Der abgeschlossene Kurzroman

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Der abgeschlossene Kurzroman Dr.UdoBroemme

Der abgeschlossene Kurzroman

 
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"Der Schlachtplan"

Ungeduldig trat Nobbi von einem Fuß auf den anderen. Warum ertönte denn der Hochzeitsmarsch noch nicht? Stattdessen schienen sich drinnen irgendwelche Typen zu schlagen – bestimmt wieder Mickey und Willi, er kannte das noch von früher. Spinnefeind waren sich die beiden Jungs. Mickey war scharf auf Willis Job, und Anarky machte mit. Ach ja, als er noch auf dem Schiff war, hatte ein Wort von ihm genügt, und die beiden waren ruhig. Vielleicht sollte er... Doch da war ja... Kaschi! Sein alter Freund! Mensch, der sah ja belämmert drein. „Hey Kumpel, was passiert?“ fragte Nobbi, als Kaschi einfach, ohne ihn zu beachten, an ihm vorbei wollte. „Ach Nobbi, Du bist es...“ Kaschis Augen blickten ein wenig glasig, fast, als ob er zu tief ins Glas geschaut hatte. „Weißt Du, wer auf dem Schiff ist? Baby Jane. Du weißt doch...“ Nobbi schlug sich vor die Stirn. „Na klar! Deine alte Liebe, die Ex vom Chef! Das ist ja dumm für Dich.“ Kaschi nickte sorgenvoll. „Ja, und sie ist immer noch mit diesem Bergsteiger zusammen – seit 17 Jahren. Wankelmütigkeit kann man ihr wirklich nicht vorwerfen.“ „Aber... das war doch immer rein platonisch zwischen ihr und Dir?“ fragte Nobbi behutsam (er hatte von Patricia einiges gelernt, er war Mr. Einfühlsam persönlich). „Nicht nur das“, meinte Kaschi, „sie weiß noch nicht einmal, was ich für sie empfinde. Damals in Wuppertal hatte sie nur Augen für den Captain, danach nur für diesen Gockel. Ich weiß nicht, was ich machen soll.“ „Du musst sie auf Dich aufmerksam machen!“ rief Nobbi. „Aber wie?“ Kaschi war ratlos. „Vielleicht sollte ich ihr was vorjodeln? Das haben wir früher gerne gemacht. Ich war besser als der Captain, und Baby Jane fand das immer toll.“ „Hm – das wäre zwar eine Möglichkeit, aber jodeln kann Yeti-Klaus auch, damit kannst Du ihr nicht imponieren!“ fand Nobbi. „Vielleicht solltest Du ihr einfach zeigen, dass andere Frauen Dich attraktiv finden. Manche Frauen werden erst dann auf einen aufmerksam und werden interessiert. Lass mal überlegen: Gibt es hier auf dem Schiff eine Frau, die das mitmachen würde? Die so tun würde, als ob sie ganz verrückt nach Dir wäre?“ „Ach was, das macht keine mit“, resignierte Kaschi. „Was ist mit dieser Arzthelferin? Die hat ein paar Mal in Deine Richtung geschaut, als wir ankamen und Du dieses verschwitzte T-Shirt trugst.“ „Det?“ fragte Kaschi erstaunt. „Det schaut in meine Richtung?“ Nobbi fasste Kaschi um die Schulter. „Jetzt pass mal auf, wir gehen jetzt in den Maschinenraum, lassen uns von Gandalf ein Bier bringen und hecken einen Schlachtplan aus!“ Mit keinem Gedanken mehr dachte Nobbi an seine Lady, er war nur vom Gedanken beseelt, seinem alten Freund zu helfen. Und während er mit Kaschi und dem Chef-Steward Gandalf, der die Reste der Käsesahne und des Zazikis mitbrachte, überlegte, wie man Baby Jane auf Kaschi aufmerksam machen konnte, suchte man auf dem ganzen Schiff nach Nobbi. Wo war der Bräutigam? Sollte denn wieder alles schief gehen an diesem Abend? Konnte auf diesem Schiff nicht einfach mal etwas normal laufen? Die Braut bewusstlos, der Bräutigam verschwunden, keine Käsesahne – kein Steward zum Bedienen der Gäste... was würde wohl als nächstes kommen?

Der abgeschlossene Kurzroman 3163687 ©

Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.


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