Die Verzweiflung des Stralsunder Ingenieurs

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Die Verzweiflung des Stralsunder Ingenieurs Karl IX
Karl IX:

Die Verzweiflung des Stralsunder Ingenieurs

 
25.08.04 18:30
#1
POLEMIK
Die Verzweiflung des Stralsunder Ingenieurs

Von Claus Christian Malzahn

Eier fliegen Richtung Kanzler, Arbeiterfäuste werden geballt: Im Osten herrscht explosive Stimmung. Die Verelendung des ostdeutschen Proletariats und der klassenbewussten Facharbeiterschaft schreitet in Riesenschritten voran - das zeigt auch eine Begegnung auf den Fluren der Arbeitsagentur in Stralsund.

Vor kurzem auf dem Flur der Arbeitsagentur in Stralsund, Vorpommern: Der Mann war Ingenieur, seit Jahren ist er ohne Job. Der 53-Jährige lebt in Stralsund mit seiner Frau in einem Plattenbau, auch sie hat seit Jahren keine Arbeit. "Ich kann mir nicht mal mehr den Eintritt ins Schwimmbad leisten", sagt er. Und: "Ich suche verzweifelt einen Job, finde aber nichts."

Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Ein weiteres Beispiel für die gnadenlose Härte, mit der Bundesbürger in Ostdeutschland an den Rand der Gesellschaft gedrückt werden. Dabei hat man ihnen doch versprochen, dass es im neuen Deutschland niemandem schlechter gehen soll als in der DDR. Logisch, dass die PDS einen Höhenflug erlebt.

Der Mann war Ingenieur, seit Jahren ist er ohne Job. Er bekommt im Moment 1200 Euro Arbeitslosengeld. Er lebt in Stralsund mit seiner Frau in einer Plattenbau-Wohnung (Maximalmiete kaum über 300 Euro), auch sie hat seit Jahren keine Arbeit und wird mit 650 Euro monatlich vom Amt unterstützt.

Macht zusammen 1850 Euro Netto, ein Facharbeiterlohn. Abzüglich der Miete bleiben den Eheleuten etwa 1550 Euro zum Leben. "Ich kann mir nicht einmal mehr den Eintritt ins Schwimmbad leisten", sagt er. Das Ostseebad Binz der Ferieninsel Rügen liegt übrigens nur eine knappe Bahnstunde von Stralsund entfernt; die einfache Fahrt kostet acht Euro 40 Cent.

Und: "Ich suche verzweifelt einen Job, finde aber nichts." Wo sucht denn der arbeitslose Ingenieur einen Job? "In Stralsund." In Stralsund wird er aber kaum etwas finden, dort herrscht eine Arbeitslosigkeit von fast 25 Prozent. Würde er denn auch umziehen? Nach Bayern? Baden-Württemberg? Hessen?

"Nur wenn sich das rechnet", sagt er. "Also, wenn ich mir das Pendeln nach Stralsund und eine Zweitwohnung leisten kann!" Und weil es sich nach Ansicht des Ingenieurs nicht rechnet, bleibt er eben in Vorpommern und wartet auf Hartz IV. Dann leben er und seine Frau von 660 Euro plus Wohngeld. Logisch, dass die PDS in Ostdeutschland einen Höhenflug erlebt.

Eine Autostunde weiter südöstlich, in Polen, pendeln die Leute für solche Beträge nach Berlin, Brüssel oder London, um ihre Familien zu ernähren. Aber das ist natürlich was ganz anderes, denn das Leben in Stargard hat mit dem in Stralsund in tarifpolitischer Hinsicht gar nichts zu tun, auch wenn die ökonomischen Verhältnisse nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums durchaus vergleichbar waren.

Macht nichts. Denn in Polen würde diese Geschichte auch niemand verstehen.




Nächsten Monatg: 50.000

K
Die Verzweiflung des Stralsunder Ingenieurs MadChart
MadChart:

Nach der Miete bleiben 1550 Euro?

 
25.08.04 18:34
#2
Und DAS reicht dem nicht???

Das soll mir mal einer erklären....

Die Verzweiflung des Stralsunder Ingenieurs Karl IX
Karl IX:

Hol dir beim Spiegel seine Tel.-Nr. und ruf an

 
25.08.04 18:41
#3
www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,315048,00.html

K
Die Verzweiflung des Stralsunder Ingenieurs kiiwii
kiiwii:

Kann das stimmen ?

 
25.08.04 18:43
#4
**Der Mann war Ingenieur, seit Jahren ist er ohne Job. Er bekommt im Moment 1200 Euro Arbeitslosengeld.**


Seit Jahren ohne Job und bekommt dennoch Arbeitslosengeld ??
Müßte der nicht Arbeitslosenhilfe (oder bereits Sozialhilfe) bekommen ??


Und 1550 € netto nach Miete (über 3000 gute alte DM/Monat zum leben) ? Davon kann er nicht ins Schwimmbad gehen/fahren ?

Na ja, SPIEGEL.
Die Verzweiflung des Stralsunder Ingenieurs Karlchen_I
Karlchen_I:

Ist eben wieder eine dieser

 
25.08.04 18:48
#5
Ost-Greuel-Geschichten.

Und das Schlimmste von allem: Er müsste Stralsund verlassen und sich im Westen nen Job suchen. "Nur wenn sich das rechnet", sagt er. "Also, wenn ich mir das Pendeln nach Stralsund und eine Zweitwohnung leisten kann!"



Also: Ich bin immer mehr für Hartz IV
Die Verzweiflung des Stralsunder Ingenieurs Immobilienhai
Immobilienhai:

die polemik liegt hier eher beim spiegel

 
25.08.04 18:50
#6
den ingenieur gibt es hundertprouzentig nicht. das ist nur effekthascherei um die auflage zu steigern.
Die Verzweiflung des Stralsunder Ingenieurs BeMi
BeMi:

Nach der Miete bleiben 1550 Euro

 
25.08.04 18:51
#7
und das reicht nicht?
Die Verzweiflung des Stralsunder Ingenieurs MadChart
MadChart:

Gestern war ein inteessanter Bericht

 
25.08.04 18:53
#8
im Fernsehen (ARD). Ich glaube "Plusminus".

Da waren drei ganz ähnliche Fälle. Einer war 44 und hätte sich bereiterklären müssen, sich 100 km im Umkreis vermitteln zu lassen. O-Ton: "Dazu bin ich zu alt".

Ein anderer war jahrelang arbeitlos (gute Stütze, da vorher gut verdient) und wollte keinen schlechteren Job annehmen, da er ja 20 Jahre lang eingezahlt hatte.

Mein Tip an alle Angestellten: Nehmt Euch mal die letzte  Gehaltsabrechnung und schaut nach, wie hoch der monatliche ALV-Beitrag ist. Wie kann man daraus den Anspruch ableiten, jahrzehntelang reichlich unterstützt zu werden!??

Fazit: Ich bin ebenfalls immer mehr für Hartz 4, abgesehen von den Lebensversicherungen, das is ne Schweinerei!
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Die Verzweiflung des Stralsunder Ingenieurs Karlchen_I
Karlchen_I:

Na - ich glaube, dass der eher Immo Recht hat.

 
25.08.04 18:56
#9
Als 53-Jähriger hat man zwar ein bißchen länger Anspruch auf ALG, aber wohl kaum (müsste nachgucken) mehr als zwei Jahre. Allenfalls könnte Umschulung dazwischenliegen.
Die Verzweiflung des Stralsunder Ingenieurs kiiwii
kiiwii:

Löschung

 
25.08.04 18:57
#10
Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben dieses Posting wegen Verstoßes gegen die Forumrichtlinien aus dem ARIVA.DE-Diskussionsforum gelöscht.

Ihr ARIVA.DE-Team
Die Verzweiflung des Stralsunder Ingenieurs BarCode
BarCode:

Muss Arbeitslosenhilfe sein

 
25.08.04 19:08
#11
Aber auch da können 1200 Euro rüberkommen, da 53% vom früheren Lohn und das praktisch endlos. Das ist ja das Problem mit der Alhi: Sie wird ewig nach dem letzten Gehalt berechnet. Im Osten waren die Leute natürlich nach der Wende zunächst mal noch in den alten Strukturen angestellt - LPGs und Kombinate. Eine LPG hat die gesamte Landbevölkerung der Umgebung beschäftigt - viele haben da auch nichts anderes gemacht, als danach in der Arbeitslosigkeit. Einmal am Tag den Hof gekehrt. Ich war vor Kurzem mal auf einer alten LPG, die einer übernommen hat. Jetzt super geführt. Mit ca. 5-10 Leuten, je nach Saison. Früher haben da über 100 Leute gearbeitet und das Gutshaus war trotzdem eine Ruine.

Natürlich wurde dann ALG unAlHi nach dem Lohn der Übergangszeit gerechnet. Eben 53% AlHi. Das wird mit Hartz4 zu Ende gehen. Allerdings werden viele gar nicht wesentlich schlechter dastehen. Aber ist natürlich für die bitter, die da mal einen höher bezahlten Job hatten, da kommt jetzt u.U. wesentlich weniger rüber. Aber andrerseits kann es sich eine Gesellschaft auf Dauer einfach nicht leisten, Leute in dem Maße, wie es das Spiegel-Beispiel anführt, zu unterstützen.

Und da beißt die Maus auch keinen Faden ab: In vielen Regionen wird auch auf Dauer keine Struktur enstehen können, die alle in Lohn und Brot bringt. Ein paar Zentren entstehen, der Rest wird zunehmend entvölkert. Da kann man noch so viele Eier auf einen Kanzler jedweder Couleur werfen: Das ist staatlich nicht zu regeln.

(Immohai wird jetzt wahrscheinlich wieder ausflippen und mich zum Ossifeind stempeln.)

Bitter für die, die den Übergang mitmachen mussten - aber man hat sie ja nun nicht verhungern lassen.

Gruß BarCode
Die Verzweiflung des Stralsunder Ingenieurs BeMi
BeMi:

Es gibt sicher Solche und Solche o. T.

 
25.08.04 19:16
#12
Die Verzweiflung des Stralsunder Ingenieurs Karlchen_I

@BarCode: Nicht ganz richtig.

 
#13
Im Osten wurde massiv mit ABM gearbeitet - da gibt es massenhaft ABM-Alo-Karrieren. Anfangs wurde ABM noch nach dem Tarif im öffentlichen Dienst berechnet, wobei der ÖD Spitzenreiter bei der Tarifangleichung Ost-West war. Später wurde das etwas zurückgenommen. Trotzdem haben nicht wenige ABM-Leute mehr verdient als die in der Privatwirtschaft. Und mit den ABM-Löhnen ging es wieder in die Arbeitslosigkeit.

Also diese ABM-Alo-Karrieren haben die Lohnsteigerungen voll mitgemacht.

Was meinste, was sich im Osten für ein System an Anreizen herausgebildet hat?


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