"Ich war auch ein Feind der expansiven Erweiterung der EU gewesen. Mir wäre erstmals eine Vertiefung wichtiger gewesen"
Einverstanden, auch mein instinktiver Wunsch. Aber Politik ist oft ein Spiel gegen die Bande, und man könnte auch zu der Einschätzung kommen, dass wir mit der ursprünglichen EU keine Chance auf nennenswerte Vertiefung gehabt hätten.
Stumbling stone wären die Tommies gewesen. Mit denen wäre eine Vertiefung unmöglich gewesen, und ohne die hätte die Rest-EU keine hinreichende Masse gehabt, um die für's Überleben erforderlichen Selbstzusammenhaltskräfte zu entwickeln. Abgesehen davon, dass ein erfolgreiches Rausschmeissen der Tommies derart viel Kräfte gekostet hätte, dass die Rest-Mini-EU für Jahrzehnte im Koma gelegen hätte.
Vielleicht hat das ja auch ein grösserer Kopf (als ich) vorhergesehen und auch deshalb...
"Aber es waren gerade wir, die die Ausweitung vorangetrieben haben. Wir wollten lieber größere Märkte als eine tiefere Union"
... die Ausweitung vorangetrieben. Der von dir genannte Preis:
"Die zukünftigen Probleme in der EU werden sich mMn auch stärker in Osteuropa und in Südosteuropa als in Südeuropa akkumulieren"
... hat uns eine Ausgangslage geschaffen, die sich bisher als erstaunlich resistent gezeigt hat. EIn gewisser Dusel war dafür auch notwendig (z.B. Lissabon im Kasten bevor die Griechen malträtiert werden), aber das ist dann halt das Glück der Tüchtigen ;-)
"Nun der Fehler ist passiert und wir werden das Beste daraus machen müssen. Die Lösung sehe ich mittelfristig in einer stärkeren Herausbildung der Integration der verschiedenen Geschwindigkeiten. In meinen Augen wird es längerfristig ein tief integriertes Kerneuropa geben, das von einem lockeren Verbund umgeben ist"
Ja, gut denkbar, aber das geht halt nur bei einer wirklich grossen Ausgangs-EU. Man könnte ja hypothetisch auf den Gedanken kommen, eine Weiterentwicklung der ursprünglichen 6-er-EU hätte genau so um sich herum einen lockeren Verbund bilden können. Das stimmt aber nicht, weil dann nämlich die Tommies ganz knallhart vorher wieder eine Konkurrenzveranstaltung gebildet hätten, und dadurch Europa in ein ziemlich unbeweglich beharrendes Gleichgewicht gefallen wäre.
"Bezüglich EU-Erweiterung: Wo außer als bei uns wollen politische Gruppierungen den EU-Beitritt der Türkei?"
Na wo denn wohl? Eben bei unseren Intimfreunden, den Tommies. Das sind aus jahrhundertelanger Erfahrung derart gewiefte Check&balance-Profis, dass die die Türkei drinhaben wollen, damit insbesondere die Germanen keine Vertiefung mehr haben wollen und dadurch auch die Tommies aus dem Schneider sind... Und dafür finden sie in Germania auch reichlich nützliche Gutmensch-Idioten.
Aber am Schluss werden sie's halt trotzdem nicht schaffen, denn aus allen Filmen, die ich so sehe, ist mir mittlerweile bekannt, dass am Schluss immer die Guten siegen ;-)
Verdammt! Jetzt sind wir aber schon wieder reichlich OT. Ich will endlich, dass mir jemand den Dax von Anfang Mai sagt!