Wie Erotikhändler Sextoys als Lifestyle bewerben

Montag, 10.10.2016 11:00 von

Dunkle Videokabinen im Bahnhofsviertel? Oder verschämte Begriffe wie „Ehehygiene“? Das liegt alles in der Vergangenheit. Erotikhändler werben heute offensiv für Sextoys. Und zunehmend zielen sie auf Frauen ab.

Hier steckt der Sex in Pappkartons. Dildos, Vibratoren und Dessous rollen verpackt über Fließbänder aus dem Laster ins Hochregallager, um später in diskreten Päckchen verschickt zu werden. Kunden des Flensburger Versandhauses Orion wissen, dass von außen nichts auf den Inhalt der Schachtel hinweist. Noch nicht mal eine Postleitzahl aus Flensburg, die – gerade wegen Beate Uhse – wie keine andere deutsche Stadt für den Erotikartikel steht. Und doch: Die einst verruchten Spielzeuge für Erwachsene werden immer öffentlicher.

„Wie liebst Du diesen Sommer?“, „Es rappelt im Karton“ oder „Und wann kommst Du?“ lauten einige der Slogans, mit denen Händler mittlerweile im Fernsehen werben. Ob tanzende Dildos in Comic-Optik im TV oder das 2015 im Berliner Nahverkehr großflächig plakatierte Versprechen „Multiple Orgasmen für 79,90 Euro“: Sextoy-Werbung wird präsenter. Und sie richtet sich immer öfter an Frauen. Der Onlineshop eis.de bezeichnet Frauen inzwischen als „Premium-Zielgruppe“.

Angefangen habe es mit „Sex and the City“ und „Fifty Shades of Grey“, erzählt Lea-Sophie Cramer. „Plötzlich wurde es gesellschaftsfähig, dass Frauen ihr Interesse an Sexualität bekunden“, sagt die 29-Jährige, die daraufhin mit Geschäftspartner Sebastian Pollok die Onlineplattform amorelie.de gründete.

Dort verkaufen sie vor allem Sextoys in knalligen Bonbon-Farben. Die beiden wollen raus aus der Schmuddelecke. „Ich glaube, dass das female empowerment, dass Frauen sich beruflich und privat ausleben können, dass sie gleichberechtigt sind, auch Einfluss auf das Wachstum der Branche hat.“ Cramers Unternehmen veranstaltet auch Toyparties, wie der Schüssel-Hersteller Tupper.

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