Der Irak ist eine Falle

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Der Irak ist eine Falle

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Presseschau: «Der Irak ist eine Falle»
23. Okt 09:32
Viel wird jeden Tag im Irak zerstört
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Foto: dpa
Leitartikler der internationalen und der deutschen Presse kommentieren die geplante Strategieänderung der USA im Irak. «Es wird keinen Sieg für Präsident Bush geben», heißt es da. Aber auch: «Noch ist Bagdad nicht verloren.»
 
 

«La Repubblica»: Der Pyromane wird zum Feuerwehrmann

«Der Irak ist eine Falle. Er ist dies auch für diejenigen, die den Preis für diesen Krieg nicht mit ihrem eigenen Blut bezahlen müssen. Er ist zu einer Falle geworden, weil man den Krieg als einen Fehler ansehen kann oder als schlecht geführt oder weil es heute offensichtlich ist, dass er die Situation im Nahen Osten nur verschlimmert hat - aber trotz all dieser Einsichten ist es heute nur schwer vorstellbar, wie dieser Krieg beendet werden kann.

Die Schwierigkeit liegt eben genau darin, dass es keine Alternative gibt. (...) Da US-Präsident George Bush das Feuer gelegt hat, muss er es jetzt auch löschen. So ist der Pyromane gezwungen, zum Feuerwehrmann zu werden.»

«Independent»: Bush und Blair können im Irak nicht gewinnen

«Andauernd wird uns erzählt, dass der Abzug unserer Truppen beginnt, wenn die irakischen Sicherheitskräfte in der Lage sind, selbst mehr Verantwortung zu übernehmen. Aber dieses Versprechen ist nicht mehr glaubwürdig. Die Wahrheit ist, dass es keinen Sieg für Präsident Bush und Premierminister Blair geben kann.

Die Hybris dieser beiden Männer hat eine Nation zerbrochen sowie die Armeen der USA und Großbritanniens in einen Bürgerkrieg platziert. Ihre Politik ist mit Blut geschrieben. Jetzt bleibt nur noch die Frage, wie unsere Truppen aus diesem Blutbad abgezogen werden können, ohne dass eine katastrophale Situation noch schlimmer wird.»

«Guardian»: Irak-Debatte in USA von Arroganz geprägt

«Auch wenn die USA inzwischen rund 2700 Tote und viele Tausend Verletzte zu beklagen haben und ihr Prestige als letzte weltweite Supermacht auf dem Spiel steht: Der Debatte haftet etwas zutiefst Egoistisches und sogar Arrogantes an. Es geht hier nicht nur um Geopolitik. Ob dieser Krieg nun Amerikas Vietnam im 21. Jahrhundert ist oder nicht: Im Irak geht es in erster Linie um die Iraker selbst. Die Amerikaner werden früher oder später abgezogen sein - mehr darüber nach den Wahlen am 7. November. Aber es werden die Iraker sein, die die Scherben wieder zusammenfügen müssen.»

«Le Figaro»: Irakfrage beherrscht US-Wahl

«Bushs Strategiewechsel im Irak wird von Wahlkampferwägungen diktiert. Er könnte sich gegen ihn wenden oder zumindest das Ziel verfehlen, die Welle der Unzufriedenheit mit dem Weißen Haus rechtzeitig einzudämmen. Selbst der Senat, der noch vor wenigen Wochen fest im republikanischen Lager verankert schien, scheint jetzt in Reichweite der Demokraten zu sein. Dass der Kampf in den Südstaaten wie Tennessee und Virginia jetzt als unentschieden gilt, sagt viel über das Ausmaß der Unruhe bei den Republikanern.

Für die Partei des Präsidenten steht viel auf dem Spiel. Eine Niederlage im November würde das Ende eines politischen Zyklus markieren, der 1994 mit der Übernahme der Kontrolle über den Kongress durch die Republikaner begonnen hatte. Wie in Großbritannien verteilt die Irakfrage die politischen Karten neu und verschiebt das Gravitationszentrum etwas nach links.»

«Der Standard»: Wichtige islamische Erklärung

«Es wäre naiv, eine unmittelbare Auswirkung der Erklärung zu erwarten: Die Begründungslage für die interkonfessionelle Gewalt im Irak ist zu verworren, um sie mit einem Edikt stoppen zu können. Die wirklich positive Nachricht ist demnach, dass sich die islamische Welt für das schiitisch-sunnitische Problem zu interessieren beginnt. Und der Tagungsort Mekka war ein wichtiges Zeichen - nicht nur heiligste islamische Stadt, sondern auch die Hauptstadt des wahhabitischen Islam, in dem die Nichtanerkennung von Schiiten als vollwertige Muslime programmatisch ist. Das gibt dem von Irakern unterschriebenen Dokument eine über den Irak hinausreichende Bedeutung.»

«Berliner Morgenpost»: Der Krieg ist verloren

«Geht es nach der Mehrheitsmeinung, ist der Krieg im Irak verloren. Selbst US-Präsident Bush gerät kurz vor der Kongresswahl unter Druck. Auch in den USA halten viele Wähler die Niederlage im Irak für offensichtlich. Tatsächlich kann es so kommen muss es aber nicht.

Erstmals haben sunnitische Stammesführer eine Allianz geschlossen, um gegen Terroristen vorzugehen. Iraks Nationalversammlung verabschiedete ein Friedensabkommen. An diesem Wochenende einigten sich in Mekka alle bedeutenden irakischen Glaubensführer auf einen Appell, den Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten zu beenden. In der Gesellschaft zeichnet sich der Wille ab, eine stabile Staatlichkeit zu erreichen. Noch ist Bagdad nicht verloren.»

«Financial Times Deutschland»: Die USA machen sich blind

«Es ist für US-Präsident George W. Bush nicht einfach, das Scheitern seiner Irakpolitik einzugestehen. Die Strategie für das vor mehr als drei Jahren besetzte Land folgte immer mehr den Bedürfnissen des Weißen Hauses als denen der Iraker: Bush wollte der Welt beweisen, dass die USA ihre Ziele im Zweifel mit Gewalt durchsetzen können. Er wollte zeigen, dass sich jedes Land in eine Demokratie verwandeln lässt, wenn Amerika es will.

So machten sich die USA blind für die wirkliche Lage im Irak. Doch ohne eine Zusammenarbeit mit den Anrainerstaaten Iran und Syrien etwa wird es keine Lösung geben. Nachdem Militärexperten Bush zu einer Kursänderung gedrängt haben, besteht immerhin Hoffnung, dass der Präsident die Realitäten endlich anerkennt spätestens nach einer Niederlage bei den Kongresswahlen.»

«Thüringer Allgemeine»: Ein Rückzug wäre nicht die Lösung

«Auch wenn die USA eine Änderung ihrer Taktik im Irak in Aussicht stellen. Der Spielraum dafür ist knapp bemessen. Ein rascher Rückzug jedenfalls wäre nicht die Lösung. Dass die USA womöglich Syrien und Iran mit ins Boot holen wollen, obwohl gegen die Mullahs wegen des Atomprogramms ein harten Kurs gefahren wird, zeigt, dass Bush angesichts einer drohenden Wahlniederlage jeder Strohhalm recht ist.

Wie lange auch immer die Amerikaner noch im Irak sein werden, es besteht die Gefahr, dass ihre Mission unvollendet bleibt. Was den USA noch immer fehlt, ist das, worüber sie schon beim Einmarsch 2003 nicht verfügten: Eine strategische Perspektive.» (nz)



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