Der deutsche "Robin Hood"

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Der deutsche
Courtage:

Der deutsche "Robin Hood"

 
30.08.04 13:45
#1
Ist es Oskar Lafontaine?

Brauchen wir einen Robin Hood?

Heute Abend in Leibzig wird es spannend!

Gruß
Der deutsche
MD11:

Bürger zweiter Klasse

 
30.08.04 13:49
#2
"Marktfrisch“, so nennt sich ein flacher Plattenbau, eine Einkaufshalle, wo die Karl-Liebknecht-Straße sich gabelt, das Connewitzer Kreuz in Leipzig. Daneben bis zur nächsten Querstraße, vor der eine deutsche Grillbude mit einem asiatischen Imbiss konkurriert, ist ein kleiner freier Platz, mit Betonplatten belegt. Die Wolken ziehen an diesem Wochenende ziemlich schnell über Leipzig, mal verdunkeln sie die zwei Plastiktische auf dem Platz, mal lassen sie plötzlich und grell die Sonne durch. Dann blendet das weiße Hemd des Oberbürgermeisters Wolfgang Tiefensee, der hier im Landtagswahlkampf für die SPD wirbt.
Ein Student erzählt, dass es ihn Überwindung gekostet habe, bei den letzten Wahlen sein Häkchen für die SPD zu setzen, aber eine gewisse Sympathie für den Oberbürgermeister sei nicht zu leugnen. Kein Personenschutz für den OB weit und breit, obwohl auf den Montagsdemos in Leipzig auch gegen Tiefensee hasserfüllte Sprüche losgelassen wurden. In die Wüste wollte man ihn schicken, samt Schröder und Clement. Hinzu kommt noch: Tiefensee war Mitglied der Hartz-Kommission.

Aber so ist es nun mal: Wenn das Feindbild vor einem steht, dann kann es bröckeln, schwinden die Aggressionen. Übrigens ist es Samstag; wer nicht einkaufen geht, sitzt im Café nebenan, oder man ist zu Hause mit der Familie. Auch die PDS, die mit Sprüchen wie „Hartz IV muss weg!“ einpeitscht, zeigt sich nicht. Sie kämpft lieber weit weg vom Zentrum in der Plattenbausiedlung Grünau um die Gunst der frustrierten Wähler.

Der Oberbürgermeister allerdings ignoriert dieses Stimmungstief keineswegs. „Hier explodiert etwas“, sagt Wolfgang Tiefensee, „was sich über Jahre angestaut hat. Hartz IV ist oft gar nicht gemeint, sondern die Perspektivlosigkeit wird auf diesen Begriff gebracht.“

Die Folge kann man jeden Montag auf den Straßen sehen. Gewiss, mit der Euphorie der Montagsdemonstranten vor fünfzehn Jahren hat das alles wenig zu tun. Damals ging es gegen ein totalitäres Regime. Die Leipziger riskierten viel für ihre Freiheit. Es gab einen gemeinsamen Nenner: Die SED musste weg und mit ihr auch die Stasi. Aber ehemalige Regimekritiker, Dissidenten, Oppositionelle spielen heute kaum mehr eine Rolle im gesellschaftlichen Leben, und am wenigsten in Ostdeutschland. Insofern lässt sich sagen, dass auch die friedliche Revolution ihre Kinder gefressen hat.

Die DDR war ein kommunistischer Ostblockstaat, aber seine Entwicklung unterschied sich nach 1989 deutlich von den „Bruderländern“. Die anderen Ostblockstaaten hatten keine wohlhabende Schwester, in deren Schoß sie landen konnten. Sie fielen ins Nichts. Den Ostdeutschen stand hingegen stets der Westen vor Augen. Das setzt Maßstäbe, bis heute.

Stets wird der Vergleich zu den alten Bundesländern gezogen. „Wir sind Bürger zweiter Klasse“, hört man deshalb oft im Osten, jetzt wieder auf den Demonstrationen gegen Hartz IV. Solche Sprüche sind Folge und Ausdruck eines Stimmungstiefs: Larmoyanz und Angst gibt es beides in den neuen Ländern, nicht in der Mehrzahl, aber doch unüberhörbar. Minderwertigkeitskomplexe entstehen, wo sie gar nicht angebracht sind. Sie haben ihre Ursache in Missverständnissen, die durch den ewigen Vergleich mit dem Westen entstehen. Solche Komplexe finden durch absurde Maßnahmen neue Nahrung, wie die 5000 Euro „Buschzulage“ für Westbeamte, die in den Osten geschickt werden, um dort den Arbeitslosen beim Ausfüllen der Hartz-IV-Formulare zu helfen.

Das schürt den Unmut. Die schlechte Kommunikationspolitik der Regierung und die Panik machende Rezeption von Hartz IV durch die meisten Medien hat im ohnehin schon verunsicherten Osten mehr angerichtet als im stabileren Westen: Angst, Angst, Angst.


Denn jetzt hat sich zum ersten Minderwertigkeitskomplex noch eine weitere Furcht hinzugesellt: Viele Ostdeutsche fühlen sich nicht nur als „Bürger zweiter Klasse“, sondern haben auch noch Angst vor Armut. Wenn man bisher von Armut in Deutschland sprach, war man sich sicher, man sprach von einem Phänomen, das eine Minderheit betrifft. Seit der Anti-Hartz-Hetze sieht sich im Osten eine Mehrheit dem Schreckgespenst Armut ausgesetzt.

So wird das Stimmungstief größer, auch potenziert durch Nutznießer und Trittbrettfahrer. Die gefühlte Lage gleicht dem Ungeheuer von Loch Ness: Alle schauen darauf, es zieht die Blicke auf sich, und dahinter verschwinden jegliche Perspektiven. Diese Situation wird von Extremisten von links bis rechts instrumentalisiert: der PDS zuallererst, aber auch der NPD, die in Sachsen Zulauf findet, oder der DVU, die schon bei der vorletzten Wahl in Sachsen-Anhalt den Sprung in den Landtag schaffte und diesen Erfolg nun in Brandenburg wiederholen will. Schließlich drängt es Oskar Lafontaine auf die Montagsdemo. Ernsthafte Chancen haben im Osten indes weder saarländische Randfiguren noch die braunen Chaoten. Allein die PDS profitiert auf Dauer.

Gehen die neuen Länder nun den Weg der anderen, „normalen“ Ostblockstaaten? Dort sind die Kommunisten schon vielfach an die Macht zurückgekehrt, so in Tschechien und Polen, und zwar nicht durch die Hintertür, sondern demokratisch gewählt.

Sicherlich gibt es im Osten andere Stimmen, doch die sind nicht so laut, sie sind nicht so aggressiv. Es gibt zwischen Ostsee und Erzgebirge einen neuen Mittelstand, die Bäcker, Installateurmeister, Gastwirte und Architekten. Sie alle verknüpfen mit der Wiedervereinigung nach wie vor eine Chance. Sie folgen dem Ruf der PDS nicht auf die Straße, sondern gehen ihrer Arbeit nach. Und sie strecken die Hand erst aus, wenn sie für ihre Leistungen honoriert werden sollen. An die Öffentlichkeit gehen sie höchstens, wenn sie darum gebeten werden. Sie schreien nicht, sind leise, versuchen zu verstehen, zu analysieren. Es ist auffällig, dass die Zufriedenen diejenigen sind, die von der PDS als Kapitalisten beschimpft werden. Als wäre das noch ein Schimpfwort.
Der deutsche

USA hat ihren "Robin Hood"

 
#3
Michael Moore, Fahrenheit 9...

Und wir?

Gruß



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