Audi denkt über Standort Amerika nach

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Audi denkt über Standort Amerika nach Trader
Trader:

Audi denkt über Standort Amerika nach

 
29.08.04 12:43
#1
Audi denkt über Standort Amerika nach
Hohe Arbeitskosten, schleppende Nachfrage: Deutsche Autofirmen verlagern Produktion ins Ausland
von Ulrich Reitz, Welt am Sonntag

 
Unter dem Druck hoher Löhne und schleppender Nachfrage in Deutschland denkt der Autohersteller Audi intensiv über eine Verlagerung von Teilen seiner Produktion in die USA oder nach Mexiko nach. Das sagte Audi-Vorstandschef Martin Winterkorn in einem Gespräch mit der "Welt am Sonntag". Das Unternehmen könne dann Wechselkursschwankungen zwischen Euro und Dollar besser in den Griff bekommen. Außerdem würde Audi dann "als lokale Marke gelten, was sogar wichtiger ist", sagte Winterkorn.


Der Ingolstädter Autohersteller, eine Tochter des Volkswagen-Konzerns, hatte entsprechende Pläne bereits vor längerer Zeit durchgerechnet, zunächst aber zurückgestellt. Jetzt wird das Vorhaben mit Nachdruck geprüft, weil einige wichtige Produktionsentscheidungen anstehen. In den kommenden beiden Jahren will das Unternehmen gleich mehrere neue Fahrzeuge auf den Markt bringen. Einige der neuen Modelle werden wahrscheinlich nicht in Deutschland gebaut. Favorit für die Fabrikation ist neben Produktionsstätten in Osteuropa auch das VW-Werk in der mexikanischen Stadt Puebla, wo es freie Kapazitäten gibt.


Mit dieser Entscheidung würde der Auto-Standort Deutschland einen weiteren Rückschlag erleiden. Hohe Lohnkosten, kurze Arbeitszeiten und die ungebrochene Macht der Gewerkschaften zwingen viele Vorstände dazu, immer größere Teile ihrer Produktion ins Ausland zu verlagern.


"Der Trend geht ganz klar ins Ausland", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Wegen üppiger Sozialleistungen sei Deutschland das teuerste Produktionsland der Welt. Auch Kurt Hornschild vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) befürchtet einen ähnlichen Trend. "Wenn die Branche weiter unter Druck kommt, weichen die Hersteller auf Niedriglohnländer wie Spanien, Portugal oder Tschechien aus", sagte Hornschild.


Eine interne Kalkulationsgrundlage des Volkswagen-Konzerns bestätigt das. In Wolfsburg kostet ein Produktionsmitarbeiter rund 52 Euro pro Stunde, in der Slowakei sieben Euro. "Tatsache ist, dass die Kostendifferenz zu ausländischen Standorten bis zu 80 Prozent beträgt", sagt VW-Personalvorstand Peter Hartz.


"Vor allem die starre Haltung der Gewerkschaften ist schuld daran", sagt Dudenhöffer. Aus Angst vor einem Flächenbrand wehren sich die Arbeitnehmervertreter, auf den härter werdenden Wettbewerb mit flexibleren Tarifverträgen zu reagieren. Dudenhöffer: "Der Streik bei Daimler-Chrysler und die Streitigkeiten im Vorfeld der Tarifverhandlungen bei VW zeigen, wie hartnäckig die Gewerkschaften sind."


Im Juli reagierten die Beschäftigten von Daimler-Chrysler mit Streik auf ein Kostensenkungsprogramm des Unternehmens in Millionenhöhe. Vergangene Woche zeichneten sich ähnlich massive Widerstände ab für die am 15. September beginnenden Verhandlungen um den VW-Haustarif und Tarifverhandlungen bei Opel.


Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, fordern VW und Opel Nullrunden und unbezahlte Mehrarbeit. Opel plant die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Volkswagen will die Arbeitskosten für die 103 000 Beschäftigten der sechs westdeutschen Werke bis zum Jahr 2011 um 30 Prozent senken. Die Arbeitszeit soll von 28,8 auf mehr als 30 Stunden ohne Lohnausgleich ausgedehnt und Überstundenzuschläge sollen erst ab der vierzigsten Stunde bezahlt werden. Jüngere sollen länger arbeiten, Ältere früher in Rente gehen. Der Verdienst der VW-Mitarbeiter liegt um rund 20 Prozent über dem IG-Metall-Tarif.
Die wirtschaftliche Lage für die Autohersteller ist denkbar schlecht, denn die Konjunktur schwächelt, und Autofahrer halten sich mit dem Kauf eines Neuwagens immer länger zurück. Im Juli wurden in Deutschland 7,1 Prozent weniger Autos zugelassen als im Vorjahresmonat. Eine Besserung der Zahlen im August ist nach Einschätzung des Branchenverbandes VDA nicht in Sicht. VDA-Präsident Bernd Gottschalk fordert die Gewerkschaften deswegen zum Einlenken auf. "Die Dringlichkeit für neue Verhandlungspakete ist umso größer, als der PKW-Markt auch im August noch keinen Lichtblick zeigt", sagte Gottschalk der "Welt am Sonntag". Nach seiner Einschätzung halten sich die Konsumenten mit Käufen weiter zurück. Darauf müssten die Konzerne reagieren.


Bei den Unternehmen geschieht genau das. Nach aktuellen Studien des DIW nimmt der Anteil der Leistungen, die beim Bau eines Autos noch im Inland erbracht werden, ständig ab. Im Jahr 1995 lag die inländische Wertschöpfung noch bei 30 Prozent, im laufenden Jahr rutschte sie unter 20 Prozent.


Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der Automobilverband. Die Importquote stieg im laufenden Jahr auf gut 23 Prozent. Vor drei Jahren lag der Wert bei 18,6 Prozent. Jedes vierte hier verkaufte Fahrzeug deutscher Hersteller rollt im Ausland vom Band. Rechnet man den Anteil der ausländischen Autobauer hinzu, ist knapp jedes zweite hier verkaufte Auto nicht mehr "Made in Germany".


Auch der für 2006 geplante Kompaktgeländewagen, der bei VW unter der Bezeichnung "A-SUV" läuft, wird vielleicht im Ausland produziert. Um den Auftrag wird sich auch das Stammwerk Wolfsburg bewerben. Doch Favorit könnte Bratislava sein. Bei einer geplanten Produktion von 100 000 Autos pro Jahr liegen die Lohnkosten für die Produktion in Wolfsburg um 140 Millionen Euro höher als in der Slowakei.


Artikel erschienen am 29. August 2004

Gruß
Trader

Audi denkt über Standort Amerika nach SchwarzerLord
SchwarzerLor.:

Autos kaufen keine Autos. o. T.

 
29.08.04 13:12
#2
Audi denkt über Standort Amerika nach jgfreeman

autoindustrie als vorreiter

 
#3
die autoindustrie ist vorreiter im auslagern der wertschöpfung aus deutschland. bald wird nur noch 15% eines "deutschen autos" wirklich in deutschland geschöpft.

gerade deswegen konnte hier neue jobs geschaffen werden.

aktuell beginnt die auslagerung von dienstleistungen, wo deutschland vor allem gegenüber UK/USA boden gutmachen muss.  

http://www.ariva.de/board/202030/...rch_id=jgfreeman&search_full=&661


Grüße,
JG
www.chart-me.de  


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