erst der Osten und jetzt auch wir !!

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erst der Osten und jetzt auch wir !!

 
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Die vermeintliche oder tatsächliche Pleite der DDR
und der Zustand ihrer (Staats-)Wirtschaft war ab 1990 immer wieder Anlass für Diskussionen. Der umgangssprachliche Begriff Pleite kann zu Missverständnissen führen, denn prinzipiell wäre zu unterscheiden zwischen einer wirtschaftlichen bzw. finanziellen Problematik (der Zahlungsunfähigkeit) und ihrer politischen Dimension. Die Zahlungsunfähigkeit eines Staates bedeutet eine ernste Krise, führt aber nicht zwangsläufig zum "Zusammenbruch" der Wirtschaft oder gar des gesamten Staatswesens, wie die Beispiele der RGW-Staaten Polen und Rumänien zeigten, die schon vor 1989 zahlungsunfähig wurden.

Die nach der Wende oft zu hörende Behauptung, die DDR wäre "wirtschaftlich ohnehin bald zusammengebrochen", hat einen wahren Hintergrund. Denn 1989 war der Staat DDR praktisch schon zahlungsunfähig; der Anschein der Bonität wurde lediglich durch eine Art staatlicher Kreditreiterei gewahrt (d.h. Einsatz von Krediten einer Bank als "Sicherheit" für Kredite anderer Institute, vgl. Geheime Kommandosache Schalck u.a. vom 28.09.1989). Der desaströse Zustand der Zahlungsbilanz (siehe unten bei 4.) bildete ein Druckmittel der BRD-Regierung zur Beförderung der deutschen Einheit, doch waren die Gründe für den Zusammenbruch der Macht der SED - nicht des Staates DDR - eher politischer Natur.

Es gab während ihrer Existenz kein offizielles Eingeständnis der Zahlungsunfähigkeit durch eine Regierung der DDR. Die westliche Presse sah die DDR bis zum Sommer 1989 überwiegend als "stabil und zuverlässig" (1) an (mit "Erosionserscheinungen" etwa ab 1988 (2)). Die Dramatik der ökonomischen Situation gelangte ab dem Jahresende 1989 schlagartig, als böse Überraschung ins Bewusstsein der Bürger beider deutscher Staaten. Ein explizites Eingeständnis hätte die finanzielle Lage wohl unnötig kompliziert, jedenfalls gab es auch nach diesem Zeitpunkt nur bruchstückhafte Informationen und Spekulationen. Die Beurteilung der Zahlungsbilanz und der ökonomischen Gesamtlage der DDR zur Wendezeit erschloss sich im Nachhinein aus Archivmaterial und aus - subjektiv geprägten - Zeugenaussagen.

Eine Zahlungsunfähigkeit der DDR wäre für die SED-Verantwortlichen blamabel gewesen, ein Eingeständnis hätte 1989/90 kaum zur "inneren Stabilisierung" beigetragen. Letztere war in dieser Zeit das Hauptanliegen der (noch) regierenden SED, denn v.a. die weltweit beachtete Fluchtbewegung und die Massendemonstrationen hatten zu einer Herabstufung der DDR in puncto Kreditwürdigkeit geführt. Dadurch wurde die Finanzlage bedrohlich (so Schalck im Oktober 1989 in einem Brief an Polze (3)). Ein Abwenden der Zahlungsunfähigkeit hätte nicht nur eine innenpolitische Beruhigung (bis November '89 evtl. durch eine "chinesische Lösung" zu erreichen) erfordert, sondern auch eine Kraftanstrengung der gesamten Bevölkerung (s.u. 3., 4.) - unter einer Führung, die möglichst das Vertrauen der Bürger und auf jeden Fall die fachliche Kompetenz hätte besitzen müssen, um solch einen Kraftakt zu bewältigen.

Da in der "Schicksalsstunde" der DDR keine dieser Voraussetzungen gegeben war, gestalteten sich die verstärkten Verhandlungen mit der BRD ab dem Herbst 1989 denkbar ungünstig. Sie fanden unter dem Druck der Ereignisse und aus purer Not statt, denn die - objektiv oder "nur" im Vergleich zum Westen - schlechte Versorgungslage war ein Hauptgrund für die Fluchtbewegung. Mit zunehmender Klarheit über den Zustand der DDR-Zahlungsbilanz verliefen die Gespräche immer einseitiger, wie sich z.B. Krenz und Modrow später erinnerten (4). Zuletzt handelte es sich um bloße "Bittgänge", nachdem mit der Maueröffnung "der letzte Trumpf verspielt" war (5).
So verband sich die wirtschaftliche untrennbar mit der politischen Dimension, weshalb im Fall des Endes der DDR der umfassende Begriff der Pleite angebracht scheint.

Im Folgenden werden einzelne Aspekte des ökonomischen Niedergangs näher beleuchtet. Natürlich kann eine so knappe Darstellung kaum vollständig sein. Sie wurde für das Lexikon nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Die Länge des Artikels trägt der Bedeutung des Themas Rechnung.








fast die gleiche Scheiße, dass haben wir nun davon!!!!!!!


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