Bilanz der Börsenstümper

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Bilanz der Börsenstümper

 
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Christopher Cox wurde der Amtseinstieg als neuer Chef der US-Börsenaufsicht SEC gründlich verhagelt. Der Rechnungshof hat bei seiner Behörde Missmanagement und Geldverschwendung in Millionenhöhe festgestellt.

New York - Die US-Börsenaufsicht SEC soll eigentlich dafür sorgen, dass an der Wall Street alles mit rechten Dingen zugeht. Sie prüft alle Transaktionen auf Verdachtsmomente, sie durchforstet die Bücher nach unstimmigen Zahlen, sie zieht schwarze Schafe zur Verantwortung - und notfalls aus dem Verkehr.

So eine Institution hat naturgemäß viele Feinde. Entsprechend verbreitet ist die Schadenfreude über einen Bericht des US-Rechnungshof, GAO, der Ende voriger Woche diskret dem Kongress übermittelt wurde und von da aus umgehend im Finanzdistrikt die Runde machte. Von "ineffektivem Management", "mangelnder interner Überwachung", "Überforderung der Verantwortlichen" und "unangemessenen Verwaltungsinfrastruktur" ist da die Rede. Die harschen Worte galten der SEC selbst.

In ihrem Bericht werfen die Rechnungsprüfer den Börsenaufpassern vor, ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Die hausinternen SEC-Bilanzen für 2005 und 2006 enthielten "Fehleinschätzungen und Auslassungen", die sich auf 48,7 Millionen Dollar summierten, schrieb GAO-Finanzdirektorin Jeanette Franzel in einem Begleitbrief zu dem Report. Mit anderen Worten: Die SEC-Börsenkontrolleure, die der Finanzwelt das Leben manchmal so schwer machen, können selbst nicht richtig rechnen.

Nachforderung löste Prüfverfahren aus

Diese hochoffizielle Schelte dürfte dem neuen SEC-Chef Cox den Honeymoon verderben. "Dies schadet der SEC sehr", findet der republikanische Kongressabgeordnete Frank Wolf, Vorsitzender des zuständigen Unterausschusses, der den Bericht angefordert hatte. "Die SEC prüft die Bücher anderer, doch selbst lässt die Behörde ihre eigenen Kosten enorm aus dem Ruder laufen. Ich bin sehr enttäuscht."

Das ist Cox wohl auch. Zu seinem Glück stammt das Zahlenchaos weitgehend aus Zeiten seines Vorgängers William Donaldson. Denn der Auslöser der Affäre liegt Monate zurück. Im Mai hatte Donaldsons SEC beim Kongress kleinlaut eine Geldspritze erbeten - in Höhe von besagten rund 48 Millionen Dollar. Der peinliche Grund: "unvorhergesehene" Kostenüberschreitungen beim Bau zweier SEC-Gebäude in Washington sowie "Renovierungen" an den geleasten Dependancen in New York und Boston.

Die Abgeordneten taten darob, was die SEC sonst macht: Sie ließen die Rechnungen prüfen.

Der GAO-Bericht bestätigt nun, was damals schon andeutungsweise durch die US-Wirtschaftspresse geisterte. Wochen lang vernahmen die Prüfer die verantwortlichen SEC-Mitarbeiter und sichtete interne Akten - ganz so, wie es die SEC bei ihren Klienten zu tun pflegt.

Kalkulation nur über den Daumen gepeilt

So hätten die SEC-Haushaltspläne die Kosten für die neue New-York-Dependance gar nicht enthalten und die für die Bostoner nur "über den Daumen gepeilt", mit "unangemessen niedrigen" Summen, schreibt der GAO. Die derzeitige Finanzplanung für den Neubau in Washington sei geschlagene 18 Monate alt und lasse deshalb "erhöhte Kosten für Baumaterial, Sicherheit und Technologie" außer Betracht.

Als Grund für das Schlamassel, das bereits im März 2004 begonnen habe, identifizierte der GAO eine chaotische, inkompetente Projektführung innerhalb der SEC sowie - auch das nicht gerade rühmlich - eine "unzureichende institutionelle Erfahrung". Die SEC-Projektmanager seien angesichts ihrer Arbeitslast "überfordert" gewesen. Die Behörde kenne sich zwar an der Wall Street aus, aber offenbar nicht im Hochbauwesen. Die Rechenkünstler der SEC leisteten also allenfalls Laienarbeit.

Der GAO-Bericht enthält auch eine für die Behörde peinliche Chronologie. Demnach war die SEC-Führung sich schon länger über die Pannenserie im Klaren. So trug eine interne Krisensitzung vom Mai dieses Jahres - kurz vor dem Offenbarungseid vor dem Kongress - den ominösen Titel: "Wie konnte das passieren?"

SEC-Chef Cox reagiert jetzt auf die einzig mögliche Weise: Flucht nach vorn. "Ich unterstütze die Schlussfolgerungen des Berichts voll", versichert er dem GAO in einem Antwortschreiben. "Die SEC ist verpflichtet, die Gelder der Steuerzahler weise und effizient zu nutzen." Er sei "fest entschlossen, diese Budgetfehler und Auslassungen zu korrigieren" und stehe auch gerne für weitere Rückfragen zur Verfügung. Dann nannte er eine Telefonnummer - es ist tatsächlich seine direkter Anschluss.

spiegel.de


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