Der Pflanzenflüsterer

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Der Pflanzenflüsterer Nassie

Der Pflanzenflüsterer

 
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"Ich kenne meine Pflanzen persönlich"

Tönning/Schleswig (Torsten Beetz) - Phänologie beschäftigt sich mit dem im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen der Pflanzen.

Schon als Kind hat sich Reinhard Weege für Fauna und Flora interessiert. "Mein Vater war Biologie-Lehrer. Der hat mich immer mitgeschleppt." Zum "rein pflanzlichen" Ehrenamt kam der gebürtige Bordesholmer jedoch eher zufällig. Mit seiner Familie wohnte Weege damals in Friedrichstadt und war dort als Stadtvertreter tätig. Die Feierabend-Politiker sollten nach jemanden Ausschau halten, der für den Wetterdienst die Vegetation in der Umgebung beobachtet. "Ich hab' da sofort jemanden gekannt", weiß Weege und fügt schmunzelnd hinzu: "Derjenige war ich selbst."

Nach einem Umzug ist der 53-Jährige seit 1980 in Tönning und Umgebung tätig. "Eigentlich müsste ich jeden Tag los und die Pflanzen beobachten", erklärt der Phänologe, der nur das macht, "was ich neben meinem Beruf schaffe." Da der Sozialarbeiter aber auch im Außendienst tätig ist, kann er jeden Tag einen Blick auf die ihn umgebende Natur werfen - auf die Blattentwicklung der Schwarzerle oder die "schiebenden" Knospen seines Apfelbaumes.

Die Beobachtungen schreibt er in ein Tagebuch und später in einen speziellen Bewertungsbogen. "Ich kenne meine Pflanzen persönlich", sagt Weege, der genauestens dokumentiert, wann "seine" Birke blüht oder der Hasel staubt. Auf "Kulturpflanzen" wie Rüben und Raps achtet der Tönning ebenfalls. Erst zum Jahresende meldet der Eiderstedter "Wetterfrosch" die ermittelten Daten in die DWD-Zentrale in Offenbach am Main. "Diese Angaben sind für die agrarmeteorologische Beratung der Landwirtschaft und den Polleninformationsdienst in den Regionen unverzichtbar", weiß auch Klaus Baese vom Wetteramt in Schleswig.

Die Jahresmeldungen werden vielseitig verwendet, etwa im Bereich der Klimaforschung, Agrar- und Forstwissenschaften, von Ökologen sowie als Planungsunterlagen für Reiseunternehmen.

"Wenn ich an die Aufzeichnungen meines Vaters denke, so kann ich nur bestätigen, dass die Winter früher wirklich kälter waren", weiß Reinhard Weege. In diesem Jahr gab es "ulkige Stoßzeiten", sagt der Beobachter. Nach einen kalten Mai sei alles "Knall auf Fall" gegangen. Da war in der Botanik zwei Wochen lang "so richtig 'was los", erinnert sich der Phänologe. Doch Stress gäbe es in diesem Ehrenamt niemals, betont der Tönninger, der ganz und gar nicht daran denkt, in Panik zu verfallen. "Es soll Spaß bringen, sonst würde ich das gar nicht machen."

Der DWD sucht noch phänologische Beobachter in Husum, Wyk/ Föhr, Westerland/ Sylt und in Medelby. Interessierte melden sich bei Ekko Bruns ( Tel: 069 / 80 62 20 22).

 




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