Bundeswehrstandorte

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Bundeswehrstandorte Karlchen_I
Karlchen_I:

Bundeswehrstandorte

 
02.11.04 12:04
#1
Strucks Liste der Standort-Streichungen

Das Bundesverteidigungsministerium will 105 der insgesamt 503 Bundeswehrstandorte schließen. SPIEGEL ONLINE präsentiert die Streichliste von Minister Peter Struck (SPD).

Hamburg - Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Berlin soll die Bundeswehr spätestens im Jahr 2010 eine Stärke von 252.500 Soldaten aufweisen. Dabei sollen die Eingreifkräfte 35.000 Mann umfassen, die so genannten Stabilisierungskräfte 70.000 und die Unterstützungskräfte 106.000 Soldatinnen und Soldaten.

Dies bedeutet eine weitere Reduzierung des Personals. Beim Heer plant das Ministerium die Anzahl der Divisionskommandos von sieben auf fünf zu verringern. Die Zahl der Brigaden soll von 22 auf zwölf reduziert werden. Bei der Luftwaffe wird es künftig nur noch drei statt bisher vier Divisionskommandos geben. Und die Marine fasst die bisher bestehenden fünf Typflottillen in künftig zwei zusammen. Auch die Zahl der Standortverwaltungen und der Kreiswehrersatzämter wird verringert werden.

Insgesamt werden dem Plan des Ministeriums zufolge 105 Standorte geschlossen. 30 Stützpunkte sollen deutlich reduziert und 45 ausgebaut werden. Ein neuer Standort soll geschaffen werden.

Auf folgende Städte oder Gemeinden kommen Schließungen zu. In Klammer ist die Zahl der bisherigen Personalstärke angegeben:

Baden-Württemberg (neun Standorte):

   * Offenburg (8)


   * Albstadt (20)


   * Horb am Neckar (540)


   * Tübingen (3)


   * Heidenheim (3)


   * Amstetten (30)


   * Heilbronn (60)


   * Tauberbischofsheim (1110)


   * Külsheim (1150)


     Bayern (16 Standorte):

   * Mellrichstadt (1000)


   * Coburg (4)


   * Aschaffenburg (4)


   * Nordheim am Main (8)


   * Wiesentheid (4)


   * Pfofeld (20)


   * Bayreuth (130)


   * Erlangen (3)


   * Neunburg vorm Wald (750)


   * Landshut (60)


   * Leipheim (350)


   * Augsburg (100)


   * Weilheim (3)


   * Nussdorf am Inn (9)


   * Brannenburg (800)


   * Marktbergel (60)


     Brandenburg (drei Standorte):

   * Neuruppin (60)


   * Oranienburg (740)


   * Brandenburg a. d. Havel (930)


     Hessen (zehn Standorte):

   * Bad Arolsen (50)


   * Wolfhagen (540)


   * Fuldatal (1390)


   * Hessisch Lichtenau (790)


   * Sontra (780)


   * Schwalmstadt (980)


   * Neustadt (550)


   * Fulda (6)


   * Giessen (80)


   * Erbach (3)


     Mecklenburg-Vorpommern (drei Standorte):

   * Dabel (690)


   * Wismar (3)


   * Parchim (20)


     Niedersachsen (14 Standorte):

   * Jever (40)


   * Varel (1060)


   * Bad Zwischenahn (440)


   * Grossenkneten (10)


   * Wildeshausen (640)


   * Bippen (20)


   * Fürstenau (890)


   * Lingen (Ems)(980)


   * Osnabrück (6)


   * Georgsmarienhütte (20)


   * Goslar (1140)


   * Hildesheim (410)


   * Hambühren (10)


   * Wesendorf (970)


     Nordrhein-Westfalen (13 Standorte):

   * Emmerich (950)


   * Borken (870)


   * Coesfeld (1440)


   * Dülmen (70)


   * Lüdinghausen (20)


   * Hamm (910)


   * Lippstadt (930)


   * Detmold (60)


   * Essen (70)


   * Hemer


   * Solingen (60)


   * Much (30)


   * Düren (230)


     Rheinland-Pfalz (neun Standorte):

   * Westerburg (480)


   * Neuwied (3)


   * Mendig (810)


   * Niederbrombach (40)


   * Hermeskeil (740)


   * Neustadt a. d. Weinstraße (10)


   * Ludwigshafen (3)


   * Worms (3)


   * Rheinböllen (120)


     Sachsen (acht Standorte):

   * Torgau (3)


   * Bautzen (60)


   * Görlitz (3)


   * Porschdorf (4)


   * Chemnitz (200)


   * Werdau (60)


   * Schneeberg (1400)


   * Plauen (3)


     Sachsen-Anhalt (fünf Standorte):

   * Stendal (60)


   * Wittenberg (60)


   * Köthen (Anhalt) (3)


   * Eisleben (3)


   * Hohenmölsen (770)


     Schleswig-Holstein (13 Standorte):

   * Bordelum (30)


   * Enge Sande (160)


   * Kappeln (1950)


   * Rendsburg (1870)


   * Arkebek (20)


   * Albersdorf (740)


   * Neumünster (90)


   * Kellinghusen (940)


   * Breitenburg (840)


   * Bad Segeberg (870)


   * Bad Oldesloe (50)


   * Mölln (60)


   * Lübeck (20)


     Thüringen (zwei Standorte):

   * Nordhausen (3)


   * Rudolstadt (3)



Berlin, Bremen, Hamburg und das Saarland sind von keinen neuerlichen Schließungen betroffen.

Außer den nun bekannt gegebenen Standorten gibt es 76 weitere, deren Schließung seit 1990 beschlossen, jedoch noch nicht umgesetzt ist. Dabei handelt es sich in Baden-Württemberg um Rastatt, Herbolzheim, Laichingen, Leutkirch, Renningen, Riedlingen, Siegelsbach und Muggensturm. In Bayern sind es: Breitengüssbach, Memmingerberg, Rimbach, Ebern, Kötzting, Hohenbrunn, Langquaid, Feldafing, Nersingen. In Brandenburg: Kloster Lehnin, Schlieben, Grosswoltersdorf, Friedland. In Hessen: Schöneck, Marburg, Neuental und Lorch. In Mecklenburg-Vorpommern: Neustadt-Glewe, Stavenhagen, Demen, Karow, Dranske. In Niedersachsen: Uelsen, Esterwegen, Eydelstedt, Giesen, Wietmarschen und Axstedt. In Nordrhein-Westfalen: Reichshof, Selm, Reken, Goch, Burbach, Olfen, Hörstel, Vreden, Saerbeck, Waldbröl, Kranenburg und Möhnesee. In Rheinland-Pfalz: Montabaur, Bad Ems, Remagen, Windesheim, Peterswald-Löffelscheid, Adenau, Naurath (Eifel), Kriegsfeld, Gemmerich, Oberdiebach, Nünschweiler, Ruppertsweiler. Im Saarland: Homburg. In Sachsen: Naunhof. In Sachsen-Anhalt: Rosslau (Elbe), Brettin und Dessau. Und in Schleswig-Holstein: Dollerup, Silberstedt, Süderlügum, Löwenstedt, Glinde, Tarp, Grossenbrode, Sylt-Ost, Leck, List und Klein Wittensee.


Bundeswehrstandorte Eichi
Eichi:

Eichel hat kein Geld mehr

 
02.11.04 12:21
#2
und der Verteidigungsetat reicht nicht. D. h. zwangsläufig Einsparungen.
Bundeswehrstandorte C.Webb4
C.Webb4:

Was zur Hölle

 
02.11.04 14:18
#3
macht ein Standort mit DREI Leuten ?!?!?


Bundeswehrstandorte 1693941
Bundeswehrstandorte Karlchen_I
Karlchen_I:

Wachtposten im 3-Schicht-Betrieb. o. T.

 
02.11.04 14:20
#4
Bundeswehrstandorte blindfish
blindfish:

ganz einfach, cwebb4...

 
02.11.04 14:21
#5
die werden von schröder mit viel heißer luft aufgepustet und dienen dann als ablenkungsattrappen ;-))

gruss :-))
Bundeswehrstandorte C.Webb4
C.Webb4:

BF

 
02.11.04 14:23
#6
Dann würde das aber Sin machen, andererseits würde sich ddiese Standortfrage schnell von selbst lösen, zwecks Knalleffekt ;-)
Ich frag mich allerdings auch, wo die sich in TÜ verstecken, ich hab die noch nie gesehen...
 
Bundeswehrstandorte blindfish
blindfish:

habt ihr nicht...

 
02.11.04 14:25
#7
so nen schleimigen abschleppschuppen!? meistens sind sie dort *ggg*

gruss :-)
Bundeswehrstandorte Dr.UdoBroemme
Dr.UdoBroem.:

BW-Standort Dollerup - das Aus für den Bäcker?

 
02.11.04 14:31
#8
"Die Rationalisierungswelle hat auch vor Dollerup nicht Halt gemacht. Die Meierei wurde geschlossen, die Kleinbahn stellte ihren Betrieb ein und nach der Raiffeisenbank hat auch der Kaufmann im letzten Jahr seinen Laden dicht gemacht. Geblieben sind die Landschlachterei, der Bäcker und der Landgasthof Streichmühle, der im letzten Jahr aufwendig renoviert wurde."

Bundeswehrstandorte 1693971
Truth is stranger than fiction, because fiction has to make sense
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Bundeswehrstandorte C.Webb4
C.Webb4:

also bit

 
02.11.04 14:32
#9
te bei mir kommt kein BWler ins Haus ;-)


Bundeswehrstandorte 1693972
Bundeswehrstandorte Karlchen_I
Karlchen_I:

Jetzt werden die Grünen auch noch zynisch.

 
02.11.04 14:55
#10
Grüne: Chance für Mellrichstadt durch nachwachsende Rohstoffe

Mellrichstadt (dpa/lby) - Der Abzug der Bundeswehr aus Mellrichstadt ist nach Ansicht der Grünen auch eine Chance für die unterfränkische Stadt. Das ländlich strukturierte Mellrichstadt sei reich an Wald und anderen nachwachsenden Rohstoffen, sagte der örtliche Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Hans-Josef Fell, am Dienstag. Man solle deshalb Pilotprojekte zur Erzeugung von Strom, Wärme und Treibstoffen entwickeln. Daraus könnten vor allem in der Land- und Forstwirtschaft dauerhaft neue Arbeitsplätze entstehen.
Bundeswehrstandorte 96er
96er:

C.Webb

 
02.11.04 14:58
#11
die 3 Mann waren vielleicht das örtliche Wehrkreisersatzkommando. Der Beratungsfeldwebel, der dir ne halbe Stunde erzählt, das es bei den Fallschirmjägern supercool ist, bis du sagst du willst Fallschirmjäger werden um dann auf deinem Einberufungsbescheid sowas wie Sanitäter bei der Luftwaffe vorzufinden. Die 55jährige Stabsärztin die sich jeden morgen drauf freut wieder 25 jungen männern an die Eier fassen zu dürfen. Und ein armes Grundwehrdienstschweinchen, das für die Beiden Kaffee kochen und den Schreibkram erledigen muss und abends auswischt und abschließt.
Bundeswehrstandorte EinsamerSamariter
EinsamerSam.:

Wieviel Bundeswehr-Soldaten wo eingesetzt werden

 
02.11.04 15:30
#12
auch interessant zu wissen:

Wieviel Bundeswehr-Soldaten wo eingesetzt werden

Deutschland beteiligt sich derzeit an sechs Einsätzen im Ausland - eine Übersicht

Die Zahl der hierbei eingesetzten Soldaten der Bundeswehr verteilt sich wie folgt auf die einzelnen Einsätze:
  • ISAF (International Security Assistance Force), Afghanistan, Usbekistan: ca. 2250 (davon 57 Frauen)
  • KFOR (Kosovo Force): ca. 3190 (davon 109 Frauen)
  • SFOR (Stabilization Force), Bosnien und Herzegowina: ca. 1100 (davon 64 Frauen)
  • UNOMIG (United Nations Mission in Georgia), Georgien: 12
  • EF (Enduring Freedom), Afghanistan, Horn von Afrika/Golf von Oman, Kenia: ca. 290
  • UNMEE (United Nations Mission in Ethiopia and Eritrea): 2
Mit den in Deutschland zur Evakuierung aus medizinischen Gründen bereit gehaltenen 67 Soldaten und den im Mittelmeer an den Operationen gegen den Terrorismus (Active Endevour) beteiligten Kräften sind insgesamt ca. 7120 Soldaten der Bundeswehr unmittelbar in Auslandseinsätze involviert.

Stand: 7. Oktober 2004

...be invested
Der Einsame Samariter

Bundeswehrstandorte 1694059
Bundeswehrstandorte 96er
96er:

also wenn schon auslandseinsatz dann unbedingt zur

 
02.11.04 15:36
#13
SFOR, die haben die höchste Frauenquote.
Bundeswehrstandorte bilanz
bilanz:

Hallo DocBroemme

 
02.11.04 15:38
#14

Nein das stimmt nicht, die Meierei ist offen, da gehe ich jede Woche hin einen, oder auch zwei,drei gute Schoppen trinken.

Gurss bilanz
Bundeswehrstandorte EinsamerSamariter
EinsamerSam.:

@96er: Hier ist die Bedeutung der SFOR

 
02.11.04 15:47
#15
Luftwaffe bei SFOR

In Bosnien-Herzegowina beteiligt sich die Bundeswehr im Rahmen Stabilization Force (SFOR) an der Stabilisierung des Landes und an der Fortführung des Friedensprozesses.

Darüber hinaus unterstützen deutsche Soldaten im Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit (CIMIC) maßgeblich den Aufbau einer zivilen Infrastruktur sowie die Rückkehr von Flüchtlingen in ihre Heimatorte.

Die Luftwaffe beteiligt sich als Teil der Bundeswehr an der Stabilization Force (SFOR) vor Ort mit 23 Spezialisten in unterschiedlichsten Verwendungen (Stand 31.07.2004). Damit das gesamte Kontingent der Bundeswehr bei SFOR versorgt und Personalwechsel vorgenommen werden können fliegt die Luftwaffe mit den Lufttransportmaschinen vom Typ C-160 Transall und Airbus A 310 regelmäßig von Deutschland nach Bosnien-Herzegowina.

Seit Beginn der Flüge der Luftwaffe am 20. Dezember 1996 wurden bei

   * 4.182 Missionen mit
   * 25.879 Flugstunden
   * 14.007 Tonnen Material und
   * 230.212 Personen transportiert

Quelle: luftwaffe.de


Die Mädels, die dort arbeiten, sind abgehärtet ;-)

Bundeswehrstandorte 1694073

...be invested
Der Einsame Samariter

Bundeswehrstandorte 1694073
Bundeswehrstandorte Happy End
Happy End:

Mein Gott, war der CSU-Schmidt peinlich

 
02.11.04 22:17
#16
Heute Morgen im Radio:

Frage: "CDU und CSU werfen der Bundesregierung bzgl. den Standortschließungen Konzeptionslosigkeit vor - was ist damit im Detail gemeint?"

Schmidt: "Das kann ich im Moment nicht ausführen - da uns die Einzelheiten des Vorhabens noch nicht bekannt sind" (Hauptsache wir sind erstmal dagegen *g*)

Frage: "CDU und CSU werfen der Bundesregierung vor, nicht Rücksicht auf strukturschwache Gebiete zu nehmen. Ist es aber nicht so, dass es kaum Bundeswehrstandorte in strukturstarken Regionen gibt? Wo könnten Schließungen durchgeführt werden?"

Schmidt: "Es muss dann Rücksicht auf besonders strukturschwache Gebiete genommen werden" (konkrete Standorte insbesondere Schließungsvorschläge wollte Christian Schmidt nicht nennen...)

Bundeswehrstandorte 1694622www.christian-schmidt.de/picture.php?type=newslarge&id=295" style="max-width:560px" >
Bundeswehrstandorte Talisker
Talisker:

Bewirbt der Junge sich etwa

 
03.11.04 08:52
#17
um das Amt des Generalsekretärs seiner Partei?
Bundeswehrstandorte bilanz

Kleinere Bundeswehr - grössere Sorgen

 
#18


Das deutsche Verteidigungsministerium hat eine monatelange Phase der Spekulationen beendet und bekanntgegeben, welche Standorte der Bundeswehr aufgehoben werden sollen. Was der zuständige Minister Struck am Dienstag in Berlin ankündigte, ist keine dünne Post: Im Zuge weiterer Truppenreduktionen sollen von gut 500 Standorten - von Kasernen, Übungsplätzen, Depots - 105 gestrichen werden. Für die einzelnen Bundesländer und vor allem die betroffenen Gemeinden sind dies einschneidende Veränderungen. Nicht nur soll die Bundeswehr bis 2010 um weitere rund 30 000 Militärangehörige verringert werden, gleichzeitig werden auch noch rund 45 000 zivile Arbeitsplätze wegfallen.

Entsprechend hoch gehen nun die Wogen in den betroffenen Gebieten. Einzelne Kommunen werden durch die Einkommensausfälle an den Rand ihrer Existenzfähigkeit geraten. Andere werden überleben. Gewisse Bundesländer werden, weil sie eine höhere Dichte an militärischen Einrichtungen aufweisen, mehr Opfer bringen müssen als andere. Das hat schon seit Wochen zur Folge gehabt, dass Neid und Verdächtigungen die öffentliche Debatte bestimmen und dass Strucks Entscheidungsgrundlagen zum Gegenstand parteipolitischer Auseinandersetzungen werden. In bürgerlichen Kreisen wird nicht nur mit einiger Schadenfreude konstatiert, dass es die SPD ist, welche sich nun mit diesem höchst unpopulären Thema herumschlagen muss. Vor allem wird auch geargwöhnt, dass der Sozialdemokrat Struck die SPD-geführten Länder bevorzugt behandle, während die von der Union regierten Länder besonders hart betroffen würden.

Eine parteipolitische Ausrichtung ist freilich bei genauerem Hinsehen nicht zu erkennen. Jene zwei Bundesländer, die die grössten Opfer bringen müssen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, werden von der SPD im Verein mit den Grünen regiert. Leitschnur der Reduktionen sind die verteidigungspolitischen Richtlinien, die Struck im Frühling bekanntgegeben hatte und die die Bundeswehr einer fundamentalen Neuausrichtung unterziehen. Die herkömmliche Landesverteidigung gegen einen massiven konventionellen Angriff mit schweren Waffen aus der Tiefe des Warschaupakt-Raumes ist kein Bedrohungsszenario mehr.

Entsprechend werden nun Einrichtungen aufgelöst und Einheiten verkleinert, die noch der klassischen Verteidigungsdoktrin gedient haben. Auf der andern Seite sind heute moderne, hoch mobile und spezialisierte Verbände gefragt, die schnell zu Interventionen und friedenerhaltenden Einsätzen ins Ausland verlegt werden können. Deutschland hat diesbezüglich schon sehr viel geleistet. Zurzeit stehen rund 7000 Bundeswehrsoldaten im Ausland im Einsatz, vor allem auf dem Balkan und in Afghanistan. Die Nachfrage nach deutschen Truppen im Ausland wird aber noch zunehmen, der Zwang zu weiteren Reformen wird also wachsen.

Bei diesen Auseinandersetzungen geht leicht vergessen, dass schon unter der Regierung Kohl die ersten substanziellen Truppenverringerungen bei der Bundeswehr eingeleitet worden waren. Struck führt bloss fort, was seit langem als militärisch konsequent erkannt worden ist. Gleichwohl prägen sich zwei Probleme ein, die auch nach den jüngsten Beschlüssen weiter bestehen werden. Da ist einerseits die Finanzierungsfrage. Auch wenn die Bundeswehr von jetzt rund 285 000 Soldaten bis 2010 auf gut 250 000 Mann reduziert wird, dürfte sie nicht billiger werden. Eine moderne, schlagkräftige und schnell zu dislozierende Berufsarmee kostet sehr viel Geld. Angesichts der deutschen Finanzmisere ist aber nicht ersichtlich, wie der Umbau der Streitkräfte zu einem potenten, wirkungsvollen Instrument realisiert werden kann. Es ist kaum zu bezweifeln, dass die gegenwärtigen Planungen keinen Bestand haben werden, wenn die Budgetprobleme andauern. Allein in diesem Jahr wird sich das Defizit des Bundeshaushaltes auf weit über 40 Milliarden Euro belaufen.

Mit dem Trend hin zu einer kleinen Berufsarmee kommt freilich auch die Wehrpflicht in Deutschland noch mehr unter Druck. Schon heute kann nur noch ein kleiner Teil der Wehrpflichtigen zum Dienst eingezogen werden. Der Rest bleibt dienstfrei. Damit ist die sogenannte Wehrgerechtigkeit nicht mehr gegeben. Die beiden grossen Parteien in Deutschland halten offiziell noch immer am Primat der Wehrpflicht fest. Aber es ist absehbar, dass sich diese historisch legitimierte Position nicht mehr lange wird verfechten lassen. So scheint man nun auch bei der SPD ein wenig offener nach Optionen zu schielen, aus denen sich Vorteile bei einer Abschaffung der Wehrpflicht ziehen liessen. Der «Spiegel» vermutet gar, Bundeskanzler Schröder sei geneigt, mit einer Aufhebung der Wehrpflicht junge Wähler bei den nächsten Bundestagswahlen für seine Partei zu gewinnen. Die hehren Prinzipien der im Volk verankerten Wehrpflichtigen- Armee sind so hehr also nicht mehr.

Dieses Problem wird auch aus einem andern Grund noch zu reden geben. Eine Aufhebung der Wehrpflicht würde auch das Ende des Zivildienstes bedeuten, ohne welchen die deutsche Gesellschaft kaum mehr auskäme. Wer aber pflegte dann die Alten und Kranken zum heutigen Billigtarif? Die politische Brisanz der Folgen weiterer Sparmassnahmen im Wehrbereich zeichnet sich also erst richtig ab.

NZZ 3.11.2004


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