„Wie bei Snapchat und Instagram“

Dienstag, 29.11.2016 19:00 von

Florian Illies, künftiger Leiter des Auktionshauses Grisebach, über die Antiquiertheit von Ziegen in Operettenlandschaften und den Triumph der Skizze, des Fragments über das fertige Bild.

Die Villa Grisebach, Fasanenstraße, Berlin-Charlottenburg, Ende des 19. Jahrhunderts erbaut, seit 1986 Sitz des Auktionshauses Grisebach. An den Wänden des Foyers zeitgenössische Kunst für die Jubiläumsauktion vom 30. November bis 3. Dezember, zwei informelle Großformate von Fred Thieler, ein mächtiges Nagelbild von Günther Uecker. Dann geht es das Treppenhaus hinauf. Florian Illies, 45, seit fünf Jahren zuständig für das 19. Jahrhundert und vom kommenden Jahr an Leiter des Auktionshauses, empfängt in seinem Büro im ersten Stock.

An der Wand hinter dem Schreibtisch moderne Klarheit, eine Serie von Günther-Förg-Lithographien, auf einem Holzständer ein typischer Raimund Girke, verstreut im ganzen Zimmer aber zwei, drei Dutzend Zeichnungen, Studien und Öl-Skizzen aus dem 19. Jahrhundert. Das sei keine heimelige, schon gar keine deutsch-innerliche Malerei, hebt Illies an, geht zum Schreibtisch und löst ein Aquarell aus der Hülle…

WirtschaftsWoche: Was ist das für ein Blatt? Adolf Menzel? Florian Illies: Eine Studie für sein „Flötenkonzert“, eines der ganz großen Bilder des 19. Jahrhunderts. Es ist die Skizze eines Kronenleuchters. Sehen Sie diese Pinselabstreifung? Da hat Menzel seine Farben ausprobiert. Es ging ihm darum, das kalte und warme Licht zu malen. Hier, links unten, mischt er sich die Farben an. Für so etwas hat sich früher niemand interessiert. Das war unverkäuflich, galt als bloßes Arbeitsmaterial, als Vorstufe zum Werk. Heute ist es umgekehrt: Gerade die Studien wecken das Käufer-Interesse. Das Blatt wird auf 120.000 bis 140.000 Euro geschätzt. Und für die fertigen Bilder will kaum jemand haben?

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