Europäer basteln an eigenem GPS-System

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Europäer basteln an eigenem GPS-System Happy End

Europäer basteln an eigenem GPS-System

 
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Fast hätte der Irak-Krieg auch die deutschen Autofahrer treffen können. Doch die GPS-Navigationssysteme für Millionen von Autos funktionieren einwandfrei. Das hat seinen Grund: Im Hintergrund versuchen die USA, die Europäer von einem eigenen Satellitensystem abzubringen.

Hamburg - "Hunderttausende von Autofahrern können bei einem Kriegsausbruch ihrem Navigationsgerät nicht mehr trauen." So und ähnlich klangen die Warnungen, die die Automobilclubs und Militär-Experten noch in der vergangenen Woche vor Kriegsbeginn europaweit ausstießen.

Seitdem ist es ruhig geworden. Anders als im Golfkrieg 1991 laufen die Navigationssysteme, die die GPS-Technik ("Global Positioning System") nutzen, ungestört weiter. Warum die Störungen nicht eintraten, hat vielerlei Gründe. Ausschlaggebend waren sicherlich politische Überlegungen.

Ferngelenkte Bomben

Zum Hintergrund: GPS ist eine von den USA betriebene Satellitentechnik, mit der die eigene Position bis auf wenige Meter genau bestimmt werden kann. 30 GPS-Satelliten kreisen derzeit in einer Höhe von 23.000 Kilometern um die Erde. Sie gehören dem amerikanischen Militär.

In militärischen Diensten ist die GPS-Technik vor allem im Kampf an vorderster Front nützlich: nicht nur zur Ortung der einzelnen Brigaden sondern auch zur Steuerung der so genannten intelligenten Raketen. Mit den ferngelenkten Präzisionswaffen - wozu auch Laser-gesteuerte Bomben zählen - sollen die gegnerischen Stellungen punktgenau attackiert werden. In der Öffentlichkeit wird dann gerne von "chirurgischen Schlägen" berichten.

Navigationssysteme ohne Anschluss

Die Technik wird allerdings nicht nur von der Armee eingesetzt, sondern ist auch für zivile Zwecke offen. Mittlerweile nutzen einige Millionen Autofahrer GPS-Navigationssysteme. Längst hat GPS in der Schifffahrt, bei Logistikunternehmen, Geodäten und Berg- und Wüstenwanderer Einzug gehalten. So werden ganze Fahrzeugflotten per Satellitensystem gesteuert, im Hafen Container geortet – neuerdings kann man sogar auch Autos mit einem Chip versehen, damit die Karosserien wieder gefunden werden, sollten sie einmal gestohlen werden.

Militärexperten hatten nun im Vorfeld des Irak-Krieges damit gerechnet, dass die USA zu Kriegsbeginn die GPS-Signale umcodieren - mit weitreichenden Folgen. Die Signale wären verfälscht worden. Mit den Veränderungen hätten die Amerikaner von vornherein verhindert, dass die Iraker nicht ihrerseits Satelliten-gesteuerte Raketen auf die US-Truppen abfeuern, erklärt ein Sprecher des deutschen Automobilverbands AvD gegenüber manager-magazin.de.

Zudem hieß es, die USA wollten möglicherweise die Konstellation der GPS-Satelliten so verändern, dass in der Golfregion die maximale Leistungsfähigkeit erreicht werden könne. Das hätte die anderen Regionen wiederum geschwächt. Dass die zivilen GPS-Frequenzen sogar einfach abgeschaltet würden, um das eigene Netz zu stärken oder die gegnerische Position zu schwächen, damit rechneten Experten allerdings nicht.

Europäer basteln an eigenem GPS-System

Die USA wollen ihrer Verantwortung gerecht bleiben, hieß es in einer offiziellen Erklärung, denn im zivilen Bereich kann auf die Technik kaum mehr verzichtet werden. Einer der Hauptgründe, warum die Großmacht tunlichst darauf achtete, Europa nicht in Mitleidenschaft zu ziehen, dürfte aber gewesen sein, das die USA verhindern will, den Europäern für den Aufbau eines eigenen GPS-Satellitensystems das geeignete Argument zu liefern.

Denn genau das ist in der EU schon seit langem in Planung. EU-Kommissarin Loyola de Palacio versucht derzeit, den Aufbau des europäischen Satellitenprogramms Galileo vorantreiben, mit dem sich Europa vom US-GPS-System unabhängig machen könnte. Notfalls solle das Projekt auch ohne Beteiligung der Europäischen Raumfahrt-Agentur (Esa) durchgeführt werden, heißt es in einem aktuellen Artikel der "Wirtschaftswoche". In dieser Woche wollen sich demnach die EU-Verkehrsminister treffen, um unter anderem über den künftigen Sitz des Industriekonsortiums Galileo abzustimmen. Deutschland und Italien buhlen dabei bei der Standortfrage.

Milliarden Projekt mit Hürden

Galileo ist ein Prestige- aber vor allem auch ein teures Projekt. Allein die Kosten für die Entwicklung werden auf 1,1 Milliarden Euro beziffert. Weitere 2,5 Milliarden würde die Installation der insgesamt 30 Satelliten kosten, heißt es in der aktuellen "Zeit". Dazu kämen noch einmal jährlich 200 Millionen Euro Betriebskosten nach der für 2008 geplanten Fertigstellung. Die Kosten sollen sich die Europäische Raumfahrtagentur Esa und die EU teilen.

Kein Wunder, dass die Begeisterung für das Mamutprojekt bei den einzelnen Regierungen lange Zeit gering war - auch wenn einer Studie zufolge damit gerechnet wird, dass sich Galileo einmal wirtschaftlich rechnen könnte. Anders als bei dem amerikanischen GPS-Angebot wollen die Europäer Presseberichten zufolge nämlich die Nutzung der Satellitentechnik für den zivilen Gebrauch keinesfalls kostenlos zur Verfügung stellen. Geplant seien einträgliche Nutzungslizenzen.

Streit über den Finanzierungsschlüssel

Bisher verliefen die Planungen für Galileo jedoch nur schleppend. Seit Monaten verhinderte ein Zwist über den komplizierten Finanzierungsschlüssel den Start des ambitionierten Projekts. Jüngst schossen Italien, Spanien und Deutschland quer und verhinderten damit einen Kompromiss. Italien beanspruchte eine führende Position, genauso Deutschland. Doch eine Einigung rücke näher, hieß es unlängst in Presseberichten. Italien und Deutschland hätten sich geeinigt.

Den Franzosen dürfte das Projekt zumindest besonders gut in ihre Politik passen. Ohne ein eigenes Satellitensystem bleibe man immer "Vasall der USA", tönte Präsident Jacques Chirac vor kurzem. Die USA antworteten prompt. US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz forderte den Stopp des Satellitensystems. Von gefährlichen Auswirkungen war da die Rede. Unkontrollierte Nutzung – wohlmöglich terroristische - war damit wohl gemeint.

www.manager-magazin.de/ebusiness/artikel/0,2828,242345,00.html


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