2003 Bestes Halbjahr seit 1998 für deutsche Aktien

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2003 Bestes Halbjahr seit 1998 für deutsche Aktien

 
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Bestes Halbjahr seit 1998 für deutsche Aktien

30. Juni 2003 Dank einer rasanten Wende im März hat der Deutsche Aktienindex (Dax) das Halbjahr mit einem satten Plus von zwölf Prozent abgeschlossen. Beste Aktie war die Commerzbank mit einem Sprung von 65 Prozent. Zuletzt hat es vor fünf Jahren ein besseres erstes Halbjahr für deutsche Standardaktien gegeben. Damals, 1998, kletterte der Dax um 37 Prozent auf 6.380 Punkte. In den vergangenen drei Jahren hatte es im ersten Halbjahr immer Verluste gegeben.

Auch das Aktienjahr 2003 begann schlecht. Der Konflikt mit dem Irak, der Amerikaner und Briten schließlich zu kriegerischen Mitteln greifen ließ, lastete schwer auf den Aktienmärkten. Bis zum 12. März rutschte der Dax bis auf 2.188 Punkte und lag damit so tief wie zuletzt Anfang 1996. Für dieses Minus von immerhin 24 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn 2003 war vor allem das Münchener Dreigestirn Hypo-Vereinsbank (HVB), Allianz und Münchener Rück verantwortlich, deren Aktienkurse jeweils mehr als 40 Prozent verloren. Die Aktie von Fresenius Medical Care war der einzige Gewinner im Dax in dieser Abschwungphase.

Bankaktien im ausgehenden Frühjahr am besten

Die hohen Kursverluste von Allianz, Münchener Rück und HVB, hatten stark selbstverstärkenden Charakter, da die drei Münchener Unternehmen durch gegenseitige Kapitalbeteiligungen eng miteinander verwoben sind. Die deutlichen Kursgewinne am Anleihemarkt - Händler sprachen von einer Flucht in vermeintlich sichere Anleihen - waren ebenfalls ein Indiz für einen "Ausverkauf" am Aktienmarkt. Aktien wurden verkauft, weil der Abwärtstrend immer steiler wurde, und nicht weil, weil Aktien im Vergleich zu Anleihen überbewertet gewesen wären.

Mit den Nachrichten aus dem Irak, daß die amerikanischen und britischen Truppen dort Erfolge erzielten, kam die Wende am Aktienmarkt. Sie fußte damals offenbar kaum auf positiven Konjunkturerwartungen, vielmehr war der Grund für den Aufschwung, daß Schreckensszenarien wie ein Ölpreis von mehr als 40 Dollar dank eines schnellen offiziellen Kriegsendes im Irak nicht eintraten. In einer ersten rasanten Aufwärtswelle stieg der Dax vom 12. März bis Anfang Mai mehr als 50 Prozent. Am besten schnitten in dieser Phase Bankaktien ab. Gewinne stelten sich aber bei jeder der 30 Dax-Aktien ein.

Unternehmensgewinne rücken ins Blickfeld

Im Mai verschnaufte der Dax nach dem rasanten Aufstieg kurz. Die starke Dollar-Abwertung, die Lungenkrankheit Sars und Deflations-Ängste belasteten. Seit Ende Mai steigt der Dax wieder, beflügelt von Leitzinssenkungen in Amerika und Europa. Die zweite Aufwärtswelle brachte dem Dax bislang einen Zuwachs von 15 Prozent. Bankaktien sind weiterhin Spitze. Automobilaktien rücken ebenfalls vor. Sie könnten künftig Bankaktien als Zugpferde ablösen, spekulieren Börsianer. Im Gegensatz zur ersten Aufwärtswelle steigt nicht mehr der gesamte Markt. Mit Schering, Henkel und Altana weisen vor allem sogenannte defensive Aktien, die sich in der Baisse gut gehalten haben, seit Anfang Mai Verluste auf.

Auch die Anleihekurse setzten seit März 2003 ihre Aufwärtsbewegung fort, was viele Marktbeobachter überraschte. Seit 1998 war der in der Vergangenheit oft beobachtete Gleichklang von Anleihen und Aktienkursen aufgehoben; von 1998 bis 2000 koppelten sich die Aktienkurse von der anderen Anlageklasse ab. Von März 2000 bis März 2003 stiegen die Anleihekurse beflügelt von zahlreichen Leitzinssenkungen, während die Aktienkurse gedrückt durch eine sich immer stärker werdende Vertrauenskrise fielen. Seit März 2003 herrscht wieder Normalität. Nach einem Modell der amerikanischen Notenbank, das Aktien und Anleihen in Beziehung setzt, wären deutsche Aktien bei einer Anleiherendite von derzeit weniger als vier Prozent dann nicht zu teuer, wenn die Kurs-Gewinn-Verhältnisse 2004 kleiner als 25 sein sollten.

Somit rücken nun die Unternehmensgewinne wieder verstärkt in den Blick. Hier wird sich schon von der zweiten Juli-Woche an zeigen, was realistisch ist. Dann beginnen die Unternehmen ihre Halbjahresbilanzen vorzulegen.


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