Chemie und Pharma machen sich wetterfest
Von Helmut Reich
Die Chemie- und Pharmabranche glänzte lange mit guten Zahlen. Das könnte bald vorbei sein, denn das Wachstum ist rückläufig. Doch BASF und Bayer haben die für den globalen Wettbewerb nötige Konzentration auf ihre Kernbereiche geschafft. Altana sucht dagegen weiter nach einer Lösung für die Pharmasparte.
Rasanter Fortschritt und enormes Wachstum – dafür stehen die Unternehmen der Chemie- und Pharmabranche. Auch wenn der Normalbürger nur einen Bruchteil dessen versteht, was in den Laboren und Produktionsstätten erarbeitet wird, heraus kommen letztendlich Dinge, die man nicht mehr im Alltagsleben und schon gar nicht in Krankheitsfällen missen möchte.
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Doch nun könnte diese Industrie, zumindest vorübergehend, an ihre Grenzen stoßen. Die Anzeichen mehren sich, dass der Konjunkturzyklus der Branche seinen Höhepunkt überschritten hat. Hohe Energiepreise und die erwartete Abkühlung der Weltwirtschaft tragen dazu bei.
So ist die Chemieproduktion, immerhin Deutschlands viertgrößter Industriezweig, im Jahr 2005 noch mit einer Rate von 7 Prozent gewachsen – so stark wie schon lange nicht mehr. Für das laufende Jahr erwartet der Verband der Chemischen Industrie nun allerdings lediglich noch ein Produktionsplus von 2,5 Prozent. Und auch in der deutschen Pharmabranche ist der kräftige Aufwärtstrend bereits im zweiten Quartal 2006 ins Stocken gearten.
Wie sind die Unternehmen aufgestellt angesichts des sich abzeichnenden Abschwungs? Haben Kostensenkungen und Restrukturierungen die Voraussetzung geschaffen, auch in stagnierenden oder sogar schrumpfenden Märkten international zu überleben und die von den Aktionären geforderten Gewinne einzufahren?
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Vorreiter in Deutschland war der Konzern BASF
, der sich von seiner Pharmasparte trennte und sich mittlerweile als reiner Chemiekonzern präsentiert. Bayer
geht den umgekehrten Weg und positioniert sich als Pharmakonzern, das Chemiegeschäft wurde unter dem Namen Lanxess
an die Börse gebracht. Etwas spät dran ist der Konzern Altana
, der seit Monaten einen Käufer für seine Pharmasparte sucht und den Chemiebereich an die Börse bringen will.
Gefahr durch Cracker?
Bestimmendes Branchenthema des ersten Halbjahres waren die Übernahmen des US-Spezialchemiekonzerns Engelhard
durch BASF und des Pharmaunternehmens Schering
durch Bayer – jeweils die größten Übernahmen der beiden Dax-Unternehmen in ihrer Geschichte.
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Die Chemiekonjunktur sieht Kippe jedoch noch positiv, vor allem durch den Nachholbedarf Chinas. "Erst für 2007 oder 2008 ist mit einem Zyklusende zu rechnen, dann allerdings als 'soft landing' und nicht als Crash wie in den 90ern". Ein Grund: "Die Unternehmen sind mittlerweile wesentlich spezialisierter und weniger zyklisch aufgestellt", so Kippe.
Für die Chemiebranche könnte also weniger der Konjunkturzyklus zu einem Problem werden, sondern eine Entwicklung im Mittleren Osten. Hier wird an sogenannten Crackern gearbeitet, die Öl und Gas in chemische Vorprodukte aufspalten können.
So wollen Länder wie Saudi-Arabien ihre Energievorräte nutzen, um eine eigene schlagkräftige Chemieindustrie aufzubauen. Branchenkenner Kippe kann jedoch vorerst Entwarnung geben: "Die Cracker-Projekte dürften sich noch hinauszögern. Bei den derzeitigen hohen Ölpreisen hat es keiner eilig, dieses Asset an den Markt zu bringen", so der Analyst.
#000000 size=1>Generika als Belastungsfaktor
#000000 size=1>Beim Dax-Rivalen Bayer war dagegen die schwerste Phase des Unternehmens zugleich der Beginn eines grundlegenden Konzernumbaus. Im August 2001 musste Bayer den Cholesterinsenker Lipobay vom Markt nehmen. Das Medikament stand in dem Verdacht, für den Tod vieler Menschern verantwortlich zu sein, Tausende Klagen folgten.
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#000000 size=1>Grundlegendes Problem der Pharmabranche, besonders der #000000 size=1>etwas kleineren Unternehmen
#000000 size=1>, ist das Auslaufen von Patenten für Medikamente. Der dadurch drohende Umsatzrückgang kann durch eigene Entwicklungen meistens nicht aufgefangen werden. Gefragt sind daher Zukäufe und Partnerschaften, um im globalen Markt bestehen zu können.#000000 size=1>"Das Umfeld ist härter geworden, da derzeit in den USA viele Generika auf den Markt kommen, und zwar teils bereits vor dem erwarteten Ablauf der Patente", so Thomas Brenning, Pharmaanalyst bei Helaba Trust, gegenüber manager-magazin.de. "Das könnte ein Belastungsfaktor für die Gewinndynamik sein", sagt Brenning, "der Wachstumstrend in der Pharmabranche ist jedoch langfristig intakt".
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#000000 size=1>"Bei Altana dauert das große Warten auf wichtige strategische Entscheidungen an, das Unternehmen zeigt sich hier sehr verschlossen" , sagt Pharmaexperte Brenning und schildert die möglichen Folgen: "In Altanas Chemiesparte sieht es gut aus, mit dem Einleiten des geplanten Börsenganges wird Altana aber wahrscheinlich warten, bis der Verkauf der Pharmasparte in trockenen Tüchern ist." Mit dem seit langem angekündigten Ziel, den Börsengang der Chemie noch in diesem Jahr zu vollziehen, dürfte es also knapp werden.
#000000>Quelle: Manager-magazin.de
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