Ein Sieg für die Menschen in Bagdad

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Ein Sieg für die Menschen in Bagdad

 
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Ein Sieg für die Menschen in Bagdad

Ein Stalingrad hatte das irakische Regime in Bagdad angekündigt. In Häuserkämpfen sollte die Hauptstadt zur großen Grabstätte der amerikanischen Invasoren werden. Stattdessen rollten nun die amerikanischen Panzer unbehindert durch die Stadt, und die Eroberer spazieren lächelnd auf den Straßen umher. Selbst die Statuen Saddam Husseins scheinen ihnen freundlich zu winken, bis sie von den Irakern mühsam von den Sockeln gestoßen werden.

 Militärisch hat George Bush den Kräftevergleich mit Saddam Hussein offenkundig für sich entschieden. Man fragt sich nur: Wohin sind über Nacht all jene Gefolgsleute Saddams verschwunden, von denen erwartet wurde, dass sie das Regime bis zum letzten Blutstropfen verteidigen werden. Und: Warum war die Eroberung Bagdads so überraschend leicht, während im Süden die kleine Schmuggler-Hafenstadt Umm Kasr so vehement verteidigt worden war?

 In jedem Fall dürften die Experten richtig liegen, die den Amerikanern einen leichten Sieg, aber eine schwere Nachkriegszeit prophezeiten. Und die beginnt praktisch mit dem heutigen Tag. Das erste unmittelbare Problem der US-Truppen wird sein, sich vom Erobern auf Verwaltungs- und Polizeiarbeit umzustellen. Bereits in Basra haben die britischen Soldaten ihre liebe Mühe, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Nachdem dort seit Tagen geplündert wird, erreichen uns jetzt die ersten Berichte, dass unter den Bewohnern bislang unterdrückte Konflikte offen ausbrechen und zum Teil blutig beglichen werden.

 Anders als in Basra, das fast ausschließlich von Schiiten bewohnt wird, findet sich in Bagdad dazu noch eine explosive Mischung verschiedener religiöser und ethnischer Gruppen. Hier könnte es in einem Machtvakuum, wie es jetzt möglich ist, erst recht zu gewalttätigen Konflikten kommen. Die amerikanischen Soldaten müssen also nicht nur die Plünderungen stoppen, die vor allem in dem schiitischen Armenviertel Saddam City toben. Sie müssen auch verhindern, dass die Irakis aufeinander losgehen.

 Aber warum immer alles schlechtreden? Gut ist der schnelle militärische Sieg der Amerikaner in jedem Fall für die Menschen in Bagdad, denen ein noch größeres Blutbad erspart bleibt. Gut ist, dass die Saddam-Statuen im Staub liegen. Am Ende bleibt aber ein bitterer Geschmack. Washington hat im Kampf gegen das Böse mit diesem vermeintlich leichten Sieg nun erst einmal richtig Blut geleckt. " KARIM EL-GAWHARY

taz Nr. 7027 vom 10.4.2003, Seite 1, 66 Zeilen (Kommentar), KARIM EL-GAWHARY,  Leitartikel



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