Das boomende Geschäft mit dem Krieg

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Das boomende Geschäft mit dem Krieg

 
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Private amerikanische Militärfirmen setzen Milliarden um – auch mit bedenklichen Aktionen für die Geheimdienste.
Die Firma ist in einem schmucklosen Bürogebäude in Alexandria, wenige Kilometer südlich von Washington, untergebracht. Nur das Logo an der Eingangstür könnte Aufmerksamkeit erregen: ein langes Schwert. Das Geschäft der US-Firma Military Professional Resources (MPRI) ist der Krieg. Sogar die Büros sind nach Truppengattungen benannt. So treffen sich die Mitarbeiter zu Besprechungen im „Infanterie“- oder „Artillerie“-Raum. MPRI gehört zur boomenden Branche privater Dienstleister für die US-Army.

Ein wahrer Geldregen geht derzeit auf die Firmen nieder. Der Irak-Krieg sorgt für Hochkonjunktur. Auf 30 Milliarden Dollar schätzen Insider die Aufträge aus dem Pentagon in diesem Jahr. Das sind immerhin etwa acht Prozent des amerikanischen Verteidigungsbudgets. Weltweit macht die Branche mit etwa 100 Unternehmen mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr. Die Private Military Companies (PMC) scheuen die Öffentlichkeit. Sie arbeiten vornehmlich hinter den Kulissen, sind aber umso wichtiger für die amerikanische Militärmaschinerie, die nach der von US-Präsident George W. Bush verkündeten neuen Militär-Doktrin nun weltweit die „Achse des Bösen“ und den Terrorismus bekämpfen soll.

Moderne Söldner als billige „Dienstleister“

Diese Aufgabe will oder kann die Armee nicht allein erledigen. Private Dienstleister gehen ihr zur Hand. Die modernen Söldner sichern Ölfelder im Irak, versorgen die Truppe mit Nachschub und reparieren Kriegsgerät. Sie trainieren aber auch in streng geheimer Mission befreundete ausländische Truppen und sind an Aktionen gegen Drogenschmuggler in Kolumbien und Peru beteiligt.

Der Boom hat aber auch handfeste innenpolitische Gründe. Während gerade in diesen Tagen im Fernsehen immer wieder Särge mit gefallenen Marines zu sehen sind, was die amerikanische Öffentlichkeit beunruhigt, kommen die Leichen von Söldnern allenfalls in anonymen Transportflugzeugen zurück in die Heimat. Für Thomas Sweeney, Professor am Army War College in Carlisle, gibt es noch eine weitere Erklärung: „Private Militärdienstleister sind billiger. Sie muss man nur dann bezahlen, wenn sie tatsächlich eingesetzt werden.“

„Bombengeschäft“ gewittert

Die US-Regierung will im Irak zunächst eine Militärverwaltung installieren, die dann schrittweise von zivilen Kräften übernommen werden soll. In dieser Übergangszeit werden die Söldnerfirmen eine zentrale Rolle spielen. Kein Wunder, dass die Branche jetzt ein „Bombengeschäft“ wittere, meint ein Insider. In diesem Jahr erwarte man zweistellige Gewinnsprünge. Marktführer wie MPRI, Dyncorp, Vinnel, Cubic und Kellogg, Brown & Root (KBR) stehen in Washington schon bereit.

KBR ist eine Tochter des texanischen Ölausrüsters Halliburton, deren Chef von 1995 bis 2000 US-Vizepräsident Dick Cheney war. Die politische Nähe zu den konservativen Republikanern wird bei Kellogg, Brown & Root nicht bestritten. Ohnehin gilt KBR als Nachhut der US-Streitkräfte. Auf dem Balkan versorgt das Unternehmen amerikanische Soldaten mit Nahrungsmitteln und frischer Wäsche. Ein Auftrag im Wert von bislang drei Milliarden Dollar. Außerdem hat KBR das Internierungslager für angebliche Al-Qaida-Terroristen in Guantanamo Bay auf Kuba gebaut.

Ehemalige Offiziere in Chefetagen

Karriere machen in den privaten Militärfirmen vor allem pensionierte Soldaten. Elitekämpfer der Rangers Green Berets und Special Forces würden gern angeworben, heißt es. Die Gehälter machen das Drei- bis Vierfache eines normalen Solds aus. In den Chefetagen tummeln sich ehemalige Offiziere.

Doch nicht immer verhalten sich die Firmen so, wie es sich die Politiker wünschen. Häufig sind die Söldner in Machenschaften der Geheimdienste verwickelt, so dass demokratische Kongressabgeordnete bereits eine schärfere Kontrolle gefordert haben. So bildete MPRI in den neunziger Jahren im jugoslawischen Bürgerkrieg die kroatische Armee aus, die viele Serben vertrieb oder tötete. Außerdem pflegt die US-Firma laut New York Times Kontakte zu etwa 120 hochrangigen Politikern oder Militärs, die nicht gerade als Demokraten gelten.  

sz

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