Diabetes - Die Krankheit des 21. Jahrhunderts

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Diabetes - Die Krankheit des 21. Jahrhunderts EinsamerSamariter
EinsamerSam.:

Diabetes - Die Krankheit des 21. Jahrhunderts

 
15.09.06 13:11
#1
Diabetes

Die Krankheit des 21. Jahrhunderts

Sogar einen eigenen Tag haben die Diabetiker schon. Ende kommender Woche treffen sich Betroffene im Kongreß-Palais von Kassel, um den Deutschen Diabetiker-Tag, den 23. September, mit einer Informationsveranstaltung zu begehen. Man rechnet nicht mit Dutzenden oder Hunderten von Interessierten: Bis zu 15.000 Patienten und deren Angehörige werden zu der Veranstaltung des Deutschen Diabetiker-Bundes kommen.

Das Treffen könnte in den nächsten Jahren sogar noch wachsen. 1960 litten erst 0,6 Prozent der Deutschen an Diabetes. Heute ist jeder zehnte Einwohner erkrankt. Und bis 2010 wird die Zahl der Diabetiker auf zehn Millionen steigen - das sind mehr als zwölf Prozent. Die Zahlen auf der ganzen Welt sehen nicht viel besser aus.

Nur jede zweite Erkrankung entdeckt

An der Spitze des Deutschen Diabetiker-Bundes, einer Selbsthilfeorganisation, steht Manfred Wölfert. Er spricht von einer Epidemie. 6,5 Millionen Menschen in Deutschland sind „manifestierte Diabetiker“, und weitere 1,5 Millionen Menschen wissen vermutlich nicht, daß sie an Diabetes leiden. Die Erkrankung des Typs 2 kommt meist schleichend im Alter zwischen 40 und 50 Jahren: „Man spürt nichts“, sagt Wölfert, „höchstens eine gewisse Abgeschlagenheit.“ Darum sei es so wichtig, regelmäßig zur Kontrolle durch einen Arzt zu gehen, zumal wenn die Familie genetisch vorbelastet sei.

Auf der ganzen Welt ist die Krankheit nur etwa bei jedem zweiten Erkrankten erkannt. Dieser Anteil ist vor allem deshalb so groß, weil in der Dritten Welt bei bis zu 70 Prozent der Fälle die Krankheit nicht diagnostiziert wird. Die teure Behandlung von Folgekomplikationen kann aber nur vermieden werden, wenn die Krankheit früh erkannt und angemessen behandelt wird.

350 Millionen Diabetesfälle bis 2026

Neue Statistiken zeigen, daß Diabetes zu einem der größten medizinischen Probleme des 21. Jahrhunderts werden wird. Über neue Ergebnisse der Forschung debattieren daher in Kopenhagen noch bis zum Sonntag fast so viele Ärzte und Forscher, wie Erkrankte zum Diabetes-Tag nach Kassel fahren - nämlich 14.000. Die 42. Jahrestagung der Europäischen Vereinigung zum Studium von Diabetes (EASD) wurde am Donnerstag eröffnet.

Im Jahr 1985 wurde die Zahl der Diabetiker auf der Welt auf 30 Millionen geschätzt. Jetzt sind es schon 230 Millionen. Die Zahl der Patienten werde bis zum Jahr 2026 auf 350 Millionen steigen, wenn nicht gegengesteuert werde, heißt es in Kopenhagen. Allein im kommenden Jahr werden demnach dreieinhalb Millionen Menschen an der Krankheit sterben. In den Vereinigten Staaten werde jedes dritte im Jahr 2000 geborene Kind im Laufe seines Lebens an Diabetes erkranken.

Deutschland hinreichend versorgt

Die Gesundheitssysteme ächzen unter der Last dieser Epidemie. Die Kosten der Behandlung der Erkrankung und ihrer Folgeschäden beziffert der Diabetiker-Bund auf bis zu 27 Milliarden Euro im Jahr in Deutschland. Eberhard Siegel, Chefarzt der Inneren Medizin an den St.-Vincentius-Kliniken in Karlsruhe, sagt, 50 000 bis 60 000 Hausärzte trügen die Versorgung der Diabetiker, mehr als 3000 als Diabetologen weitergebildete Fachärzte, mehr als 1400 Diabetes-Beraterinnen (meist weitergebildete Krankenschwestern) und etwa 4000 Diabetes-Assistentinnen (weitergebildete Arzthelferinnen). Die Hausärzte versorgten 80 bis 90 Prozent der Diabetiker permanent. Die weiteren 10 bis 20 Prozent der Diabetiker wenden sich an Diabetes-Schwerpunktpraxen (SSP) oder Krankenhausambulanzen.

Je 500 000 bis eine Million Einwohner gebe es eine solche Praxis oder Ambulanz. Mit solchen Einrichtungen sei Deutschland hinreichend versorgt. Auf der ganzen Welt werden zwischen 215 und 375 Milliarden Dollar pro Jahr für die Behandlung von Diabetes-Patienten ausgegeben. Vor allem die rapide Zunahme der Erkrankungen in der Dritten Welt mache deutlich, daß man bald vor einer nicht mehr zu finanzierenden Überlastung der Gesundheitssysteme stehe, teilen die Kopenhagener Veranstalter mit. Jetzt schon würden, je nach Land, 2,5 bis 15 Prozent des jeweiligen nationalen Gesundheitsbudgets für Diabetes aufgewendet.

UN-Resolution gefordert

Längst keine Alterskrankheit mehr: Diabetes

Sogar der führende Insulinhersteller der Welt, der dänische Arzneimittelkonzern Novo Nordisk, unterstützt daher eine Kampagne gegen die weitere Ausbreitung. Der Kongreß in Kopenhagen, in dessen Begleitprogramm Appelle zu regelmäßigen Tests auf Diabetes und zur präventiven Änderung des Lebensstils im Zentrum stehen, ruft in Unterstützung der „International Diabetes Federation“ die Kampagne ins Leben.

Die Vereinten Nationen sollen zu einer Resolution veranlaßt werden, die am Welt-Diabetes-Tag, dem 14. November, verabschiedet werden soll. Der Chef der Öffentlichkeitsarbeit von Novo Nordisk, Mike Rulis, sagte in Kopenhagen, mit der Unterstützung des Projekts säge das Unternehmen keineswegs den Ast ab, auf dem es sitze. Wenn nichts gegen die Ausbreitung der Krankheit getan werde, ächzten bald fast alle Länder der Welt unter einer Überlast an Gesundheitskosten.

Diabetesrisiko auch in Deutschland ungleich verteilt

Die Zunahme der Fälle von Diabetes hat verschiedene Gründe. Vor allem Übergewicht ist zu nennen. „Die Menschen essen zuviel und zu süß, während sie sich zuwenig bewegen“, sagt Wölfert. Die Ernährungsgewohnheiten ändern sich, und zwar meist in eine Richtung: Es wird mehr Fleisch, Fett und Zucker gegessen. Wegen mangelnden körperlichen Ausgleichs haben die Menschen Übergewicht, und die Gesellschaft altert zunehmend. Obschon es auf den ersten Blick paradox erscheinen mag, führt die bessere Behandlung von Diabetikern zu einer größeren Zahl an Krankheitsfällen: Denn mehr Menschen leben heute dank besserer Diagnostik und Therapie länger mit Diabetes.

Die Krankheit trifft beileibe nicht nur Wohlhabende. Sieben der zehn Länder mit den größten Diabeteszahlen liegen in der Dritten Welt. Sowohl in Indien als auch China sei zur Zeit bei etwa 35 Millionen Menschen Diabetes diagnostiziert, teilen die Forscher in Kopenhagen mit. Diabetes sei die führende Ursache für Erblindung, für Nierenversagen und die Amputation von Gliedmaßen. Sogar innerhalb Deutschlands ist das Risiko, an Diabetes zu erkranken, unterschiedlich verteilt: Übergewichtige Kinder aus Zuwandererfamilien, insbesondere aus türkischen, seien wesentlich stärker betroffen als deutsche Kinder, schreibt Hans Hauner vom Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München.

„Wenn Sie es spüren, ist der Zug schon abgefahren“

Aus den Gründen für die Krankheit ergeben sich die besten Methoden der Vorbeugung und Behandlung: Fachleute geben an, daß schon 30 Minuten körperliche Bewegung am Tag und das Abspecken um nur wenige Kilogramm das Risiko einer Erkrankung um die Hälfte senken. Ärzte und Apotheker nennen allerdings die mangelnde Selbstdisziplin vor allem älterer Patienten die eigentliche Ursache der Erkrankung. Wer nichts unternehme, sagt Wölfert, fordere die Folgeschäden an Nerven und Blutgefäßen heraus: 8000 Menschen erblindeten jedes Jahr in Deutschland an den Folgen ihrer erhöhten Blutzuckerwerte, 8000 würden dialysepflichtig, und mehr als 30.000, wenn nicht 40.000, müßten sich einer Amputation unterziehen.

Martin Lange, Schatzmeister des Deutschen Diabetiker-Bundes und dessen Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein, lebt selbst mit einer Insulinpumpe. Er ist empört über die Ignoranz vieler seiner Leidensgenossen. Sie handelten nach der Devise: Der Herrgott oder zur Not der Arzt wird's schon richten. Im Gegensatz zu Menschen mit anderen Erkrankungen sei der Leidensdruck für den Diabetiker gering. Die Organtransplantierten, sagt Lange, mit denen er seit Jahren zusammenarbeite, freuten sich über jeden Tag, den sie lebten. Wer an multipler Sklerose leide, wisse, daß er bald im Rollstuhl sitze, wenn er nicht handele. Der Diabetiker aber spüre nichts. „Und wenn Sie es spüren, dann ist der Zug schon abgefahren.“

Das Angebot ist groß, die Resonanz noch gering

Wenn Prävention betrieben würde wie in anderen Ländern, so Lange, wären 98 Prozent der Folgeschäden vermeidbar. Ein Diabetiker ohne Komplikationen, sagt Wölfert, verursache Kosten von 540 Euro im Jahr. Angesichts von acht Millionen Diabetikern wären - den richtigen Umgang mit der Erkrankung vorausgesetzt - vier bis fünf Milliarden Euro an Behandlungskosten zu veranschlagen. „Was mir fehlt in Deutschland“, sagt Lange, „ist die Eigenverantwortung. Ich verstehe die alten Leute nicht, vor denen ich in den Selbsthilfetreffen spreche und die mir entgegnen: Ich habe 40 Jahre gearbeitet, und jetzt will ich leben.“ Lange verweist auf Dänemark. Wer erkrankt sei, erhalte dort das Servicebuch des staatlichen Gesundheitsversorgers. Es erlege ihm ein strammes Programm auf. Wer es nicht absolviere, der müsse im kommenden Jahr selbst zahlen. Deutschland aber setze auf Freiwilligkeit. Doch erst wenn es das eigene Geld koste, dächten die Leute um.

Seit 2003 können sich Diabetiker in allen Bundesländern in Disease-Management-Programme einschreiben. „Aber nur wenige Diabetiker haben sich eingetragen“, sagt Lange. „Denn sie mußten sich zu regelmäßiger Bewegung unter Kontrolle verpflichten, zur Teilnahme an Schulungen und zu Besuchen bei speziellen Ärzten. Das ist vielen Diabetikern einfach zuviel.“ 1,5 Millionen Diabetiker, ein Viertel derer, deren Erkrankung bekannt ist, haben sich eingeschrieben in die Programme, auf die sich Krankenkassen und Vertragsärzte verständigen. Das Angebot ist groß, die Resonanz noch gering. Vielleicht wird sich auch das noch ändern mit der zunehmenden Verbreitung von Diabetes.

Diabetes mellitus

Unter dem Begriffspaar Diabetes mellitus fassen die Fachleute verschiedene Störungen des Stoffwechsels zusammen, die zum partiellen oder vollständigen Ausfall der Produktion körpereigenen Insulins führen. In der Folge kommt es zu erhöhten Blutzuckerwerten - im Volksmund ist daher von der „Zuckerkrankheit“ die Rede. Seit 1998 unterscheidet die Weltgesundheitsorganisation zwei Haupttypen der Krankheit. Fällt die körpereigene Insulinproduktion ganz aus, weil die entsprechenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört sind, spricht man von Diabetes Typ 1. Dieser wird zu 50 Prozent bei jungen Leuten im Alter unter 18 Jahren diagnostiziert. Am höchsten ist die Neuerkrankungsrate bei Kindern zwischen elf und 13 Jahren. Deshalb wurde diese Form des Diabetes früher auch als juveniler Diabetes bezeichnet. Um zu überleben, müssen die Betroffenen sich ihr Leben lang Insulin spritzen. Beim Diabetes Typ 2 herrscht zumindest anfangs kein Insulinmangel, sondern sogar ein Insulinüberschuß. Diese Form der Zuckerkrankheit beruht auf einer sogenannten Insulinresistenz. Die Zellen, die den Blutzucker aufnehmen sollen, sprechen kaum auf Insulin an, so daß zum Ausgleich mehr produziert wird, was die Bauchspeicheldrüse aber auf Dauer nicht durchhalten kann. Dieser Diabetes-Typ tritt vor allem in fortgeschrittenem Alter auf (daher „Altersdiabetes“). Auslösende Faktoren sind fettreiche Kost, Übergewicht und Bewegungsmangel. Neuerdings leiden jedoch auch immer mehr jüngere Menschen unter dieser Form der Zuckerkrankheit. Sie ist die am weitesten verbreitete: 85 bis 95 Prozent aller Diabetesfälle gehören zum Typ 2. Wer davon betroffen ist, kann die Blutzuckerwerte zumindest im Anfangsstadium oft durch eine gesunde Lebensweise oder durch die Einnahme von Tabletten regulieren. Reicht das nicht mehr aus, müssen auch diese Patienten Insulin spritzen. Etwa ein Drittel der Typ-2-Diabetiker ist insulinpflichtig. Neben den beiden Haupttypen gibt es noch einige eher seltene Diabetesformen, die entweder vererbt oder durch Medikamente oder andere Erkrankungen hervorgerufen werden


Quelle: faz.net

Euer

   Einsamer Samariter

Diabetes - Die Krankheit des 21. Jahrhunderts Grisu15
Grisu15:

Dia betein(griech) od. auch Zuckerharnruhr genannt

 
15.09.06 13:15
#2
Tja, wer das "süße" nicht mehr lieben/leben kann, bei dem fällt´s durch - oder so?
Diabetes - Die Krankheit des 21. Jahrhunderts EinsamerSamariter

Scheinst also net betroffen zu sein !! Sei froh !! o. T.

 
#3


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