8-Proteste gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Aber es muss nicht so sein, wenn sich alle Beteiligten der Blockaden friedlich verhalten."

 

Bush und Merkel als Pappköpfe: Wen interessiert der Alternativgipfel? DDP

Bush und Merkel als Pappköpfe: Wen interessiert der Alternativgipfel?

Bei der Pressekonferenz zum Auftakt des Gegengipfels wurden klare Forderungen formuliert: Kanzlerin Angele Merkel müsse sich für eindeutige Reduktionsziele bei Treibhausgasen einsetzen, forderte Karsten Smid von Greenpeace im Pressezelt am Rostocker Hafen. Uno-Mann Ziegler verlangte von der EU, ihre "mörderische Dumpingpolitik" bei den Agrarexporten zu beenden. Alle fünf Sekunden sterbe ein Kind unter zehn Jahren, obwohl die Landwirtschaft eigentlich zwölf Milliarden Menschen ernähren könnte, das doppelte der derzeitigen Weltbevölkerung, sagte er. Einer der Gründe seien die hohen Exporthilfen der Industriestaaten, die sich 2006 auf 349 Milliarden Dollar summiert hätten.

 

[...]

Neben Ziegler sprechen weitere hochkarätige Gäste zur Eröffnung in der Rostocker Nikolaikirche: Unter anderem die Umweltrechts-Expertin Thuli Makama aus Swaziland - ihre Umweltorganisation "Yonge Nawe" ist Teil des weltweiten Netzwerks "Friends of the Earth". Madjiguene Cissé, eine weitere Referentin, stammt aus dem Senegal und engagiert sich für Frauenprojekte. Alternativ-Nobelpreisträger Walden Bello - ein falsch übersetzter Satz seiner Rede bei der Abschlusskundgebung am Samstag hatte für Verwirrung gesorgt (SPIEGEL ONLINE berichtete) - wird morgen Abend beim Alternativgipfel auftreten: Der philippinische Soziologieprofessor sprich zum Thema "Soziale Kämpfe verbinden - für globale Gerechtigkeit!".

 

 Die Geschichte der Gegengipfel reicht bis 1984 zurück. Damals tagte am Rande des G-7-Gifpels - noch ohne Russland, beziehungsweise die Sowjetunion - in London erstmals eine Alternativ-Veranstaltung zum Treffen der Staats- und Regierungschefs, auch im Jahr darauf beim Gipfel in Bonn kam es zu ähnlichen Aktionen. 1988 folgte der Internationale Gegenkongress und eine große Demonstration mit 80.000 Teilnehmern zur Jahrestagung von IWF und Weltbank in West-Berlin. 1989 tagte parallel zum Weltwirtschaftsgipfel in Paris ein "Gegengipfel der Ärmsten" mit über 3000 Teilnehmern. Diese Tradition setzte sich bei weiteren Gipfeln fort.

 

Jean Ziegler sagte heute im ZDF-Morgenmagazin: "Es geht um den Kampf gegen eine mörderische, absurde Weltordnung". Gleichzeitig betonte der Schweizer, dass er gewaltsame Demonstrationen ablehne - das betonte er auch später bei der Pressekonferenz am Hafen. Sobald es Ausschreitungen gebe, würden die Argumente der Protestbewegungen nicht gehört, glaubt der Uno-Sonderberichterstatter. "Meine Erwartung ist, dass die Teilnehmer über eine andere Politik als die der G8 diskutieren - und das auch durchschlagende Folgen hat", sagt Monty Schädel. Und seine Hoffnung sei, dass der Alternativ-Gipfel überhaupt wahrgenommen wird.

In der Hand hat er es nach den Ereignissen vom Samstag nicht mehr.

 


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G-8 Gegengipfel oliweleid
oliweleid:

Die Welt im Würgegriff der Konzerne

 
05.06.07 15:01
#2
www.spiegel.de/videoplayer/0,6298,18753,00.html

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oliweleid
G-8 Gegengipfel tomatensaft
tomatensaft:

filmsequenz eines am flughafen winkenden

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05.06.07 15:11
#3
präsidenten mit ein paar eingestreuten floskeln über das wetter(klima) oder das befinden werden ja allgemein als nachricht verkauft, angenommen und geschluckt.

interessieren würde der alternativgipfel sicher, nur werden unsere "freien" medien lieber action von randalierern, die kleiderordnung, den speiseplan der damen und herren und und viel winke winke zeigen. etwas dramaturgie wird dann auch noch platz am bildschirm finden, vor allem im hinblick auf das im vorfeld geführte rededuell, merkel - putin.

und das hauptabendprogramm ist gesichert. vielleicht bekommen die redakteure dieser nachrichten dann auch den nächsten bamby verliehen. der musikantenstadel ist ein dreck dagegen.

die nachrichten des alternativgipfels werden möglicherweise dann in kulturzeit(3sat) etwas platz finden.
G-8 Gegengipfel oliweleid
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Gottesdienst der G-8-Kritik

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06.06.07 07:50
#4

SPIEGEL ONLINE - 05. Juni 2007, 23:17
URL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,486912,00.html

JEAN ZIEGLER BEI GEGENGIPFEL

Gottesdienst der G-8-Kritik

Von Ingo Arzt, Rostock

Er ist einer der Topstars der G-8-Kritiker: Jean Ziegler, Professor und Uno-Sonderberichterstatter. Zur Eröffnung des Gegengipfels wurde er heute gefeiert - als revolutionärer Prediger, der dem Rostocker Protest nach der Gewalt am Wochenende wieder Sinn verleiht.

An der kalkweißen Wand der Kirche hängt eine zwei Meter große Jesus-Statue mit ausgebreiteten Armen. Der Prediger, ein kleiner, 73-jähriger Herr mit sanftem Schweizer Akzent, zitiert Karl Marx: "Der Revolutionär muss das Gras wachsen hören", sagt Jean Ziegler und zeigt mit seinem Finger in die Zuschauermenge, die revolutionäre. Hunderte jubeln ihm frenetisch zu, johlen, immer wieder an diesem Abend, dem Auftakt des Gegengipfels der Globalisierungskritiker.

 

Ziegler in der Rostocker Nikolaikirche: "Der gewaltlose Zug ist unterwegs" DDP

Ziegler in der Rostocker Nikolaikirche: "Der gewaltlose Zug ist unterwegs"

 

Jean Ziegler ist eigentlich kein Prediger, er ist Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Außerdem ist er Idol der Globalisierungskritiker und Autor mehrer scharfzüngiger Sachbücher. Ziegler ist nicht nur charismatisch, er genießt in der Bewegung auch den Ruf absoluter Glaubwürdigkeit, ein klarer, weit gereister Intellektueller.

Bis 2002 war er Professor für Soziologie an der Universität Genf. Wenn er von der Verarmung nigerianischer Bauern wegen einer vom Internationalen Währungsfonds geforderten Privatisierung spricht, dann hat er mit den Betroffenen Viehzüchtern persönlich gesprochen.

[...]

Werben für die "planetare Zivilgesellschaft"

Mit seiner Eröffnungsrede in der Rostocker Nikolaikirche scheint er geradezu religiöse Hoffnungen bei den Anwesenden zu wecken. Seine Heilsbotschaft ist klar, einfach, er zitiert Rousseau, Che Guevara, Willy Brandt, und liest aus der Uno-Menschenrechtscharta wie aus der Heiligen Schrift. Seine Worte hallen in der Kirche unter dem hohen Kreuzgewölbe wieder. Das Gotteshaus ist nicht einfach nur voll, es quillt über. Alle Stühle sind besetzt, der Boden, die Empore, die Treppenaufgänge, auf dem Vorplatz der Kirche stehen Menschen und lauschen der Rede über Lautsprecher.

Der Alternativegipfel ist die wichtigste Gegenveranstaltung der Globalisierungskritiker, hier wollen sie beweisen, dass sie nicht nur blockieren und demonstrieren, Motto: "Globalisierung anders denken." Bevor sie sich in den kommenden Tagen in kleine Workshops zurückziehen und über die Grüne Revolution, Bildungspolitik oder die "Renaissance der Schiene" sprechen, beseelt sie der kleine Herr mit dem schwarzen Anzug und dem kahlen Haupt mit dem Geist der Revolution.

Die "planetare Zivilgesellschaft" wachse überall auf dem Planeten, sagt Ziegler enthusiastisch. Ein großer Terminus für etwas ganz großes Neues, und in der Kirche ist man Teil davon, von Anfang an dabei. "Der gewaltlose Zug der Aufständischen ist unterwegs", sagt Ziegler - tosender Beifall.

"Unsere Feinde können den Frühling nicht aufhalten"

 

Ziegler bei Eröffnungsrede: "Gott hat keine anderen Hände als die unsrigen" AP

Ziegler bei Eröffnungsrede: "Gott hat keine anderen Hände als die unsrigen"

Er beginnt seine Rede wie ein Staatsanwalt. Die Angeklagten heißen Welthandelsorganisation, Internationaler Währungsfonds, G8 und die "kapitalistischen Oligarchen". Zieglers Beweiskette gegen sie: 2,7 Milliarden Menschen, die in extremer Armut leben, alle vier Sekunden ein verhungerter Mensch, und weil die Welt eigentlich genug Nahrung für alle produziert, sei Hunger eigentlich Mord.

 

Dann wird es persönlich: Während der zwei Stunden der Veranstaltung in der Rostocker Kirche, sagt Ziegler, werden 176 Kinder unter sechs Jahren verhungern: "Das könnten Ihre Kinder sein oder meine. Sie sind nicht einfach eine demografische Kurve. Sie sterben."

Wie eine Achterbahnfahrt wechselt der Prediger der Antiglobalisierung vom großen Gedanken zur konkreten Forderungen. Sprüche wie "Gott hat keine anderen Hände als die unsrigen, entweder wir verändern die Welt, oder niemand wird es tun" wechseln sich mit Anekdoten über die Situation armer Bauern in Afrika ab, die ihre Produkte wegen europäischer Agrarsubventionen nicht verkaufen können.

Ziegler ist der radikale Intellektuelle, der den Globalisierungskritikern endlich ihre heiß ersehnten Inhalte bringt, sie wegführt von den Debatten über Gewalt der vergangenen Tage. Er teilt die Welt in Böse und Gut, in einfache Formeln und Bilder: "Unsere Feinde können alle Blumen ausreißen, den Frühling können sie nicht aufhalten." Sagt er zum Schluss in seinen Schweizer Dialekt.

 


--------- oliweleid

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Täglich sterben 100.000 Menschen an Hunger

 
#5

05. Juni 2007
Täglich sterben 100.000 Menschen an Hunger


Rostock -
«Auf afrikanischen Märkten gibt es deutsches, französisches und italienisches Gemüse, das nur halb so viel kostet wie die Inlandsprodukte», sagt Jean Ziegler. Nicht weit entfernt vom Markt lebe der afrikanische Bauer, der mit seiner Familie 15 Stunden in glühender Hitze gearbeitet habe. «Der hat nicht die geringste Chance, auf ein Existenzminimum zu kommen», erklärt der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, der am Dienstag den so genannten Gegengipfel eröffnete.

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Armutsbekämpfung ist ein Thema des Gipfels in Rostock, der unter dem Motto «Globalisierung anders denken» bis Donnerstag Alternativen zur «herrschenden Politik» der G-8-Staaten aufzeigen soll. Rund 1.000 Teilnehmer aus aller Welt diskutieren darüber hinaus in zahlreichen Workshops über Klimaschutz, eine gerechtere Welt, Migration, Militarismus und faire Handelsbeziehungen. Veranstalter ist ein breites Bündnis aus 40 Organisationen, von der linksradikalen Interventionistischen Linken über Gewerkschaften bis hin zu Organisationen wie Attac, Oxfam, Greenpeace oder Venro. «Wir wollen eine demokratische Globalisierung von unten», lautet das gemeinsame Ziel.

Karsten Smid von Greenpeace betont: «Wir suchen eine Auseinandersetzung mit Worten, nicht mit Steinen.» Man habe überzeugende Argumente für eine andere Politik. Gerade im Bereich Klimaschutz müsse Kanzlerin Angela Merkel auf dem G-8-Gipfel eine Vorreiterrolle übernehmen. «Wir brauchen klare Reduktionsziele ohne Gipfelrhetorik.» Immerhin seien allein die G-8-Staaten für 50 Prozent der Treibhausgase selbst verantwortlich. Das müssten sie endlich eingestehen.

Um Entwicklungspolitik geht es Jane Nalunga, Teilnehmerin aus Uganda. Sie sagt, Afrika benötige qualitativ bessere Hilfen, die nicht an Bedingungen geknüpft seien. «Die wenige Hilfe, die nach Afrika kommt, ist an wirtschaftliche Auflagen gebunden.» Walden Bello, Träger des alternativen Nobelpreises sagt, die Industrieländer seien verpflichtet, einen fairen Handel mit den afrikanischen Ländern zu betreiben. Sonst könne der Kontinent nie selbstständig werden.

 

Ziegler ist ärgerlich, macht aber gleich deutlich: Er spreche hier für sich selbst, nicht für die UN, sonst bekomme er in New York Probleme. Dann erklärt er: Wenn es um Afrika gehe, sprächen die G-8-Staaten immer zunächst über Investitionssicherheit. Das Wort «Hunger» komme nicht vor. Dabei stürben jeden Tag 100.000 Menschen an Hunger oder seinen Folgen. Alle fünf Sekunden verhungere ein Kind unter zehn Jahren. «Das alles passiert auf einem Planeten, der vor Reichtum überquillt.»

Auf jeden Fall müsse der nigerianische Präsident Umaru Yar"Adua vom G-8-Gipfel wieder ausgeladen werden. Bei seiner Wahl Ende April habe die EU Schiebereien festgestellt. Nun sei «dieser Betrüger» Ehrengast und Vertreter Afrikas auf dem Gipfel. «Der dürfte hier gar nicht landen.»

Ein Abschlussdokument wie in Heiligendamm wird es beim Alternativgipfel in Rostock nicht geben. «So etwas brauchen wir nicht», sagt Karsten Smid. Die G-8-Staaten gäben in ihrem Abschlussdokumenten - wie in früheren Jahren zu beobachten gewesen sei - sowieso nur «hohle Gipfelrhetorik» zum Besten.

http://www.net-tribune.de/article/050607-298.php



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