Zukunft von Kaiser's Tengelmann offen - Keine Einigung in Sicht

Sonntag, 30.10.2016 14:22 von

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Die Zukunft der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann mit ihren 15 000 Beschäftigten bleibt offen. Nach dpa-Informationen sind vor einer Einigung zwischen Rewe, Edeka und Tengelmann weiter hohe Hürden zu überwinden. Es gebe noch keine Einigung zu den Kaiser's-Tengelmann-Filialen in Berlin und Bayern, sagte ein Insider am Sonntag der dpa. Auch zu den Filialen in Nordrhein-Westfalen liegen die Vorstellungen nach diesen Informationen noch weit auseinander.

Zuvor hatte die Zeitung "Bild am Sonntag" berichtet, die Chancen auf eine Einigung seien gestiegen, und Edeka-Chef Markus Mosa und Rewe-Chef Alain Caparros hätten sich weitgehend auf eine Aufteilung der Filialen in Berlin und Bayern verständigt. Demnach erhalte Rewe den Großteil der Läden in der Hauptstadt, Edeka im Gegenzug fast alle Filialen in Bayern. Keine Einigung gebe es hingegen beim Standort Nordrhein-Westfalen. Ein Rewe-Sprecher sagte der dpa am Sonntag zu dem Bericht: "Es gibt keine Einigung."

Die rund 15 000 Beschäftigten der Supermarktkette müssen damit weiter um ihre Arbeitsplätze bangen. Am Donnerstag hatte auch ein zweites Treffen der Chefs von Tengelmann, Edeka und Rewe unter Vermittlung von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) nicht zu einer Einigung geführt. Nach früheren Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums, das bei der Verständigung auf das Schlichtungsverfahren eine wichtige Rolle gespielt hatte, sollen die Gespräche am Montag fortgesetzt werden.

Betriebsräte sehnen derweil einen Durchbruch herbei. "Wir hoffen, dass es am Montag eine Lösung gibt. Wenn es Dienstag wird, bin ich auch nicht traurig, aber allen Beteiligten ist klar, dass die Zeit drängt", sagte der Betriebsratschef von Kaiser's Tengelmann in Nordrhein-Westfalen, Rainer Schroers, der "Wirtschaftswoche". Die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Janetta Jöckertitz sagte dem Magazin: "Solange die Herren miteinander reden, ist eine Einigung möglich."

Am ersten Tag der Verhandlungen war es Schröder in den an einem geheimen Ort stattfindenden Gesprächen gelungen, zumindest etwas Bewegung in die verhärteten Fronten zu bringen. Nach dpa-Informationen wurde das Bundeskartellamt gebeten zu prüfen, welche Kaiser's Tengelmann-Filialen im Großraum Berlin und in Nordrhein-Westfalen Rewe ohne kartellrechtliche Probleme übernehmen könne.

Eine Aufteilung der Kaiser's Tengelmann-Filialen auf Edeka und Rewe war auch bei früheren Verhandlungen schon einmal als Ausweg aus dem Dauerstreit um die Supermarktkette diskutiert worden. Doch konnten sich die verfeindeten Handelskonzerne damals nicht einigen.

Vor Beginn der Gespräche waren die Positionen der beiden Parteien denkbar weit voneinander entfernt. Während Rewe-Chef Caparros öffentlich "einen großen Teil des Filialnetzes" von Kaiser's Tengelmann für sein Unternehmen forderte, favorisierten Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub und Edeka-Chef Mosa eine Komplettübernahme durch Edeka.

Kaiser's Tengelmann beschäftigt heute in gut 400 Filialen in München und Oberbayern, im Großraum Berlin und im Rheinland noch rund 15 000 Mitarbeiter. Doch schreibt die Supermarktkette schon seit der Jahrtausendwende rote Zahlen. Miteigentümer Karl-Erivan Haub hatte deshalb vor zwei Jahren beschlossen, das Unternehmen Edeka zu verkaufen./kf/rea/DP/he