Versicherer attackieren Geldpolitik

Donnerstag, 08.09.2016 10:20 von

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft wettert gegen die EZB. Es gebe „erhebliche Verzerrungen an den Finanzmärkten.“ Der Zeitpunkt dürfte kein Zufall sein: Die Notenbank hat heute Ratssitzung.

Es ist eine Mahnung, deren Zeitpunkt sorgsam gewählt ist. Unmittelbar vor der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag hat sich die Versicherungsbranche in ungewöhnlich scharfen Worten gegen die Zinspolitik der Notenbank gewandt.

„Wir warnen die EZB eindringlich davor, das Anleihekaufprogramm noch weiter in die Höhe zu treiben“, warnte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, Alexander Erdland, in Berlin. Die Zinspolitik der EZB bereite der Versicherungslobby „Kopfzerbrechen“. „Wir sehen erhebliche Verzerrungen an den Finanzmärkten.“ Die Preise vieler Vermögenswerte entfernten sich mehr und mehr von der Realwirtschaft.

Es ist ein Aufschrei, mit dem Erdland nicht allein steht. Bereits vor einigen Monaten hatte auch Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard erklärt, die Politik habe in den weltweiten Krisen „versagt“ und auch die Geldpolitik der EZB mit ihrem Präsidenten Mario Draghi sei nach der Senkung der Leitzinsen auf Null am Ende.

Der Widerstand in der sonst vergleichsweise stillen Assekuranz-Branche gegen die Niedrigzins-Politik der Notenbank gewinnt damit an neuer Schärfe. Es sei höchste Zeit, „dass die EZB den Ausstieg aus ihrer Geldpolitik vorbereitet“, mahnte Erdland nun in Berlin und berief sich dabei auch auf Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. „Ich darf hier an den Bundesfinanzminister erinnern, der zur Eröffnung der Haushaltsdebatte, eine besorgniserregend hohe Liquidität durch die Geldpolitik der großen Zentralbanken beklagt habe.“

Die Verbalattacke der Branche kommt nicht von ungefähr. Wie kaum eine andere Branche leiden die Versicherer unter der Niedrigzins-Politik, die die Renditeversprechen vieler Lebensversicherungen aus früheren Jahren vor ungewöhnliche Hürden stellt. Denn mit konservativen Anlageformen wie Staatspapieren und Anleihen lassen sich kaum mehr größere Zinsgewinne erzielen.

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