Das beredte Schweigen des Diktators

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Das beredte Schweigen des Diktators

 
02.04.03 10:42
#1
SPIEGEL ONLINE - 01. April 2003, 21:12
URL: www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,243009,00.html
Gerüchte über Saddam

Das beredte Schweigen des Diktators

Saddam Hussein rief das irakische Volk erneut zum Heiligen Krieg gegen die Alliierten auf. Genauer: Er ließ aufrufen. Denn diesmal trat der Diktator nicht selbst vor die Mikrofone. Informationsminister Saïd al-Sahhaf verlas mit schneidender Stimme eine Erklärung des Despoten. Die merkwürdigen Umstände dieser Fernsehansprache geben Gerüchten neue Nahrung, der Herrscher von Bagdad sei bereits tot.

Washington/Bagdad - Die Aufzeichnung einer "Rede Saddam Husseins" hatte der US-Nachrichtensender CNN unter Berufung auf das irakische Staatsfernsehen angekündigt. Doch dann war überraschend nicht der irakische Präsident selbst, sondern Informationsminister Mohammed Saïd al-Sahhaf zu sehen, der im Namen Saddam Husseins eine Botschaft an das irakische Volk verlas. Darin rief der Präsident erneut zum Heiligen Krieg gegen die Invasoren aus dem Westen auf: "Die Aggression, die die Angreifer gegen die Hochburg des Glaubens ausüben, ist eine Aggression gegen die Religion, den Wohlstand, die Ehre und die Seele und gegen das Land des Islam."

Deshalb sei es eine Pflicht, den Aggressoren mit dem Heiligen Krieg entgegenzutreten. "Schlagt gegen sie zu, bekämpft sie", las Sahhaf vor. "Sie sind Aggressoren, böse, von Gott verflucht. Ihr werdet siegen und sie werden bezwungen werden!"

US-Militärs und Regierungsmitglieder in Washington hatten zuvor wiederholt den Verdacht geäußert, dass Saddam Hussein schon bei dem ersten Bombenangriff auf Bagdad, der den Krieg eröffnet hatte, ums Leben kam oder zumindest schwer verletzt wurde. Die Tatsache, dass nun ein Minister eine angebliche Rede Saddam Husseins verliest, dürfte ihnen neuen Auftrieb verleihen.


Unmittelbar nach Sahhafs Fernsehauftritt erklärte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, die Tatsache, dass Saddam Hussein nicht selbst gesprochen habe, untermauere die Zweifel, dass der Diktator noch am Leben sei. Erst am Wochenende hatte Rumsfeld öffentlich bezweifelt, dass Saddam Hussein den ersten Bombenangriff des Krieges überlebt hatte, der ihm persönlich galt. Seit den Angriffen vom 20. März "haben wir die irakische Führung nicht mehr gesehen", sagte Rumsfeld in einer Fernsehshow. "Wo ist Saddam Hussein? Wo sind Kussei und Udai, seine Söhne? Sie sprechen nicht zu uns."

Auch US-Generalstabschef Richard Myers hatte zuvor ähnliche Zweifel geäußert. Die "Los Angeles Times" zitierte einen Regierungsvertreter mit den Worten, dass es keine gesicherten Erkenntnisse darüber gebe, ob Saddam noch lebe, verletzt oder tot sei oder aber nur aus Angst vor Anschlägen die Öffentlichkeit meide.

Die Aufzeichnung einer Pressekonferenz des irakischen Verteidigungsministers aber habe Sicherheitskreise elektrisiert. In dem Video sei ein Mann zu sehen, der als langjähriger Leibwächter Saddam Husseins gilt. "Das ist bemerkenswert", habe ein Regierungsmitarbeiter gesagt. "Dieser Mann wird immer zusammen mit Saddam gesehen." Es sei verwunderlich, dass er ausgerechnet jetzt von der Seite des Diktators gewichen sei. Rumsfeld bezeichnete das Auftauchen des Leibwächters als interessant. "Es könnte bedeuten, dass Saddam Hussein nicht besonders viel herumkommt in letzter Zeit."

CIA-Mitarbeiter sind nach Informationen der "Los Angeles Times" nach wie vor davon überzeugt, dass Saddam Hussein und seine beiden Söhne in dem Gebäude waren, das von den ersten Bomben des Krieges getroffen wurde. Der irakische Uno-Botschafter Mohammed al-Duri tat zuletzt wenig, die Zweifel am Wohlergehen Saddam Husseins zu zerstreuen. Auf die Frage eines NBC-Moderators, ob Saddam noch am Leben sei, zögerte Duri zunächst, ehe er sagte: "Ich denke natürlich, dass er am Leben ist, weil wir ihn mehrmals im Fernsehen gesehen haben."

Alle Fernsehauftritte Saddam Husseins seit Kriegsbeginn könnten aber nach Einschätzung von Experten vor den Angriffen aufgezeichnet worden sein. Zudem bemerkte Duri überraschend, dass das Überleben des irakischen Regimes nicht vom Überleben Saddam Husseins oder seiner Söhne abhänge: "Das ist keine Frage von einer oder zwei Personen."

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der Saddam-Ariva-Freunde ...  

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