Flüchtlingspolitik: mal was Neues und lesenswert

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Flüchtlingspolitik: mal was Neues und lesenswert DarkKnight
DarkKnight:

Flüchtlingspolitik: mal was Neues und lesenswert

14
09.10.15 14:52
#1
Vorab: falls Jimps, bitte um Entschuldigung ... musste gestern und heute tatsächlich mal was arbeiten ...

"Elmar Brok: „Wir haben die Türkei in weiten Teilen allein gelassen“

…wir haben hier viel Zeit verloren, und das ist ja auch Schuld europäischer Länder einschließlich Deutschlands, denn wir haben in diesem Jahr die Zuschüsse der europäischen Mitgliedsstaaten für Nahrungsmittel-Programme in den Flüchtlingslagern um Syrien herum um 40 Prozent gekürzt, Deutschland um 51 Prozent, und die gegenwärtige Flüchtlingswelle ist vor gut drei Monaten aus der Türkei in Gang gekommen, weil Erdogan die Grenzen offen gemacht hat mehr oder weniger und gleichzeitig dieses Nahrungsmittel-Programm bei den Flüchtlingen zur Befürchtung führte, dass sie dort nicht mehr ausreichend ernährt werden. Hier müssen wir jetzt sehen, dass diese Fehler revidiert werden.....
...Das Nahrungsmittel-Programm der Vereinten Nationen ist in diesem Jahr drastisch gekürzt worden. Das ist etwas, was ich wirklich nicht nachvollziehen kann."

Quelle:

www.nachdenkseiten.de/?p=27876#h01

Fazit aus meiner Sicht:

konzertierte Aktion ... warum sollte Erdogan ohne Anlass die Grenzen öffnen, dabei wird gleichzeitig das Nahrungs-Mittel-Programm gekürzt?

Bei aller Abneigung gegen Erdogan: der Mann ist alles andere als dumm oder launisch ... sowas macht kein Machtpolitker ohne Kalkül oder Anweisung.

Hier wird (wieder einmal) die Rund-Um-Destabilisierungs-Politik der USA ggüber der EU deutlich. Was machen die als nächstes? Unsere Flüsse vergiften, die Bienen verstrahlen und unsere landwirtschaftlichen Produkte als "verseucht" erklären?

Denen traue ich ALLES zu.
Flüchtlingspolitik: mal was Neues und lesenswert DarkKnight
DarkKnight:

Der eigentliche Grund für die Flüchtlingswelle ist

4
13.10.15 14:53
#2
in den letzten Tagen klar zutage getreten:

im Norden Syriens befinden sich zwei räumliche getrennte, kurdisch dominierte Gebiete, die einen eigenen Staat fordern. Dazwischen liegt das Gebiet, das derzeit noch vom IS kontrolliert wird.

"Warum die USA und die Türkei die syrische Regierung stürzen wollen und die neue Rolle Russlands

Die auch von Deutschland mit Waffen und durch Ausbildung unterstütze kurdische PYD erzielt gegen den IS im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei beachtliche Erfolge. Sollte es den Kurden gelingen, den IS auf syrischer Seite vollständig aus dem Grenzgebiet zu drängen, würde dies zwei kurdische Gebiete entlang der türkischen Grenze miteinander verbinden und die Grenze wäre vollständig unter kurdischer Kontrolle. Dies würde vor allem für die Türkei aber auch für die USA und ihre gegen Assad kämpfenden Verbündeten den Gau bedeuten. Denn über dieses vom IS kontrollierte Grenzgebiet kommen Kämpfer und Waffen für IS und andere islamistische Kampfgruppen wie dem al-Kaida-Ableger al-Nusra von der Türkei nach Syrien, werden in die andere Richtung verwundete islamistische Kämpfer in türkische Krankenhäuser gebracht. Die vollständige Einnahme dieser Gebiete würde die Kurden stärken und ein eigener autonomer Staat käme für sie in greifbare Nähe.

........ In großen Teilen Europas und auch in Deutschland erscheint inzwischen Assad, an dem auch Russland nicht mehr auf alle Ewigkeit festhalten will, wohl aber an einer von den Alawiten gestellten syrischen Regierung, als das kleinere Übel gegenüber den IS-Horden. In dieser Situation scheint die Türkei in Einklang mit den USA und Großbritannien beschlossen zu haben, wieder einmal vehement die Einrichtung einer Sicherheitszone für syrische Flüchtlinge zu fordern. Diese Zone soll nun just auf jenem syrischen Staatsgebiet entstehen, das noch zwischen den beiden Kurdengebieten liegt und von islamistischen Gruppen beherrscht wird. ........Doch wäre damit ein sicherer Korridor für Kämpfer und Waffen für den Krieg gegen Syrien geschaffen, das Zusammenwachsen kurdischer Gebiete verhindert."

Quelle: www.nachdenkseiten.de/?p=27893#h14
Flüchtlingspolitik: mal was Neues und lesenswert BarCode
BarCode:

Ich wiß, es ist schwer,

3
13.10.15 15:36
#3
von alten Gewohnheiten und Bildern abzulassen. So fällt es vielen schwer, einzusehen, dass die USA im Nahen Osten und auf die Akteure dort weitgehend ihren Einfluss verloren hat. Das hat vielerlei Gründe:
- zum einen haben sie es im Irak voll verkackt und das macht sie als Verbündete unattraktiv. Ihre Macht hat immense Kratzer bekommen.
- die regionalen Mächte kochen dort weitgehend ihre eigenen Süppchen und kümmern sich kaum noch darum, was die USA wollen.
- die Interessenlage hat sich insgesamt etwas geändert: das Öl dort ist für die USA nicht mehr direkt relevant. Sie haben sich inzwischen von der Abhängigkeit von den dortigen Energieträgern frei gemacht. Es ist eher der Rest der Welt, - insbesondere auch Europa - der da noch virulente Interessen im Spiel hat. Die USA sind aber längst nicht mehr bereit nach dem teuren Irak-Desaster, da mit vollem (militärischem) Engagement die Interessen der anderen zu wahren. Einzig Israel spielt noch eine besondere Rolle.
- strategisch interessieren die USA global vor allem noch Russland und China, sowie die Frage von Atomwaffenbesitz. Sie sind auch "europamüde". Sie wollen für Europa nicht mehr auf eigene Kappe überall die Kohlen aus dem Feuer holen.

Das heißt: wer sich in den Konflikten und deren Entwicklung zu sehr auf die USA konzentriert, kommt m.E. zu falschen Einschätzungen. Gerade in Syrien zeigt sich: das Engagement der Amis ist zurückhaltend, volatil und relativ wenig leidenschaftlich. Sie interessiert vor allem, dass sich die fundamentalen Islamisten nicht allzusehr Israel annähern. Assad war ihnen ursprünglich eigentlich egal. Besser: mit ihm hatte man irgendwie einen Modus vivendi hinsichtlich Israel gefunden. Bush hat Syrien ja sogar als Folterkammer benutzt.
Das Problem war eher, dass man davon sicher ausging, als es zu den innersyrischen Aufständen kam, dass Assad sich gegen die sunnitische Mehrheit nicht halten können würde und man es dann womöglich an den Grenzen Israels mit einem fundamentalistisch-islamistischen Regime zu tun kriegen würde, wenn man da nicht moderaten Kräften den Weg zur Macht bahnen helfen würde.

Der Großteil der moderaten Kräfte waren aber eher unentschlossen oder tendierten eher Richtung "lieber Assad ertragen als die Islamisten".
Insofern: Die USA spielen da kaum eine Rolle.

Ein Beitrag zur Friedensstiftung und ein leuchtendes Beispiel ueberschwaenglicher Willkommenskultur!
Flüchtlingspolitik: mal was Neues und lesenswert BarCode
BarCode:

Und die UN-Hilfen-Finanzierung

4
13.10.15 15:44
#4
bzw. Kürzung ist m. E. überhaupt kein Zeichen für "konzertierte Aktion. ALLE haben gekürzt, am wenigstens übrigens die USA, weil es ihnen lästig war, dafür Geld zu spenden.
Die Hilfsprogramme der UN beruhen auf freiwilligen Zahlungen der Mitgliedsländer. Die bestimmen alle jeweils selbst, was sie zu geben bereit sind. Und im Zuge der Sparpolitik überall hat man da halt gestrichen.

Dass die Flüchtlingshilfe der UN kürzen musste, lag allein an der Zahlungsunwilligkeit aller. Und das fällt uns jetzt auf die Füße. Deutschland hatte zuletz 139 Mio. gegeben.
Und das dann noch gekürzt. 50x so viel wäre wahrscheinlich am Ende halb so teuer gewesen als jetzt das Flüchtlingsdram kosten wird, wenn man damit ein paarhunderttausend davon abgehalten hätte, loszumarschieren...
Ein Beitrag zur Friedensstiftung und ein leuchtendes Beispiel ueberschwaenglicher Willkommenskultur!
Flüchtlingspolitik: mal was Neues und lesenswert BarCode
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Übrigens:

2
13.10.15 15:54
#5
Dieser Satz in Nr. 2 zeugt von einer völligen Fehleinschätzung:

"Dies würde vor allem für die Türkei aber auch für die USA und ihre gegen Assad kämpfenden Verbündeten den Gau bedeuten."

Für die Türkei stimmt das. Die möchte da unbedingt eine "Schutzzone". Zum Schutz vor den Kurden. Die Flüchtlinge sind da nur das Feigenblatt.

Für die USA: nein! Sie haben ja grade beschlossen, vor allem die PYD zu unterstützen gegen IS. Sie gehören zu den "Verbündeten der USA", so man davon überhaupt sprechen kann. Im Prinzip haben die USA dort keine "Verbündeten" mehr. Sie unterstützen mal diesen oder jenen - ob er will oder nicht...
Siehe oben.
Ein Beitrag zur Friedensstiftung und ein leuchtendes Beispiel ueberschwaenglicher Willkommenskultur!
Flüchtlingspolitik: mal was Neues und lesenswert DarkKnight
DarkKnight:

Danke für die Beurteilung, BarCode.

2
13.10.15 15:55
#6
Ich mein das im Ernst, ansonsten laufe ich Gefahr, durch die "Nachdenkseiten" zu einseitig zu werden.

Auf jeden Fall mal ein paar bereichernde Gedanken hier. Also: danke nochmals.
Flüchtlingspolitik: mal was Neues und lesenswert BarCode
BarCode:

Um das nochmal genauer zu machen:

4
13.10.15 16:50
#7
Es gibt die beiden UN-Hilfsorganisationen: UNHCR für Flüchtlinge und das Welternährungsprogramm (WFP) gegen den Hunger. Beide finanzieren sich aus Spenden und freiwilligen Zuweisungen der Mitgliedsstaaten. Die meisten zahlen nix...

Aus Geldmangel musste die UNHCR eine Reihe von Flüchtlingslagern rund um Syrien verkleinern bzw. schließen.

Das WFP, das für die Nahrungsbeschaffung bzw. die Finanzierung von Nahrungsgutscheinen auch für Flüchtlinge zuständig ist, musste vor einigen Monaten aus Geldmangel die Pro-Kopf-Ausgabe pro Flüchtling halbieren. Es fehlten rund 140 Millionen. Das wäre für die 30 reichsten Länder ein Portokassenbetrag von 5 Mio. gewesen!

Niemand fühlte sich zuständig. Beides zusammen hat die Fluchtbewegungen extrem verstärkt.

Jetzt wird plötzlich gezahlt. Deutschland hat gerade 20 Mio. an das WFP überwiesen. Zu spät...
Ein Beitrag zur Friedensstiftung und ein leuchtendes Beispiel ueberschwaenglicher Willkommenskultur!
Flüchtlingspolitik: mal was Neues und lesenswert uiuiui
uiuiui:

Gut zusammengestellt, doch ist alles so?

 
13.10.15 17:48
#8
Die Bomben wurden allerdings vom Republikanischen Präsidenten der USA geworfen. Die UN werden von denen nicht wirklich unterstützt. Das sollen die dummen Europäer machen.
Sollen wir Europäer alles zahlen, unterbringen und wiederherstellen.
Die ganzen Schice UN Bauten sollen wir auch erhalten. Wie in Wien mit Sprengmittelsicheren Scheiben nachrüsten wenn sich die Amis bedroht fühlen.
Die Europäer werden hier gewaltig vorgeführt und in Nazis und Gutmenschen geteilt.
Flüchtlingspolitik: mal was Neues und lesenswert BarCode

Plop....

 
#9
Da fiel es ins Bodenlose, das Niveau.
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