Chateau Panzerknacker

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Chateau Panzerknacker bilanz
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Chateau Panzerknacker

 
17.10.04 12:17
#1
Château nimmt er mir als Betreff nicht an, wäre aber richtig geschrieben.

Im Rebberg der Strafanstalt Lenzburg bauen Häftlinge Wein an. Trinken dürfen sie ihn aber nicht.

Das Tor klappert leise. Niklaus Rüttimann ölt es nicht. Damit er hört, wenn jemand kommt. Oder geht. Auch das Geräusch von Schritten auf dem Kiesplatz vor dem Tor lässt den Rebmeister am Goffersberg aufhorchen. Nach 26 Jahren im Strafvollzug hat man das im Ohr. Und im Gespür. Besorgniserregend sind ausserdem offene Haustüren, vorbeischlendernde Frauen. Ein Stacheldraht krönt den knapp mannshohen Zaun, der den zwei Hektaren grossen Weinberg umgibt. Der Zaun, andernorts erstellt, um Traubendiebe vom Mundraub abzuhalten, soll hier jene, die drinnen sind, drinnen behalten. Soll die Verlockung der Freiheit aus den Köpfen der Arbeiter verbannen. Wenigstens ein wenig. Wenn einer wirklich gehen will, dann ist er schnell hinübergeklettert. Ob man ihn dann wiederfindet, ist unsicher. Trotzdem: «Ich möchte nicht arbeiten ohne», sagt Rüttimann.


Alkoholverbot

Der Goffersberger ist ein Gefängniswein. Angebaut von Gefangenen für Nicht-Gefangene. Wer ihn pflegt, darf ihn nicht trinken. In der Strafanstalt Lenzburg herrscht Alkoholverbot. Je 43 Prozent der rund 170 Gefangenen sitzen wegen Drogenhandels und schwerer Gewaltdelikte. Arbeit im Strafvollzug bedeutet etwa: Vorbereitung auf die Zeit nach der Entlassung, sinnvolle Beschäftigung als Therapie, Beitrag an Ruhe und Ordnung im Gefängnis. Mit ihren Betriebszweigen erwirtschaftet die Strafanstalt Lenzburg 4,1 Millionen Franken Umsatz pro Jahr. Mit 1 bis 1,5 Millionen ist der Staatszuschuss relativ tief. Bis ein Insasse der geschlossenen Anstalt jedoch ausserhalb der Gefängnismauer arbeiten darf, braucht es einiges. Er darf nicht gefährlich für die Öffentlichkeit sein. Das heisst: Gefangene mit einer erhöhten Rückfallgefahr, Kriminaltouristen und Asylsuchende sind ausgeschlossen. Das Schutzbedürfnis der Bevölkerung vor gefährlichen Straftätern läuft dem Resozialisierungsauftrag zunehmend zuwider. Die zehn handverlesenen Gefangenen, die nach draussen dürfen, betreuen neben dem Rebberg 1 Hektare Obstgärten, 82 Hektaren Landwirtschaftsland, 35 Kühe, 20 Rinder, 10 Stück Jungvieh, 35 Schafe und 10 Bienenvölker. Seit der Verschärfung des Strafvollzugs fehlt es ständig an Arbeitskräften.

Zurzeit stehen zwei Rebarbeiter am Goffersberg, obwohl es Arbeit für vier hätte. Die Blauburgunder- und die Riesling × Sylvaner-Trauben werden heute in der Staatstrotte in Frick gekeltert. Der Wein wird im eigenen Laden verkauft. Der Blauburgunder 2003 ist ein klassischer Deutschschweizer, mit einer süsslichen Frucht, mittlerer Fülle und einem kurzen, etwas herben Abgang (Preis: 13 Franken, erhältlich unter www.strafanstalt-lenzburg.ch). Bis vor kurzem gehörte er gar zu den wenigen Schweizer Provenienzen, die exportiert wurden. Wegen der hohen Einfuhrzölle und des teuren Versands lohnte sich der Aufwand aber nicht mehr.

Der Vollzugsangestelle Rüttimann schiebt mit der einen Hand die Sonnenbrille aus dem Gesicht und mit der andern die Blätter in der Laubwand beiseite. Er späht durch die Drähte hindurch über die Rebzeilen hinab, die sich wie Ringe um den steilen Berghang winden. Hier oben hat er den Überblick über den Weinberg, die Trotte und die angrenzenden Wiesen. Unten schneidet ein Mann in einer grünen Faserpelzjacke mit orange Ärmeln und gelbem Logo auf dem Rücken überzählige Trauben weg. Château Fünfstern, wie das im Jahre 1864 erbaute Gefängnis genannt wird. Der grauhaarige Insasse trägt das Signet der Strafanstalt, einen stilisierten Turm mit zwei Seitentrakten, nicht ohne Stolz. Obwohl erst seit einem Monat hier draussen, fühlt er sich verantwortlich für das Gedeihen der «Goffi-Reben». Der Kollege an seiner Seite, in Anstalts-Jeans und hellblauem Anstalts-T-Shirt, arbeitet bereits seit eineinhalb Jahren im Weinberg. «Uns fehlt hier drinnen nichts», sagt er. Sein Blick misst die Parzelle ab, er schmunzelt. «Nur Frauen am Abend.»


Gewisse Freiheit

Rüttimann pflegt ein kameradschaftliches Verhältnis zu seinen Schutzbefohlenen. Er lässt ihnen die grösstmögliche Freiheit innerhalb des Geheges. Sie verdanken es ihm, indem sie ihn auf Unregelmässigkeiten wie ein Loch im Zaun aufmerksam machen. Der Grauhaarige und sein Kollege werden Rüttimann, wie viele andere vor ihnen, vor der Ernte verlassen. Kaum einer, der im Frühjahr die Erde hackt, sieht im Herbst die Trauben heranreifen. Sie werden vorher entlassen oder ausgeschafft. Noch wurde dem Rebmeister kein Nachschub an verlässlichen Gefangenen in Aussicht gestellt. Dabei gäbe es viel zu tun.

Chateau Panzerknacker AbsoluterNeuling

Châpeau Suisse

 
#2

Chateau Panzerknacker 1676719

Gefangenen-"Gehege".
Nee, nee, bilanz...

Trotzdem wünsche ich Dir einen schönen Sonntag - hoffentlich habt Ihr hat es bei Euch besseres Wetter.

Chateau Panzerknacker 1676719

Absoluter Neuling

Chateau Panzerknacker 1676719

Ceterum censeo: praecidendum est praecoxicomi
Chateau Panzerknacker 1676719

 



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