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US-WAHL/ROUNDUP: Nervenzehrender Wahlabend - Clinton und Trump Kopf an Kopf

Mittwoch, 09.11.2016 03:22 von

WASHINGTON (dpa-AFX) - Hochspannung in den Vereinigten Staaten: An einem historischen Wahlabend naht die Entscheidung über den 45. Präsidenten der USA. Das Stimmungsbarometer in beiden Wahlkampflagern schlug schon früh am Abend mehrfach in verschiedene Richtungen aus.

Nach ersten Auszählungsergebnissen herrschte im Lager der Demokratin Hillary Clinton verhaltener Optimismus - sie könnte als erste Frau in der Geschichte der USA die Macht im Weißen Haus übernehmen.

KEIN UMSCHWUNG IM REPRÄSENTANTENHAUS

Die 69 Jahre alte Demokratin Clinton hatte zwar anfangs - ebenso wie ihr republikanischer Kontrahent Donald Trump - nur die Bundesstaaten gewinnen können, in denen sie ohnehin klar als Siegerin gehandelt worden war. Doch ihre frühe Performance in wichtigen "Swing States" - wie Pennsylvania und North Carolina - machte im Lager der Demokraten Mut.

Enttäuschend für Clinton: Einen Umschwung im von den Republikanern dominierten Repräsentantenhaus gelang ihr nicht. Die Demokraten verfehlten dieses Ziel klar. Noch schlimmer: Auch im Senat, auf den sich die Demokraten große Hoffnungen gemacht hatten, sah es zunächst nicht nach einem demokratischen Sieg aus. Im Falle eines Wahlsieges könnte es Clinton bevorstehen, gegen eine Mehrheit in beiden Parlamentskammern regieren zu müssen.

FLORIDA IM BLICK

Im Hauptquartier von Donald Trump herrschte zunächst dennoch keine gute Stimmung. Der US-Sender CNN zitierte einen hochrangigen Trump-Berater mit den Worten: "Wir brauchen ein Wunder, um zu gewinnen."

Das Rennen fokussierte sich im frühen Auszählungsverlauf erwartungsgemäß auf Florida, wo mit 29 Wahlleuten ein großer Preis zu vergeben war. Dort lieferten sich Trump und Clinton ein nervenzehrendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Nach mehr als 90 Prozent der ausgezählten Stimmen lag Trump knapp in Führung. Clinton lag aussichtsreich auch in den wichtigen "Swing States" New Hampshire und North Carolina.

FINANZMÄRKTE WERDEN ÄNGSTLICH

Clinton führte nach 22 von den US-Wahlforschern als entschieden deklarierten Bundesstaaten mit 97 zu 84 Wahlleuten. Für den Sieg werden mindestens 270 Wahlleute benötigt. Clinton gewinnt Staaten wie Illinois, Massachussetts, Rhode Island, Vermont und Maryland. Trump hat vor allem in den südlichen Staaten wie Kentucky, Oklahoma, Tennessee und Mississippi die Nase klar vorn.

An den Finanzmärkten spiegelte sich die Entwicklung wieder. Die Kurse von Aktien, Devisen und Rohstoffen schwankten heftig hin und her. Zuletzt griff zunehmend Angst vor einem Wahlsieg Trumps um sich: Aktienkurse gaben deutlich nach, der Dollar (Dollarkurs) verlor spürbar an Wert gegenüber anderen Währungen wie dem Euro und dem Yen. Der mexikanische Peso und die Ölpreise sackten ab.

WAHLMÄNNER

Nach der Wahl werden die Wahlmänner das "Electoral College", das Wahlmännergremium bilden. Sie werden ihre Stimmen für den US-Präsidenten und dessen Vize am 19. Dezember abgeben, der eigentlichen Wahl des Präsidenten.

Die Wahlmänner folgen mit ihren Stimmen in der Regel dem Ergebnis vom Wahltag. Ihre Stimmzettel werden an den Senat geschickt. Am 6. Januar 2017 zählt der Kongress die Wahlmännerstimmen aus, und der Präsident des Senats verkündet offiziell das Ergebnis. Am 20. Januar wird der 45. US-Präsident vereidigt.

Der Wahl am Dienstag in den USA war ein unbeschreiblicher Wahlkampf vorausgegangen, wie ihn die Vereinigten Staaten noch nie erlebt hatten. Der Immobilienunternehmer Trump prägte das Ringen vom Sommer 2015 an mit ungewöhnlichen Vorschlägen wie einem Mauerbau an der Grenze zu Mexiko. Clinton, von Anfang an als Favoritin gehandelt, hatte unerwartet große Schwierigkeiten, zunächst mit ihrem innerparteilichen Widersacher Bernie Sanders, dann mit dem politischen Seiteneinsteiger Trump./dm/DP/he