Erfolg auf ganzer Linie

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01.04.03 11:33
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Erfolg auf ganzer Linie

Florian Rötzer   01.04.2003

US-Präsident Bush sucht mit den immer gleichen rhetorischen Versatzstücken die Nation hinter seinem Krieg zu halten

Die Kriegsplanung steht unter Kritik. Der schnelle mediengerechte Vormarsch auf Bagdad, die Höhle des Bösen, ist vorerst zum Stillstand kommen. Das Regime, das wie ein Kartenhaus zusammenstürzen sollte, wenn die Truppen von Bush mit dem Zerstörungsspektakel von Shock-and-Awe einfallen, zeigen unerwarteten Widerstand. Zivile Opfer werden mehr, gerade auch in Folge des ersten Selbstmordanschlags. Präsident Bush sucht die Öffentlichkeit mit der frohen Botschaft zu überzeugen, dass alles gut ist und man stetig vorankomme.


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So muss ein Kriegsherr für das Weiße Haus auftreten: umgeben von Soldaten, in einer Kampfjacke und über sich, aus seinem Kopf kommend, die Nationalflagge.

Auf seiner [External Link] Rede auf dem Stützpunkt der Küstenwache in Philadelphia zeigte sich Bush wie immer gerne als Kriegsherr: rhetorisch und in Form seiner Kleidung. Auch wenn bei seiner Ankunft die Proteste unüberhörbar waren, so fand seine Rede wie so gerne in geschütztem, kritiklosem Territorium statt. So liebt es der Präsident, der eigentlich auch eine kritische Presse nicht schätzt und daher Pressekonferenzen mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen, möglichst vermeidet.

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Für die nicht im Staatsdienst stehenden US-Bürger hatte der fürsorgliche Präsident gleich am Anfang einen Rat, wie sie sich für Amerika engagieren könnten: Beobachten oder bespitzeln der Mitbürger, ist sein Vorschlag. Man kann auch helfen, irgendwie besser vorbereitet zu sein. Und schließlich die Devise, die die Iraker, die gegenwärtig bombardiert werden und sich nicht sicher fühlen können, gerne hören werden: "Sie können einen Nachbar lieben, ebenso wie Sie selbst geliebt werden mögen." Das ist Reziprozität, Tit for Tat.

Aber es geht eigentlich um Wichtigeres, nämlich dass amerikanische Bürger, "unterstützt von einer starken Koalition", darum kämpfen, "ein gefährliches Regime zu entwaffnen und ein unterdrücktes Volk zu befreien". Und in der kurzen Zeit lief alles bestens. Die Truppen haben "brillante Leistungen" erbracht und "uns" stolz gemacht. In nur 11 Tagen haben sie nämlich den größten Teil des westlichen und südlichen Iraks unter ihre Kontrolle gebracht (auch wenn es hier eigentlich keinen Widerstand gab). Man hat wichtige Brücken besetzt, die Ölfelder geschützt, eine Nordfront eröffnet, eine "fast vollständige Lufthoheit erreicht" (die man allerdings auch schon vorher hatte) und verteilt "Tonnen an humanitärer Hilfe". Auch wenn noch viele Gefahren in der Zukunft warten, geht der Fortschritt so voran, wie er dies sollte: "Wir nähern uns Bagdad immer mehr. Tat für Tag nähern wir uns dem Sieg."

Nach dem Sieg ist der Tyrann gefallen, der mit "Terrorwaffen" den Terror gefördert hat. Die Menschen im Irak werden dann jubeln (auch wenn sie dies jetzt noch nicht tun). Der Sieg wird natürlich die "Forderungen der Vereinten Nationen und der zivilisierten Welt" einlösen (selbst wenn viele dies jetzt noch nicht begreifen). Die Iraker kämpfen jetzt überwiegend, so Bush, weil sie dazu von den "Todesschwadronen" gezwungen werden. Und dass relativ wenig Freude über die Befreier zu sehen ist, verdankt sich einzig dem Umstand, dass diejenigen, die Freude zeigen, kaltblütig ermordet werden. Ansonsten sind sie an Angst und Misstrauen durch die lange Herrschaft gewohnt. Doch Bush gibt eine Verheißung: Wir kommen - und damit die Befreiung!

"We're coming with a mighty force to end the reign of your oppressors. We are coming to bring you food and medicine and a better life. And we are coming, and we will not stop, we will not relent until your country is free."

Inzwischen werden die Menschen von den Befreiern weiter durch Bombardements gefährdet und bis zum Beweis des Gegenteils als mögliche Gegner betrachtet, wodurch auch, wie eben geschehen, einmal ein Bus mit Frauen und Kindern von Schüssen sicherheitshalber durchsiebt werden kann. Auf der anderen Seite werden diese Menschen als Geiseln und Schutzschilde benutzt. Terrorisiert wird die Bevölkerung durch beide Kriegsparteien. Wohin die Sympathien letztlich gehen werden, ist offen. Dass bei einem längeren Krieg mit vielen Opfern durch Bombardierung und Häuserkampf sowie einer anschließenden militärischen Besatzung das Land für längere Zeit mindestens ähnlich zerrissen bleibt wie jetzt Afghanistan dürfte jedoch klar sein.

Bush versucht, wieder einmal das Kernstück der Kriegsrechtfertigung zusammen zu bringen. Während das "untergehende Regime" versuchen kann, "Terror zu unseren Küsten" zu bringen, könnte das "globale Terrornetzwerk", seinerseits Angriffe zu starten. Doch so, wie die USA die Terroristen einen nach dem anderen erledigt, wird man auch das Irakregime beenden und gleichzeitig den Schutz der Grenzen und der Infrastruktur verstärken: "This nation is determined", scheint der Slogan zu sein, um die Menschen von der Handlungskraft der Regierung zu überzeugen.

Es ist nämlich so, versichert Bush den amerikanischen Bürgern, dass "Amerika" nach den Angriffen am 11.9. eine Entscheidung getroffen habe, die nun von Bush nur umgesetzt wird: "Wir werden nicht warten, bis unsere Feinde zuschlagen, bevor wir zurück schlagen. Wir erlauben es Terroristen und Terrorstaaten nicht, Pläne zu schmieden und stärker zu werden, während wir nichts tun." Es wird alles nur gemacht, um die USA besser zu schützen, zahllose Leben in der Zukunft zu schützen und eine große Gefahr für alle "freien Nationen" zu eliminieren.

Von diesem Präsidenten mitsamt seinen Beratern ist nicht zu erwarten, dass eine Diskussion über die Strategie stattfinden kann. Das Vorgehen wird verordnet, jede Spur von Zweifel gilt als Verrat. Dass gerade der Versuch, eine möglichst hohe Sicherheit durch das Schließen der Grenzen, die Überwachung der Bürger und das Führen von präventiven Kriegen, zu größerer Unsicherheit und zur Aufrüstung von Massenvernichtungswaffen führen könnte, kommt selbstverständlich in der kriegerischen Siegesbotschaft des obersten Kriegsherrn nicht vor, dessen wirkliche Beweggründe schleierhaft und wahrscheinlich eine Mischung aus Obsession, Machtbesessenheit, Ödipuskomplex und Beeinflussung eines wenig intellektuellen Geistes durch erfahrene Autoritäten sind. Bush jun. wird vermutlich dennoch eher als sein Vater in die Geschichte eingehen. Nicht weil er für mehr Sicherheit gegenüber Terroristen und Schurkenstaaten gesorgt und die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen verhindert hat, sondern weil er der alten Weltordnung mit der Rhetorik aus der Zeit des Kalten Kriegs den letzten Schups gegeben hat, durch den sie allmählich in sich zusammen fällt.

Jetzt ist es nicht nur mit dem Kommunismus zu Ende, sondern auch mit der seligmachenden Ideologie von Freiheit und freier Marktwirtschaft. Neue, aber flüchtige "Achsen" entstehen, Massenvernichtungswaffen verbreiten und asymmetrische Konflikte mehren sich. Und ob wir wollen oder nicht, so wird der Kampf der Kulturen das Geschehen auf der Weltbühne bestimmen. Die von den Konfliktparteien angeführten Gründe muss man nicht Ernst nehmen, wohl aber die Konsequenzen.

http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/14503/1.html

Erfolg auf ganzer Linie clip

dem gehen langsam die blondinen aus

 
#2
hoffentlich bald

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