Der Countdown für Galileo läuft

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Der Countdown für Galileo läuft Sahne
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Der Countdown für Galileo läuft

 
21.12.04 08:55
#1

Der Countdown für Galileo läuft

Galileo: EU-Verkehrsminister geben grünes Licht

VDI nachrichten, Brüssel, 17. 12. 04 -Die europäischen Verkehrsminister haben der EU-Kommission in Brüssel grünes Licht für den endgültigen Aufbau des europäischen Navigations- Satelliten-Systems Galileo gegeben. Doch noch ist offen, woher die finanziellen Mittel dafür kommen werden.

Um eine Startverzögerung für das europäische Satellitennavigationsprojekt Galileo zu vermeiden, pushen die EU-Verkehrsminister mit Macht das Prestigeprojekt in Richtung Startrampe. Nach dem Treffen der EU- Verkehrsminister in der vergangenen Woche in Brüssel verkündete der neue EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot, dass der Countdown für das ehrgeizigste EU-Industrieprojekt aller Zeiten begonnen habe.
Nach Barrot ist die EU jetzt bereit, die nächste Phase - den Aufbau des Satellitensystems im All - mitzufinanzieren.
Diese Ankündigung kommt allerdings zu einer Zeit, in der noch hart um die erste Phase von Galileo gerungen wird und sich wichtige Entscheidungen noch immer hinauszögern. So ist nach wie vor nicht einmal die Finanzierung der ersten Galileo-Phase geklärt. In dieser Phase sollten drei bis vier Satelliten ins All geschossen und eine erste Bodeninfrastruktur aufgebaut werden, um die Machbarkeit des Systems zu testen.
Diese Phase soll 1,1 Mrd. € kosten, finanziert je zur Hälfte von der Europäischen Kommission und der Europäischen Weltraumagentur ESA. Sie dauert bis Ende 2005.
Der industrielle Auftragnehmer für diese erste Phase, Galileo Industrie - ein Konsortium aus Europas größten Raumfahrtfirmen -, hat jedoch deutlich gemacht, dass diese Phase mindestens 300 Mio. € mehr kosten wird als die geplanten 1,1 Mrd. €.
Derzeit verhandelt Galileo Industrie mit der ESA und EU-Kommission, um dieses Problem zu lösen.
Offen ist auch die Auswahl des Konzessionärs, der das Galileo-System endgültig aufbauen, betreiben und für die kommerzielle Nutzung von Galileo sorgen soll. Zwei Konsortien haben sich beworben: Das Eurely-Konsortium um Alcatel und Finmeccanica und das iNavsat-Konsortium um EADS Space und Thales.
Ursprünglich sollte die Entscheidung längst gefallen sein, doch sie wird sich wohl bis Ende Februar 2005 verschieben.
Dabei klingen die Prophezeiungen für die Entwicklung des Marktes für Dienstleistungen über Navigationssatelliten verlockend: Erreichte der Weltmarkt in diesem Segment im Jahr 2002 gerade mal 10 Mrd. €, verdoppelte er sich binnen Jahresfrist auf 20 Mrd. €. Das prognostizierte weitere Wachstum geht von Zuwachsraten von jährlich 25 % aus. Bis zum Jahr 2020 wird der Satellitennavigationsmarkt weltweit auf 275 Mrd. € geschätzt und bis 2020 wird mit rund 3 Mrd. Nutzern von Satellitendiensten rund um den Globus gerechnet.
An diesem Markt partizipiert Europa derzeit mit rund 30 %. Und von diesem Kuchen will Europa sich auch in Zukunft ein großes Stück abschneiden.
Deshalb jetzt das von EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot so demonstrativ verabschiedete "Go" für diese zweite Phase.

In dieser Phase sollen sämtliche Satelliten ins All geschossen und die Bodenstationen komplett ausgebaut werden. Diese Phase soll 2006 beginnen und 2,1 Mrd. € kosten, wovon ein Drittel von der EU, zwei Drittel von der Industrie kommen sollen.
Der Unterhalt des auf eine Lebensdauer von 20 Jahren ausgelegten Systems wird sich auf 220 Mio.  € im Jahr belaufen. In den Anfangsjahren will die EU mit insgesamt 500 Mio. € den Betrieb mitfördern. Dann muss das Betreiberkonsortium den Betrieb aus den Einnahmen finanzieren.
Der deutsche Verkehrsstaatssekretär Ralf Nagel in Brüssel formulierte deshalb ein deutliches Signal an die Industrie: "Die EU will und wird dieses Projekt finanzieren." Wenn sich in den nächsten Wochen entscheidet, welches Industriekonsortium den Zuschlag für den Betrieb von Galileo erhält, dann muss es also vor allem den Nachweis führen, dass es das restliche Geld aufbringen kann.
Doch auch Barrots und Nagels Ankündigungen sind nicht mehr als Versprechen. Noch ist in der Finanzplanung der EU kein Geld für die zweite Phase von Galileo eingestellt - immerhin, so Barrot, werden mindestens 1 Mrd.  € ab 2006 gebraucht.
So weigert sich Nettozahler Deutschland, dem Ansinnen der EU-Kommission nachzukommen, die Transferzahlungen nach Brüssel auf 1,14 % des Bruttosozialprodukts anzuheben. Bundeskanzler Gerhard Schröder will das deutsche Engagement für Europa bei 1% gedeckelt sehen und der Kompromissvorschlag von 1,05 % wurde abgeschmettert.
Unter diesem fiskalischen Vorbehalt schwebt auch Galileo weiter zwischen Himmel und Erde.  TAF/moc



Weitere Informationen finden Sie hier

Galileo
Das europäische Navigationssystem Galileo wird aus 27 operationellen und 3 Stand-by-Satelliten bestehen. Sie fliegen auf drei kreisförmigen Umlaufbahnen in gut 23000 km Höhe um die Erde...
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Der Countdown für Galileo läuft Luki2
Luki2:

Galileo soll auch militärisch genutzt werden

 
14.01.05 19:04
#2
EU-Satellitensystem Galileo soll nun doch auch militärisch genutzt werden

Florian Rötzer 14.01.2005
Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts München wird vermutlich der Name des europäischen Satellitensystems geändert werden müssen, weil ein Unternehmen an dem Zeichen Galileo ältere Rechte habe
Die ersten vier Satelliten für das Navigationssystem [extern] Galileo, mit dem die EU in Konkurrenz mit dem amerikanischen GPS-System tritt und sich im Weltraummarkt weiter durchsetzen will ([local] Europa will die führende Raumfahrtmacht des 21. Jahrhunderts werden), werden für fast eine Milliarde Dollar von der EADS-Tochter [extern] Astrium im bayerischen Oberpfaffenhofen gebaut. 2008 sollen die Satelliten in Position gebracht werden, bis Ende 2010 ist die Fertigstellung des Systems mit dann insgesamt 30 Satelliten geplant. Ob das Navigationssystem aber noch Galileo heißen wird, ist nach einem Gerichtsurteil fraglich geworden. Dafür aber wird nun Galileo doch, wie es zu erwarten auch, militärisch genutzt werden.
Der Countdown für Galileo läuft 1776461

http://galileo.jpl.nasa.gov/
Das Navigationssystem wurde nach dem italienischen Astronomen und Physiker Galileo Galilei genannt. Galileo musste seinen Namen schon für vieles hergeben. So hieß nicht nur ein Nasa-Satellit [extern] Galileo, sondern auch die Wissenschaftssendung von Pro7 trägt diesen Namen oder der Verlag Galileo Press, wo es auch noch Galileo Computing und Galileo Design gibt. Verwunderlich ist das nicht, schließlich ist Galileo ein allseits bekannter Pionier der modernen Wissenschaft, mit dessen Namen man sich eben gerne schmückt.

Doch da gibt es auch eine IT-Firma mit Sitz in Barbados, die den selben Namen trägt: Galileo International. Vor dem Landgericht München I hatte das Unternehmen bereits eine einstweilige Verfügung erzielt, aufgrund derer Astrium das Zeichen "Galileo" zur Kennzeichnung für bestimmte Waren und Dienstleistungen nicht verwenden darf. Das Unternehmen habe die älteren Rechte an dem Namen. Nun hat das Oberlandesgericht München nach einem Einspruch gestern entschieden, dass die Verfügung rechtens sei (s.a. [extern] Satelliten-Navigationsprojekt darf nicht Galileo heißen).

[extern] Untersagt wird die Verwendung des Begriffs damit erst einmal nur EADS Astrium, nicht aber dem Konsortium Galileo Industries. Das Konsortium hatte in einem Rechtsstreit in Brüssel in erster Instanz gewonnen. Eine Namensänderung wäre allerdings nicht besonders tragisch, auch wenn der Anspruch auf "Galileo" als Marke eines Unternehmens absurd erscheint. Eine Umbenennung sei aber Aufgabe der EU oder die ESA, meinte ein Sprecher von Astrium, da das Unternehmen nur die Satelliten herstelle, aber nicht das System betreibt und vermarktet. Betont wurde freilich auch vom Gericht:

Der um die Bezeichnung Galileo geführte Rechtsstreit hat auf die Fortführung des europäischen Gemeinschaftsprojekts zur Errichtung eines satellitengestützten Navigationssystems keine unmittelbaren Auswirkungen.

Das angeblich nur zur zivilen Nutzung vorgesehene Navigationssystem kann nun doch offenbar auch militärisch von den EU-Verteidigungsministerien verwendet werden. Die Verkehrsminister hatten Ende des letzten Jahres beschlossen, [extern] fünf verschiedene Nutzungen von offenen Diensten bis zu solchen mit der hohen Verschlüsselung PRS (Public Regulated Service) anzubieten, die nur den EU-Mitgliedsstaaten zur Verfügung stehen. Allen nicht-europäischen Staaten ist, auch wenn sie sich wie China oder Indien an Galileo beteiligen, der Zugriff auf PRS angeblich verwehrt. Ob die USA unter bestimmten Bedingungen Zugriff erhalten sollen, ist noch nicht endgültig entschieden.

The Council has made clear on many occasions that Galileo is a civil programme under civil control. It is true that the technical characteristics of the governmental PRS service authorize the possibilities of military use. However, a military use of Galileo would have to be decided by the Member states in the framework of the Common Foreign and Security policy.
[extern] Mitteilung der EU-Kommission im Dezember 2004

Die britische Regierung hatte sich, wohl auch wegen der engen Verbindung mit der US-Regierung, gegen die militärische Nutzung des Systems [extern] ausgesprochen und gedroht, ein Veto einzulegen, sollte dies doch verlangt werden. Damit hatte man aber keinen Erfolg. Um Galileo in der Öffentlichkeit - und gegenüber den USA - durchzusetzen, wurde tatsächlich immer die zivile Nutzung betont. Offiziell heißt es auch, dass PRS deswegen notwendig sei, um das System gegen Störungen durch "wirtschaftliche Terroristen" "subversive oder feindliche Organisationen" zu schützen, so dass es für Zwecke wie Strafverfolgung, nationale Sicherheit oder ökonomische Aktivität kontinuierlich verfügbar bleibt. Genannt werden EU-weite Organisationen wie Europol, OLAF oder Notfalleinsätze (Peacekeeping- oder Rettungskräfte) bzw. nationale Behörden wie Strafverfolgungsbehörden. Geheimdienste oder Behörden, die die Außengrenzen überwachen.

Während einer Tagung des [extern] Institut francais des relations internationales am 14.12.2004 erklärten Regierungsangehörige, dass die EU-Staaten Galileo auch militärisch nutzen können. Einen Artikel darüber hat das Konsortium Galileo Industries auf seiner Websie [extern] veröffentlicht. Danach war die treibende Kraft wohl vor allem Frankreich.

Q: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19238/1.html

Gr.
Der Countdown für Galileo läuft bammie

Navigationsprojekt darf nicht Galileo heißen

 
#3
Der EADS-Konzern darf den Namen Galileo nicht mehr für sein europäisches Satelliten-Navigationsprojekt verwenden. Das hat das Oberlandesgericht München (OLG) gestern entschieden (AZ 29 U 2625/04). Der Konzern prüft laut der Nachrichtenagentur dpa-AFX nun weitere juristische Schritte. Geklagt hatte eine IT-Firma aus Barbados, die auch Galileo im Namen trägt. Diese habe die älteren Rechte und daher den Vorrang, begründete das OLG seine Entscheidung.

Ein Astrium-Sprecher betonte, dass das Urteil zunächst nur für die EADS Astrium GmbH gelte. Das eigentliche Konsortium Galileo Industries sei nicht betroffen, denn es habe einen Rechtsstreit in Brüssel in erster Instanz gewonnen. Außerdem laufe noch ein Verfahren in Luxemburg. Das Satelliten-Navigationsprojekt selbst sei nicht gefährdet.

Galileo ist nach dem Airbus das größte europäische Technologievorhaben. Das System, das mit dem US-amerikanischen GPS konkurrieren würde, soll ab 2008 einsetzbar sein. Bis dahin muß ein Netz von Bodenstationen und über 30 Satelliten über den Globus verteilt werden. Die Kosten für dieses Projekt sollen bei 3,2 Milliarden Euro liegen. Eine auf 300 bis 600 Millionen Euro geschätzte Finanzierungslücke hatte im Oktober 2004 das Projekt gefährdet. Diese wurde im Dezember geschlossen.


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