Deutschland solle auch den Deutschen gehören...


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Dan17:

Deutschland solle auch den Deutschen gehören...

 
06.02.02 19:28
ENTGLEISUNG

CSU-Politiker Geis liefert Rot-Grün Wahlkampfmunition

Von Severin Weiland

Norbert Geis ist ein Mann, der klare Worte liebt. Auf seiner Homepage wettert der CSU-Politiker gegen die Homo-Ehe. Jetzt hat er im Fernsehen ein Zitat Edmund Stoibers verteidigt, für das sich der Kanzlerkandidat der Union einst entschuldigte und das er heute wohl lieber vergessen würde: die Warnung vor der "durchrassten Gesellschaft". Stunden nach der Sendung machte Geis einen Rückzieher.

 
DPA

Norbert Geis: "Durchrasste Gesellschaft"  


Berlin - Der Grüne Innenpolitiker Cem Özdemir frohlockt. "Das war eine absolute Wahlkampfvorlage." Hatte doch am Dienstagabend in einer Fernsehsendung der CSU-Rechtsexperte Norbert Geis den Begriff der "durchrassten Gesellschaft" verteidigt. Ein Begriff, den einst Edmund Stoiber als CSU-Generalsekretär verwandte und den Geis in der Talkrunde "Vorsicht Friedman" auf seine Art interpretierte: Deutschland solle auch den Deutschen gehören. "So wie den Franzosen Frankreich und den Italienern Italien."

Geis, für kräftige Sprüche stets zu haben, ging sogar noch weiter. Der Schlagabtausch mit dem Moderator Michel Friedman brachte ihn vollends auf: "Warum lasst ihr nicht Deutschland den Deutschen?" In Berlin war die Schwesterpartei CDU am Tag darauf sichtbar peinlich berührt. Vor versammelter Presse ging ihr Generalsekretär Lorenz Meyer in der Berliner Parteizentrale auf Distanz. "Wenn Sie das Stichwort als solches nehmen - das wäre nicht meine Wortwahl." Am frühen Mittwochnachmittag rückte Geis von seiner Bemerkung ab. Er habe den Begriff selbst nie gebraucht und auch nicht verteidigt, behauptete Geis nachträglich. Zumal ihn Stoiber längst zurückgenommen hätte. Von seinem Satz, Deutschland solle den Deutschen gehören, wollte sich Geis aber nicht distanzieren.

Die Äußerungen von Geis kommen den moderaten Kräften in der Union alles andere als gelegen. Bemüht sich doch ihr Kanzlerkandidat Stoiber, das Image eines Rechtspopulisten, das ihm die SPD am liebsten anhängen würde, abzustreifen. Nun kommt ausgerechnet Geis mit einem Zitat, für das sich der bayerische Ministerpräsident bereits vor Jahren öffentlich entschuldigte. 1988 hatte Stoiber den SPD-Politiker Oskar Lafontaine mit harschen Worten attackiert: Dieser wolle eine "multinationale Gesellschaft auf deutschem Boden, durchmischt und durchrasst."

 
DPA

Cem Özdemir: "Wahres Gesicht gezeigt."


Solche Töne passen nicht mehr zum Bild, das Stoiber heute von sich zeichnen möchte, glaubt der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz: "Damit ist ein Wahlkampf in der Mitte nicht zu gewinnen". Dieser Sichtweise pflichtet auch Volker Beck bei, der Rechtspolitiker der Grünen-Bundestagsfraktion. In einer "weltoffenen Gesellschaft hat die Rassenlehre nichts mehr zu suchen." Männer wie Geis zeigten, dass es im kommenden Wahlkampf "um Vorwärts oder Rückwärts geht." So recht mag sich Beck dennoch nicht über die Schützenhilfe des CSU-Politikers freuen. Seine Äußerungen wirkten zwar auf die Anhängerschaft der Grünen mobilisierend. Angesichts der Pleiten und Pannen rund um das NPD-Verbotsverfahren beschleicht den Bundestagsabgeordneten aber die Sorge, dass "in der aktuellen Auseinandersetzung solche Sätze das innenpolitische Klima weiter vergiften."

Der Grüne kennt den Christsozialen gut. Beide Rechtspolitiker haben in den letzten Monaten ein ums andere Mal im Bundestag und in Talkshows über die Homo-Ehe gestritten. Beck, selbst bekennender Schwuler, ist dafür - Geis umso vehementer dagegen. Auf seiner eigenen Homepage nennt der 63-jährige Konservative Homosexualität eine "Perversion der Sexualität". An festgefügten Vorurteilen über Schwule und Lesben ist auf der Homepage des Juristen kein Mangel: Ihr Partnerwechsel sei "bekanntlich sehr hoch", der "körperliche Kontakt" zwischen ihnen "höchstgefährlich". Ja, "nicht selten entstehen dadurch langwierige Krankheiten", heißt es dort.

Der Grüne Bundestagsabgeordnete Beck will an Geis "leicht fanatische Züge" erkannt haben. Einerseits. Andererseits sei er auch einer, der seine Äußerungen immer wieder taktisch einsetze, meint Beck: "Nach dem Motto: rechts darf es keine wählbare Konkurrenz geben."

Becks Kollege Cem Özdemir will sich Geis Bemerkung gut abheften. "Mit Sicherheit werden wir solche Sätze auswerten und darüber nachdenken, ob und wie wir sie im Wahlkampf einsetzen können." Dass sich Geis nur versprochen hat, das nun glaubt der 36-jährige Grüne nicht. Zwar würden die Gäste in der Show von Michel Friedman häufig in die Enge getrieben. Aber das, freut sich Özdemir, "ist ja das Schöne an der Sendung: Man zeigt sein wahres Gesicht."


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C.Webb4:

Machen wir doch nen Norbert Geis FanClub auf:

 
06.02.02 19:33
Der Typ hat anscheinend echt einen an der Waffel ...
Hier gehts zu seinem Homo-aversion:

http://www.ariva.de/board/101368/thread.m?a=all  
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modeste:

Wie ? Wo ? Was ? Deutschland auch den Deutschen?..

 
06.02.02 19:49
Wo kommen wir denn da hin....? Das geht dann doch sofort wieder los mit dem 1000jährigen Reich usw....

:-)
modeste
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