Bush verärgert über Jukos-Zerschlagung

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Bush verärgert über Jukos-Zerschlagung bammie

Bush verärgert über Jukos-Zerschlagung

 
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Die Zwangsversteigerung der russischen Ölforderfirma Jugansk konnte die Harmonie beim Gipfel Schröder-Putin nicht trüben. US-Präsident George Bush hat eine andere Haltung - er will gegenüber seinem russischen Kollegen seinen Ärger über das Vorgehen zum Ausdruck bringen.


Washington - Bush will während seines kommenden Europa-Besuches mit Russlands Präsidenten über die umstrittene Jukos-Zwangsversteigerung sprechen, die am Sonntag stattgefunden hatte. Bush wolle dabei seine Besorgnis zum Ausdruck bringen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, in Washington.
Die US-Regierung ist nach den Worten McClellans enttäuscht über die Versteigerung der Jukos-Hauptfördergesellschaft Juganskneftegas. Die Vereinigten Staaten hätten auf eine Lösung gehofft, die Schaden von ausländischen Investoren und dabei vor allen den amerikanischen abgewendet hätte.

Man habe der russischen Regierung wiederholt zu verstehen gegeben, dass die Jukos-Frage eine kalte Dusche für ausländische Investitionen in Russland sein und die Rolle Russlands in der Weltwirtschaft beeinflussen könnte, sagte McClellan. Es sei Russlands Verantwortung, ein Klima zu schaffen, in dem Eigentumsrechte und Rechtstaatlichkeit geschützt und das Vertrauen in die politischen, gesetzgebenden und juristischen Institutionen wieder hergestellt würden.

Bush will Putin am 24. Februar am Rande seines Besuches in der slowakischen Hauptstadt Bratislava treffen. Putin hat am Dienstag trotz aller Kritik die Zwangsversteigerung verteidigt. "Die Auktion hat in völliger Übereinstimmung mit dem geltenden russischen Recht stattgefunden", sagte er.

Mehr Hinweise auf Hintermänner

In Russland verdichteten sich zuletzt die Hinweise auf eine vom Kreml orchestrierte Übernahme der wichtigsten Jukos-Tochterfirma. Zwei Zeitungen identifizierten leitende Manager des Moskau-treuen Ölkonzerns Surgutneftegas als Bieter der ominösen Firma BaikalFinansGroup, die sich bei der Zwangsversteigerung am das Jukos-Filetstück sicherte.
Ferner meldete der Energieriese Gasprom am Dienstagabend überraschend den Verkauf seiner erst vor wenigen Monaten gegründeten Öltochter Gaspromneft: Gasprom-Sprecher Sergej Kuprianow sagte der Nachrichtenagentur AP, Gaspromneft sei am Freitag verkauft worden - einen Tag nach einer einstweiligen Verfügung eines Konkursgerichts in Houston gegen die Auktion von Jugansk. Der Einspruch sollte so umgangen werden. Kuprianow ergänzte, in Kürze werde eine neue Konzernholding gegründet. Gaspromneft hatte bei der Auktion am Sonntag als Favorit gegolten, aber überraschend kein Gebot abgegeben.

Stattdessen sicherte sich die bislang völlig unbekannte BaikalFinansGroup für sieben Milliarden Euro die Aktienmehrheit an Juganskneftegas. Über das Unternehmen ist lediglich bekannt, dass es in der Stadt Twer registriert ist und sich erst nach der einstweiligen Verfügung für die Versteigerung angemeldet hatte. Baikal gilt als reine Tarnfirma. Jukos drohte am Dienstag, den Käufer seiner Tochter Juganskneftegas auf 15 Milliarden Euro Schadenersatz zu verklagen.
Laut der Zeitung "Wedomosti" war einer der Bieter der BaikalFinansGroup Igor Minibajew, ein Verwaltungsmanager von Surgutneftegas. Eine zweite Vertreterin sei Walentina Komarowa gewesen, die stellvertretende Chefin der Surgut-Finanzsparte. Die Zeitung "Gaseta" identifizierte ebenfalls Minibajew. Die Direktorin der ominösen BaikalFinans, Walentina Dawletgarejewa, sei außerdem die Mitbesitzerin einer weiteren zu Surgutneftegas gehörenden Firma.

Welche Rolle spielt China?

Nach Ansicht von Experten wäre Surgutneftegas ein idealer Käufer, denn der Konzern müsste mit einer Liquidität von acht Milliarden Dollar keine nennenswerten Kredite aufnehmen. Nach dem Einspruch des US-Gerichts gegen die Auktion hatten westliche Banken eine Kreditlinie für Gasprom eingefroren. Selbst wenn das Konkursgericht in Houston sein Verdikt aufrechterhalte, müsste Surgut im Ausland kaum Sanktionen fürchten, kommentierte Pavel Kuschnir, Öl- und Gasanalyst bei der United Financial Group: Das sibirische Unternehmen verfüge über keinerlei Werte im Ausland, Öl- und Gasexporte seien nicht klar zuzuordnen und könnten schwerlich beschlagnahmt werden. Das Gericht in Houston wollte am Mittwoch die Jukos-Anhörungen fortsetzen.

Russlands Präsident Wladimir Putin verstärkte am Dienstag Spekulationen über einen Kreml-nahen Käufer und den Aufbau eines neuen Konzerns: Hinter der Auktion der Jugansk stünden Experten mit Erfahrung im Energiesektor, sagte Putin beim Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder in Schleswig. Die Käufer wollten eng mit anderen Energieunternehmen in Russland kooperieren. Auch ein staatlicher chinesischer Ölkonzern könne künftig am Betrieb der ehemaligen Jukos-Tochter beteiligt werden.


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