Berlin. Unterm Pflaster liegt die Heilung

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Berlin. Unterm Pflaster liegt die Heilung Dr.Dieter
Dr.Dieter:

Berlin. Unterm Pflaster liegt die Heilung

 
15.08.05 18:43
#1
Unterm Pflaster liegt die Heilung

In den Berliner Straßenfluchten blühen Dutzende medizinisch wertvoller Pflanzenarten

von Norbert Lossau

Berlin - Wenn die Berliner Grafikerin Elke Behrends durch die Stadt radelt, hat sie immer eine Kamera dabei. Ihre Motive findet sie an Straßenecken oder Laternenpfählen: Wildpflanzen, die das Grau des Asphalts durchbrechen. Im pulsierenden Alltag der Großstadt nimmt das Auge der Passanten die vielen kleinen und meist auch bunten Schönheiten gar nicht wahr, doch Elke Behrends hat auf ihren Fotostreifzügen durch Berlin mehr als 80 verschiedene Wildpflanzenarten entdeckt und porträtiert. Rund die Hälfte von ihnen sind sogar Heil- und Nutzpflanzen.


Da findet sich etwa die Wegwarte, aus deren gerösteten Wurzeln Muckefuck aufgebrüht werden kann. Friedrich der Große hatte den Anbau dieser Pflanze gefördert, um unabhängig von teuren Kaffeeimporten zu sein. Eine andere nützliche Pflanze ist der Gute Heinrich - ein Gemüse, das wie Spinat gegessen werden kann. Die Blätter des Breitwegerichs wiederum helfen bei Mücken- und anderen Insektenstichen. Zerreibt man sie und bringt den Saft auf die betroffene Hautstelle, so geht die Schwellung schnell zurück. Aus den Samen der Nachtkerze, ebenfalls eine in Berlin nicht seltene Wildpflanze, lassen sich Öle gewinnen, die für Naturkosmetikprodukte genutzt werden. Waschmittel ließen sich im Notfall aus dem Seifenkraut gewinnen, und sogar Wildpflanzen, deren Nutzung illegal wäre, finden sich an Berlins Straßen: Der Stechapfel ist ein übles Rauschmittel.


Achtlos laufen die meisten Berliner an den Pflänzchen in den Großstadtfluchten vorbei. Frau Behrends entdeckt sie aber überall, kniet oder hockt sich vor ihnen nieder, um sie aus gleicher Höhe fotografieren zu können. Hausmeister interpretieren dies nicht selten als Versuch, eine Verletzung ihrer Pflichten zu dokumentieren - und reißen die abgelichteten Pflanzen ganz schnell aus. Verbreitet werden die Samen der Pflanzen durch den Wind, über Autoreifen und Schuhsohlen. Aber auch Ameisen transportieren Samen weiter.


Artikel erschienen am Mo, 15. August 2005
 
     
 WELT.de
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Berlin wird zur Graffiti-Hauptstadt

 
#2

Festival: Berlin wird zur Graffiti-Hauptstadt

Sprayer aus aller Welt erwartet - Senat fördert Veranstaltung - Vandalismus-Schäden befürchtet

von Karsten Hintzmann

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Graffiti wird nicht von allen als Kunst akzeptiert
Graffiti wird nicht von allen als Kunst akzeptiert
Foto: rtr
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Obwohl Bundesregierung und Berliner Senat illegalen Graffiti-Sprayern den Kampf angesagt haben und der Bundestag Mitte Juni eine Verschärfung der strafrechtlichen Verfolgung dieser Delikte beschlossen hat, wird Berlin ab Freitag für zwei Monate zur Hochburg der internationalen Graffiti-Szene. Am 19. August startet in Kreuzberg das Street-Art-Festival "Backjumps". Ein Ereignis, bei dem sich viele Programmpunkte um das Thema Graffiti drehen. Mehr als die Hälfte der teilnehmenden "Künstler" gehören der Sprayer-Szene an. Trotzdem erhielten die Organisatoren der Veranstaltung finanzielle Unterstützung aus dem Hauptstadtkulturfonds. Über die konkrete Mittelvergabe entschied der "Gemeinsame Ausschuß für den Hauptstadtkulturfonds", dessen Vorsitzender Berlins Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei.PDS) ist.

Der Berliner Verein Nofitti, der in der Hauptstadt Graffiti-Schmierereien beseitigt und sich für ein sauberes Stadtbild engagiert, hält das staatliche Sponsoring von "Backjumps" für einen Skandal. Nofitti-Vorsitzender Karl Hennig: "Diese Unterstützung aus dem Topf des Hauptstadtkulturfonds konterkariert die Bemühungen der Politik, entschlossen gegen Graffiti-Vandalismus vorzugehen. Das Festival wird für einen Motivationsschub unter den illegalen Sprayern sorgen und neue Jugendliche zum Mitmachen ermuntern." Hennig befürchtet, daß eine erneute Welle des Vandalismus durch die Stadt rollt. Beim letzten Sprayer-Treffen zu Ostern wurden unzählige S-Bahn-Waggons beschmiert. Allein in Berlin verursacht Graffiti pro Jahr Schäden in Höhe von 50 Millionen Euro. Geschädigte Hausbesitzer gaben im Vorjahr 20 Millionen Euro, die BVG 8,7 Millionen Euro für die Beseitigung dieser Schmierereien aus. Um den Sprayern Einhalt zu gebieten, billigten Bundestag und Bundesrat im Frühsommer eine Verschärfung des Tatbestands der Sachbeschädigung. Dieser sieht Haftstrafen bis zu drei Jahren vor.

Nofitti-Chef Hennig forderte Flierl auf, die Förderzusage zurückzuziehen und das Geld in "echte Kulturprojekte" zu stecken. Darüber hinaus appellierte Hennig an den Senat, die in mehreren skandinavischen Metropolen bewährte "Strategie der Null-Toleranz" zu übernehmen. In Helsinki, Kopenhagen und Oslo konnten die Schäden um 70 Prozent gesenkt werden.

Gänzlich unerklärlich ist für Hennig, wie es überhaupt zu einer Bewilligung von Mitteln aus dem Hauptstadtkulturfonds kommen konnte. Hennig: "Die Veranstalter machen sich in ihrem offiziellen Programm und ihren Pressemeldungen doch nicht einmal die Mühe, illegale Graffiti-Aktivitäten zu verschleiern." In der Tat erläutern die Organisatoren von "Backjumps" freimütig ihr Anliegen. Sie verstehen sich als Gegengewicht zu "Stadtplanern, Politikern, Hauseigentümern und zum Ausbau des Sicherheitsstaates". Neben diversen Partys, Dia-Vorträgen und dem Bau eines Graffiti-Museums auf dem Mariannenplatz, wird am 20. August eine "filmische Studie über illegale Installationskunst" präsentiert. Dabei liegt, so ist dem Programm zu entnehmen, der "primäre Fokus auf der Übermalung von Straßenschildern, Manipulation von Werbung, Metallschweißarbeiten, Postern und Guerilla-Kunst - alles illegal ausgeführt".

Artikel erschienen am Mo, 15. August 2005



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