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Weiteres Wachstum erfordert bessere Koordination zwischen Geld- und Fiskalpolitik

Freitag, 25.11.2016 11:24 von

London (GodmodeTrader.de) - Die großen Industrie- und Schwellenländer sollten mit Steuersenkungen und weiteren, eng damit abgestimmten politischen Maßnahmen das Wachstum in ihren Volkswirtschaften ankurbeln, anstatt allein auf eine ultralockere Geldpolitik zu setzen. Zu dieser Einschätzung kommt Magdalena Polan, Ökonomin beim britischen Vermögensverwalter Legal & General Investment Management (LGIM), in ihrer aktuellen makroökonomischen Analyse.

„Trotz der außergewöhnlichen und immer wieder verlängerten geldpolitischen Maßnahmen in den Jahren nach der Finanzkrise ist das globale Wachstum weiterhin zu niedrig und die Inflation bewegt sich nur knapp über den historischen Tiefs“, stellt Polan fest. Einen dämpfenden Effekt auf Wachstum und die Wirtschaftserwartungen hat ihrer Einschätzung zufolge unter anderem die straffe Fiskalpolitik, die viele Länder seit der Finanzkrise verfolgen. „Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die ökonomischen Auswirkungen einer staatlichen Austeritätspolitik deutlich negativer sind, wenn das Wachstum bereits schwach ist“, so die LGIM-Expertin. „Dass viele Länder die Zügel in ihrer Fiskalpolitik kurz nach der Rezession in der Weltwirtschaft angezogen haben, hat also die Phase des sich verlangsamenden Wachstums nur noch verlängert – vor allem in der Eurozone.“

Immer häufiger würden daher Rufe nach einer Lockerung der Fiskalpolitik laut, um das Wachstum direkt zu unterstützen und die Wirksamkeit geldpolitischer Maßnahmen zu verbessern. Vor allen in einigen Schwellenländern finde in diesem Zusammenhang ein fiskalisches Umdenken statt. „Sowohl die ökonomische Theorie als auch empirische Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass ein steuerlicher Impuls und eine gleichzeitig eng darauf abgestimmte Politik besonders wirksam ist“, sagt Polan. Ihr zufolge könnte durch eine fiskalische Lockerung auf direktem Wege und in kurzer Zeit der volkswirtschaftlichen Produktion Aufrieb verliehen werden, da dadurch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage steigt. Dagegen ließen sich die Auswirkungen geldpolitischer Maßnahmen kaum abschätzen, auch weil sie indirekt wirkten, indem die politisch Verantwortlichen den „Preis“ des Geldes drückten und so hofften, Konsum und Investitionen zu stimulieren. „Die Regierung geht allerdings bei einer breiten Steuersenkung und beziehungsweise oder höheren Transferzahlungen das Risiko ein, dass die privaten Haushalte das vom Staat zusätzlich generierte Einkommen ganz einfach sparen statt es auszugeben. Das gilt vor allem dann, wenn sie davon ausgehen, dass die Steuererleichterungen nur temporärer Natur sind.“

Mit einer entsprechend ausgerichteten Fiskalpolitik sei es jedoch durchaus auch möglich, das Wachstum dauerhaft anzukurbeln – etwa durch gezielte staatliche Investitionen in den Häuserbau, den Logistiksektor und Bereichen, in denen Einsparungen erzielt werden könnten, wie etwa regenerative Energien und effizientere Energie- und Umwelttechniken. „Untersuchungen des Internationalen Währungsfonds lassen vermuten, dass durchdachte Infrastrukturinvestitionen besonders gut geeignet sind, das Wachstum sowohl kurz- als auch sehr langfristig zu erhöhen“, weiß Polan. „Denn durch solche Projekte werden auch private Investitionen mobilisiert.“

Allerdings nützt eine fiskalische Lockerung ihrer Meinung nach nicht allen Volkswirtschaften: „Länder mit schwachen Institutionen werden auf diese Weise kaum einen Wachstumsimpuls generieren. Mitunter mangelt es auch am nötigen fiskalischen Spielraum, damit die Regierung überhaupt eine Lockerung vornehmen kann“, schränkt die LGIM-Expertin ein. „Und viele Länder, die unter den Auswirkungen der Finanzkrise besonders zu leiden haben, haben ihre Verschuldung in vergleichsweise kurzer Zeit hochgefahren. Sie besitzen daher kaum noch Spielraum, um weitere Kredite aufzunehmen, ohne nicht erneut Sorgen hinsichtlich ihrer nachhaltigen Schuldentragfähigkeit und Solvenz zu schüren. Das gilt auch für eine Reihe von Emerging Markets, die von sinkenden Rohstoffpreisen und einem schwächeren Welthandel betroffen sind.“