Ein lesenswerter Aufruf - heute aktueller denn je?

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Ein lesenswerter Aufruf - heute aktueller denn je? Major Tom
Major Tom:

Ein lesenswerter Aufruf - heute aktueller denn je?

 
06.09.04 13:49
#1
Aufruf für eine offenere Welt
veröffentlicht in der schwedischen Zeitung DAGENS NYHETER Nr. 26, September 2000:

Wir leben in einer Zeit der Hoffnung. Vor unseren Augen erfolgt eine unerhörte Revolution menschlicher Lebensbedingungen, ein Entwicklungssprung, der in der Weltgeschichte beispiellos ist. Noch nie waren die kreativen Kräfte der Menschheit so groß wie heute.

Noch nie haben sich so viele Menschen aus der Armut befreit wie in den letzten 25 Jahren. Nie zuvor waren so viele frei und sicher wie heute. Wir leben in einer Zeit der Möglichkeiten, in einer Ära wachsender globaler Nähe, größeren Wohlstandes und friedlicher Zusammenarbeit. Nationale Grenzen bedeuten immer weniger, die freie Wahl des Individuums hingegen desto mehr.

Diese Entwicklung ist um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass unsere Welt noch vor kurzem durch nationalistische Konflikte und Gewaltorgien totalitärer Regime mit Blut und Tränen getränkt war.

Die Zeit der Hoffnung und der Möglichkeiten ist aber zugleich eine Zeit der Frustration und der Unruhe. Frustration darüber, dass noch immer viele von der segensreichen Dynamik des Globalisierungsprozesses ausgeschlossen sind. Frustration, da jeder Schritt vorwärts zugleich bedeutet, dass Elend und Unfreiheit, die noch bestehen, immer weniger akzeptabel sind.

Aber auch Unruhe, eine Unruhe, die viele angesichts des Umwandlungsdrucks und der neuer Herausforderungen empfinden. Unruhe, wenn überkommene Produktionsformen und eingefahrene Lebensweisen nicht mehr gelten. Der Übergang zu Neuem ist selten leicht und schmerzlos. Krisen und kurzfristige Verluste können hier und da entstehen, und nicht jeder findet den Weg in die Zukunft.

All das führt zu heftig widerstreitenden Gefühlen angesichts der gegenwärtigen Globalisierung und schafft breiten Raum für allerlei Schwarzseher, Opportunisten, Unzufriedene und Polit-Rowdies. Wir kennen die Namen und Organisationen einiger von ihnen: Jean Marie Le Pen, Ignacio Ramonet, Jörg Haider, Jeremy Rifkin, Pat Buchanan, Viviane Forrester, Carl I. Hagen, José Bové, Pia Kjaersgaard, Attac, AFA, Front National, Reclaim the Streets, Frihetspartiet usw. In der Tat - ein buntes Völkchen!

Der Globalisierungswiderstand rekrutiert seine Truppen aus allen Lagern, von Rechts- bis hin zu Linksextremisten, von der intellektuellen Elite, die sich um die französische Zeitung "Le Monde Diplomatique" schart, bis zu Berufsrevoluzzern und Straßenkämpfern, von denen, die jegliche Marktwirtschaft zerschmettern wollen, bis zu jenen, die ihre eigene Marktwirtschaft gegen unwillkommene Konkurrenten verteidigen wollen. Daher sind auch ihre Motive, Aktionsmethoden und Hassobjekte höchst unterschiedlich. Manche stürzen sich auf McDonald's Restaurants in Millau oder Seattle, andere bilden wandernde Happenings gegen das "globale Establishment", einige beschuldigen importierte Waren aus der Dritten Welt für allerlei nationales Mißgeschick und wieder andere reiben sich an armen Einwanderern, um das eigene Volkstum zu retten.

In einem wichtigen Punkte sind sich jedoch alle Globalisierungsfeinde einig: Sie alle wollen Mauern errichten, welche die ungehinderte Mobilität von Menschen, den Fluß von Waren, Kapital und Technik, sowie den kulturellen Austausch einschränken. Deshalb hassen sie die verschiedenen regionalen und globalen Übereinkommen und Organisationen, die eine freiere Mobilität von Ressourcen, Individuen oder Ideen über die nationalen Grenzen hinweg erleichtern: WTO, Weltbank, Nafta, EU, IWF, OECD, bilaterale Handelsverträge usw.

Und sie wollen auch die Menschen daran hindern frei zu wählen. Sie möchten am liebsten darüber bestimmen, welche Nahrung wir essen dürfen, welche Filme wir sehen und welche Musik wir hören dürfen, oder wie und wo wir unsere Rente ansparen, wohnen, arbeiten oder überhaupt leben sollen.

Die sogenannten Globalisierungsgegner vertreten viele unterschiedliche Ideologien, aber alle diese basieren auf einem tiefen Misstrauen gegenüber der individuellen Freiheit und der offenen Gesellschaft, die diese Freiheit ermöglicht. Typisch für die Globalisierungsfeinde ist ihr Anspruch, die allgemeine Meinung zu vertreten und im Namen der Armen - des Volkes, das sich gegen das Establishment erhebt - zu sprechen. So nämlich wollen die Anarchisten vom Black Bloc oder die Attac-Aktivisten sich sehen.

So hat man die sogenannte "Schlacht von Seattle" orchestriert und will damit das politische Rowdytum legitimieren, das José Bové so eindeutig verkörpert.
In diesem verlogenen Schauspiel treten fast alle Regierungsvertreter auf der Welt als Usurpatoren auf, während eine Menge von Mikrosekten sich als die legitimen Repräsentanten der Weltbevölkerung aufspielt. Selten hat man einen so kapitalen Betrug erlebt!

Wären es wirklich die Interessen der Armen, welche diese ihre selbst ernannten Vertreter im Sinne hätten, dann müssten sie für eine noch freiere Mobilität für Menschen, Ideen und Ressourcen plädieren - mit anderen Worten - für mehr Globalisierung. Das nämlich ist es, was die Armen brauchen: Teilzunehmen an der Weltwirtschaft - nicht davon ausgeschlossen zu werden.

Die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten zeigt , dass unsere neue Weltwirtschaft ein enormes Potenzial besitzt, dass es Alternativen zu Armut und Unterentwicklung gibt, dass es gilt, immer mehr Länder und Gebiete in dynamische Teile dieser expansiven Wirtschaft zu verwandeln.

Das ist die große Herausforderung, der wir all unsere Energie und Kreativität widmen müssen, wenn wir uns wirklich um diejenigen Gedanken machen, die bisher nicht Anteil an dem Wohlstand haben, den viele von uns heute als selbstverständlich ansehen.

Viel zu lange haben die Freunde einer offenen Gesellschaft die Gefährlichkeit der gegnerischen Agitation unterschätzt. Sie haben das Phänomen als eine Art politisches und intellektuelles Gestrüpp ohne größere Bedeutung für die Zukunft angesehen. Daher hat man die Apostel der Angst praktisch ungestört predigen und die eine Untergangsvision nach der anderen herausposaunen lassen.

Sie durften die unsinnigsten Behauptungen über den Zustand der Welt und den heutigen globalen Entwicklungsdurchbruch aufstellen, ohne, dass ihnen jemand systematisch widersprochen hätte. Heute erweist sich das als eine gefährliche Fehleinschätzung.

Die ideenmäßige Atmosphäre ist allmählich verpestet. Die Mythen von den destruktiven Effekten der Globalisierung werden von immer mehr Menschen als Wahrheiten hingenommen. Das Gefühl, in einer Welt am Rande des Abgrunds zu leben, ist von nur allzu vielen verinnerlicht worden.

Was wir jetzt sehen, sind die Folgen dieser Passivität, nicht zuletzt in Europa. Hier ernten alle möglichen nationalpopulistischen und fremdenfeindlichen Parteien die Früchte der Angst. Sie machen sich bereit, die höchsten Zinnen politischer Macht zu erklimmen.

Diese Entwicklung dürfte alarmierend genug sein, um zu einem breiten Gegenangriff gegen die Feinde der Offenheit zu blasen. Doch nicht genug damit: Die Geschichte sollte uns zu aktiver politischer und intellektueller Wachsamkeit für die grundlegenden Werte einer offenen Gesellschaft mahnen.

Vor etwa hundert Jahren versank eine vielversprechende Periode von Liberalisierung, Freihandel und größerer internationaler Mobilität für Menschen in einem Inferno kolonialer Intrigen, nationalistischer Kriege und protektionistischer Maßnahmen. Das bahnte den Weg für den Durchbruch des modernen Totalitarismus. Die sogenannte erste Globalisierung scheiterte 1914, mit unerhört tragischen Folgen. Ihre Ideen waren durch jahrzehntelange nationalistische und kollektivistische Agitation ausgehöhlt. Nach dem Ersten Weltkrieg explodierte diese in Form unerhört militanter, antiliberaler Massenbewegungen. Die Folgen kennen wir alle nur zu gut.

Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschlossen, einen virtuellen Treffunkt zu schaffen, für alle diejenigen, die finden, es sei höchste Zeit den Globalisierungsgegnern zu widersprechen und ihr zunehmend widerwärtiges und destruktives Schauspiel zu entlarven.

Wir sind davon überzeugt, dass es an der Zeit ist, sich zu einem kraftvollen Gegenangriff zu sammeln, der mit Hilfe der Waffen der Vernunft die Kräfte des Isolationismus zurückdrängen kann.

Engstirniges Stammesdenken ist wieder auf dem Vormarsch. Heute bläst aufs Neue der globale Tribalismus zum Angriff, diesmal in Prag. Und darum haben wir gerade diesen Tag gewählt, um die Bildung unseres Netzwerkes bekannt zu geben.

Nehmen wir den Fehdehandschuh auf. Geben wir heute den Startschuß zu einer wichtigen Aufklärungsarbeit über den Wert der Offenheit und die Gefahren der Abkapselung.

Und darum mahnen wir alle, die bei dieser Arbeit im Dienste einer offenen Gesellschaft mitwirken wollen, an unserem Gegenangriff teilzunehmen. Wir appellieren zugleich an die Regierenden und an internationale Organisationen, mit noch größerer Kraft für eine freiere Mobilität und eine offenere Welt zu arbeiten, besonders, wenn es gilt, die Märkte der reichen Länder wirklich für die Produkte der armen Länder zu öffnen.

Mauricio Rojas, Dozent und Initiator dieses Aufrufes
Alf Svensson, Vorsitzender der schwedischen Christdemokraten
Gunilla Carlsson, Europaparlamentarikerin, 2. Vorsitzende der schwedischen Moderaten Partei
Karin Pilsäter, Reichstagsabgeordnete und Wirtschaftssprecherin der schwedischen Liberalen
Göran Skytte, Journalist
Merit Wager, Meinungsbildnerin und juristischer Beistand in Ausweisungsfällen
Stig-Björn Ljunggren, Staatsrechtler
Ulf Kristersson, Kommunikationsdirektor
Carl Rudbeck, Chefredakteur von smedjan.com
Tove Lifvendahl, Kolumnist und Meinungsbildner
Erik Hörstadius, Schriftsteller
Johan Norberg, Journalist und Redakteur bei frihandel.nu
Birgitta Ohlsson, Vorsitzende der schwedischen Jungliberalen
Gunnar Strömmer, Vorsitzender der schwedischen Jungmoderaten
Ein lesenswerter Aufruf - heute aktueller denn je? Karlchen_I
Karlchen_I:

Könnte ich voll unterschreiben. o. T.

 
06.09.04 15:28
#2
Ein lesenswerter Aufruf - heute aktueller denn je? chrismitz
chrismitz:

Wird auch mal Zeit in deinem Alter! *gg* o. T.

 
06.09.04 15:58
#3
Ein lesenswerter Aufruf - heute aktueller denn je? SAKU
SAKU:

geht das jetzt schon wieder los? o. T.

 
06.09.04 16:00
#4
Ein lesenswerter Aufruf - heute aktueller denn je? chrismitz
chrismitz:

Späßle gmacht! o. T.

 
06.09.04 16:02
#5
Ein lesenswerter Aufruf - heute aktueller denn je? vega2000
vega2000:

Naiv

 
06.09.04 16:24
#6
Der Vesuch ist es wert MJ, aber die Realität sieht anders aus, -Beispiel gefällig?

Als in den USA ein durchgeknallter Wissenschaftler unbedingt den Anthraxvirus an der eigenen Bevölkerung ausprobieren mußte, wurde die Firma Bayer von der Regierung Bush gezwungen das Gegemittel zum Selbstkostenpreis abzugeben, andernfalls werde man die Patentfreigabe für die USA einziehen.
Als der Südafrikanische Präsident die US-Regierung darum bat das Patent für ein Mittel gegen AIDS freizugeben, damit die Regierung Südafrikas das Medikament kostenlos an die Bevölkerung zu verteilen kann, lautete die Antwort von G.W.Bush: "Tut uns leid, das ist Marktwirtschaft."
Ein lesenswerter Aufruf - heute aktueller denn je? Hartz5
Hartz5:

Major Tom, was macht die Unterzeichner

 
06.09.04 16:51
#7
deines Postings so sicher, daß diesmal der Versuch der Globalisierung erfolgreich verläuft? Erfolgreich im Sinne von einer Verbesserung der Lebensumstände für eine breite Masse der Weltbevölkerung.

Warum sollte dieses Bestreben nicht in einer Katastrophe enden? Immerhin haben wir bisher nichts Vergleichbares. Es ist ein Denkmodell ohne praktische Erprobung.

Nicht zu übersehen ist, daß gerade die Kritiker der Globalisierung aus allen politischen Richtungen und allen sozialen Schichten kommen.

Wer Kritiker mit solchen Aussagen, wie "widerwärtiges und destruktives Schauspiel" angeht, kann in meinen Augen nicht den Anspruch erheben, die einzige Wahrheit zu verkünden.

Wieder mal eine Gruppe von Aktivisten, die sich ein wundervolles Weltbild im Kopf ausgemalt hat und gegen ihre eigenen, aber von anderen vehemend eingeforderten, Werte verstößt. Sie ist weder kritikfähig, noch wird sie Mehrheitsentscheidungen aktzeptieren, die gegen ihre Interessen laufen. Kurzum ein Gruppe von Menschen, die anderen ihre Meinung und Lebensweise aufzwingen will.

Freiheit bedeutet auch, sie anderen zu lassen. Was nützt jede Reisefreiheit, wenn gleichzeitig die freien Gedanken anderer nicht mehr geäussert werden dürfen.

Entscheidungen sollten demokratisch erfolgen, auch wenn sich dabei die eigene Meinung nicht immer als mehrheitsfähig erweist. Und daran kranken die meisten unserer Demokratien.
Ein lesenswerter Aufruf - heute aktueller denn je? BarCode
BarCode:

Hrtz5: "Freiheit bedeutet, sie anderen zu lassen"

 
06.09.04 17:28
#8
Ich kann aus diesem Aufruf beim besten Willen keine Aufforderung zur Zensur herauslesen. Der Ausdruck "widerwärtiges und destruktives Schauspiel" hat etwas Diffamierendes, zumal es pauschal auf alle Globalisierungskritiker angewandt wird. (Die meisten bezeichnen sich  - viele glaubhaft - sowieso nicht als "Globalisierungsgegner", sondern eben als -Kritiker.) Also: lassen wir ihnen die Freiheit...

Allerdings ist der Text mir auch etwas zu beseelt vom Glauben an den "Selbstläufer Globalisierung".

Neben den freien Märkten gibt es immer noch 2 wesentliche strukturierende Elemente, die dem Markt interessengeleitete Regeln aufzwingen: politisch-militärische Macht und ökonomische Vormachtstellung. Da kommt man mit einem gewissen skeptischen Realismus den Realitäten sicherlich näher, als mit solchen etwas abgehobenen Lobliedern auf die ideelle Freiheit (die dennoch ein sehr schönes und anstrebenswertes Ideal darstellt).

Gruß BarCode

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Ein lesenswerter Aufruf - heute aktueller denn je? Bronco
Bronco:

@Major Tom:

 
06.09.04 17:32
#9
nichts gegen Deine vielleicht besten Absichten, aber guck mal genauer hin, wer den Aufruf zu der Heil-schaffenden Globalisierung unterschrieben hat und aus welcher politischen Ecke die Autoren kommen !
Ich trau ja wohl meinen Augen nicht - wegen der Freizügigkeit für alle Menschen wollen die die Globalisierung (die, die aus Europa eine fremdenfeindliche Festung gemacht haben und Applaus geben, wenn Schiffskapitäne verhaftet werden, weil sie in Seenot geratene Flüchtlinge an Bord genommen haben) und wegen der fairen Chance für die dritte Welt, ihre Produkte bei uns absetzen zu können (die selben Leute, die in der EU den Zuckerüberschuss über Jahrzehnte subventioniert haben, um den Ländern, die vom Rohrzuckerpreis abhängen, definitiv das Genick zu brechen, um ihnen ihre allein seeligmachende Politik aufzuzwingen und Rohstoffkonzessionen abzupressen) und wegen des Rechtes eines Jeden auf seinen individuellen Lebensstill, überwacht mit Videokameras, abgehört und biometrisch registriert ...
Und genau diese Leute besitzen nun auch noch die Frechheit Organisationen wie Attac, die in erster Linie gegen die Ausgrenzung der benachteiligten Menschenmassen (sowohl ökonomisch als auch territorial) eintreten und eine faire Chance für Alle einfordern, einen eigenen selbstbestimmten Weg zu gehen (dazu gehören nämlich materielle Grundvoraussetzungen, die die PHYSISCHE Existenz sichern, damit nicht einige Wenige die materielle Abhängigkeit einer großen Masse schamlos ausnützen können), zu beschuldigen, sie würden MAUERN errichten und sie gar mit rechtsradikalen Gruppierungen (deren fremdenfeindliches Vokabular, wie "Asylantenflut" oder "das Boot ist voll", der 60er Jahre inzwischen zum Standardwortschatz europäischer "Christdemokraten" gehört) auf eine Stufe stellen.

Das Ende einer Strömung, die Anfang des 20. Jh. Grenzen überwinden und Kulturen zusammenführen wollte, wurde in erster Linie von solchen Parteien herbeigeführt, die den Kriegstreibern die Gelder bewilligten, die später in der Weimarer Republik Militär und freie Söldnergruppen gegen protestierende Arbeiter eingesetzt hatten und insbesondere von solchen Parteien, die durch ihre Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz der Nazis den Weg zum absoluten Gipfel der Barbarei freimachten.

Die stillschweigend unterstellte These, dass ungehemmte und unkontrollierte Kapital- und Warenströme schließlich zu einer Angleichung des Wohlstandes in den heute benachteiligten Ländern der Erde führen würde war schon widerlegt, bevor sie als Propagandainstrument der politisch Rechten zum Einsatz kam. Ausgerechnet im Zentrum des internationalen Kapitalismus, wo dieser unangefochten und uneingeschränkt herrschen darf, mitten in den USA, läßt sich heute noch das materielle Gefälle zwischen Bundesstaaten beobachten, das zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges geschaffen worden war - und zwischen diesen Regionen war IMMER ein uneingeschränkter Austausch von Kapital, Gütern und Menschen möglich.
Hingegen beobachten wir, dass zu reicheren oder "Schwellenländern" genau die Regionen in Asien geworden sind, die ihre Märkte nach aussen kontrolliert, bestenfalls selektiv geöffnet und innerhalb der eigenen Wirtschaft gezielt bestimmte für die Exportproduktion bestimmte Zweige nach Planvorgaben gefördert haben - die sogenannten "kleinen Tigerstaaten". Die sog. "Dritte Welt"-Länder, denen eine totale Öffnung ihrer Märkte aufgezwungen wurde, rangieren heute am hintersten Ende der Volkswirtschaften, in totaler Überschuldung und ohne jegliche Aussicht, da aus eigener Kraft wieder rauszukommen.
Ein lesenswerter Aufruf - heute aktueller denn je? Kicky
Kicky:

fuzzy tales

 
06.09.04 18:35
#10
www.fuzzy-tales.de/global/speech.htm
 
Ein lesenswerter Aufruf - heute aktueller denn je? philip
philip:

@General Tom globalisiert

 
06.09.04 19:02
#11
Tom, deine Schlauheit ist eine Art Delirium und verwirt den Verstand.
Ein lesenswerter Aufruf - heute aktueller denn je? Major Tom
Major Tom:

Nicht umsonst hatte ich im Betreff "?" angehängt.

 
06.09.04 19:21
#12
Ich setze solche Beiträge nicht in das Forum, weil ich damit "unter dem Vorwand inhaltlicher Auseinandersetzung andere zu Reaktionen nötigen möchte", sondern um einen Diskussionsprozess anzustoßen und daran teilzunehmen, da mich Meinungen zu diesem Thema interessieren. Die Threads im Talkboard bieten dazu ja nicht immer Gelegenheit, da es in der Regel sehr oft an analytischem Denken, an Diskussionsdisziplin, an Argumentationshierarchien oder auch Selbstreflexion mangelt - ich will mich dabei nicht ausschließen! Von einem kurzen/obligatorischen Ausreißer einmal abgesehen ;-) hat sich jedoch in diesem Thread bisher eine positive Diskussionsatmosphäre entwickelt. :-)

"Ein lesenswerter Aufruf" bedeutet für mich nicht, dass ich diesem uneingeschränkt zustimme. Zunächst ist er lesenswert, dann auch in gewisser Weise naiv, vega2000: "aber die Realität sieht anders aus" und Hartz5, sicher kann niemand sein, "... daß diesmal der Versuch der Globalisierung erfolgreich verläuft".

Auch klar, Hartz5, ein "Denkmodell", aber immerhin ein Modell, das zum Denken anregt. Und ob tatsächlich der Anspruch erhoben wurde, "...die einzige Wahrheit zu verkünden.", darüber ließe sich trefflich streiten. Die Gruppe schreibt auf ihrer Homepage: "...Ihre Argumente dürfen nicht unwidersprochen hingenommen werden." - die Argumente der Gegner der Globalisierung; ich glaube nicht, dass die Gruppe (um den Initiator dieses Aufrufes) erwartet, dass man ihre Argumente unwidersprochen hinnimmt. Ob sie wirklich keine Kritik zulassen würde und "...anderen ihre Meinung und Lebensweise aufzwingen will.", lässt sich m. E. so einfach nicht beantworten.

BarCode, genau, "...etwas abgehobenen Lobliedern auf die ideelle Freiheit (die dennoch ein sehr schönes und anstrebenswertes Ideal darstellt)." - es ist mir fast schon unheimlich, wie oft ich in letzter Zeit deinen Postings zustimmen muss/kann, nicht pauschal, aber in Teilen. Incredible! ;-)

@Bronco; Attac mit rechtsradikalen Gruppierungen auf eine Stufe zu stellen - man könnte es kaum glauben, müsste eigentlich ein Tippfehler in dem Artikel sein, allerdings ist dies tatsächlich aus dem Aufruf herauszulesen - empfinde ich ebenfalls als Frechheit und hier ist der Initiator dieses Aufrufes weit über das Ziel hinausgeschossen. Allerdings schreibt er im weiteren Verlauf von "Globalisierungsgegner" und "Globalisierungsfeinde", vielleicht hat er dabei etwas verwechselt. Attac ist nach meinem Verständnis eine globalisierungskritische Bewegung; Menschen gehen für soziale und ökologische Gerechtigkeit im Globalisierungsprozess auf die Straße. Ihr Protest richtet sich gegen die weltweit wachsende soziale Ungleichheit, gegen eine Globalisierung, die nur an mächtigen Wirtschaftsinteressen orientiert ist. Attac versteht sich als Teil dieser globalen Bewegung.

Man sollte Herrn Mauricio Rojas eine E-Mail senden, in der man ihn um eine Stellungnahme bittet, weshalb er in diesem Aufruf derart vehement auf die Bewegung einprügelt; aber ob es der Mühe wert ist?

Der "Aufruf für eine offenere Welt" ist nicht generell gut oder schlecht, er ist lesenswert und regt zum Nachdenken an, das ist schon etwas. Er stößt einen Diskussionsprozess an, das ist schon viel.

*b4n*
MT
 
PS @philip, hatte ich etwa den Artikel verfasst? Was hast du für ein Problem? Solltest du etwas Konstruktives beitragen können, dann schreibe es, ansonsten schweig stille. ;-) Wenn du Streit suchst, such dir jemand anderen!
Ein lesenswerter Aufruf - heute aktueller denn je? vega2000

Major

 
#13
So ist das immer: Manchen Leuten muß man einfach noch erklären wozu ein Talkboard gut ist, mach dir nix draus.

Gruß


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