Wichtige Bundesanleihe bringt wieder Zinsen

Freitag, 09.09.2016 17:40 von

Trendumkehr am Anleihemarkt: Erstmals seit dem britischen Brexit-Referendum bringt die wichtigste deutsche Staatsanleihe wieder Zinsen. Investoren verlieren den Glauben an eine noch lockerere Geldpolitik.

Am Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank auf Abwarten gespielt. Das Anleihekaufprogramm in Höhe von 1,7 Billionen Euro weitete der EZB-Rat nicht aus, selbst eine zeitliche Streckung über das bisherige Ablaufdatum im März 2017 sei nicht einmal diskutiert worden, hatte EZB-Präsident Mario Draghi gesagt.

Die Zurückhaltung schlägt auch am Freitag noch an den Märkten durch. Vor allem bei Staatsanleihen gibt es heftige Bewegungen und ein besonders wichtiges Wertpapier gibt die Richtung vor. Investoren trennten sich von der 10-jährigen Bundesanleihe, ihr Kurs notierte am Freitagnachmittag zwischenzeitlich bei 99,794 Prozent.

Im Umkehrschluss bedeutete das eine jährliche Rendite für Anleger von plus 0,021 Prozent, wenn sie jetzt die Staatsanleihen erwerben. Zum letzten Mal hatte die für viele andere Wertpapiere als Vergleichsmaßstab dienende Staatsanleihe am Tag des Brexit-Votums eine positive Rendite gebracht.

Der Kursrutsch und Renditesprung kurz vor dem Wochenende zeigt, dass eine weitere Lockerung der Geldpolitik als unwahrscheinlicher wahrgenommen wird. Bislang hatten Investoren sich mit negativen Renditen vor allem deswegen zufrieden gegeben, weil sie erwarteten, dass es noch weitere Kurssteigerungen geben würde - und sie die Papiere dann mit Gewinn verkaufen könnten.

Unter anderem hatte ein Research-Bericht der Deutschen Bank neuen Pessimismus bei Anleiheinvestoren ausgelöst. Die Händler wiesen darauf hin, dass schwaches Wachstum, steigende Inflation und stagnierende Produktivitätswerte auf lange Sicht erhalten bleiben dürften. 30-jährige Staatsanleihen aus Deutschland zogen sogar noch stärker an um mehr als 0,1 Prozentpunkte auf eine jährliche Rendite von 0,62 Prozent.

Überraschung über das Nichtstun

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