Der Öldurst des Drachen

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Der Öldurst des Drachen bammie

Der Öldurst des Drachen

 
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Die vereinbarte Übernahme des internationalen Ölunternehmens Petrokazakhstan ist ein Durchbruch in der Strategie Chinas, sich weltweit Ölreserven zu sichern. Chinesische Zeitungen feierten den Sieg gegen die Konkurrenz aus Indien, das ebenfalls nach Energiequellen suchen muß.

Während das Milliardenvolk vom Fahrrad auf Autos umsteigt, wächst der Durst des chinesischen Drachen: Keine andere große Wirtschaft der Erde entwickelt sich so schnell. Bis 2020 soll sich das Bruttoinlandsprodukt des bevölkerungsreichsten Landes der Erde vervierfachen. Der Ölverbrauch von heute 6,68 Millionen Barrel am Tag soll sich in zwei Jahrzehnten auf 13 Millionen verdoppeln.

Fünfjahresplan gibt Richtung vor

Die starke Energienachfrage aus China ist einer der Gründe für den massiven Anstieg der Ölpreise weltweit. In den vergangenen drei Jahren trug die Volksrepublik zu mehr als der Hälfte der zusätzlichen Nachfrage bei. Seit China 1993 erstmals weniger Öl förderte als es verbrauchte, muß sich das Riesenreich im Ausland umschauen.

Der Fünfjahresplan gibt die Marschrichtung vor: Mehr internationale Kooperation zur Erschließung von Ölreserven vor allem mit Russland, im Nahen Osten, Nordafrika und Südamerika. Chinesische Ölarbeiter und Manager sind heute im Sudan und in Iran genauso wie in Kasachstan oder auch in Kanada, Venezuela oder Indonesien zu finden.

Angst vor Abhängigkeit

China muß 40 Prozent seines Ölbedarfs importieren, will aber nicht nur auf dem Weltmarkt kaufen, sondern sich Ressourcen sichern. „Ich kann nicht sagen, daß wir eine umfassende Strategie haben. Es hängt eher alles davon ab, für welches Unternehmen wir ein Angebot machen können”, sagte Shan Weiguo vom Forschungsinstitut der China National Petroleum Corporation (CNPC). Mit dem Kauf von Petrokazakhstan für 4,18 Milliarden US-Dollar ist CNPC nun die bislang größte Übernahme eines ausländischen Unternehmens durch einen chinesischen Konzern gelungen.

Tief sitzt die Angst vor einer Abhängigkeit von Versorgungswegen und Quellen, die von den Vereinigten Staaten kontrolliert werden könnten. Genauso gibt es Misstrauen in Amerika gegenüber den Expansionsplänen der Chinesen. Dabei machen die gesamten chinesischen Reserven im Ausland bislang gerade mal ein Zehntel von dem aus, was etwa ein multinationaler Ölkonzern wie BP kontrolliert. Doch politischer Widerstand in den Vereinigten Staaten ließ erst vor drei Wochen die Übernahme des amerikanischen Energiekonzerns Unocal durch den staatlichen chinesischen Ölriesen CNOOC trotz des besseren Angebots scheitern.

China und Venezuela

Meist stößt China da vor, wo Amerika wenig Einfluß hat, was auch zu politischen Problemen führt. Chinas größte Kooperation läuft mit Sudan, dessen Regierung wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen angeklagt ist, aber im UN-Sicherheitsrat auf China setzt. Ähnlich Iran, dessen Nuklearaktivitäten Mißtrauen erwecken. China schloß im Oktober 2004 mit Iran ein 25 Jahre laufendes Rahmenabkommen über Öl- und Gaslieferungen im Wert von 70 bis 200 Milliarden Dollar.

Nicht zufällig tourt auch Venezuelas Ölminister Rafael Ramirez diese Woche durch China. Angesichts der Spannungen mit Washington will das lateinamerikanische Land seine Abhängigkeit von Lieferungen in die Vereinigten Staaten reduzieren.

Territorialstreit mit Japan

Das weltweit fünftgrößte Ölförderland lieferte 2004 erst 12.300 Barrel am Tag nach China, doch bis 2012 sollen es 300.000 werden. Konfliktträchtig sind auch umstrittene Ansprüche Chinas auf Ölvorkommen bei den Stratly Inseln im Südchinesischen Meer. Und im Ostchinesischen Meer droht der Territorialstreit mit Japan zu eskalieren, sobald japanische Unternehmen Probebohrungen beginnen.

In Zentralasien, wo die Präsenz der Amerikaner immer mehr auf politischen Widerstand stößt, paßt der Kauf von Petrokazakhstan perfekt in Chinas wachsende Aktivitäten. Mit Kasachstan, wo das in Kanada gelistete Unternehmen 12 Prozent der Ölproduktion kontrolliert, baut China bereits für drei Milliarden Dollar eine Pipeline, deren erster Abschnitt nächstes Jahr in Betrieb gehen soll.

Text: DPA


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