Die EU muss weniger christlich werden

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Die EU muss weniger christlich werden Happy End
Happy End:

Die EU muss weniger christlich werden

 
21.12.04 20:48
#1

Beim Barte des Propheten: endlich Beitrittsverhandlungen mit der Türkei

"Die Türken vor den Toren Brüssels" titelte kürzlich eine Zeitung, und am vergangenen Freitag ging dann wieder einmal das Abendland unter. Nächste Runde also im Türkei-Spiel, das die EU-Europäer seit über 40 Jahren mit Leidenschaft spielen. Denn seit damals möchte die Türkei in die EU. Aber viele in der EU möchten das durchaus nicht, manche mit sachlichen Argumenten, andere, weil sich auf der Türkei-Debatte wunderbar ein innenpolitisches Süppchen kochen lässt. Auch der formelle Beginn der Beitrittsverhandlungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union mit der Entscheidung vom vergangenen Freitag, wird die polemische Debatte nicht beenden. Darum lohnt sich noch einmal ein Blick auf die Argumente.

Am Ende wurde es offenbar sogar einmal kurz dramatisch: Für ein paar Stunden hatte der türkische Ministerpräsident Erdogan am vergangenen Freitag in Brüssel mit seiner Abreise gedroht, war im nachhinein am Wochenende zu hören. Danach erklärte er sich aber doch noch zur Unterzeichnung einer de-facto-Anerkennung der - griechisch dominierten - Teilrepublik Zypern bereit, und räumte damit das letzte Hindernis für einen Beginn der Beitrittsverhandlungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union aus dem Weg.

Die Diskussionen der letzten Wochen sind damit noch lange nicht vorbei. Vielleicht sind die Argumente etwas abgekühlt, doch lässt sich noch weitere 10 bis 15 Jahre - dann erst soll ein eventueller EU-Beitritt der Türkei vollzogen sein - darüber diskutieren, ob die Türken denn nun zur EU gehören, und warum, und was denn das alles für Folgen hat.

Die eigentliche Frage, um die sich die Türkei-Debatte entzündet, ist aber nicht die Definition der Türkei, sondern die Definition Europas. Europa war nie eine Frage des "Wir-Gefühls", sondern eine politische Willensentscheidung. Am Anfang in den 50er-Jahren war Europa gar ein kontrafaktisches Projekt, eine Utopie, die Länder zusammenschweißte, die zehn Jahre zuvor noch gegeneinander Krieg geführt hatten, unter anderem die beiden "Erbfeinde" Frankreich und Deutschland.

Lange Zeit danach war Europa nur eine wirtschaftliche Zweckgemeinschaft. "Kerneuropa" zunächst von konservativen Politikern in Deutschland und Frankreich, später dann von den Philosophen Habermas und Derrida entworfen, blieb bis heute allenfalls Wunschvorstellung, jedenfalls eine Kopfgeburt. Ob Europa jemals zu einem politisch vereint handlungsfähigen Körper wird, kann man nur hoffen. Wenn es das werden sollte, dann nur aufgrund eines politischen Willens, nicht weil geographische Tatsachen, kulturelle Traditionen, oder emotionale Zugehörigkeiten dafür sprechen. Mit der Aufnahme von Verhandlungen kann die EU wenig verlieren, potentiell aber viel gewinnen.

Immer nach dem Westen ausgerichtet

Was für einen EU-Beitritt der Türkei in gewisser Zukunft und für die Aufnahme von Beitrittverhandlungen jetzt spricht, ist sehr einfach:

1. Alles, was gegen eine Aufnahme der Türkei ins Feld geführt wird - die Menschenrechtssituation, die Lage der Frauen, die fehlende Aufklärung der Gesellschaft, die wirtschaftliche Schwäche - wird sich verbessern, wenn die Möglichkeit einer Aufnahme eine Verbesserung erzwingt. Hätte man sich ein für allemal gegen eine Aufnahme entschieden, würde dies die Türkei jedenfalls zurückwerfen, und zu einer Neuausrichtung der gesamten Gesellschaft weg vom Westen, nach Osten führen.

2. Die Türkei, schon lange NATO-Partner vieler EU-Staaten ist für die Sicherheit Europas wichtig. Gerade weil die EU an den islamischen Raum grenzt, sollte man die Türkei, eine natürliche kulturelle, soziale und geographische, und damit auch politische Brücke zu den islamischen Staaten de Nahen Ostens und Vorderasiens, integrieren.

Wer argumentiert, die Türkei gehöre nicht zu Europa, argumentiert bezogen auf die jüngste Vergangenheit, nicht auf die nähere Zukunft, und vergisst doch ausgerechnet die Geschichte. Denn dass das Land immer nach Westen ausgerichtet war, lässt sich ebenso wenig bezweifeln wie die Tatsache, dass viele Elemente der europäischen Zivilisation in der heutigen Türkei entstanden.

3. Europa ist schon heute weder kulturell, noch religiös homogen. Gerade das macht seine Offenheit aus. Ein Verweis auf eine christliche Prägung Europas hat keine reale Chance, in die Verfassung der EU aufgenommen zu werden. Ein kulturell oder religiös homogenes Europa wäre auch gar nicht wünschenswert. Religion und Politik haben nichts miteinander zu tun und sollten nicht miteinander vermischt werden. Die EU muss nicht christlicher werden, oder bleiben, wie manche in den letzten Wochen argumentierten, sondern weniger.

4. Die Türkei ist das einzige überwiegend islamische Land mit einer laizistischen Verfassung, die Trennung von Religion und Staat vorschreibt. Die Bundesrepublik ähnelt eher einem Gottesstaat, als die Türkei, denn Religion und Staat sind in der Bundesrepublik enger miteinander verflochten. Dort gibt es Religionsunterricht an den Schulen, sind religiöse Kopftücher im öffentlichen Raum erlaubt, begünstigt der Staat die Kirchen und die Religionsausübung.

5. Wer am demokratischen Pluralismus der türkischen Gesellschaft zweifelt, müsste auch an dem anderer EU-Staaten zweifeln. Denn in Italien regieren Berlusconi und die Neofaschisten, in Österreich regiert die rechtsradikale Haider-Partei. Wenn die EU solche Partner aushält, warum sollte die Türkei plötzlich eine Gefahr für ihre Stabilität bedeuten? Wenn politische Prinzipien wie Demokratie, Menschenrechte und Laizität der Maßstab für eine Zugehörigkeit sein sollen, muss man der Türkei die gleiche Chance geben, wie anderen Beitrittskandidaten.

6. Die türkische Volkswirtschaft ist derzeit - aber auch über das gesamte 20.Jahrhundert - eine der dynamischsten der Welt. Mit derzeitigen Wachstumsraten von 6 Prozent oder mehr, im Jahr 2004 sogar ca. 10 Prozent, bringen die Türken nicht nur bessere Voraussetzungen für einen EU-Beitritt mit, als die meisten im Sommer 2004 beigetretenen osteuropäischen Länder. die Türkei könnte in Zukunft zu einem Wachstumsmotor der EU werden, da Experten schon für den Fall von Beitrittsverhandlungen zusätzliche Auslandsinvestitionen voraussagen. Dann dürften viele Westeuropäer in der Türkei Arbeit suchen, nicht umgekehrt.

7. Die Türkei ist eine junge Gesellschaft. Die Demographie spricht eine klare Sprache: Im Jahr 2050 braucht die EU über 70 Millionen junge Menschen, um die vorhandenen Stellen weiterhin zu besetzen. Traditionelle Werte sind vor allem ein Thema für die Älteren. In der Türkei wächst eine moderne Zivilgesellschaft, die liberale Werte vertritt. Zum Beispiel ist in der Türkei die Ehescheidung erlaubt, in Irland und Malta nicht.

8. In der politischen Logik der EU liegt ihre Entgrenzung. Sie ist wünschenswert und voranzutreiben. Denn EU-Europa ist ein politischer Raum. EU-Mitglieder werden Staaten, die das selber wünschen - die Schweiz und Norwegen wünschen das zum Beispiel zur Zeit nicht, obwohl sie dem geographischen Europa angehören -, und die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Weder die vorgegebenen nationalen Grenzen noch externe Faktoren bestimmen, wo Europas Grenzen liegen. Langfristig werden die Grenzen der EU nicht in Europa liegen. Die Grenzen der EU liegen vielmehr dort, wo die Handlungsfähigkeit der EU und wo die verbindliche, also selbst gewählte Präsenz Europas endet. Das Europa der EU ist ein unvollendetes Projekt, ein sozialer Produktionsprozess, der vor allem auf dem Weg einer Politisierung die Europäisierung der Mitgliedsgesellschaften organisiert und vorantreibt.

Die EU muss weniger christlich werden Hartz5
Hartz5:

Punkt 5 gibt die Antwort

 
21.12.04 21:05
#2
Wir werden weder die Aufnahme der Türkei erleben, noch wird die EU jemals ein funktionierendes politisches Gebilde werden. Die nationalen Parteien sind europaweit auf dem Vormarsch. Die Träumer eines vereinheitlichten Europas erleben gerade die Endphase ihrer Phantasien. Was noch fehlt ist der Auslöser, der den Stein ins Rollen bringt. Allzu fern kann es nicht mehr sein, bis die Stimmung in der Bevölkerung kippen wird. Egal ob Deutschland, Holland, Frankreich etc., alle tragenden Kernstaaten der EU erleben momentan die ersten Negativauswirkungen hautnah in der Gesellschaft, bei den Finanzen und in der eingeschränkten Regierungsfähigkeit. In Deutschland findet dieser Umbruch gerade gewaltig statt und wir erleben hier und heute ja schon die Auswirkungen, die sich direkt auf unser aller Alltagsleben auswirken. Wir stehen erst am Anfang, also werft eure Pässe nicht weg. Wir werden in den kommenden Jahren wieder verstärkt Grenzkontrollen erleben und das ist gut so.
Die EU muss weniger christlich werden Kritiker
Kritiker:

Die "Entchristlichung" Europa's

 
21.12.04 21:23
#3
wollten bisher nur die Kommunisten, die unter Lenin/Stalin und die unter Hitler!
. . . und jetzt Happy End.
Wir halten mal fest: Die Türkei will in die EU! Grundsätzlich - irgendwie - penetrant - mit ihrem Islam - mit ihrer Eigenständigkeit - und ihrer Macht.
Jeder 3. Europäer (EU-Abstimmung) will dies nicht!!
Das stört die Türken wenig. Entscheidend ist allein ihre Arroganz und ihr Egoismus.
Und jeder 2. EU-Abgeordnete war so blöd und hat dies nicht bemerkt.
Und die europ. Völker bezahlen diese Blödel's sehr gut! Für WAS??
Appell: Weg mit den Christen, her mit den Mullah's! Und dann wird alles besser!
Und die Disskussionierer verwechseln dabei absichtlich das Christentum mit der weltlichen Organisation der katholischen Kirche. Oh, mei! - Kritiker.
Die EU muss weniger christlich werden Karlchen_I
Karlchen_I:

Hör mal Kritiker

 
21.12.04 21:30
#4
Da muss dir was entgangen sein.

Der erste ausländische Botschafter, den Hitler empfangen hat, war der Fritze vom Vatikan (wobei die Katholen den Vatikan erst durch den Duce gekriegt haben). Und weil Hitler die Christen nich mochte, hat er die Kirchensteuer eingeführt - und noch ein bei Verträge zu deren Gunsten abgeschlossen. Hat der Oberguru der Katholen daruafhin natürlich den Adolf überalles gelobt. Und die Evangelen bei uns waren auch nicht besser - schon mal was von "Deutschen Christen" gehört? Nee, sind nach 45 alles zu Widerstandskämpfern mutiert.

Kurzum - unerbittlich fromm und verlogen bis heute.
Die EU muss weniger christlich werden Happy End
Happy End:

Die Entmoslemisierung Europas

 
21.12.04 21:37
#5
wollten bisher nur die Rechtsextremen
...und jetzt Kritiker.
Wir halten mal fest: Bayern ist in der EU! Grundsätzlich - irgendwie - penetrant - mit seinem Christentum - mit seiner Eigenständigkeit - und seiner Macht.
2/3 der Europäer /EU-Abstimmung) wollen die Türkei in der EU!!
Das stört die Bayern nicht. Entscheidend ist allein ihre Arroganz und ihr Egoismus.
Und jeder 2. EU-Abgeordnete war so blöd und hat dies nicht bemerkt.
Und die europ. Völker bezahlen diese Blödel's sehr gut! Für WAS??
Appell: Weg mit den Muslimen, her mit den Christen! Und dann wird alles besser!
Und die Disskussionierer verwechseln dabei absichtlich den Islam mit dem Islamismus. Oh, mei! - Happy End.
Die EU muss weniger christlich werden kiiwii
kiiwii:

Gegen eine Türkei-destabilisierte EU

 
21.12.04 21:42
#6
FAZ

Gegen eine Türkei-destabilisierte EU


Sarkozy beharrt auf einer "privilegierten Partnerschaft" / Von Michaela Wiegel

PARIS, 21. Dezember. Nicolas Sarkozy hat sich in der Türkei-Politik dem Willen Jacques Chiracs beugen müssen, doch das heißt nicht, daß er seinen Widerstand gegen eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union aufgibt. Das machte der neue Vorsitzende der Präsidentenpartei UMP am Dienstag vor dem "Cercle des Européens", einem europäischen Diskussionskreis, in Paris deutlich. Sarkozy hält weiter eine privilegierte Partnerschaft mit Ankara für die beste Lösung, um die Türkei an die EU anzubinden, ohne das europäische Gebilde in Gefahr zu bringen. "Aus Angst, die Türkei zu destabilisieren, nehmen wir in Kauf, die EU zu destabilisieren", warnte Sarkozy. Artikel 57 des EU-Verfassungsvertrages, für den er in der Referendumskampagne im nächsten Jahr "entschlossen" werben wolle, sehe privilegierte Partnerschaften ausdrücklich vor. "Warum sollen wir das Konzept in die EU-Verfassung aufnehmen, wenn wir es nicht anwenden wollen?" fragte Sarkozy. Artikel 57 des Verfassungsvertrages behandelt die Entwicklung "besonderer Beziehungen" (französisch: relations priviligiées) der EU "zu den Ländern in ihrer Nachbarschaft". Der Passus eröffnet die Möglichkeit, mit solchen Staaten "spezielle Übereinkünfte" zu schließen, die "gegenseitige Rechte und Pflichten umfassen" könnten.

Als "äußerst alarmierendes Vorzeichen" bewertete Sarkozy die Streitigkeiten über die Anerkennung Zyperns. Zypern sei Vollmitglied in der EU, und niemand, schon gar nicht ein Beitrittskandidat, habe das Recht, dies anzuzweifeln, sagte Sarkozy. Er verstehe nicht, warum sich die EU auf eine solche Diskussion einlasse. Europa kranke daran, daß es mit immer neuen Erweiterungsvorhaben der Frage nach seiner Finalität ausweiche. "Halten wir noch an dem Projekt einer politischen Integration fest, oder haben wir uns schon davon verabschiedet? Wenn wir das getan haben, dann müssen wir uns offen dazu bekennen", sagte Sarkozy. Für ihn seien die Fragen nach der europäischen Identität und den Grenzen Europas unzertrennlich miteinander verknüpft. Eine Identität könne sich nur in einem begrenzten politischen Raum entfalten. "Je mehr wir sind, um so weniger Integration wird es geben. Je weniger Integration es gibt, um so fragiler wird Europa", sagte Sarkozy. "Wenn Europa alle umarmen will, wird es letztlich niemanden halten." Die Türkei sei in gewisser Weise Opfer der europäischen Orientierungslosigkeit. Europa müsse zunächst für sich klären, welches Projekt in welchen Grenzen es verfolge. Darüber müsse es eine demokratische Debatte geben.

Dem Argument, mit der Türkei erreiche die EU die entscheidende Größe, um in der Welt Einfluß zu nehmen, wies der UMP-Vorsitzende zurück. "Was nützt es, groß zu sein, wenn es niemanden gibt, der entscheiden kann", fragte Sarkozy. Schon das Europa der 25 sei oftmals gelähmt und entscheidungsunfähig. "Allein eine kurze Einführungsrunde mit 25 Gesprächsberechtigten dauert eineinhalb Stunden", sagte Sarkozy. Jede Neuaufnahme verzögere den Entscheidungsprozeß.

Sarkozy verteidigte zugleich entschieden die Erweiterung um die ehemaligen unter kommunistischer Herrschaft stehenden Staaten im Osten Europas. Damit sei eine "Wunde der Geschichte" geheilt worden. Doch jetzt sei es an der Zeit, sich auf Grenzen zu einigen. Das Angebot einer privilegierten Partnerschaft hält der UMP-Vorsitzende für die richtige Antwort auf den Wunsch nicht nur der Türkei, aber auch der Maghrebländer, vielleicht Israels und der Ukraine, sich eng an Europa zu binden. Sarkozy unterstützte ausdrücklich die Äußerungen der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel, die angekündigt hatte, im Falle eines Regierungswechsels 2006 werde die CDU/CSU sich für eine privilegierte Partnerschaft einsetzen.

Als Parteivorsitzender hat Sarkozy gegenüber dem Staatspräsidenten gerade in außenpolitischen Belangen freilich das Nachsehen. Sarkozy sagte, er akzeptiere die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen, die nicht zwangsläufig in eine Vollmitgliedschaft münden. Sarkozy befürchtet, daß es nicht möglich sein wird, die Türkei-Frage aus der Kampagne für das Referendum zur EU-Verfassung herauszuhalten, das in der ersten Jahreshälfte 2005 abgehalten werden soll. "Ich bedauere diesen Zeitplan außerordentlich", sagte Sarkozy. Er werde sich entschieden für die EU-Verfassung einsetzen. Der UMP-Vorsitzende hielt dem stellvertretenden Vorsitzenden der Sozialistischen Partei, Laurent Fabius, eine gravierende Fehleinschätzung vor. Fabius hatte für ein "Nein" zur EU-Verfassung geworben, um aus der Krise heraus Einfluß auf Europa zu nehmen. Sarkozy sagte, eine Abkehr von der EU-Verfassung werde Frankreichs Rolle schwächen statt stärken. "Änderungen können am besten von innen her durchgesetzt werden", sagte Sarkozy.

Der Türkei-Debatte konnte Sarkozy einen positiven Effekt abgewinnen. Zum ersten Mal seit langer Zeit zähle Europa wieder zu den täglichen Gesprächsthemen in der öffentlichen Debatte. "Die Bürger sind in die europäische Diskussion zurückgekehrt", sagte Sarkozy.



MfG
kiiwii

Die EU muss weniger christlich werden 1751289      Die EU muss weniger christlich werden 1751289
Die EU muss weniger christlich werden Kritiker
Kritiker:

@ Happy End, wenn Du meinst, daß

 
21.12.04 21:51
#7
Du recht hast, dann brauchst Du nur erklären, was bei uns besser werden soll, wenn die Türken hier einst die Gesetze machen.
Du hast vergessen, in den letzten 1o Jahren waren es zuerst die Serben, die die Muslime raus haben wollten, und die sind wohl eher Kommunisten. Und die bayer. EU-ler werden nicht von den "Völkern" bezahlt und da d'rin sind wir nur über die BRD!
Und zu Deinem Trost kann es durchaus zur Entscheidung kommen: In der EU - entweder Türkei oder Bayern. Hoffentlich sind dann alle gegen uns! Wir Bayern brauchen die Türken nicht, wir machen uns're Kinder selber und Euch wünsch ich viel Glück damit. Hoast mi?- Kritiker.
Die EU muss weniger christlich werden Hartz5
Hartz5:

Man muß auch mal kompromissfähig sein

 
21.12.04 21:51
#8
Also die Türkei rein in die EU und wir raus. Leider werden wir wohl mal wieder die Letzten sein, die wissen wo der Hammer hängt. Die Kernfrage bei diesem Thema bleibt aber wohl, welchen gesellschaftlichen und politischen Einfluß hat das Christentum in Europa überhaupt noch? Die Unterscheidung zwischen den Islamisten und dem Islam wird doch nur als Vorwand gewählt. Die Unterschiede selbst im gemäßigten Islam zu unserer Lebensweise sind weiterhin stark gegensätzlich und unvereinbar. Und das meint hierzulande die Mehrheit der Bevölkerung, da beißt die Maus keinen Faden ab.
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Die EU muss weniger christlich werden J.R. Ewing
J.R. Ewing:

@Happy (1)

 
21.12.04 21:58
#9
Wo kommt denn der Artikel her? Ich wäre einmal für eine Quellennennung dankbar. Ziemlicher Unsinn, was da zum Thema EU-Beitritt gesagt wird.

zu 1. Alles bloße Spekulation und fromme Wünsche. Im übrigen ist die EU kein Entwicklungshelfer. Wenn die Türkei nicht selbst ein Interesse an Reformen hat, sondern die nur betreibt, weil sie dadurch Aufnahme in die EU finden will, sind diese Reformen ohnehin nicht nachhaltig.

zu 2. Eben weil die Türkei schon lange Mitgled der NATO und damit in der sicherheitspolitische Struktur des Westens eingebunden ist, zieht das von Fischer & Co. immer bemühte strategische Argument nicht. Und die Türkei ist auch keine Brücke in die islamische Welt bzw. den Nahen Osten, denn dort sind die Türken wegen ihrer kolonialen Vergangenheit verhaßt und werden deshalb nicht als Vorbild akzeptiert.
Das Osmanische Reich, aus dem die Türkei hervorgegnagen ist, war selbstverständlich immer nach Asien und nicht nach Europa ausgerichtet. Die Türken als ethnische Gruppen selbst stammen übrigens ursprünglich aus Zentralasien.

zu 3.: Schlimm genug, daß Europa seine eigenen Wurzeln, die in der christlich-jüdischen Ethik und der Aufklärung liegen, vergißt. Ganz anders die Türkei, die sich klar zur islamischen Tradition bekennt. Daß Europa kein homgenes Gebilde ist, rechtfertigt noch lange nicht, durch die Aufnahme eines islamischen Landes die Heterogenität vor allem auf politischer Ebene noch zu vergrößern und damit das Konfliktpotential zu erhöhen.

zu 4.: Ach ja? Wie laizistisch die Türkei tatsächlich ist, darüber streiten die Geister. Immerhin gibt es eine Religionsbehörde in der Türkei, die 100.000 Imane bezahlt. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der Moscheen in der Türkei drastisch gestiegen. Der Kemalismus als Basis des türkische Laizismus ist in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr ausgehöhlt worden. Dieser Trend wird sich bei einer Aufnahme der Türkei in die EU verstärken, da dann sehr viel mehr an Religionsfreiheit eingefordert wird, nicht nur für die religiösen Minderheiten, sondern eben auch für den Islam selbst. Ministerpräsident Erdogan selbst war bis 1998 selbst führender Funktionär in verschiedenen islamistischen Parteien in der Türkei, bevor er nach 3 Monaten Haft wegen Volksverhetzung plötzlich eine wundersame Wandlung zum Reformer vollzog. Ein Schelm, der böses dabei denkt.

zu. 5.: Spätestens hier wird deutlich, daß dieser Beitrag wohl aus einem linksradikalen Blatt stammen muß. In Italien regieren nicht die "Neofaschisten" und die FPÖ kann man vielleicht als "rechtspopulistisch" (in Bezug auf Haider), sicherlich aber nicht als "rechtsradikal" bezeichnen. Und natürlich ist es weitaus schwieriger, ein islamisch geprägtes, in Kleinasien gelegendes Land in die EU zu integrieren als mit demokratisch gewählten rechtskonservativen Regierungen in europäischen Ländern umzugehen.

zu 6.: Auch das ist völlig grotestk. Der aktuelle Wirtschaftsboom, verursacht durch die Beitrittsperspektive, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Türkei wirtschaftlich weit von europäischen Standards entfernt ist. Noch vor 3 Jahren hatte die Türkei ein Minuswachstum von 8% zu verzeichnen. Insgesamt erreicht die Türkei derzeit nur 22% der Wirtschaftskraft der EU-Staaten, und das bei einem enormen regionalen Gefälle. In Ostanatolien etwa beträgt der Wert nur 9%. Selbst wenn die Türkei durchschnittliche Wachstumsratenvon 5% p.a. erwirtschaften würde, dauerte es 40 Jahre, bis das Land 75% des Einkommensniveaus der 15 EU-Kernstaaten erreicht hätte. Wegen der enormen Wachstumsschwankungen ist es aber ohnehin zweifelhaft, daß die Türkei dauerhaft die erforderlichen 5% erreicht.

Wirklich dynamisch ist vor allem das Bevölkerungswachstum in der Türkei. Bis zum Jahre 2050 wird die Bevölkerungszahl von heute 70 Millionen auf dann 100 Millionen emporgeschnellt sein. Für diese Menschen werden auch bei günstiger wirtschaftlicher Entwicklung nicht genügend Arbeitsplätze in der Türkei vorhanden sein. Deshalb ist mit erheblicher Zuwanderung nach Europa in einer Größenordnung von 5-15 Millionen zu rechnen sein. Zielland wird vor allem Deutschland sein, so auch die Meinung der EU-Kommission.

zu 7.: Woher will der Autor dieses Beitrags wissen, wie viele Arbeitskräfte Europa in der Zukunft braucht? Solche Prognosen sind völliger Unfug, weil niemeand weiß, wie viele Stellen es zukünftig in Europa geben wird. Arbeitsmarktprognosen sind nicht einmal für einen kurzen Zeitraum möglich, das hat die jüngere Vergangenheit immer wieder gezeigt. Hier aber geht es um mehrere Jahrzehnte. Aufgrund des rasanten technischen Fortschritts und dem Wettbewerbsdruck im Zuge der Globalisierung, die Unternehmen zwingt, ihre Kosten zu senken, wird sich die Rationalisierung massiv verstärken. Es werden deshalb in Zukunft eher weniger Arbeitskräfte benötigt. Die Wirtschaftsjournalisten Hans-Peter Martin und Harald Schumann stellten in Ihrem Buch "Die Globalisierungsfalle" schon Mitte der 90er Jahre die These auf, daß in wenigen Jahrzehnten 20% der erwerbsfähigen Personen in den Industriestaaten ausreichen werden, um alle benötigten Güter und Dienstleistungen zu produzieren. Nicht mehr, sondern weniger Zuwanderung wäre also richtig. Mit einem Türkei-Beitritt würde aber genau das Gegenteil erreicht.

Außerdem: Die türkischen Zuwanderer, die in den letzten Jahrzehnten nach Deutschland kamen, stammten zu 99% aus den rückständigen Regionen Ostanatolien. Das waren arme Bauern und Landarbeiter ohne Ausbildung. Auch in Zukunft wird die Zuwanderung vor allem aus diesem Teil der Türkei kommen. Doch diese Menschen können in der Arbeitsmarkt einer modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft nicht integriert werden, die vor allem hochqualifizierte Kräfte benötigt. Auch deshalb bringt uns neuerliche Migration aus der Türkei nichts.
Und wer am Thema Ehescheidungen festmachen will, daß die Türkei ein ziviles Land ist, dem ist wirklich nicht zu helfen. Menschenrechtsorganisationen haben allein bis Herbst diesen Jahres fast 700 Fälle von Folter dokumentiert. Frauen spielen in der Türkei - wie gernerell in der islamischen Welt - eine untergeordnete Rolle. Mehr als die Hälfte der türkischen Männer schlagen ihre Frauen mehr oder weniger regelmäßig. Zwangsverheiratungen und sog. "Ehrmorde" sind vor allem in Ostanatolien noch immer an der Tagesordnung. Erst vor einigen Wochen hat sich das türkische Parlament dazu durchgerungen, Ehrmorde (also die Tötung von Frauen, denen außereheliche Beziehungen vorgeworfen werden) wie vorsätzlichen Mord zu bestrafen. Bis jetzt werden von den Gerichte in solchen Fällen regelmäßig mildernde Umstände anerkannt. Die Erwerbsquote von Frauen in der Türkei ist zwischen 1955 und 1999 von 72% auf 28% gesunken.

zu 8.: Die politische Logik der EU lag niemals in ihrer "Entgrenzung". Vielmehr ist die gesamte Entwicklung Europas immer von dem Bestreben getragen gewesen, die Beziehungen zu vertiefen, zunächst in wirtschaflicher und zuletzt auch in politischer Hinsicht. Das diente immer auch der Friedenssicherung, gespeist aus der Erfahrung zweier Weltkriege, die auf dem europäischen Kontienent ausgetragen wurden. Eine "Entgrenzung", also eine Erweiterung über die Grenzen Europas hinaus, zerstört das ideelle Fundament als Voraussetzung für eine weitere Vertiefung und läßt Europa zu einer bloßen Freihandelszone verkommen. Eine solche Entwicklung liegt vielleicht im Interesse Washingtons und der großen Industriekonzerne, nicht aber im Interesse Europas.

J.R.
Die EU muss weniger christlich werden Happy End
Happy End:

@J.R.

 
21.12.04 22:15
#10
Erstmal nur zwei kurze Anmerkungen:

zu 1. Natürlich ist die EU auch Entwicklungshelfer (nicht nur außereuropäisch). Ziel ist ähnlich dem Grundgesetz - die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse. Beispiele für die "Entwicklungshilfe" innerhalb der EU gibt es genügend - und dabei zahlreiche positive.

zu 5. Der Artikel stammt von heise.de
Zu Italiens Regierung u.a. dies: Teil der italienischen Regierung ist z.B. die Nationale Allianz, also die Nachfolgeorganisation der Italienischen Sozialbewegung (MSI), die wiederum an die faschistische Bewegung des früheren Diktators Benito Mussolini anknüpfte. Nun ja, und um o etwas und Haider dann nicht nur als rechtskonservativ zu bezeichnen, dazu braucht man nicht linksradikal zu sein.
Die EU muss weniger christlich werden J.R. Ewing

@Happy

 
#11
Auch mal nur zwei kurze Antworten:

1. Mir geht es um die Nachhaltigkeit von Reformen. Wenn Du auf die osteuropäischen Staaten anspielst, so ist der dortige stabile Reformprozeß Ergebnis der Erfahrungen, die man in den Jahrzehnten der kommunistischen Unterdrückung gemacht hatte. Der erscheint mir weit glaubwürdiger zu sein als das, was derzeit in der Türkei passiert. Hier werden in großer Eile Gesetze beschlossen, um einige Wochen später die Zusage zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen zu erhalten. Und das alles unter der Ägide eines Ministerpräsidenten, der noch vor wenigen Jahren selbst ein Fundamentalist war. Was die neuen Gesetze in der Praxis vor allem in den ländlichen Regionen Anatoliens wert sind bzw. ob sie da jemals umgesetzt werden, muß sich erst noch zeigen. Das hätte man aus meiner Sicht zunächst einmal abwarten müssen, bevor man mit der Türkei in Verhandlungen eintritt.

2. Die "Allianza Nationale" hat im Prinzip dieselbe Entwicklung durchgemacht wie die SED/PDS in Deutschland. Da spricht ja mit Blick auf Europa auch niemand von einer Beeinträchtigug der politischen Stabilität, obwohl die PDS hierzulande zumindest auf Länderebene mitregiert. Und was ist mit dem Erstarken der postkommunistischen Kräfte in den neuen osteuropäischen EU-Staaten? Warum ist das keine Gefahr? Ärgerlich ist einfach die Einseitigkeit dieses Beitrags.
Was die FPÖ betrifft, so ist in dem Artikel von der Gesamtpartei und nicht von der Person Haiders die Rede. Und wieso die Partei insgesamt "rechtsradikal" sein soll, ist mir schleierhaft.

Ich mag gar nicht glauben, daß ein solches Pamphlet tatsächlich bei Heise zu finden ist. Kannst Du bitte einmal exaktere Angaben zu Quelle machen (Erscheinungstag)?

J.R.


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