Das Friedenszeichen

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Das Friedenszeichen 54reab
54reab:

Das Friedenszeichen

 
01.04.03 15:33
#1

Schwarz, Rot, Peace


Das Peace-Zeichen hat die gute, deutsche Kaffeetafel erreicht. Damit taugt es nicht mehr als Symbol der Revolte
von Robin Alexander

Das Friedenszeichen 991684 Bevor die Boeings aus New York oder Los Angeles auf deutschem Boden aufsetzen, wissen die amerikanischen Fluggäste schon, was zurzeit angesagt ist in Germany. Ein riesiges Peace-Zeichen erblickte jeder, der am vergangenen Sonntag kurz vor Frankfurt durch die Wolkendecke brach. Während amerikanische Fallschirmjäger sich im Golf auf den Absprung im kurdischen Nordirak vorbereiteten, haben deutsche Gleitschirm-Flieger aus ihren Sportgeräten ein Friedenssymbol in der Einflugschneise des Rhein-Main-Flughafens gebastelt. Fast fünfzig Meter betrug der Durchmesser des runden Zeichens auf den hessischen Äckern. Gut sichtbar? Unübersehbar.

Flieger für den Frieden

Deutschland ist im Friedensfieber. Aus Doppelhaushälften hängen weiße Bettlacken, Wirte kippen amerikanischen Whiskey in die Spüle, Menschen kaufen CDs von Konstantin Wecker. Privat mögen die Ansichten zum Krieg zwischen George W. Bush und Saddam Hussein auseinander gehen, spätestens seit die Bomben tatsächlich fallen, dominiert öffentlich nur eine Meinung: „Macht Frieden!" Der Erfolg dieser politischen Haltung gründet in ihrer Schlichtheit. Wer nur „Frieden" sagt, dem kann niemand widersprechen, der nicht als böser Mensch gelten will.

Zum Symbol dieses Meinungsklimas ist das Peace-Zeichen geworden. Ein runder Kreis mit eingezeichnetem Durchmesser, von dessen Mittelpunkt zwei Balken in je 45 Grad abgehen. Diese einfache Grafik steht in den USA seit Vietnam für die Antikriegsbewegung. In Deutschland steht das Peace-Zeichen zurzeit auf allem, was verkauft werden soll.

Kalorienbomben für den Frieden

Zum Beispiel Gebäck. Amerikaner, die Hefeteilchen mit der weißen Puderzucker-Oberfläche, gehen zurzeit nicht so gut. Bis ein Konditor in Berlin auf die Idee kam, ein Peace-Zeichen aus Zuckerguss und Lebensmittelfarbe draufzuspritzen. Jetzt heißt die Kalorienbombe „Peacie" und verkauft sich um vierzig Prozent besser. Angeblich findet er Nachahmer in der ganzen Republik. Das Peace-Zeichen hat die deutsche Kaffeetafel erreicht.

Dort gehört es eigentlich nicht hin: Das Peace-Zeichen war lange Underground. US-Marines zeichneten es einst in Vietnam auf ihre Helme. Es stand für Woodstock, für E-Gitarren und für Drogen. Das Peace-Zeichen war das Label der Revolte. Generationen deutscher Schüler ritzten es in Schulbänke und kritzelten es auf ihre Etuis. Was sie da genau schmierten, wussten die meisten nicht.

Genaues über die Herkunft des Peace-Zeichens ist nicht bekannt. In der Literatur zirkulieren Hypothesen und im Internet wilde Theorien. Am plausibelsten klingt die Version, die der britische Philosoph, Mathematiker, Literaturnobelpreisträger und Kriegsgegner Bertrand Russell Journalisten erzählte. Russell meinte, das Peace-Zeichen sei zu Anfang ein Zeichen der Anti-Atom-Bewegung gewesen. Designer Gerald Holtom hätte es 1958 entworfen, indem er die Flaggenzeichen des Winkeralphabets der Seefahrt für die Buchstaben N (Norden) und D (Delta) übereinander legte. ND stehe für Nuclear Disarmament - nukleare Abrüstung. Ein bisschen viel um die Ecke gedacht, für eine Zeichnung aus vier Strichen.

Sex für den Frieden

Esoterische Quellen behaupten, das Peace-Zeichen sei abgeleitet aus alten Runen - wahlweise germanischen oder summerischen. In Hippiekreisen interpretierte man das mit wenigen Strichen herstellbare Symbol in den 60er-Jahren so: Die beiden schrägen Balken symbolisieren die gespreizten Beine einer Frau. Der gerade Strich darüber stellt einen Mann dar, der sie penetriert. Die Aussage: Sexuell befriedigte Menschen führen keine Kriege.

Die ursprüngliche Bedeutung ist nicht feststellbar. Das war nie ein Nachteil für die Verwendung. Im Gegenteil: Das Peace-Zeichen ist eine weltweit verstehbare Hieroglyphe des Protests. Für den Underground war das einfache Symbol ein adäquates Kommunikationsmittel: Wer in Leitartikeln und Predigten, in Schulbüchern und im Fernsehen nicht vorkommt, muss eine Botschaft verkürzen und visualisieren.

Normalerweise reagiert das System auf solche Kommunikationsstrategien mit Repression. Wie zurzeit in den USA. Dort findet sich das harmlose Peace-Zeichen tatsächlich im aktuellen Leitfaden der Anti-Defamation-League. Der soll verhindern, dass öffentliche Computer für so genannte Hate-Crimes genutzt werden. Hass-Verbrechen meint in diesem Fall Internetseiten mit rassistischem oder anderem diskriminierenden Inhalt. Eine wohlmeinende Zensur, die zum Peace-Zeichen vermerkt: „Dieses Zeichen kann auch den Sieg über das Christentum und die Verspottung des Kreuzes Jesu bedeuten." Computer in Schulen, Bibliotheken und an anderen öffentlichen Orten, die nach diesem Leitfaden programmiert sind, können keine Internetseiten mehr laden, auf denen ein Peace-Zeichen zu sehen ist.

Solche Verbote sind nutzlos. Symbole kann man nicht verbieten. Hacker werden unglaublichen Ehrgeiz entwickeln, um Peace-Zeichen auf den Seiten des Pentagons und der Rüstungsindustrie unterzubringen. Wenn gar nichts klappt, kann man es nachts an die Schule sprühen.

Brust zeigen für den Frieden

Wie solche Kommunikation funktioniert, kann man in diesen Tagen auch in Deutschland beobachten. Das meistveröffentlichte Foto der Schülerproteste zu Kriegsbeginn („Tag X") zeigt „Studentin Anna". Eine schöne junge Frau mit offenem Mund und weit aufgeknöpftem Dekolleté: Auf ihren Wangen trägt sie zwei Peace-Zeichen aus Lippenstift, auf ihren großen Brüsten prangen die Worte: „No war. Gegen Bomben". Diese Aufnahme schaffte es in die „Süddeutsche Zeitung" genau wie in die „Bild". Die Geilheit des Mainstreams für unsere Zwecke ausnutzen: So funktionierte Protest, seit Miniröcke ein politisches Symbol waren.

Aber gegen wen richtete sich der Protest von „Studentin Anna" überhaupt? Gegen die Regierung? Die ist auch für den Frieden. Gegen die Kirche? Die Medien? Die alten Säcke? Alle für den Frieden.

Schwarz-Rot-Gold für den Frieden

Der Mainstream hat sich die Friedenssehnsucht und das Peace-Symbol angeeignet. In ihrer Gegnerschaft zum Krieg der Amerikaner sind sich alle einig. Die Oberstufenschüler organisieren den ersten eigenen Protest ihrer Generation unter der Anleitung wohlwollender Lehrer, die ihre alten, antiimperialistischen Ideale bestätigt sehen. Sogar bei konservativen Rentnern, die sich bei den Bildern zerbombter Häuser in Bagdad an die Zerstörungen von Dresden und Köln erinnert fühlen, gibt es Zuspruch für Kritik am anglo-amerikanischen Krieg. Der Friedenskanzler fühlt sich gestärkt, und sein Friedensaußenminister lässt durchblicken, wie wichtig die Proteste für das Deutschlandbild in den arabischen Staaten seien. Auf der großen Friedensdemo in Berlin waren sogar schwarz-rot-goldene Fahnen mit weißem Peace-Zeichen zu sehen. Von der Schulbankkritzelei zum heimlichen Hoheitssymbol der von Amerika emanzipierten Bundesrepublik - eine bemerkenswerte Karriere.

Dagegen melden sich nur Randstimmen: Angela Merkel, die Weltpolitikerin aus Templin, mag in der CDU noch die Mehrheiten auf Bush-Kurs zwingen. Die Diskurshoheit hat die gequält wirkende Vorsitzende längst gegen wortmächtige Friedenspropheten aus dem konservativen Lager verloren. Der Burda-Manager Jürgen Todenhöfer („Wer weint schon um Abdul und Tanaya?") und der CSU-Erzkonservative Peter Gauweiler („Mit Bush oder mit dem Papst?") schwört sich bei Alfred Biolek mit Emotion und Pathos auch das Deutschland jenseits von Rot-Grün auf Frieden ein.

Überhaupt erstaunlich, wie stark die Bundesregierung von der neuen Friedensbewegung profitiert. Immerhin eine Regierung, die im Balkan und in Afghanistan noch vor kurzem sehr wohl Krieg geführt hat und jetzt an mehr Rüstungsausgaben denkt, um militärisch unabhängig von den USA zu werden. Viel spricht dafür, dass die friedensselige Einheit zwischen Regierung und Volk nicht lange dauern wird.


Zweifel wachsen ausgerechnet im früheren Glutkern der Bewegung. Bei der radikalen Linken, in der jahrelang kein Vorwurf gegen die USA zu krass formuliert werden konnte, gibt es jetzt, wo die ganze Nation auf Amerika schimpft, plötzlich Zweifel. Auf der Pressekonferenz der Organisatoren der Demonstration der 500000 ergriffen plötzlich Vermummte das Wort: Ein Kommando „Sir Arthur Harris" störte im Namen des englischen Luftwaffenchefs aus dem Zweiten Weltkrieg die Friedensfreunde und verlas eine provozierende Erklärung. Zwei Tage vor der Demo hielten 350 Gäste der linksradikalen Zeitung „Jungle World" Kriegsrat. Konsens nach vier Stunden Diskussion: Mit dieser „deutschnationalen Friedensbewegung" wolle man nichts zu tun haben. Das Peace-Zeichen ist an der bürgerlichen Kaffeetafel und auf der Staatsfahne angekommen, im Alternativbezirk Kreuzberg hat sein Ruf gelitten.

Alle für den Frieden

Nein, das Peace-Zeichen ist in Deutschland kein Symbol der Opposition mehr. Aber noch zehrt es von der rebellischen Aura seiner guten Tage. Die wird jetzt professionell ausgebeutet: Der Videoclipsender MTV startete schon seit Wochen die Aktion „War is not the answer". In kurzen Spots äußerten sich Künstler wie die Red Hot Chilli Peppers und Sheryl Crow gegen den Krieg. Die amerikanische Heimat dieser Stars erfuhr von deren politischer Ansicht nicht - MTV-USA blieb konsequent friedensfrei. „MTV versteht sich als Spiegelbild der Zuschauer", kommentiert Geschäftsführer Elmar Giglinger lakonisch. Diese Einstellung setzt die Konkurrenz noch gnadenloser um. VIVA, der deutsche Musiksender des Dieter Gorny, muss auf keinen amerikanischen Mutterkonzern Rücksicht nehmen. Während auf allen anderen Kanälen Nachrichten aus dem Irak laufen, funkt VIVA Frieden total: Clips, Diskussionen, ja ganze Sendetage unter dem Motto der Kriegsgegnerschaft. Seit Mittwoch letzter Woche hat der Sender sogar sein eigenes Logo vom Bildschirm verbannt: Dort prangt jetzt ein Peace-Zeichen. Aber VIVA beschränkt sich nicht auf den Sendebetrieb. Gornys Truppe organisiert die Heimatfront auch vor Ort. Mola und Milka, Jelena und Sarah, Collien und andere VJs und Bravo-Helden des Senders warfen vor dem Kölner Dom Gratis-T-Shirts mit dem Peace-Zeichen und dem Sender-Label in eine grabschende Menge. Das Peace-Zeichen ist zum Werbegeschenk verkommen.

Und angreifbar geworden. Das Peace-Zeichen, das jetzt für den neuen, deutschen Friedenskonsens steht, zieht ersten Spott auf sich. Harald Schmidt hat knapp daneben geschossen: Er wählte das falsche Symbol. Schmidt befestigte in seinem Studio dutzende weiße Friedenstauben auf blauem Grund. Die Taube dominierte die gut organisierte Friedensbewegung der 80er-Jahre gegen die Nachrüstung der NATO im Ost-West-Konflikt. Ein so spezielles - und vor allem gesellschaftlich umstrittenes - Anliegen hat die heutige Friedensbewegung nicht. Und in festen Gruppen muss man sich auch nicht organisieren, da sowieso scheinbar jeder hier gegen den Krieg am Golf ist.


Ausgerechnet Stefan Raab, der Fernsehmetzger der Republik, nimmt die friedensbewegte Mehrheit hoch. Bei Kriegsausbruch war sein „tv total" noch abgesetzt. Kaum zurück erklärte der Brachialkomiker seinem pubertierenden Publikum, es gäbe schon noch einen Unterschied zwischen dem Peace-Zeichen und einem Mercedes-Stern. Wer sich Mercedes-Sterne auf die Wangen malen wolle, könne dies gern tun. Aber friedensbewegte Teenies sollten Benz-Fahrer bitte nicht solidarisch als Autofahrer für den Frieden grüßen.


Robin Alexander, 27, ist Redakteur der friedensbewegten Tageszeitung „taz"


Artikel erschienen am 30. Mär 2003


Das Friedenszeichen 54reab
54reab:

gibt es auch in rosa

 
01.04.03 16:15
#2
Das Friedenszeichen 991791zwergstaat.ch/pinkpeace.jpg" style="max-width:560px" >
Das Friedenszeichen 54reab
54reab:

Flagge zeigen mit VIVA

 
01.04.03 16:36
#3
Flagge zeigen mit VIVA
Für den Frieden: Lade dir das VIVA-Peace-Zeichen runter!
Das Friedenszeichen 991822

VIVA zeigt Flagge für den Frieden! Und das auf allen Kanälen: Am Donnerstag, dem 20. März verteilten Milka, Collien, Jelena und Sarah das erste Mal Peace-Buttons und -T-Shirts vor dem Kölner Dom.

Euer Ansturm auf unsere Friedens-Goodies hat uns allerdings derart überrumpelt, dass wir im Moment mit der Produktion einfach nicht hinterher kommen...!

Interaktiv widmet sich natürlich weiterhin dem Thema Frieden: über Fax, SMS und E-Mail kannst du dich von 15 bis 18h an der Live-Sendung beteiligen und mit uns zum Thema diskutieren.

Außerdem geben wir dir hier das VIVA-Peace-Zeichen zum Download! Lade es dir runter, und erstelle damit Flaggen, Fahnen oder Plakate, um mit uns zusammen Farbe zu bekennen!


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Dope4you:

Auch ne Methode den Irak zu bombadieren

 
01.04.03 16:56
#4
Peace over Irak  

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Er erzählt auch immer vom Frieden

 
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