Zwischen Brexit und Cholera

Donnerstag, 27.10.2016 13:00 von

Ein einwandfrei funktionierender Kapitalmarkt ist unabdingbar für Europa. Die EU verspielt ihre Zukunft, wenn sie keine versöhnliche Lösung mit den Briten findet, warnt Colm Kelleher. Ein Gastbeitrag.

Wenn viel auf dem Spiel steht, wird in offizielle Äußerungen, Dementi und sogar in Stillschweigen viel hineingelesen. Das gilt auch für die britische Ankündigung, dass Grenzkontrollen für ein zukünftiges Verhältnis zur EU unverzichtbar seien, und die europäische Entgegnung, dass die Arbeitnehmerfreizügigkeit die Voraussetzung für einen uneingeschränkten Zugang zum gemeinsamen Markt sei. Plötzlich ist ein „harter“ Brexit – eine abrupte Unterbrechung von offenen Vertriebslinien und des freien Handels bis Anfang 2019 – weit mehr als nur eine theoretische Möglichkeit.

Es ist zwar verlockend, die Gespräche über einen harten Brexit als bloßes Gerede abzutun, aber die Geschichte ist voll von solchen Versuchen, die fehlgeschlagen sind. Es ist daher nicht überraschend, dass der Markt auf diese Rhetorik reagiert hat: Das Pfund ist auf den tiefsten Stand seit Jahrzehnten gefallen.

Nirgends ist die Angst, auf einen Abgrund zuzusteuern, größer als im Finanzsektor. Am Tag eins nach dem Brexit werden alle im Vereinigten Königreich ansässigen Finanzunternehmen – europäische, britische, amerikanische und asiatische – den „Europäischen Pass“ verlieren, der es ihnen ermöglicht, das von den britschen Aufsichtsbehörden genehmigte Geschäft auf dem europäischen Kontinent zu betreiben. Um ihren Kunden einen gleichbleibenden Service gewährleisten zu können, müssten sie bürokratische Hürden in Form von teuren Genehmigungen überwinden. Alternativ könnten sie ihren Sitz auch auf den Kontinent verlegen, was aber ebenfalls mit hohen Kosten verbunden wäre, da sich die Infrastruktur für Kapitalmarktdienstleistungen in London befindet.

Funktionierender Kapitalmarkt ist für Europa zentral

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