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Verbände fordern mehr Investitionen in Grünflächen in Deutschland

Sonntag, 11.09.2016 14:20 von

BERLIN (dpa-AFX) - Landschaftsgärtner fordern mehr Investitionen in Grünflächen und Parks in Deutschland. So beklagt der Bund Deutscher Baumschulen (BDB) einen "grünen Investitionsstau". Allein in Berlin fehlten Zehntausende Bäume, teilte Hauptgeschäftsführer Markus Guhl mit. "Viele Kommunen haben das Problem gar nicht auf dem Schirm", sagte Andreas Stump vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau der Deutschen Presse-Agentur.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) wies die Kritik zurück. "Wir sehen da keinen bundesweiten Trend", meinte Vize-Sprecher Alexander Handschuh.

"Das Personal in Grünflächenämtern wird reduziert oder gleich gestrichen", nannte dagegen Stump als Beispiel. "Oft ist das eine Finanzfrage." So müssten sich klamme Kommunen häufig entscheiden, ob sie Geld in Kindertagesstätten oder in Straßenbäume investieren.

"Umso wichtiger ist es, dass vorhandene Grünflächen gepflegt sind, die dürfen wir nicht sich selber überlassen", sagte Stump. Bäume werden nach Ansicht von Experten immer häufiger Opfer von Stürmen oder Krankheiten. Zudem werden auch immer wieder Bäume gefällt, weil sie nach Ansicht der Behörden die Verkehrssicherheit gefährden, kritisiert die Umweltschutzorganisation BUND. Von diesem Mittwoch (14. September) an trifft sich die Branche in Nürnberg zur dreitägigen Fachmesse GaLaBau.

Kritik kommt auch aus dem Handel. Noch vor 15 Jahren sei etwa das Doppelte der heutigen Summen in das sogenannte Straßenbegleitgrün und dessen Pflege investiert worden, sagte Stefan Lorberg von der Baumschule Lorberg, einer der größten in Deutschland. Zugleich beklagte er: "Die Wertschätzung ist zurückgegangen. Wir sehen mit einem weinenden Auge, dass auch die Pflege der Pflanzungen nicht mehr ausreichend überwacht wird, dass also Unkraut zum Teil höher steht als die Pflanzen. Das sehe ich in ausländischen Städten nicht so."

Der kommunale Spitzenverband räumte Finanzierungsprobleme in manchen Gemeinden ein. Das treffe aber nicht nur Grünflächen, sondern auch Schulen und andere Einrichtungen, betonte DStGB-Mann Handschuh. "In vielen Kommunen ist der Kuchen nicht besonders groß."

Zugleich loben die Verbände, dass einige Kommunen den Schutz ihrer Grünflächen zuletzt vorangetrieben hätten - etwa die Stadtbaum-Kampagne in Berlin sowie Baumpflanzaktionen in Hamburg oder Düsseldorf. "Wir stellen erfreut fest, dass die Politik neuerdings lebenswerte wachsende Städte mit qualitativ hochwertigen Grünanlagen verbindet. Dies trifft im übrigen auch das weit verbreitete Empfinden der Bürger, die von ihren "grünen Wohnzimmern" vor der eigenen Haustür - Parks, Plätze und Alleen - eine hohe Aufenthaltsqualität erwarten", meinte BDB-Hauptgeschäftsführer Guhl.

Auch der DStGB betonte, es gebe vielerorts eine "ausdrückliche Bewegung" zum Schutz der Bäume und zur Pflege der Grünflächen, um die Qualität für die Bürger zu erhöhen. Themen wie Klimaschneisen spielten zudem in der Stadtentwicklung eine immer größere Rolle. Experten betonen, dass Grünflächen besonders wichtig seien, um die Auswirkungen des Klimawandels wie Starkregen oder Hitze-Inseln besonders in Großstädten abzumildern./bvi/DP/fbr