Die Fed bestimmt diese Woche die Märkte

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Die Fed bestimmt diese Woche die Märkte

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20.03.07 06:21
#1

Die Fed-Entscheidung in dieser Woche bestimmt die Märkte

von Jochen Steffens

Ich bin gestern Abend von der Invest zurückgekommen. Ich habe viele hoch interessante Gespräche geführt, gerade auch mit einigen Lesern. Auffällig war, dass die Messe sehr gut besucht war. Selbst der „Hostess-Indikator“ kommt so langsam wieder in den Hausse-Bereiche.

Sie kennen den Hostess-Indikator nicht? Hinter vorgehaltener Hand wird unter den Tradern und Ausstellern über die Hostessen diskutiert. Je hübscher die Hostessen sind, je mehr davon herumlaufen und besonders: je leichter diese bekleidet sind, desto näher befindet man sich an einem entscheidenden Hoch.

Und so lustig das auch auf den ersten Blick sein mag, es steckt tatsächlich eine nachvollziehbare Logik dahinter. Denn wenn die Aussteller viel verdient haben, dann werden sie natürlich auch bereitwilliger Geld in solche Messen investieren. Das wird sich natürlich auch entsprechend oben genannter Kriterien auf die Hostessen auswirken. (Man kann natürlich auch auf die Größe der jeweiligen Stände, die Anzahl der Stände, die Anzahl der Besucher achten, aber das ist bei weitem nicht so amüsant). Doch trotz eines deutlichen Anstiegs, der Hostess-Indikator hat noch lange nicht das Niveau von 2000 erreicht – aber ich schätze, dafür müssten die Märkte auch noch einmal 10 Jahre weiter steigen.

Fed bestimmt die Märkte

Was mir in den Gesprächen mit Ihnen aufgefallen ist: Viele halten mich nach wie vor für sehr bullish. Das mag daran liegen, dass ich nun seit vielen Jahren (zu Recht) ein Bulle bin. Aber auch wenn ich meine Meinung lange nicht geändert habe, ich bin kein Dauerbulle! Das möchte ich klarstellen. Zudem bin ich zurzeit sehr skeptisch und es fehlt nicht viel, dann hole ich wieder meine Bärenkappe aus dem Schrank!

Meine Skepsis begründet sich, wie in den letzten Wochen schon aufgeführt, in der Person Ben Bernanke.

Wird er auf den Insolvenzwelle bei den Hypothekenfinanzierer reagieren? Wird er die frühen Zeichen einer deutlichen Verlangsamung der US-Wirtschaft richtig deuten und die entsprechenden Schritte einleiten oder wird er starr an seinen Inflationszielen festhalten.

Die Fed ist keine normale Notenbank

Was mich dabei besonders beunruhigt: Ich vermute, dass Ben Bernanke noch nicht gelernt hat, dass die Fed nicht nur eine Bank ist und wie andere Noten-/Zentralbanken lediglich auf die Wirtschaft oder sogar nur auf die Inflation achten muss, sondern dass ihr auch eine besondere Bedeutung für die Weltwirtschaft und damit für die weltweiten Aktienindizes zukommt.

Und ob Ben Bernanke dieser Rolle bereits gewachsen ist? Ich weiß es nicht. Nicht umsonst wird in der Börsenliteratur der so genannte Notenbankchefwechsel-Crash beschrieben. Fast immer kam es nach einem Wechsel des amerikanischen Notenbankchefs zu einem Crash in einer Anlageklasse. Ich habe im letzten Jahr vermutet, dass es der Einbruch in den Rohstoffen gewesen sein könnte, aber dann wäre Ben Bernanke sehr glimpflich davon gekommen.

Die andere Möglichkeit ist, dass er uns noch bevorsteht und aufgrund der bereits vergleichsweise langen Zeit, in der Bernanke dann ohne einen solchen Crash an der Macht ist, umso heftiger wird.

Drei mögliche Szenarien

Was passiert also, wenn am Mittwoch (übrigens aufgrund der früheren Sommerzeit in den USA bereits um 19.15 Uhr!!!) nichts von all den Sorgen der Märkte im Statement der Fed auftaucht?

Das könnte die Märkte arg in Bedrängnis bringen. Obwohl zumindest theoretisch die Chance besteht, dass die Märkte dieses „Nichts-Sagen“ noch eine weitere Zinssitzung durchhalten würden.

Aber wenn dann auch bei der nächsten Sitzung die Fed immer noch nicht reagiert, dann werden wir einen stürmischen Sommer und Herbst an den Märkten erleben!

Eine Zinssenkung würde einen kurzfristigen Einbruch erzeugen

Sollte die Fed jedoch die Zinsen bereits am Mittwoch senken (wovon ich nicht ausgehe), dann wird der Markt zunächst steil nach oben pfeffern, um wenige Minuten/Stunden später ebenso heftig wieder einzubrechen. Denn dann werden unsere hysterischen Märkte argumentieren: „Bernanke war also gezwungen die Zinsen zu senken, offenbar geht es uns viel schlechter, als bisher angenommen, wenn er ohne Ankündigung einen solchen Schritt vollzieht.“ Sehr schnell würden dann viele Anleger befürchten, dass es um den Hypothekenmarkt wesentlich schlimmer bestellt ist als bekannt. Allerdings werden sich die Märkte dann in der Hoffnung auf weitere Zinssenkung nach wenigen Tagen wieder fangen.

Kleine, taktisch geschickt gewählte Hinweise

Das Günstigste für die Märkte wären ganz kleine Hinweise, die lediglich erahnen lassen, dass die Fed notfalls etwas Druck aus den Zinsen nehmen werden, sofern überhaupt nötig, ohne dass wirtschaftlich ein Grund dafür bestände. Dabei wird sie weiterhin betonen, dass alles in Ordnung ist.

Ich halte diese letzte Variante für die wahrscheinlichste. Denn wenn jetzt auch noch Marktkapitalisierung an den Börsen vernichtet wird, dann wird der Konsum in den USA gleich doppelt belastet. Sie müssen sich das wie folgt vorstellen:

Die Folgen für den Konsum

Bis 2005/6 haben die Gewinne im Immobilienmarkt einen Teil des Konsums in den USA finanziert. Hierunter fallen auch die Bautätigkeiten, die sich natürlich günstig ausgewirkt haben. Hier fällt zurzeit ein nicht unbeachtlicher Teil „Konsum“ weg. Dieser Teil kann zumindest partiell durch den guten Arbeitsmarkt kompensiert werden (Menschen die Arbeit haben, konsumieren mehr). Wenn aber die US-Wirtschaft schwächelt, dann wird sich das auch auf den Arbeitsmarkt auswirken. Dann gibt es eigentlich nur noch eine Form der Kompensation: Durch Gewinne im Aktienmarkt.

(Hierunter fallen dann auch Honorare der Institutionellen, Beraterhonorare, Löhne in der Branche, Prämien, Renten, etc, etc. etc.)

Der drei Komponenten-Tornado

Wenn die Fed jedoch nicht handelt, dann kann Folgendes passieren (vereinfacht): Der durch den Immobilienmarkt verursachte Konsum bricht weg, wird aber noch vom Arbeitsmarkt kompensiert. Nun fängt aber die US-Wirtschaft an zu schwächeln, das wird sich logischerweise etwas zeitverzögert auch auf den Arbeitsmarkt auswirken. Auch hier kommt es also zu einem Rückgang, der sich erheblich auf den Konsum auswirkt. Hinzu würden dann auch noch fallende Kurse in den US-Indizes kommen, da natürlich die Börse die wirtschaftliche Entwicklung vorweg nimmt.

Diese drei Faktoren fangen dann an, sich gegenseitig zu verstärken und wie Tiefdruckgebiete über der US-Börse zu kreisen. Es gibt dann einen Punkt, an dem diese Tiefdruckgebiete verschmelzen und dann kann es nicht mehr lange dauern, bis sich ein kleiner Rüssel ausbildet und sich ein Bilderbruch-Tornado entwickelt, der all die schön angesammelte Marktkapitalisierung in sich aufsaugt und auffrisst: Es entsteht ein Crash.

Das Wissen und die lange Erfahrung der Fed

Nun ist die Fed nicht nur Ben Bernanke. Es ist in den letzten hundert Jahren viel Wissen und noch mehr Erfahrung gesammelt worden, wie man mit den Märkten umgeht. Aus diesem Grund bin ich noch zuversichtlich, dass die Fed die richtigen Schritte beschließen wird.

Inflation und Ölpreis

Aber meine Sorgen wachsen. Insbesondere auch, weil die Inflationszahlen der letzten Woche (Erzeugerpreis und Verbraucherpreise) wieder angestiegen sind. Auf der anderen Seite fällt der Ölpreis, so dass der Inflationsdruck wieder etwas abnehmen sollte.

Es bleibt uns leider nichts anderes übrig, als abzuwarten, was wirklich passiert. Jede Spekulation ist sinnlos - Kaffeesatzleserei. Wir wissen lediglich, wie Ben Bernanke als Professor reagiert hätte (er würde nichts verändern), doch jeder, der studiert hat weiß, wie oft die Lehre und die Realität weit auseinander liegen.

Der Professor Ben Bernanke steht nun auf der Bühne der Realität. Es wird abzuwarten bleiben, ob er die Lehren in die Realität mitnehmen will, oder ob er den Schritt aus der Lehre in die Realität bereits vollzogen hat. Mittwoch wissen wir mehr.

Quelle: Investor's Daily Abonnenten

Gruß Moya Die Fed bestimmt diese Woche die Märkte 3165562

Die Fed bestimmt diese Woche die Märkte moya

Nikkei heute wieder freundlich

 
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Chart
Indexstand:17.184,74
Kurs Zeit:06:27
Veränderung:Up 175,19 (1,03%)
Letzt. Schlußk:17.009,55
Eröffnungskurs:17.155,35
Volumen:0
Tagesspanne:17.146,53 - 17.267,74
52W Spanne:14.045,50 - 18.300,40
Gruß Moya Die Fed bestimmt diese Woche die Märkte 3165584



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