Bushs Kriegsmaschinerie gerät ins Stocken

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Bushs Kriegsmaschinerie gerät ins Stocken calexa
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Bushs Kriegsmaschinerie gerät ins Stocken

 
01.04.03 19:18
#1
Die Situation entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Gleich nach Kriegsbeginn, da war sich die US-Regierung sicher, werden irakische Soldaten scharenweise zu den Befreiern überlaufen und Saddams Regierung werde auseinander brechen. Nun aber, nach zwei harten Kriegswochen, ist es eher George W. Bush, der sich mühen muss, seine Leute beisammen zu halten. Der Ärger begann, als der Vormarsch auf Bagdad ins Stocken geriet. Schonungslos offen beschwerten sich die Kommandeure über die missratene Kriegsstrategie des Verteidigungsministers. Rumsfeld habe nicht auf die Generäle gehört, sondern stur seine Vision von einer kleinen High-Tech-Armee verfolgt. Die Invasion habe mit viel zu wenig Soldaten begonnen - und zu allem Überfluss auch noch den falschen.
Rumsfeld habe damit die Truppe in Gefahr gebracht. Ein Kommandeur in Kuweit verglich den Pentagon-Chef gestern schon mit Robert McNamara, der den USA den Vietnamkrieg eingebrockt hat. Der hatte ebenfalls die politischen und militärischen Gegebenheiten des Feindes völlig falsch eingeschätzt. Und ein Oberst sagte der New York Times: "Rumsfeld wollte einen Billigkrieg. Nun hat er ihn." So ist die Forderung der Militärs nach einem radikalen Wechsel der militärischen Strategie vor allem so zu übersetzen: Zivilist Rumsfeld soll sich endlich aus dem Kriegshandwerk raushalten.

Republikaner zweifeln an den Falken

Der Unmut über den Kriegsverlauf hat auch die Republikanische Partei erreicht. Die "Washington Post" meldet, dass die "Grand Old Party" hinter den Kulissen einflussreiche Mitglieder zum Präsidenten geschickt hat. Sie sollen Bush überzeugen, dass er denkbar schlecht beraten wird vom Falkentrio Rumsfeld, dessen Stellvertreter Paul Wolfowitz und Vizepräsident Dick Cheney. Deren Ratschläge seien falsch, würden amerikanischen Langzeitinteressen eher schaden als nützen und die Zusammenarbeit mit den Verbündeten und den Internationalen Organisationen nur weiter erschweren.

Zu allem Unglück seien die mächtigen Drei auch oftmals über Kreuz mit dem Außenminister Colin Powell - dem Mann also, der das Vertrauen des Militärs besitzt. Von 1989 bis 1993 Oberbefehlshaber des US-Militärs, hat Powell nach wie vor enge Vertraute im Pentagon - eine Tatsache, die Rumsfeld nicht gefallen kann.

"Schwarzer Kanal" zwischen Powell und den Generälen

Schon streuen seine Mitarbeiter, es gebe einen "schwarzen Kanal" zwischen Powell und den Generälen, von denen sich viele mit Rumsfeld überworfen haben. Offen jedoch kann der exzentrische Verteidigungsminister Powell nicht angehen: Vater Bush hält schützend die Hand über ihn. "Ich kann es nicht ertragen, wenn Powell kritisiert wird, egal von welcher Seite", ließ Bush senior gestern warnend wissen. Ein deutlicher Schuss vor Rumsfelds Bug.

Nach außen streitet Powell jeden Verdacht auf Dissonanzen ab. Als Außenminister sei die Verteidigung nicht mehr seine Baustelle, sagt er in die Mikrofone. Hinter den Kulissen aber zieht der Chefdiplomat die Fäden.

So ist der nun geforderte Strategiewechsel nichts anderes als eine Rückkehr zur Powell-Doktrin - eine Strategie des 1991 Golfkrieges: klare Ziele, lang anhaltende Luftangriffe, gefolgt von der Invasion zahlenmäßig starker Bodentruppen, alles durchgeführt mit weitreichender internationaler Unterstützung.

Diese Doktrin wischte Rumsfeld kurz nach Amtsantritt vom Tisch: sie sei dem Denken des Kalten Krieges entsprungen und nicht mehr adäquat. Der willensstarke Haudegen setzte lieber auf eine kleine Hightech-Streitmacht und die "Schock-und-Schrecken"-Strategie: Mit extrem starken Luftangriffen das feindliche Regime lähmen, demoralisieren und zur Aufgabe zwingen.

Breitseite gegen Wolfowitz

Als Powell am Freitag gefragt wurde, ob er verstimmt über die Abkehr von seiner Doktrin sei, sagte er: "Ich kann Ihnen versichern, die Generäle und Admirale wenden genau diese Doktrin jetzt an. Ich weiß es, ich habe sie ja ausgebildet." Rumsfeld erwähnte er mit keinem Wort.

Eine Breitseite auf seinen Lieblingsgegner Wolfowitz konnte er sich indes nicht verkneifen. Der Hardliner, der nie eine Uniform getragen hat, gilt unter Powell-Getreuen als jemand, der den Irak als rein akademisches Problem betrachtet und die militärischen Realitäten nicht versteht. Befragt nach den Kriegsopfern antwortet Powell: "Das ist der Preis, den man für einen Krieg zahlen muss. Und der wird nicht von Intellektuellen bezahlt, sondern von wunderbaren jungen Amerikanern, die ihrem Land dienen und an die gute Sache glauben."

Viele Republikaner teilen Powells Auffassung - das Misstrauen gegenüber den Scharfmachern an der Seite des Präsidenten wächst. Gespannt würde beobachtet, so ein einflussreiches Parteimitglied, ob dieser Präsident etwas aus dieser schlechten Beratung lernt. Anzeichen hierfür, Konsequenzen gar, sind bislang nicht zu erkennen. Bush gebe sich wie eine Sphinx, ihm sei nicht anzumerken, wie er zu den Spannungen innerhalb seines Regierungsteams steht, verriet einer seiner Mitarbeiter der "Washington Post". Auch bei seiner gestrigen Rede in einer Kadettenschule war von Bush kein böses Wort über seinen umstrittenen Verteidigungsminister zu hören. Allerdings auch kein Gutes.

So long,
Calexa
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Koalition der Willigen zerbröselt

 
#2
Bilder von toten Zivilisten, Berichte über einen schleppenden Vormarsch, Debatten zur vielleicht falschen Kriegsstrategie: Der Konflikt am Golf ist unpopulär beim Volk und die Zustimmung für London und Washington sinkt in dem Maße, in dem die Verluste zunehmen. Zahlreiche europäische Regierungen kommen nun in Bedrängnis.
Silvio Berlusconi, der italienische Ministerpräsident, hat seinen politischen Rückzug aus dem Krieg bereits eingeleitet, bevor auch nur der erste Schuss gefallen war. Der Italiener war zwar einer der Unterzeichner des englisch-spanischen Briefes, den Tony Blair und José Marìa Aznar Wochen vor dem Krieg als Unterstützungskampagne für die USA initiiert hatten. Das hatte allerdings keine konkrete militärische Unterstützung von italienischer Seite zur Folge. Vergangene Woche hatte Berlusconi, so schreibt der britische "Independent", arge Mühe mit seinen Landsleuten. Er wollte ihnen klar machen, dass der Aufmarsch von 1000 US-Fallschirmspringern im Nordirak, die eigentlich in Italien stationiert sind, nicht das Versprechen breche, wonach italienische Basen nicht für direkte Angriffe gegen Saddam Hussein benutzt werden sollten.

Dänemark, das den Krieg unterstützt, musste sein sowieso schon kleines militärisches Engagement auf Druck der Opposition reduzieren. Immerhin hat sich ein U-Boot der Marine auf den Weg zum Golf gemacht. Die Niederlande, deren Regierung den spanisch-englischen Brief zur Unterstützung der Irak-Politik der USA nicht unterzeichnet hatte, der Sache aber wohlgesonnen gegenüberstand, haben ein militärisches Engagement ausgeschlossen: aus Sorge, die laufenden Koalitionsverhandlungen zu gefährden.

Länder, die eine noch härtere pro-amerikanische Linie fahren, haben innenpolitisch derzeit große Schwierigkeiten. José Marìa Aznar, Ministerpräsident von Spanien, der 9000 Soldaten für humanitäre Aufgaben in den Irak geschickt hat, ist unter enormen Druck der heimischen Opposition geraten. In Polen führten Fotos, die polnische Soldaten posierend neben US-Soldaten zeigen, einen Stimmungsumschwung herbei. Auch wenn die Regierung in Warschau ein enger Unterstützer der USA bleibt, zeigen Meinungsumfragen, dass nur 20 Prozent der Bevölkerung für eine Beteiligung eigener Truppen an den Kämpfen sind.

Der große Druck aus der Bevölkerung hat einige Regierungen sogar gezwungen, ihre Haltung zu ändern. Irland etwa hat zwar den Amerikanern den Shannon-Flughafen bereitgestellt, den Krieg aber nicht gutgeheißen.

In den früheren kommunistischen Ländern Europas, von Donald Rumsfeld als Koalition der Willigen bezeichnet, herrscht eine zwiespältige Stimmung. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass der englisch-spanische Brief, den drei Beitrittsländer unterzeichnet haben, und eine folgende Erklärung, die zehn osteuropäische Staaten unterschrieben haben, zu keiner aktiven Beteiligung verpflichtete. Einige Regierungschefs schlossen sich der Formulierung an, dass eine harte Haltung Saddam Hussein zwingen könnte aufzugeben. Mehr aber auch nicht.

In anderen Ländern hat sich die Stimmung gewandelt. In Tschechien, das zu den Ländern auf Washingtons Liste gehört, wurde der spanisch-englische Brief vom scheidenden Präsidenten Václav Havel unterzeichnet. Sein Nachfolger, Václav Klaus, warnte davor, dass eine mit Gewalt installierte demokratische Regierung im Irak ein gefährlicher Präzedenzfall werden könnte.

Zahlreiche Länder boten logistische Unterstützung für den Krieg an, weil die Verweigerung dessen einen diplomatischen Bruch mit Washington zur Folge gehabt hätte. Diese Nuancen hat das Pentagon jetzt ausgeräumt, indem es seine Vorstellung von einer "breiten Unterstützung" vorgestellt hat. Da wurde zum Beispiel Kroatien als Teil der Koalition der Willigen präsentiert, weil es seinen Luftraum und seine Fliegerhorste für zivile amerikanische Flugzeuge geöffnet hat. Aber Stipe Mesic, Kroatiens Präsident, hat den Krieg als rechtswidrig angeprangert, weil es keine Uno-Legitimation gebe. Auch Slowenien hat dementiert, dass es den Konflikt unterstütze.

So long,
Calexa
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