Ausländer in Sachsen-Anhalt "Zu Gast bei Freunden"

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Ausländer in Sachsen-Anhalt
cassius.c:

Ausländer in Sachsen-Anhalt "Zu Gast bei Freunden"

 
01.05.06 18:55
#1
DER SPIEGEL 18/2006 - 29. April 2006
URL: 
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,413569,00.html

Verbrechen
 
Schrecken der Nacht

Von Jürgen Dahlkamp

In Sachsen-Anhalt beginnt der Prozess gegen vier Jugendliche, die am 9. Januar in Pömmelte ein Kind 75 Minuten lang malträtierten. Sie ließen sich die Stiefel ablecken, urinierten auf seinen Kopf, schlugen und traten ohne Mitleid. Die Anatomie einer unfassbaren Tat.

Pömmelte, am 9. Januar 2006: Irgendwann in diesen gnadenlosen 75 Minuten laufen sie über einen Schotterweg, die fünf und der Junge. Sie schubsen ihn vor sich her, aber eigentlich weiß keiner so genau, was sie als Nächstes mit dem "Neger" anstellen sollen. Diesem "Bimbo" aus dem Kinderheim, mit dem sie zusammen aus dem Bus gestiegen sind.

'Tatort
www.dbutzmann.deTatort Dorfteich in Pömmelte: "Der kriegt heute noch ein paar aufs Maul"
Die Gaspistole hatte Francesco ihm schon vorhin mal an den Hals gedrückt. Dann hatten sie seinen Kopf auf eine Tischplatte geknallt, drüben an der Picknickbank, der Morten, der Francesco, immer wieder. Auch die Zwillinge, Steven und Kevin, hatten zugepackt, zugelangt. Nur der Jüngste, Dustin, der schaute immer nur zu.

Was jetzt?

Da hat einer die Idee: Der Junge soll singen. Ein Lied, na los. Und so steht Kevin K., zwölf Jahre alt, Vater Äthiopier, Mutter Deutsche, in der Kleingartenanlage "Frohes Schaffen" in Pömmelte, Sachsen-Anhalt, und singt um sein Leben. Er singt: "Alle meine Entchen".

Gut 1600 Meter lang ist der Marterweg des Kevin K. an diesem Winterabend. 1600 Meter, nach denen Ärzte bei dem Kind 34 einzeln abgrenzbare Verletzungen diagnostizieren. 1600 Meter, bis er endlich im Pömmelter Kinderheim ist, in Sicherheit.

Seitdem steht Pömmelte, 699 Einwohner, für alles, was Erwachsenen an Jugendlichen im Osten so unbegreifbar erscheint. Dass ausgerechnet da, wo die wenigsten Ausländer leben, der Hass auf sie am größten ist. Dass hier so viele Jugendliche mit einer Selbstverständlichkeit rechtsextrem werden, als wäre das genauso normal wie der Eintritt in den Angelverein. Aber vor allem: dass es neben den "Glatzen" auch noch Teenager gibt, die zwar keine Neonazis sind, aber trotzdem das Zeug dazu haben, ein Kind fast totzuschlagen. Einfach so. Aus Langeweile. Weil sonst nichts los ist.

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Der Sex und das Ich
Die Wiederentdeckung Sigmund Freuds

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Am Mittwoch der übernächsten Woche beginnt nun der Prozess vor dem Amtsgericht Schönebeck. Und weil das Opfer, Kevin K., gegenüber dem SPIEGEL erstmals über die 1600 Meter von Pömmelte spricht, lässt sich jetzt der Ablauf eines Verbrechens rekonstruieren, weit brutaler, weit menschenverachtender als alles, was man bisher darüber wusste. Die Anatomie einer Tat, die in ihrer Art beispiellos ist, doch mit ihren Ingredienzen aus dumpfem Denken und stumpfer Gewalt durchaus typisch - für Jugendliche ohne Halt, ohne Hemmungen.

Es beginnt an jenem Montag in Schönebeck, der Kreisstadt. Fünf Jungen steigen am Bahnhof in einen Bus: Francesco L., 19, Gleisbauer, Morten D., 16, Hauptschüler, Dustin G., 14, Sonderschüler, alle aus Pömmelte. Dazu die Brüder Steven und Kevin W., 16, aus dem Nachbarort Barby. Der eine macht den Hauptschulabschluss nach, der andere ein berufsvorbereitendes Jahr.

Francesco ist nicht nur der Älteste, er ist der, vor dem die anderen Respekt haben. Er trägt seine schwarzen Springerstiefel mit den weißen Schnürsenkeln, die Hosenträger, wie sie bei Neonazis üblich sind - schwarz-weiß-rot, dazu auf dem Kopf eine Baseball-Kappe mit der Aufschrift "A.C.A.B.", "All Cops are Bastards". In seinen rechten Arm hat er sich etwas eingeritzt, was nach SS-Runen aussieht.

Beim Jugendamt Schönebeck läuft Francesco als einer dieser Jungs, bei denen man auch nicht mehr weiß, was man noch machen soll. Francesco hat sich schon zwei Verurteilungen wegen gefährlicher Körperverletzung eingefangen, dazu eine Verwarnung, weil er Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet hat. Für Morten D. aber ist er der Größte.

Auch Morten trägt an diesem Tag Springerstiefel, dazu ein T-Shirt mit der Aufschrift "Hooligan". Gemeinsam mit Francesco hatte er in einem Park mit ein paar Skins herumgelungert. Francesco hatte mit seiner Gaspistole, einer Walther CP 99, herumgeballert, dann hatten sie am Bahnhof auf den Bus gewartet. Auch Morten hat schon eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung. Erwachsene aus dem Dorf schildern ihn als labil, leicht beeinflussbar. Vor allem von Francesco.

Mit im Park waren auch die Zwillinge Steven und Kevin W., die sich so ähnlich sehen, dass die anderen sie beide mit dem gleichen Spitznamen rufen, "Äffchen". Sie gehören nicht wirklich zur rechten Szene - mit Morten hatten die beiden sogar mal einen vertrimmt, weil der den kubanischen Vater eines Schulfreundes "Nigger" genannt hatte, erzählt ihre Mutter.

Und schließlich ist da noch Dustin, der Jüngste, ein schmaler Junge mit leiser Stimme. Dustin sagt, dass er "kein Rechter" sei. Aber die Zwillinge sind eben seine Freunde, auch den Morten kennt er gut. Und er hat kein Problem damit, wenn die meisten anderen Jungs im Park Gesinnungsglatzen haben und Schnürstiefel mit Stahlkappen.

Um 19.26 Uhr schließt der Busfahrer in Schönebeck die Türen. Hinter ihm sitzen: Die fünf Jugendlichen. Ein älterer Mann. Ein 15-jähriges Mädchen. Und noch ein Junge fährt zurück nach Pömmelte: Kevin K., Gymnasiast, 6. Klasse, der in Schönebeck bei einem Schulfreund war, um mit ihm ein Referat über Meteoriten fertig zu machen. Er kauert in der fünften Reihe rechts am Fenster, dünn, zartgliedrig, ein Schlaks mit gerade mal 41 Kilogramm, 1,63 Meter Länge. Und mit einer Hautfarbe, die kaum ahnen lässt, dass sein Vater ein Schwarzer ist. Nur ein wenig getönt.

Kevin K. ist in Deutschland geboren, die Eltern haben sich vor Jahren getrennt. Sein Vater, der zum Studieren nach Deutschland kam, blieb in Augsburg; seine Mutter ging mit Kevin und dem kleineren Bruder nach Sachsen-Anhalt. Dann aber musste sie in die Psychiatrie, Kevin zog zu seinem Vater, und als das "nicht klappte", wie er sagt, wollte er lieber in ein Heim. Im vergangenen Sommer brachte ihn das Jugendamt in Pömmelte unter, in dem Haus an der Dorfkirche mit seinen acht Betreuungsplätzen.

Pömmelter Bürgermeister Warnecke: Die rechte Szene aufknacken
www.dbutzmann.dePömmelter Bürgermeister Warnecke: Die rechte Szene aufknacken
Kevin mag Pömmelte nicht, wo Kinder so einem wie ihm schon mal "Bimbo" hinterherrufen. Einmal, so erzählt er, habe ihm der jüngere Bruder von Francesco eine gelangt, einfach so. Und der Morten habe es gesehen, seinen Spaß gehabt und ihm auch noch eine gewischt.

Jetzt, im Bus, kommt Morten von hinten, setzt sich neben Kevin, redet auf ihn ein. Kevin sagt kein Wort, er hat Angst, er will Morten nicht reizen. Schließlich bittet das Mädchen im Bus, Morten solle den Jungen doch endlich in Ruhe lassen. Morten steht auf, "beim Gehen hat er mir mit der Hand eine auf den Hinterkopf gegeben", sagt Kevin. Und als Morten sich zu den anderen vier nach hinten verkrümelt, fangen sie an zu tuscheln. Ob das nicht der Ausländer aus dem Heim ist? "Der kriegt heut noch ein paar aufs Maul", soll Francesco angekündigt haben. Begründung: In Pömmelte habe so einer nichts zu suchen.

Um 19.43 Uhr hält der Bus an der Barbyer Straße in Pömmelte. Kevin steigt vorn aus, die Jungs hinten, auch die Zwillinge, obwohl die eigentlich noch bis Barby hätten weiterfahren müssen.

Kevin K. kommt gerade mal 20 Meter weit, dann bellt ihn Morten an, dass er stehen bleiben soll. Kevin geht weiter, Morten springt ihm in die Hüfte. Kevin strauchelt, Morten baut sich vor ihm auf, da kommen auch schon die anderen. Sie müssen warten, auf Francesco, der erst mal pinkeln gegangen ist. Francesco zieht angeblich seine Gaspistole und hält sie Kevin links an den Hals. Ob Kevin Deutscher sei, fragt er demnach - "sach die Wahrheit, oder ich knall dich ab".

Francesco knurrt dann so etwas wie "Abführen" oder "Nehmt ihn mit, das ist ein Befehl!" Einer der Zwillinge packt den Jungen am Arm. Nach 60 Metern kommt eine Kreuzung mit einem Schild. "Wohlfühlen mit Genuss" steht da, ein Pfeil zeigt nach links, zur Kneipe "Goldfisch", die am Dorfteich liegt und vor einiger Zeit dichtgemacht hat. Wo denn seine Eltern herkommen, wollen sie auf dem Weg dahin wissen. So, so, aus Äthiopien also. "Na siehst du, wo bist du denn ein Deutscher, willst du mich verarschen?", fragt einer. Und Francesco will angeblich immer wissen, was Kevin hier zu suchen hat, in Pömmelte, das doch seit 20 Jahren "rein" sei. Ausländerrein.

Sie erreichen den Teich, einen Picknickstand mit Tisch und zwei Bänken. Ein idyllischer Platz für die Hölle.

Sie geben sich Spitznamen, um nicht erkannt zu werden. "Der Schrecken der Nacht", "Der Schrecken deiner schlimmsten Alpträume", "Spongebob". Sie nennen den Jungen "Bimbo", "Neger", "Ausländervieh". Francesco drückt ihn mit dem Rücken auf die Tischplatte, spuckt ihm ins Gesicht - so erzählt es Kevin K. Francesco brüllt: "Ich spuck auf dich."

Dann kommt einer der "Äffchen" mit ein paar Flaschen "Sternburg" aus der "Eiche" zurück, einer Kneipe in der Nähe. Francesco drückt dem Jungen ein Bier in die Hand, aber der Junge ekelt sich, trinkt nur ein paar Schluck; Morten kippt ihm den Rest über den Kopf. Und dann geraten sie völlig außer Kontrolle, beginnt eine "richtige Quälerei", wie es Francescos Pflichtverteidiger Volker König nennt.

Über die einzelnen Vorwürfe wollen Francesco und Morten mit dem SPIEGEL nicht reden, so wenig wie die Zwillinge W. So bleibt vorerst die Version von Kevin K. und die der Staatsanwaltschaft, die für die folgenden Minuten das Bild einer Gewaltorgie zeigt. Selbst die Ermittler tun sich aber schwer, alles in der richtigen Reihenfolge aufzudröseln - einen solchen Fall habe er noch nicht gehabt, sagt der Staatsanwalt Arnold Murra; "das übersteigt mein Vorstellungsvermögen".

Irgendwann also wirft Francesco das Kind wieder auf den Tisch, schlägt ihm mit der Faust ins Gesicht, auf die Nase. Auf der anderen Tischseite steht Morten, drischt gleichzeitig mit der Faust auf Kevin ein. Dann steigt er auf die Bank, stellt seinen Springerstiefel in Kevins Gesicht. Francesco übernimmt, zieht Kevin hoch, schlägt den Kopf des Jungen auf die Tischplatte, mehrmals, dass es nur so rumst. Dann Morten, das Gleiche.

Francesco stößt ein paar Mal seinen Kopf gegen Kevins Stirn, schlägt ihm eine Bierflasche ins Gesicht; "den pflüge ich heute noch auseinander", sagt er angeblich. Dann soll er wieder die Pistole aus dem Hosenbund gefingert und Kevin den Griff ins Gesicht gehämmert haben. Zwischendurch habe Morten dem Jungen noch erklärt, wie ein "richtiger Deutscher" auszusehen habe: "Groß, blond, blauäugig." Auf die Frage "Bist du stolz auf dein Vaterland?" hat Kevin mit "Jawohl mein Führer" zu antworten.

Auch die Zwillingsbrüder sollen auf Kevin K. eingeboxt haben. Gemeinsam mit Francesco und Morten schubsen sie ihr Opfer jetzt zum Schotterweg in der Kleingartenanlage. Kevin K. muss singen, sich zweimal auf den vereisten Boden werfen. Dann lassen sie ihn zum Parkplatz am Vereinshaus der Schrebergärtner weiterstolpern.

Als sie dort Licht sehen, drehen sie um, gehen auf eine Wiese. Morten und Kevin W. springen hier mit voller Wucht in den Jungen hinein, aber wieder stört etwas. In der Laube nebenan bellt ein Hund.

Also weiter, wieder zum Teich, sie stellen sich im Kreis auf und treten Kevin von einem zum anderen, wie eine Flipperkugel. Jagen ihm ihre Knie in den Rücken, kicken ihn in die Seite. Skinhead-Tanz nennen sie das, nur Dustin, der Jüngste, macht nicht mit. Allerdings war er vorhin mal kurz nach Hause gegangen, um seine Eltern zu fragen, ob er noch länger aufbleiben dürfe, sie säßen draußen alle noch zusammen. Und als ihm einer von den Jungs hinterhergerufen hatte, ob sie zu Hause nicht noch Zement hätten, um Kevin im See zu versenken, sagte Dustin etwas wie "Ja, jede Menge" - nur ein Spaß, wie er heute gegenüber dem SPIEGEL erklärt.

Als Kevin K. nun am Boden kniet, streckt ihm Morten seinen Fuß entgegen. Kevin muss den Springerstiefel ablecken, danach Stevens Turnschuhe - der hält ihm angeblich auch die Sohle hin. Dann macht sein Bruder die Hose auf, pinkelt dem Kind auf den Hinterkopf.

Sie ziehen ihn wieder hoch, treten ihn mit einer solchen Wucht, dass er in einen Schrebergarten hineinstürzt; noch heute biegt sich der Zaun an der Stelle durch. Sie zerren ihn wieder zurück. Francesco, Zigarette im Mund, soll ihm, so Kevin, die Kippe aufs linke Auge gedrückt haben. Kevin schafft gerade noch, das Lid zuzumachen.

Jetzt wollen endlich alle aufhören, alle außer Francesco. Weil mit dem Wahnsinn Schluss sein muss? Weil es genug ist? Nein, nur weil es schon so spät ist. Zum Abschied gibt es noch mal Tritte. Und Dustin sagt heute, was damals angeblich alle dachten: dass Francesco den Jungen umbringt.

Francesco ist nun allein mit Kevin, würgt ihn, fordert ihn auf, sich zu wehren; Kevin sagt, er kann nicht. Aber als Francesco einen Moment nicht aufpasst, beginnt er zu rennen, über ein Feld, zur Hauptstraße, Francesco hinter ihm her. An der Straße holt Francesco ihn ein, Kevin klammert sich an einem Zaun fest, Francesco zerrt an ihm. Dann sind beide mit der Kraft am Ende, und was auch immer in Francesco vor sich geht, er hört plötzlich auf. Er begleitet Kevin zum Heim und trichtert ihm ein: nur ein Wort, und sie stürmen das Heim, bringen alle um, ihn zuerst. Gegen 21 Uhr ist für Kevin der Horror zu Ende. Sein Gesicht ist geschwollen wie ein Handball, die Nase gebrochen, die Ärzte werden ein Schädel-Hirn-Trauma diagnostizieren, multiple Blutergüsse. Aber er hat überlebt. Das ist mehr, als er in den schlimmsten Minuten gedacht hatte.

Am nächsten Tag werden die Täter festgenommen. Das Verfahren gegen den Jüngsten, Dustin, hat das Gericht abgetrennt; es endete mit einer Ermahnung und der Auflage an die ratlosen Eltern, ihn von Sozialarbeitern betreuen zu lassen. Die anderen müssen sich jetzt verantworten, wegen Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung, Francesco zusätzlich noch wegen schwerer Körperverletzung.

In Pömmelte, das deutschlandweit als Dorf der Weggucker gebrandmarkt wurde, hat sich so gut wie das ganze Dorf geschämt, entschuldigt, von den Tätern abgegrenzt, immerhin. Die Gemeinde hat einen Runden Tisch gegründet, um die rechte Szene aufzuknacken. Der Bürgermeister Thomas Warnecke will den Jugendclub wieder öffnen, der aus Geldmangel geschlossen wurde; er lässt sich dabei von dem Magdeburger Sozialarbeiter Dieter Bradke und einem Verein beraten, die Erfahrungen mit rechten Jugendlichen haben. So hat das Leiden des Kevin K. wenigstens für Pömmelte etwas Gutes gehabt, die Chance, dass in Zukunft ein paar Jugendliche weniger ihren Verstand und ihre Seele verlieren an Hass und Brutalität.

Dass aber das Opfer, Kevin K., zu diesen Geretteten gehören wird, steht nicht fest. Er lebt jetzt in einem anderen Heim im Osten, wünscht sich eine "gute Pflegefamilie" - bisher ist keine in Sicht. Für die Delfin-Therapie, die er gern machen möchte, werden die Gelder aus Opferfonds kaum reichen. Seine juristischen Betreuer, der Berliner Anwalt Stephan Maigné und der Opferrechtsspezialist Thomas Kämmer aus der hannoverschen Kanzlei Ulrich von Jeinsen, hoffen deshalb auf Spenden an den Düsseldorfer Verein Dolphin Aid.

Kevins gebrochenes Nasenbein ist gerichtet, der Brandpunkt am Auge nur noch zu erahnen. Aber in diesen 75 Minuten von Pömmelte ist er selbst einer geworden, der zu hassen gelernt hat.

Er hat keine Entschuldigung angenommen, nicht die von den Zwillingen, nicht die von Dustin, dem Mitläufer. Nur eine halbe Stunde wäre er gern mit ihnen allen noch mal zusammen. Sie dürften sich nicht wehren, er würde "alles nehmen, was ihm in die Hände" käme. "Die müssten das Gleiche erleiden wie ich", sagt er, und gefragt nach der Strafe, die sie verdient hätten, antwortet er nur: "Lebenslänglich". 
 

© DER SPIEGEL 18/2006
Ausländer in Sachsen-Anhalt
BarCode:

Auch wenn es empörend ist...

 
01.05.06 19:03
#2
Ausländer in Sachsen-Anhalt
cassius.c:

Empörend !!

 
01.05.06 19:05
#3
fetter Froschkm21719-05.keymachine.de/sasserlone/images/full_image-0631.jpg" style="max-width:560px" >

Ausländer in Sachsen-Anhalt
voivod:

Warnung vor Deutschland

 
04.05.06 08:11
#4
WARNUNG VOR DEUTSCHLAND

"Meide die östlichen Vorstädte"

Von Florian Harms

"Die Welt zu Gast bei Freunden" lautet das Motto der WM. Doch nicht überall ist das Image der Deutschen so freundlich. Englischsprachige Reiseführer warnen ihre Leser vor Nazis und Schwulenhassern, das US-Außenministerium mahnt Touristen zur Vorsicht.


Hamburg - Moctar Kamara ist wütend. "Der Angriff in Potsdam hat es gezeigt: Die Bundesregierung hat bislang keine dauerhaften Maßnahmen gegen Fremdenhass und rassistische Gewalt in Deutschland ergriffen", sagt der Afrikaner, der seit zehn Jahren in Berlin lebt, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Mit dem Afrika-Rat, der rund 25 afrikanische Vereine in Berlin und Brandenburg vertritt, hat Kamara nach dem mutmaßlich fremdenfeindlichen Überfall auf einen deutsch-äthiopischen Ingenieur eine öffentlichkeitswirksame Aktion gestartet: Die Dachorganisation erstellt eine Liste mit sogenannten No-Go-Areas in Deutschland, die Farbige besser meiden sollten. Erfasst werden sollen neben Bushaltestellen, Kneipen und Diskotheken auch ganze Stadtviertel, die für Nicht-Weiße gefährlich sein könnten: zunächst in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, später im ganzen Bundesgebiet.



Getty Images
Warnung vor deutschen Neonazis: "Das Misstrauen hat zugenommen"

"Wir kennen diese Orte aus unserer Erfahrung", sagt Kamara. "Wir bekommen regelmäßig Hinweise von Afrikanern, die Opfer fremdenfeindlicher Angriffe wurden. 80 Prozent von ihnen gehen aus Angst nicht zur Polizei, aber wir schreiben das auf." Noch stehe nicht fest, ob die Liste als Karte, Broschüre oder in einer anderen Form veröffentlicht wird. "Wenn von der Bundesregierung und dem Berliner Abgeordnetenhaus nichts kommt, werden wir die Liste zwei Wochen vor der Weltmeisterschaft veröffentlichen." Auch an Schlachtenbummler aus afrikanischen Staaten und an farbige Fans aus anderen Ländern soll sie verteilt werden.

Steht der Republik also kurz vor der WM, wenn die ganze Welt auf Deutschland blickt, eine peinliche "Reisewarnung" ins Haus? Immerhin reisen mit Angola, Togo, Ghana, der Elfenbeinküste und Tunesien gleich fünf afrikanische Mannschaften an. In zahlreichen Teams, darunter auch die deutsche Nationalmannschaft, kicken farbige Spieler. Führende Berliner Politiker haben den geplanten Warnkatalog scharf kritisiert. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) stritt eine generelle Gefährdung für bestimmte Bevölkerungsgruppen ab, CDU-Innenexperte Frank Henkel sprach laut der "Welt am Sonntag" von "grobem Unfug und Panikmache".

"Ethnisch motivierte Gewalt"

Alles Übertreibung also? Wenn die Aufregung hochkocht, lohnt sich ein Perspektivenwechsel: Was sagen englischsprachige Reiseführer, die Tausenden von Gästen während der WM zur Orientierung dienen werden, über die Gefahr, in Deutschland Opfer von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu werden?


Die wohl bekannteste englischsprachige Reiseführer-Reihe ist der australisch-britische "Lonely Planet". In dessen aktuellem Deutschland-Führer kommt die Bundesrepublik verhältnismäßig gut weg. "Deutschland ist ein sehr sicheres Reiseland", schreiben die Autoren, fügen aber hinzu: "Das Misstrauen zwischen Zuwanderern und einem bestimmten Teil der deutschen Gesellschaft hat seit der Wiedervereinigung zugenommen. Dies hat sich auf brutalste Weise in ethnisch motivierter Gewalt gezeigt - ein alarmierender Trend." Auch Warnungen beinhaltet das Buch: "Skinheads, 'Glatzen' genannt, sind eine mögliche Quelle für Konflikte, weil sie zu plötzlichen Wutausbrüchen neigen, vor allem gegen Menschen, die ihnen 'ausländisch aussehend' erscheinen."

Der ebenfalls weit verbreitete amerikanische "Rough Guide" spricht sogar konkrete Warnungen aus - und nimmt damit vorweg, was der Afrika-Rat erst noch vorhat. Im Berlin-Führer heißt es: "Bei Nacht ist es in den Vorstädten, vor allem in den östlichen Vorstädten Lichtenberg und Marzahn, ratsam, vorsichtig zu sein. Ethnisch motivierte Angriffe sind in diesen 'Hochburgen' von Neonazis und Skinheads eine echte Gefahr. Diese Schläger neigen dazu, jeden anzupöbeln, der auffällt - und zwar nicht nur wegen der Hautfarbe. Einfach nur 'ausländisch' zu sein oder ungewöhnlich auszusehen, reicht als Grund..."

Auch die vom britischen "Independent" als "bester Stadtführer" empfohlene Reihe "Time out" warnt den Leser in ihrem Berlin-Führer vor dem Ostteil der deutschen Hauptstadt: "Meide die östlichen Vorstädte, wenn du schwul oder nicht-deutsch aussiehst."

10.000 Service-Botschafter

Der US-Reiseführer "Frommer's Germany" mahnt seine Leser ebenfalls zur Vorsicht: "Hooligans, meistens junge, betrunkene Skinheads, sind dadurch aufgefallen, dass sie Menschen, die sie für Ausländer (...) halten, belästigen oder sogar angreifen. (...) Mehrere Amerikaner haben berichtet, dass sie aus ethnischen Gründen oder weil sie 'ausländisch' erschienen, angegriffen wurden." Besondere Brisanz erlangt diese Warnung dadurch, dass sie so fast wortwörtlich auch auf der offiziellen Website des US-Außenministeriums auftaucht.

Auch die bekannte Reihe "Cultureshock", die ihren Lesern tiefgehende Hintergrundinformationen über das Reiseland verspricht, warnt vor fremdenfeindlichen Tendenzen in Deutschland: "Zusätzlich zu dem winzigen Prozentsatz von Deutschen, die diesen (Neonazi-)Gruppen angehören, gibt es leider eine beträchtliche Zahl, die weitgehend mit den Ansichten der Neonazis im Bezug auf Ausländer übereinstimmen."

Natürlich warnen Reiseführer auch in anderen Ländern vor Fremdenfeindlichkeit. Zudem hat die Bundesregierung bereits mehrere Projekte gestartet, um Deutschland während der WM als weltoffenen Gastgeber zu präsentieren. So hat etwa das Arbeitsministerium in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn das Projekt "Service Botschafter" initiiert: Bis zur WM sollen 10.000 Hotelangestellte, Kellner, Taxifahrer und andere Dienstleister für Toleranz geschult werden. In Tageskursen werden die Teilnehmer mit dem Leben von Migranten in Deutschland sowie mit Sitten und Gebräuchen ferner Länder vertraut gemacht. Ob das reicht, um WM-Gästen die Bedenken vor einem Abendspaziergang in Berlin-Marzahn zu nehmen?

Ausländer in Sachsen-Anhalt
pomerol:

erst mal muss dringend was gegen Linke

 
04.05.06 08:19
#5
Gewalt getan werden!(frag mal deinen Polizist neben an!)
Ausländer in Sachsen-Anhalt
Esad:

na dann prost! o. T.

 
04.05.06 08:43
#6
Ausländer in Sachsen-Anhalt

@pomerol

2
#7
das, was du da von dir gibts ist -wenn überhaupt- nur ideologisch begründbar. und deshalb falsch.
so unsympathisch mir die selbstgerechte, immerrechthabende linke ist - man muss ihnen zumindestens zugute halten, dass sie nicht aus lauter blödheit blind auf dunkelhäutige oder asiatisch aussehende menschen einprügelt.

ich persönlich empfinde es als schande, dass es in unserem land ecken gibt, in denen man sich als ausländer besser nicht aufhalten sollte und ich gestehe es diesen nutzlosen, aggressiven und versoffenen neonazi-wracks schlicht nicht zu, hier irgendwelche realitäten schaffen zu wollen - das ist ein privileg für menschen mit verantwortungsbewusstsein, perspektiven und eingeschaltetem grosshirn.

dass es in anderen ländern teilweise auch unsicher ist und dass es ausser der fremdenfeindlichkeit noch viele andere misstände und unsympathische zeitgenossen bei uns gibt, hat mit dem bestehenden handlungsbedarf gegen rechts aber auch gar nichts zu tun.


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