Der Dollar

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Der Dollar Realer

Der Dollar

 
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Die Zeichen für den Dollar stehen auf Sturm
New York (dpa) - Der Dollar hat am Montag seine zweiwöchige Talfahrt gegenüber dem Euro fortgesetzt. Ausschlaggebend für den Schwächeanfall des Dollar sind nicht nur die auf ein Rekordniveau von mehr als über 55 Dollar gestiegenen Ölpreise.


Der Dollar steht unter Druck, der Euro befindet sich auf Höhenflug.
© dpa
Auch die bevorstehende US- Präsidentenwahl, die Sorge über geringere US-Kapitalzuflüsse aus dem Ausland und die gigantischen amerikanischen Leistungsbilanz- und Haushaltsdefizite üben Druck auf den Dollarkurs aus. Die USA sind der mit Abstand größte Ölverbraucher und Ölimporteur.

Der Euro nähert sich rasant seinem am 18. Februar verbuchten Allzeithoch von 1,2930 Dollar. Ein Anstieg des Euro auf ein neues Rekordniveau von mehr als 1,30 Dollar ist nach Schätzungen von Devisenexperten durchaus bald möglich. Der Dollar hat in den vergangenen Tagen auch gegenüber dem japanischen Yen, dem Schweizer Franken und dem britischen Pfund stark an Boden verloren.

Der Ausgang der amerikanischen Präsidentenwahl am 2. November ist ungewiss. Ein Wahlsieg Kerrys würde wahrscheinlich den Abwärtstrend der US-Devise verschärfen. Kerry würde wahrscheinlich härter gegen Devisenmarktinterventionen Tokios vorgehen, wird vermutet. Auf diesem Wege versucht Japan den Yen schwächer zu halten, um seine Autoexporte und andere Ausfuhren anzukurbeln. Die an den Devisenmärkten im Gleichschritt mit dem Dollar marschierende chinesische Währung ist den stark mit den US-Gewerkschaften liierten Demokraten und Kerry wegen der gigantischen bilateralen Defizite im Warenverkehr mit China ebenfalls ein Dorn im Auge.

Die USA haben ein Leistungsbilanzdefizit, das sich mit Riesenschritten 600 Milliarden Dollar nähert oder weit mehr als fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Vor einem Jahrzehnt lag der Fehlbetrag nur bei etwa zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der US-Haushalt weist ein Rekordminus von mehr als 400 Milliarden Dollar auf.

Eine reale zehnprozentige Währungskorb-Abwertung des Dollar seit 2001 hat nach Darstellung der New Yorker Investmentbank Goldman Sachs "nicht ausgereicht, um eine nennenswerte Verbesserung der Handelsbilanz zu erreichen". Eine erhebliche Verbesserung des Handelsbilanzdefizits erfordere "entweder eine bemerkenswerte Verlangsamung des US-Nachfragewachstums oder eine Dollarabwertung". Eine Dollarabwertung sei positiver, da die US-Wachstumsaussichten positiver seien, weil sie die Wettbewerbsfähigkeit im Export verbessere. Sie würde allerdings die Inflation wegen steigender Einfuhrpreise verschärfen.

Das US-Finanzministerium schätzte die Käufe amerikanischer Staats- und Unternehmensanleihen sowie Aktien im August auf netto 59 Milliarden Dollar. Das war die niedrigste Summe seit fast einem Jahr. Solche Nettokapitalzuflüsse sind aber notwendig, um die steigenden US-Leistungsbilanzdefizite zu finanzieren. Die eskalierenden US- Schulden im Ausland - sie betragen momentan rund 2,7 Billionen Dollar - erfordern einen immer kostspieligeren Schuldendienst.

Goldman Sachs schätzt, dass das US-Leistungsbilanzdefizit etwa 40 Prozent der globalen Nettoersparnisse absorbiert. Die USA müssten sehr attraktiv für ausländische Investoren bleiben, um einen so großen Anteil ihrer Vermögenswerte anzulocken. "Sollten die Ausländer jemals ihre Liebe zum US-Kapitalmarkt verlieren, könnte der Scheidungsprozess sehr bitter werden", bemerkte die Investmentbank.


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