Die Londoner Börse interveniert bei Putin

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Die Londoner Börse interveniert bei Putin

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Einreisesperre für Grossinvestor als Reputations-Risiko

sev. London, 27. April

Die Londoner Börsen-Chefin Clara Furse hat zu einem höchst ungewöhnlichen Mittel gegriffen. Sie hat sich auf diplomatisches Parkett begeben, indem sie sich beim russischen Präsidenten Putin dafür einsetzte, einem wichtigen britischen Investor die Einreise nach Russland nicht länger zu verwehren. In ihrem Brief, der am Mittwoch in der «Financial Times» abgedruckt wurde, warnte Furse davor, dass die Einreisesperre für William Browder vom Fondsmanager Hermitage Capital Management die Reputation von Russland bei ausländischen Investoren schädigen könnte. Sie sei besorgt, dass die Situation den Ruf Russlands als eines Landes, welches ausländische Investoren willkommen heisse, signifikant schädigen könne, hiess es in dem Brief.

Die ungewöhnliche Intervention der Börsen- Chefin spiegelt die kritische Haltung vieler Londoner Investoren gegenüber der Einmischung des Kremls in die Wirtschaft. Im Grunde geht es der Londoner Börse aber weniger um den Ruf Russlands als vielmehr um ihren eigenen. In den vergangenen Jahren ist die Londoner Börse zu einer Art Wahlheimat für russische Unternehmen geworden. Zu den in London (zweit-)kotierten Firmen zählen unter anderem Gazprom, Lukoil, Novolipetsk, Tatneft, Sistema, Pyaterochka und die Evraz Group. Wird wichtigen Investoren der Zugang nach Russland versperrt, sinkt die Transparenz und damit auch die Attraktivität von russischen Aktien. Damit fällt die Willkür des Kremls direkt auf die Londoner Börse zurück.

Der Londoner Börse muss daran gelegen sein, das Vertrauen der Investoren in «ihre» russischen Firmen zu erhalten. Sie sind Teil der Strategie der Börse, nicht nur britische Firmen zu kotieren, sondern viele internationale Firmen anzuziehen. Sind zu viele schwarze Schafe dabei, wird nicht nur das Vertrauen der Aktionäre untergraben, sondern sinken auch die Aktienkurse. Dann könnte der Londoner Börse ein ähnliches Schicksal drohen wie dazumal dem Neuen Markt der Frankfurter Börse, der wie eine Seifenblase platzte, nachdem das Vertrauen der Investoren zusammengebrochen war. - Bis jetzt ist William Browder offenbar ein Ausnahmefall; andere Investoren haben bisher nicht protestiert - oder zumindest nicht derart publikumswirksam. In dem Bericht hiess es, der Brief von Furse an Putin sei ein Teil einer sorgfältig orchestrierten Kampagne zugunsten von William Browder. Dieser sei kein stilles Opfer der Willkür des Kremls, sondern habe intensiv auf politischer Ebene lobbyiert. Was Browder, der seit November nicht mehr in Russland war, nun genau zur Persona non grata gemacht hat, wurde offiziell nicht bekannt gegeben. Die Einreisesperre gegen ihn dürfte aber damit zu tun haben, dass er sich deutlich gegen die Corporate-Governance-Praktiken russischer Firmen ausgesprochen hat.

 


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